Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3129

Der Ruf der Siebenschläfer – von Leo Lukas
Inzwischen sind fünf Kastellane mit ihren Sextadim-Kapseln im Solsystem. Alschoran hat Reginald Bull ein Ultimatum gestellt. Er will, dass der Resident zurücktritt. Die Verantwortlichen, allen voran der Resident selbst, tun sich schwer mit der Forderung. Bull hat allerdings Vorkehrungen getroffen, die Macht auf seinen Stellvertreter zu übertragen. Und zwar dann, wenn seine Freunde und eine ausgeklügelte Überwachung Anzeichen einer Einflussnahme von außen zeigen. Denn der Sternenruf wird immer drängender.
Bulls Freunde suchen aber noch nach einem anderen Weg. Sichu Dorksteiger will die Kastellelane zur Venus locken. Dort wurden Jahre zuvor Artefakte der Ganjasen entdeckt. Alschoran ist Ase und ein Pedotransferer. Rhodans Adjutant Antonu May und Icho Tolot sind an der Umsetzung beteiligt.
Jovial rücken die Kastellane mit ein paar Informationen raus. Schließlich wird ihnen gestattet, sich im Trivid an die Bevölkerung der Liga zu wenden. Alschoran nutzt seine Chance, wie die Umfragewerte danach zeigen. Inzwischen sind die fünf Sextadim-Kapseln im Orbit um Terra. Als sie sich dem Uranus zuwenden, wo die Überläufer des Chaoporters untergebracht sind, steht Bull vor einer schweren Entscheidung.
 
Wie schon bei allen anderen Romanen um diese Eingreiftruppe ist auch diese Geschichte schwer greifbar. Die Einsortierung der Geschehnisse fällt mir schwer. Es gibt im Grunde genommen keine Fakten, die klar auf dem Tisch liegen. Zum wiederholten Male füllt man einen Roman mit dem Anspruch ein paar weniger, die glauben, die Macht gepachtet zu haben. Das wäre eigentlich ganz amüsant, denn Rhodan und seine Freunde treten ebenfalls mit diesem Selbstverständnis auf. Allerdings haben sie sich das Vertrauen durch Taten auch verdient. Und nun treten ein paar Möchtegern-Unsterbliche auf, die die Dinge selber regeln wollen. Aber diese naiven Beschreibungen in den Romanen zu diesem Thema rufen eher Unwillen als Interesse bei mir hervor. Sind die Geschichten einfach nur ungeschickt geschrieben? Oder will man mit dieser Vorgehensweise, die von den Kastellanen an den Tag gelegt wird, tatsächlich etwas erreichen? Fällt das Thema am Ende in die Rubrik „Guckys Tod“ und einer in den sozialen Medien verbreiteten Nachricht der Redaktion? „Tut uns leid, wir dachten, ihr Leser würdet es auf Anhieb begreifen, aber wir haben uns geirrt und schicken die Kastellane wieder schlafen.“
Zurück zu diesem Roman von Leo Lukas. Der Österreicher tut mal wieder das, was in ähnlich gelagerten Fällen zum Standard-Repertoire eines Rhodan-Autors gehört. Er lässt die Helden schlecht aussehen. Reginald Bull wirkt inzwischen tatsächlich beeinflusst. Zumindest indisponiert. Ansonsten darf er bei Leo Lukas hin und wieder grummeln. Die Auseinandersetzung mit den Kastellanen wird in den sozialen Medien des 21. Jahrhunderts NGZ geführt. Die Regierung ist still, kein Minister meldet sich, kein Regierungssprecher gibt ein Statement ab, kein Expertenrat macht Empfehlungen, keine hervorgehobene Figur des öffentlichen Lebens mischt sich ein, kein anderes Organ der Gewaltenteilung tritt in Erscheinung. Stattdessen sind es die kleinen Figuren, die der Liga Beistand leisten oder sich auf die Seite der Kastellane schlagen.
Zum Standard-Repertoire eines Rhodan-Autors gehört natürlich auch, in so wichtigen Romanen die entscheidenden Fragen nicht zu stellen. Bspw. die nach dem Zeitpunkt des Begebnisses, wonach angeblich die Kastellane erweckt wurden. FENERIKS Havarie liegt schon ein Jahrzehnt zurück. Wenn dies denn das Begebnis sein soll. Die Kastellane führen an, dass die Zeit ein entscheidender Faktor sei. Warum schlummern sie dann so lange? Und wer hat sie eigentlich geweckt? Eine nicht unbedeutende Frage ist auch, warum es der Machtenthebung Reginald Bulls bedarf, wenn die Kastellane als Liga-Kommissare eingesetzt werden könnten? Leo Lukas schickt stattdessen die Crème de la Crème auf den Mars, lässt sie wie artige Schüler ein paar unbedeutende Fragen stellen und das war‘s. Bulls Stellvertreter schmiert sich dann noch ein paar Stullen und lauscht, wie die Demokratie, die er doch vehement verteidigen soll, den Bach runtergeht. Herrlich arglos das Ganze.
Abgesehen von einigen humorigen Einlagen ließ die Geschichte es vor allem an Ideen vermissen. Die vielen Wiederholungen und die Glossareinlagen bringen das deutlich zum Ausdruck. Der Autor wirkte in diesem Roman mehr wie ein Berichterstatter von Ereignissen, die die eine Hälfte der Zuhörer schon kennt und die andere Hälfte nicht interessiert. Er versucht zwar, das Beste daraus zu machen. Nur gelingt ihm das nicht. Witzig ist eigentlich nur, dass Leo Lukas seiner Figur des Touristenführers auf der Venus gleicht. Er erzählt längst bekannte Wahrheiten, verspricht Überraschungen und aufregende Erlebnisse. Doch in Wahrheit geht es uns wie der Touristengruppe bei der Ankunft. Wenig spektakuläres. Da muss der Touristenführer, resp. der Autor im nächsten Roman eine Schippe drauflegen.