Ansichten zur Miniserie Wega Heft 03

Im Garten des Unsterblichen – von Olaf Brill
Perry Rhodan und Gillian Wetherby haben über einen Transmitter Fementa-Oist verlassen, um zum Innenkanton zu gelangen. Der nebelverhangene Ort, den sie erreichen, scheint jedoch auf einem anderen Planeten zu liegen. Eine Empfangsstation ist nicht zu erkennen. Wahrscheinlich hat sie ein Fiktivtransmitter hierher abgestrahlt. Der Unsterbliche lässt sich von seiner Begleiterin die Erlebnisse schildern, sie sie in ferner Vergangenheit hatte.
Der Raumjägerpilotin und ihrem Kameraden Carl Palmer war es gelungen, einen Agenten auszuschalten, der die Dritte Macht sabotieren wollte. Im Oktober 1975 wird sie zusammen mit anderen Soldaten dem S-3-Jagdgeschwader zugeteilt. Stationiert auf einer Kaulquappe, die wiederrum zur STRADUST II gehörte, erreicht Gillian Wetherby ihr neues Einsatzgebiet. Im Wega-System, aus dem Perry Rhodan zuvor die Topsider vertrieben hatte, wollen die Terraner Kontakte zu den Ferronen pflegen. Eigentlich sind die Ferronen den Terranern in Punkto Technik weit voraus. Die Terraner hüten ihr Geheimnis und werden für Arkoniden gehalten. Gillian Wetherby erlebt eine aufregende Zeit. Nur ihr Kollege Carl Palmer macht ihr zu schaffen. Er scheint etwas zu verbergen. Als Gillian Wetherby dahinter kommt, überschlagen sich die Ereignisse. Perry Rhodan verschwindet mit der STARDUST II und die Raumjägerpilotin wird in eine andere Zeit versetzt.
An dem fremden Ort machen Perry Rhodan und Gillian Wetherby die Bekanntschaft von Kirlea-Monmussan-O. Die Frau begrüßt sie im Garten des Unsterblichen. Dies ist tatsächlich das Innenkanton. Doch der Ort ist vom Verfall betroffen. Ein Roboter, Gärtner genannt, ist seit langer Zeit ausgefallen. Wenn Rhodan ihn repariert, würde Kirlea-Monmussan-O ihn und Wetherby zu einem Transmitter bringen, um den Garten zu verlassen. Doch die Situation ist für die beiden Terraner kompliziert und gefährlich. Krakatau erreicht ebenfalls den Garten des Unsterblichen. Kirlea-Monmussan-O hat eigene Pläne, der Gärtner erinnert Rhodan an Homunk und Rätsel von ES müssen gelöst werden.
 
Olaf Brill setzt die Abenteuer Perry Rhodans fort. Der Autor war Anfang April auch beim Online-Stammtisch Wien zugeschaltet und hat dabei viele, wie ich finde, interessante Statements abgegeben. Unter anderem sagte er, dass er Widersprüche in der Serie nicht schlimm findet. Autoren, so seine Meinung, sind wie Historiker. Sie werfen unterschiedliche Blicke auf die Geschichte. Es darf daher nicht verwundern, wenn es Unterschiede bei verschiedenen Autoren gäbe. Jeder würde eben ein klein wenig anders Perry Rhodan beschreiben.
Mit dem Perry Rhodan, den Olaf Brill in seiner Geschichte schildert, kann ich gut leben. Abgesehen davon, dass dieser Rhodan, wie Wetherby in einer Szene anmerkt, manchmal ein Angeber ist, schildert Olaf Brill seine Hauptfigur nicht übermächtig. Er lässt Perry Rhodan an der Seite der jungen Frau nicht zu dominant auftreten. Tatsächlich erhält Gillian Wetherby in zwei, drei Szenen mehr Kontrolle und nutzt diese. Die Figur der Raumjägerpilotin agiert auf Augenhöhe mit Rhodan. Und das in einer Art und Weise, die sie sympathisch macht. Nicht zu überlesen ist auch die Ambition des Autors, den in der Anfangszeit der Serie vernachlässigten oder eher unberücksichtigten Part von Frauen behutsam zu korrigieren.
Das plötzliche Misstrauen, das Wetherby gegenüber Palmer entwickelt, kommt hingegen etwas überraschend. Der Kollege hatte lediglich etwas in einem Laden gekauft und Wetherby sich gefragt, woher er das Geld hatte. Als sie herausbekommt, dass er das in einem Spielcasino erspielt hatte, wird ihr Misstrauen noch stärker. Nun hält sie ihn für verdächtig, mit dem Attentäter auf der Erde in Verbindung gestanden zu haben. Diese Gedankengänge waren nicht so gut vorbereitet. Das hätte man vielleicht ein bisschen anders aufziehen müssen. Im Verlauf der Geschichte werden weitere Zusammenhänge dann allerdings plausibel vom Autor herausgearbeitet. Wenngleich dieser Part ein paar Längen hatte. Hier fällt dann allerdings ein interessanter Name. Clifford Monterny, der spätere Overhead.
Es dauert etwas, bis der Roman in Schwung kam. Der Roman war in der ersten Hälfte weit weg von Spannungsliteratur. Die Flora des fremden Ortes hat etwas gegen die Besucher. Auch Krakatau muss sich ihrer erwehren. Spannend war das nicht. Obwohl der Autor drei Erzählstränge (Krakatau, Rhodan und die Geschehnisse in 1975) parallel vorantrieb, und damit immerhin für etwas Abwechslung sorgte, plätscherte die Handlung etwas vor sich hin.
Die einzige erwähnenswerte Szene mit Krakatau ist in Ich-Form geschrieben. Neutraler, kürzer und präziser als vergleichbare Erlebnisse bei Perry und Gillian. Dennoch nicht gänzlich emotionslos. Der Verfolger empfindet die Umgebung als lästig, er muss auch hin und wieder verschnaufen. In Band 2 erschien mir der Verfolger als künstliches Geschöpf. Zur Verbindung mit dem Wachsvogel hatte ich eine Vermutung. Nun entledigt sich Krakatau des Vogels. Das widerspricht der Darstellung in Band 2, als Krakatau ohnmächtig/funktionslos wurde, ohne seinen Vogel. Das erfordert noch eine Erklärung.
Die Geschichte hatte ein paar Längen und wird erst im letzten Drittel spannend. Insgesamt fehlte es der Handlung ein wenig an Pep. Die Figuren hingegen überzeugen.