Articles for the Month of August 2021

Ansichten zur Miniserie Wega Heft 11

Der Bastardprinz – von Ben Calvin Hary
Im Wegasystem hat der Wissenschaftler Kilian Gavril eine Apparatur entwickelt, um den systemumspannenden Schirm der Maccani zu durchbrechen. Ein Beiboot der MARCUS EVERSEN, die Korvette BRAHMAPUTRA, wird damit ausgerüstet. Mit Gillian Wetherby an Bord wird ein erster Versuch gestartet. Der Wellenexzenter wird gegen einige Rotationsemitter der Maccani zum Einsatz gebracht. Tatsächlich gelingt es, mehrere der Satelliten zu zerstören und für einen kurzen Moment sind die Sterne der Milchstraße zu sehen. Doch der Einsatz bleibt nicht unbemerkt. Die Maccani rücken vor und die Terraner müssen fliehen. Kurze Zeit später erscheint die DERFAAR der Blau-Nakken und repariert den angerichteten Schaden. Amildok ist doch noch nicht auf die Seite der Terraner gewechselt wie Rhodan gehofft hatte.
Die Nadelstiche, die von den Terranern gesetzt werden, rufen den Bastardprinz auf den Plan. Krakatau lebt schon länger, als es die Terraner ahnen. Als Gucky in der Vergangenheit auf Tramp mit dem Roboter Siebenbruch im Konflikt war, hat der Ilt ohne es zu ahnen, eine verhängnisvolle Geburtshilfe geleistet. Im Kampf beschädigte er Siebenbruch mit einem Strahlerschuss. Dieses Ereignis ließ die programmtechnischen Blockaden lösen und half dem Bio-Plasma zu eigenständigem Denken. Über die Jahrtausende hat Siebenbruch versucht, auch andere seiner Art zu einer eigenständigen Existenz zu verhelfen und scheiterte. Schließlich wurde er von einem anderen Roboter gefunden und es entstand der Bastardprinz.
 
Ben Calvin Hary liefert die Lebensgeschichte des Bastardprinzen. Krakatau hatte ich gleich zu Beginn der Serie im Verdacht, eher ein Roboter als ein organisches Wesen zu sein. Und dass die Roboter auf Guckys Heimatwelt etwas mit den Maccani gemein haben, hatte sich schon in den auf Tramp spielenden Romanen angedeutet. In der Historie der Figur, die in unzähligen Versuchen einen gleichartigen Gesprächspartner schaffen will, gab es zwei interessante Beschreibungen. Zum einen, dass es Gucky war, der Krakataus Entstehung eingeleitet hat. Zum anderen die Erzählung von Rhodans Landung auf Tramp aus dem Blickwinkel von Siebenbruch. Zwei schöne Ideen. Der „Adoption“ des ehemaligen Roboters durch einen anderen Roboter, dem „Herrn“, war allerdings nicht so dramatisch, wie es der Autor schildert. Natürlich soll die Identität des Herrn noch nicht verraten werden. Aber diese Fixierung auf den 12. Band der Serie ist mir zu übertrieben gestaltet. Wir haben nun also Roboter, die sich hin zu Organischen entwickelt haben. Wie die Geschichte zeigt, sind es hauptsächlich körperliche Veränderungen. Das „Gehirn“ denkt immer noch positronisch. Der, in welchem Umfang auch immer, vorhandenen Bio-Zusatz, scheint vor allem keine Moral entwickelt zu haben. Oder der „Herr“ hat dies in seinem Sinn beeinflusst. Es wäre interessant, wenn sich herausstellen würde, dass der Herr von Krakatau und den Maccani einen umgekehrten Weg gegangen ist. Ein Organischer, der Moral hatte und sich in einen Roboter verwandelt hat oder verwandelt wurde und nun vom Hass getrieben wird.
Neben den Kapiteln, die sich mit Krakataus Herkunft beschäftigen, füllt der Autor den Roman mit Aktionen rund um eine neue Waffe des Wissenschaftlers. Die Terraner schaffen zwar keinen Durchbruch aber immerhin den Abzug der Unterstützer der Maccani. Die geschilderten Raumkämpfe erinnern in Stil und Ausführung an Romane der Serie aus der Frühzeit. Wenig plausibel und eindeutig der Dramaturgie untergeordnet. Hin und wieder verliert der Autor den Überblick. Beispielsweise beim Manöver von Krakataus Schiff, das zunächst 300 Millionen Kilometer wegfliegt, dann „brutal“ die Richtung wechselt, nur 5 Kilometer von der BRAHMAPUTRA entfernt aus dem Linearraum kommt und 1 Seite später langsam in Schussreichweite gelangt. Aha. Und damit auch die Figuren ein wenig Konflikte austragen können, darf sich Gillian ein wenig mit der Kommandantin der BRAHMAPUTRA kabbeln. Das wirkte arg aufgesetzt. An einer Stelle sehen sich die Maccani auch durch ihr positronisches Denken den Terranern bei den Manövern überlegen. Als hätten die Terraner keine Positroniken, die sie unterstützen.
Schließlich bekommt der Herr des Bastardprinzen noch einen Kurzauftritt. Er hat sein kleines Schreibbüro im Übrigen neben dem von Krakatau. Das ist praktisch, als Krakatau zu ihm läuft und sein Versagen eingesteht. Davor hat der Autor aus reiner Verzweiflung, weil die Figur einfach nicht mehr hergab, Krakatau noch ein paar Gräueltaten verüben lassen. Nun kümmert sich der Herr selbst um die Angelegenheit. Warum nicht gleich so, ist das erste, was mir durch den Kopf ging. Krakatau ist einfach eine furchtbar misslungene Figur in der Miniserie. Ben Calvin Hary geht auch nochmal auf die Szene ein, als Rhodan und Wetherby die Gelegenheit hatten, Krakatau zu einem früheren Zeitpunkt auszuschalten. Rhodans Erklärung, resp. Harys Erklärung dazu ist kraftlos. Aber immerhin hat sich der Autor an der Szene probiert. Andere Gelegenheiten, den Bastardprinz zu späteren Zeitpunkten loszuwerden, werden nicht thematisiert. Dieser Gegenspieler belegt im unglaublich reichhaltigen Rhodan-Kosmos die letzte Position auf der Rangliste der Bösewichte.
Vor seinem Abflug lässt Amildok mal wieder eine Kiste fallen, aus der Bully und Gucky gekrochen kommen. Bereit zum Finale.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3128

Die Sternen-Schem – von Susan Schwartz
Die Kyrikin Gera Vorr lebt zur Zeit der Kriege der Bestien gegen die erste Menschheit. Obwohl die Kyriken nicht zu den Lemurern gehören und auch nicht zum Tamanium, wird ihr kleines Sternenreich dennoch von den Bestien angegriffen. Gera Vorr besitzt wie alle Kyriken die Parafähigkeit eines Idealreflektors. Damit kann sie ihrem jeweiligen Gesprächspartner eine Idealvorstellung eines Partners vorspiegeln und ihn so für sich und ihre Absichten einnehmen. Ihre Fähigkeit ist besonders stark ausgeprägt, doch zunächst muss sie ums Überleben kämpfen, denn das Fluchtschiff, von dem aus sie die Vernichtung ihrer Heimatwelt erleben muss, wird zum Wrack geschossen. An Bord einer beschädigten Rettungskapsel driftet sie durchs All und wird von einem Robotraumschiff der Superintelligenz ES gerettet. Sie erhält eine Ausbildung zur Kastellanin. Ihre Sextadim-Kapsel ist die SKABUKAD. Das Bordgehirn SKA wird ihr wichtigster Verbündeter. Und mit dem Singular-Physiotron erhält sie lebensverlängernde Zellduschen. Doch die meiste Zeit schläft sie in diesem Physiotron, bis zum Eintreten eines Umstandes, den sie ein Begebnis nennt, um zum Schutz der Mächtigkeitsballung tätig zu werden.
Kurz vor dem Eintreten der Schwarm-Krise wird die Kastellanin von SKA geweckt. Sie ist die einzige der Kastellane, die wach ist und ein Begebnis scheint ebenfalls nicht eingetreten zu sein. Sie erfährt, dass inzwischen Terraner eine starke Machtposition in der Galaxis innehaben. Gemäß diverser Weisungen, die ihr auferlegt wurden, darf sie keinen Kontakt zu Perry Rhodan aufnehmen, obwohl dieser ebenfalls ein Unsterblicher ist. Sie zieht durch die Milchstraße, um sich etwas Ablenkung zu verschaffen. Gleichzeitig lässt sie prüfen, ob eine Fehlfunktion vorliegt, da kein Begebnis eingetreten ist. Zur Zerstreuung nimmt sie vier Männer von einer Raumstation mit an Bord. Als der Schwarm eintrifft und die Verdummung schlagartig einsetzt, ist dies beinahe ihr Verderbnis. Die Männer bringen sich gegenseitig um und beschädigen auch die SKABUKAD schwer. Auch Gera Vorr wird schwer verletzt. Mit letzter Kraft kann einer der Männer, der ihr nahesteht, sie dennoch zum Physiotron schleppen und sie hineinlegen, bevor er stirbt. Die SKABUKAD macht eine Notlandung auf dem Mond Gatschem. Der umkreist als einer von zwei Monden den Planeten Schemramir im Schemkusystem, fast 40.000 Lichtjahre vom Solsystem entfernt.
Die SKABUKAD wird von Raumfahrern der Schemramen entdeckt. Die Nachfahren der Lemurer besitzen eine primitive Technologie. Sie haben sich aufgrund der Geschehnisse aus den Bestienkriegen gegen eine Weiterentwicklung der Technologie entschieden. Die Loge der Gruftwächter beschützt die geborgene Kastellanin in ihrem Physiotron. 2000 Jahre später erwacht sie und kann die Gruftwächter dank ihrer Fähigkeit dazu bewegen, sie zur SKABUKAD zu bringen. Das Schiff ist inzwischen repariert. Neben dem neuen Begebnis, von der Gera Vorr noch nicht weiß, was es ist, hat SKA vor 17 Jahren einen Impuls der Yodoren empfangen. Die gelten als ein kosmischer Bautrupp der Kosmokraten. Irgendwas in der Eastside wird erstellt. Doch darum kann sich Gera Vorr noch nicht kümmern. Sie bricht ins Solsystem auf.
 
Susan Schwartz bringt mit Gera Vorr eine weitere Kastellanin ins Spiel. Fehlen noch zwei, denn vier sind schon im Solsystem. Die Idee dieser hier erzählten Geschichte ist nicht neu. Raumfahrer brechen zu einem Mond ihrer Heimatwelt auf und finden dort ein havariertes Schiff. Die einzige Insassin wird geborgen. Es bildet sich ein Geheimkult um die schlafende Außerirdische. Die Sternen-Schem, wie sie genannt wird, wird von einer Gruppe Auserwählter über die Jahrhunderte bewacht.
Der Roman beschreitet bekannte Pfade. Das muss kein Nachteil sein. Die Idee war gut, die Umsetzung ließ jedoch die Finessen für mich vermissen, die den Roman der Vorwoche noch auszeichneten. Der Kastellanin wurden keine Knüppel zwischen die Beine geworfen. Die Geschichte war mir an entscheidenden Stellen etwas zu glatt. Und auch das Tempo passte nicht.
Als die Schemramen die SKABUKAD entdecken und sich auf die Hilferufe von SKA einlassen, geht es in dem Roman plötzlich hopplahopp voran. Zwei Seiten weiter ist der Orden der Gruftwächter installiert, dann erwacht die Kastellanin und dank ihrer Fähigkeit ist sie schwupps auf ihrem Schiff. Dazwischen wird noch der Hintergrund der Kyrikin beleuchtet. Der erinnerte ein wenig an eine andere Rekrutierung des Kastellans Kokuloón, wenngleich mit anderen Vorzeichen.
Die Geschichte wäre m.E. interessanter geworden, wenn die Geschehnisse um das Erwachen der Sternen-Schem mit dem Kosmokraten-Bautrupp verknüpft worden wäre. So wirkt auch dieser Einsprengsel am Romanende etwas deplatziert.
Wie auch die anderen Kastellane, die zuvor eingeführt wurden, verbreitet Gera Vorr kein Flair. Der Figur wird keine Geschichte gegeben. Außer der, dass sie rekrutiert wurde. Aber wir erleben sie nicht im „Einsatz“ für die Mächtigkeitsballung. Inzwischen interessiert mich auch das „Begebnis“ eher weniger. Interessanter dürfte sein, warum die Autoren diese Figuren, diese Gruppe der Kastellane, so ausgestalten, wie es gerade geschieht. Da sind also eine Handvoll Galaktiker schon lange vor Perry und Co. mit der Unsterblichkeit gesegnet worden, um eine Eingreiftruppe zu bilden. Ich denke, es macht keinen Sinn, jetzt plötzlich Bedrohungen aus dem Hut zu zaubern, die von den Kastellanen irgendwann und irgendwo angegangen wurden. Eher würde ich die Frage thematisiert sehen wollen, warum vor dreieinhalb Jahrtausenden andere Unsterbliche eingesetzt wurden. ES hat Zellaktivatoren verteilt und Perry und Atlan (schon früher) bekamen ihre speziellen ZA. Die Superintelligenz hat also zwei „Eingreiftruppen“ parallel im Einsatz. Wären die Kastellane nur für ein ganz spezielles Ereignis aufgestellt worden, das ES vorausgesehen hat, könnte man das verstehen. Aber es gab diverse „Begebnisse“ für die Kastellane. Es stellt sich die Frage, ob die Kastellane noch im Sinne von ES wirken?