Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3118

Jäger und Sucher – von Robert Corvus
Perry Rhodan und Lyu-Lemolat haben ihr Abenteuer in der Arena der Träume gut überstanden. Nun sind die beiden auf der Suche nach Tryma Vessko. Die Tefroderin war eine Teilnehmerin der Gruppe, die von einem Konduktor in Traumwelten geführt wurde. Vessko besitzt Informationen über jemanden, der als der Krumme Gryllner bezeichnet wird. Im Traumgang sind Rhodan und Lyu-Lemolat auch einem Swekkter begegnet. Beide haben die Angst des Agenten des Chaoporters vor dem Krummen Gryllner gespürt. Wer auch immer das ist, es könnte ein wertvoller Verbündeter sein.
Perry Rhodan und sein Team kehren daher nach Ghuurdad zurück und machen sich auf die Suche nach Tryma Vessko. Sie beobachten ein ungewöhnliches Schiff, das am Rande des Systems aufgetaucht ist. Das Schiff besteht aus drei miteinander verbundenen Würfeln. Der Raumkontrolle des Ghuurd-Systems stellt sich das Schiff als JOZZVAR vor. Nur drei Individuen aus diesem Schiff wollen auf Ghuurdad landen. Die Terraner ahnen nicht, dass auch dieses Schiff vom Chaoporter FENERIK stammt. Die Munuam entsenden eine Meute, um den Krummen Gryllner zu jagen.
Auf Ghuurdad bleibt es nicht lange aus, dass sich Jäger und Sucher in die Quere kommen. Wer wird den Krummen Gryllner als Erstes aufspüren? Und welche Informationen hat der Gesuchte, die sogar einem Chaoporter Angst einjagen?
 
Zu Beginn des Romans steht, wie auch schon vor einer Woche, ein Prolog mit der Figur Reginald Bull. Wie immer, wenn der chaotarchisch geprägte Zellaktivator Reginald Bulls ins Spiel gebracht wird, warte ich auf die Auseinandersetzung mit dem Thema. In diesem Roman war dafür natürlich kein Platz. Der Prolog bereitet den Leser nur auf das Kommende vor. Aber dennoch, die Einseitigkeit der Betrachtung, welchen Einfluss ein chaotarchisch geprägter Zellaktivator auf seinen Träger hat, darf an der Stelle nicht einfach so stehen bleiben. Ich hoffe, dass in den Geschichten auch eine Auseinandersetzung in Bezug auf Perry Rhodan geführt wird, dessen ZA kosmokratisch geprägt ist. Wenn ich mich recht entsinne, hat ES bei der Neuverleihung der Chips auch auf die Besonderheit der beiden ZA von Atlan und Rhodan hingewiesen. Atlan hat seinen ZA zerstört, als er in den Jenzeitigen Landen unterwegs war. Sein Vitalenergiespeicher ist nun anderer Natur. Aber der Chip, den Rhodan trägt, könnte ein ähnliches Eigenleben entwickeln, wie der seines Freundes. Doch zurück zum Roman.
Diese Art von Geschichten mag ich. Zwei Parteien, die nichts voneinander wissen, die das gleiche Ziel verfolgen, die unabhängig voneinander agieren, die unterschiedliche Herangehensweise einsetzen und die, je näher sie dem Ziel kommen, in Auseinandersetzungen verstrickt werden. Doch zunächst leistet sich der Autor einen Schnitzer. Gleich zu Beginn der Geschichte wird ein fremdes Schiff gesichtet. In Zeiten erhöhter Hyperimpedanz sollte ein Schiff von außerhalb von Cassiopeia Aufmerksamkeit bei den Terranern erregen. In einer Galaxis mit einem Chaoporter sowieso. Doch das Thema ist für Perry Rhodan schnell erledigt. Für den gleichen Perry Rhodan, der in allen bisherigen Romanen dieser Handlungsebene jedes andere Raumschiff misstrauisch beäugt hatte. Die Absicht des Autors war klar. Das Team Rhodan sollte durch die Ankömmlinge, die den Lesern seit der Milchstraßenebene bekannt waren, überrascht werden. Nur, auf diese Weise baut man keine Spannung auf. Konkludentes Figurenhandeln wäre hier angesagt gewesen. Das muss nicht heißen, dass dadurch die folgende Handlung hätte anders laufen müssen. Aber es hätte zu den bisherigen Verhaltensgewohnheiten des Missionsleiters gepasst.
Apropos Verhalten und Figuren. Robert Corvus treibt die Geschichte aus Sicht verschiedener Figurenpaarungen vorwärts. Wie erwähnt, kennt der Leser bereits die Munuam. Die Meute, die in der Milchstraße die Deserteure des Chaoporters jagte, wird diesmal nicht aus dem Blickwinkel des Anführers geschildert. Da wir das schon kennen, greift sich der Autor ein Mitglied der Meute. Troparod steht in Konkurrenz zum zweiten Mann des Teams. Anführerin ist eine Irre. Mit dieser Konstellation schafft der Autor Abwechslung und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Meute mit dieser Anführerin unberechenbar bleibt und gleichzeitig Fehler machen darf. Im Team Rhodan lässt der Autor verschiedene Figuren berichten. Mit Axelle Tschubai darf die Missionschronistin mal wieder ran. Zu einem frühen Zeitpunkt nutzt der Autor diese Figur dafür, die Leser auf einen emotionalen Höhepunkt der Geschichte vorzubereiten. In Ich-Form, und damit noch mal ein Stück persönlicher, nimmt sie einen Gefühlsausbruch des Unsterblichen vorweg. Wenn Perry Rhodan so erregt wird, dass er ein paar Tränen vergießt, dann muss er schon eine bedeutsame Begegnung haben. Ich war gespannt.
Auf der Suche nach dem Krummen Gryllner, muss Rhodans Team zunächst die Tefroderin Tryma Vessko auftreiben. Was die mit dem ganzen Geschehen zu tun hatte, wird nach und nach erklärt. Vessko ist ein Opfer der Nano-Irritation. Als Ortungsspezialistin hat sie später eine Beobachtung gemacht, die nicht nachvollzogen werden konnte. Ihre Krankheit wurde dafür verantwortlich gemacht. Auch mit dieser Beobachtung der Figur ködert der Autor die Leser. Denn das beschriebene Raumschiff gab eine Marschrichtung vor. Für den Leser reicht es hier, wenn die besondere Farbe des Schiffes erwähnt wird.
Aber zunächst teilt der Autor die Gruppe und lässt sie unabhängige Informationen einholen. Ein wenig irritierte es mich, dass der Autor für Axelle Tschubai vom Ich-Erzählstil wieder in den personalen Erzählstil wechselte. Die Ich-Form fand ich für Axelle gut gewählt und hätte durchgezogen werden können. Zumal der personale Erzählstil auch bei den anderen Gruppierungen zum Einsatz kam.
In der Folge entwickelt sich eine Story, die dem Titel des Romans gerecht wurde. Die einen suchten, die anderen jagten. Es nahte der Höhepunkt der Geschichte. Autor Robert Corvus hatte unlängst beim Online-Stammtisch Köln meine Erwartungen an den Roman in die Höhe getrieben. Er versprach einen „Knüller“ am Ende seiner Geschichte. Seitdem zermarterte ich mir den Kopf, welche Sensation ich erwarten durfte. Auf die LEUCHTKRAFT und ihren Kommandanten bin ich nicht gekommen. Das ist tatsächlich ein Knüller. Auch einer, der zur Geschichte passt und nicht auf Teufel komm raus reingeschrieben wurde. Dazu fallen weitere Begrifflichkeiten und es werden verschiedene Andeutungen gemacht. Die Geschichte machte Lust auf mehr. Ich bin auf die weitere Entwicklung gespannt.