Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3112

Ein Kastellan für Apsuhol – von Michelle Stern
Die beiden Glasfischer Stashiu Bondarenko und Bonella Krueger haben auf Tarhuwant den Kastellan Kokuloón gefunden. Der Calurier heilt die lebensgefährlich verletzte Bonella Krueger in seinem Singular-Physiotron. Kokuloón bittet die beiden Glasfischer, ihn zu begleiten. Der Fug mit der Sextadim-Kapsel TRYM geht nach Themis. Dort liegt auf dem Kontinent Präland das Blaue Mausoleum. Eine Erinnerungsstätte an die Erste Menschheit, die vor Jahrzehntausenden hier siedelten und deren Existenz durch einen Angriff der Bestien ausgelöscht wurde. Obwohl Bonella Krueger dem Kastellan ihr Leben verdankt, bleibt sie misstrauisch. Im Blauen Mausoleum, wo sich Kokuloón Informationen beschaffen will, bedroht sie den Calurier. Der lässt sich wenig beeindrucken. Stattdessen erzählt er seine Geschichte.
Kokuloón wurde mitten im Krieg der Lemurer gegen die Bestien geboren. Dies muss in der Nähe von Tarhuwant gewesen sein, der damals Hoshnar hieß. Den Tar-Splittern in der Atmosphäre des Gasriesen verdankt er seine besondere Fähigkeit. Er ist Konsequenztelepath. Kokuloón kann mehr als nur Gedanken lesen. Er ahnt, wohin die Gedankengänge anderer führen und welche Konsequenzen sich ergeben. Seine Fähigkeit nutzt er zur Rettung von Lemurern, die von Bestien angegriffen werden. Zu ihnen gehört auch Belnyse. Die Lemurerin wird seine erste Liebe. Er rettet auch einen Dolan, von dem die Calurier damals ausgingen, dass es sich um eine Züchtung der Bestien handelt. Jahrtausende später tritt der Dolan unter dem Namen JASON wieder in Erscheinung. Diese Tat, dass ein Calurier einem vermeintlichen Feind hilft, erregt auch die Aufmerksamkeit von ES. Ein Robotraumschiff der Superintelligenz macht Kokuloón ein Angebot. Er soll als Kastellan für zukünftige Bedrohungen parat stehen. Kokuloón geht diesen Pakt ein.
 
Obwohl hier von der Autorin Michelle Stern die Lebensgeschichte eines Kastellans erzählt wird und damit sehr wahrscheinlich eine Figur charakterisiert wird, von der noch einige Auftritte zu erwarten sind, bleibt nach der Lektüre bei mir mehr von Belnyse in Erinnerung. Die Autorin schildert die Rettung Belnyses aus der Sicht der jungen Lemurerin. Kokuloón ist anfangs nur mehr ein hübsches Gesicht in der Menge, dem Belnyse ihr Leben verdankt. Wie Hunderte andere auch. Belnyse trifft am Anfang eine einsame Entscheidung. Sie bleibt an Bord des zum Wrack geschossenen Fluchtschiffes und sucht Zuflucht in ihrer Musik. Die Rettung durch Kokuloón kommt überraschend. Sein Name wird auch schnell verraten und als Leser weiß man dadurch, dass aus ihm mal ein Kastellan werden wird.
Doch bis zur Erklärung, warum ausgerechnet dieser junge Mann ein Auserwählter werden sollte, dauerte es eine Weile. Das meine ich nicht negativ. Schließlich muss sich der Calurier zunächst bewähren. Seine Fähigkeit der Telepathie gereicht ihm dabei allerdings nicht, um an Lebenserfahrung zu gewinnen. Diese Anschübe kommen meist von außen. Was auch nicht negativ ist. Wir sind Produkte unserer Umwelt. Kokuloón ist mit einer Parakraft gesegnet und mit Freunden und Wegbegleitern, die ihn in die richtige Spur bringen. Wie beispielsweise Wiesel, der eigentlich Tonnulión heißt und ihm die Schüchternheit nimmt. Oder eben Belnyse, der er seine Geheimnisse anvertrauen kann. Belnyse ist es wiederum, die den Ton angibt, die sich für ihn oder gegen ihn entscheidet.
Seine Fähigkeit der Telepathie ist es, mit der Kokuloón den Dolan einschätzen kann und in ihm keinen Feind erkennt. Die Frage stellt sich, wie hätte der junge Calurier gehandelt, hätte er nicht diese Fähigkeit gehabt? Die positiven Eigenschaften, die ES in ihm sieht, sind für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich. Wenn die Fähigkeit der Telepathie bei Kokuloón erst später geweckt worden wäre und er seine selbstlose Tat ohne spezielle Fähigkeit ausgeführt hätte, dann hätte dies den Charakter der Figur stärken können. Aber, wie gesagt, Kokuloón bleibt trotz dieser Lebensgeschichte ein wenig flach.
Ansonsten ist der Roman wunderbar geschrieben. Gut eingefangene Gefühle und eine schöne Romanze. Auch die Nebenfiguren leben in dieser Geschichte. Der Roman klärt die Herkunft des Dolan JASON. Das wurde in früheren Romanen nicht erklärt. Siehe bspw. Nr. 2795 „Ockhams Welt.“ Der Hinweis auf ein Robotraumschiff von ES an der Bleisphäre, das jenem vergleichbar ist, von dem Kokuloón seine Berufung erhält, kann ich allerdings nicht so richtig verorten. Stashiu Bondarenko erinnert sich an Gerüchte, man hätte eines an der Bleisphäre gesichtet. Damals, als die Cairanische Epoche zu Ende gegangen war. Dieser Handlungsfaden wurde m.E. nie aufgelöst. Falls das jetzt eine Fortsetzung erfährt, bin ich gespannt.
Schöner Roman mit starken Figuren. Nur Kokuloón hat nicht ganz die Präsenz, die ich von dieser Figur erwarte.