Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3126

Der unsichtbare Dritte – von Kai Hirdt
In der Milchstraße werden im Juni 2071 NGZ immer mehr Kastellane aktiv. Die Absichten dieser aus sieben Mitgliedern bestehenden Eingreiftruppe der Superintelligenz ES sind unklar. Das Solsystem hat sich in den TERRANOVA-Schirm gehüllt. Auf der Erde ist der Kastellan Alschoran im Gewahrsam der Regierung der Liga. Der mutmaßliche Anführer der sieben Unsterblichen ist ein Ase. Was genau diese Zugehörigkeit aussagt, liegt im Dunkel. Außerhalb des Solsystems schmieden zwei Kastellane Pläne, wie sie in das abgeschottete System gelangen können. Der eine ist der Calurier Kokuloón. Die andere ist Etter. Die Kastellanin hat zwei Köpfe, die sich einen Körper teilen. Ioniv Etter ist die Strategin und entscheidet, was getan wird, Vinoi Etter ist die Taktikerin, die sich um das Wie kümmert. Etter bestimmt den Plan und Kokuloón fügt sich zunächst. Das Eindringen der beiden Sextadim-Kapseln via Huckepack in einem Raumschiff durch eine Schleuse des Schirms wird jedoch entdeckt. Die beiden Kastellane hängen zunächst außerhalb des Solsystems fest. Sie sind in Sorge, denn sie wissen von der chaotarchischen Prägung des Zellaktivators von Bull. Zwar haben sie keine Beweise für eine fremde Einflussnahme, dennoch wollen sie erreichen, dass der Resident abgelöst wird.
Unterstützung bekommen die beiden Kastellane durch Alschoran. Der Pedotransferer kann sein Bewusstsein unbemerkt auf die Historikerin Madée Azham übertragen und zu einem terranischen Schiff schicken, in dessen Hangar die beiden Sextadim-Kapseln der Kastellane inzwischen eingeschleust sind. Die Terraner denken jedoch, es nur mit der neuen Kastellanin Etter zu tun zu haben. Kokuloón bleibt mitsamt seinem Schiff unsichtbar. Bull genehmigt schließlich den Einflug von Etter aber unter seinen Bedingungen. Dem wollen sich die Kastellane aber nicht beugen. Es entwickelt sich ein Verwirrspiel, im dem Madée Azham über sich hinauswächst. Auch Nazanin Gebru, die Leiterin des Kook auf dem Merkur, von dem der TERRANOVA-Schirm gesteuert wird, muss in die Geschehnisse eingreifen. Erreichen die Kastellane ihr Ziel?
 
Der unsichtbare Dritte ist wohl eine Anspielung auf den Thriller von Alfred Hitchcock, der im Original North by Northwest heißt und eine Agentengeschichte ist, die mit einer Verwechslung beginnt. Kai Hirdts Geschichte zielt stattdessen auf einen unsichtbaren Kastellan ab. Zumindest muss es für die Terraner so aussehen. Tatsächlich sind es zwei unsichtbare Dritte, denn es sind vier Kastellane, die den Weg ins Solsystem suchen.
In Heft 3112 hat Autorin Michelle Stern die Lebensgeschichte von Kokuloón erzählt. Daraus und aus dem Auftreten gegenüber den Glasfischern, hatte ich von der Figur einen Eindruck abgespeichert. Dieser Eindruck wird durch die Darstellung der Figur von Kai Hirdt ein Stück weit zerstört. Kokuloón bleibt in der Geschichte von Kai Hirdt unsichtbar für die Terraner, aber nicht für den Leser. Der Kastellan ist nicht gerade ein Freund von Etter, da er die Grenzen, die sie sich setzt, nicht akzeptiert. In der Folge schildert der Autor zwar kein Zerwürfnis zwischen den beiden Kastellanen, aber sie sind sich über die Vorgehensweise nicht immer einig. Überraschend für mich steht Kokuloón für die harte Tour. So hatte ich die Figur aus Michelle Sterns Roman nicht in Erinnerung.
Die Thematik einer Eingreiftruppe von ES spricht mich nicht so sehr an wie das Geschehen in Cassiopeia. Das liegt auch daran, weil in der Milchstraßenebene wieder jene PR-typischen Elemente herangezogen werden, ohne die, so glauben zumindest die Autoren, eine spannende Geschichte nicht geschrieben werden könnte. Also gibt’s mal wieder eine Invasion des Solsystems. Ja, ja, ich weiß, die Kastellane sind schon ein wenig anders. Aber das Eindringen mit überlegenen Schiffen, die Planung eines Regierungsumsturzes, die ganze Heimlichtuerei, und der Anspruch, einem ganzen Sternenreich zu sagen, wo es langgehen soll, sprechen eben eine anders Sprache. Und damit das Vorhaben der Kastellane auch funktioniert, werden wesentliche Faktoren erstmal ausgeblendet. Als da sind, Beweise für die angebliche Einflussnahme Bulls zu präsentieren. Die geschilderten Abläufe der letzten Jahrhunderte legen einen solchen Verdacht auch gar nicht nahe. Sogar dann nicht, wenn man die Rufe mit berücksichtigt, die Bull vom Chaoporter erhält. Apropos Bull. Bei der Schilderung des Residenten, wie in diesem Roman, muss man sich eher fragen, ob die chaotarchische Prägung zu einer Verdummung führt. Der Unsterbliche kommt in diesem Roman schlecht weg. Sehr schlecht weg sogar.
Ich habe die Hoffnung, dass der Invasionsplot bald eine andere Richtung erfährt und sich schnell eine Zusammenarbeit zwischen der Eingreiftruppe von ES und der Menschheit ergibt. Die aktuelle Konstellation, dass nämlich die Kastellane keine Ahnung haben, aber aufgrund ihres Status schon mal die Keule von oben herab schwingen, ist extremst ausgelutscht. Die Kastellane werden nicht als homogene Truppe geschildert. Ein typisches Merkmal terranischer Invasionsgegner war in der Vergangenheit der blinde Gehorsam, der die Invasoren von der Führung bis zum Fußsoldaten auszeichnete. Selbst ganze Völker, siehe Onryonen, hatten nicht die geringsten Zweifel an ihrem Tun. Die Mitglieder der Eingreiftruppe von ES haben jedoch alle ihren eigenen Kopf. Manchmal sogar deren zwei. Das verspricht etwas Abwechslung, auch wenn sie wohl im Zweifelsfall noch zusammenstehen werden.
Die Geschichte enthielt viele kleine Anekdoten. Der hereingelegte Reporter war eine witzige Einlage. Die beabsichtigte Suche der Historikerin nach dem ersten terranischen Stützpunkt im Wegasystem betont die unglaubliche Laufzeit der Serie, bzw. die verstrichene Zeit in der Serie. Historiker und Archäologen begeben sich inzwischen auf die Suche nach den ersten Spuren Perry Rhodans. Das wäre doch mal eine geniale Idee für ein Spin-Off der Serie. Eine Archäologin begibt sich auf die Suche nach Artefakten oder früheren Wirkungsstätten Perry Rhodans.
Kai Hirdts Geschichte ist sehr trickreich. Mal hat eine Partei die Nase vorn, mal die andere. Allerdings wurde auch schnell klar, dass sich am Ende die Kastellane zunächst durchsetzen werden. Der Roman hat mir zugesagt. Die Thematik der Kastellane, ich schrieb es oben, nicht.