Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3110

Gators zweite Chance – von Kai Hirdt

Die drei Überläufer des Chaoporters FENERIK werden streng abgeschirmt auf Umbriel, dem drittgrößten der fünf großen Monde des Uranus, von den Spezialisten des TLD befragt. Der Geheimdienststützpunkt Port Tanwalzen steht unter der Leitung von Tabea Maryland. Die Stützpunktkommandantin gilt als pedantisch. Unter ihrer Leitung hat es bislang keinen Sicherheitsvorfall gegeben. Grund genug für Dan Takahashi, dem Leiter des TLD, seine Stellvertreterin Aurelia Bina zu einer Sicherheitsüberprüfung nach Port Tanwalzen zu entsenden. Denn Erfolg mache bequem.

In dem Geheimdienststützpunkt versieht auch Truman „Gator“ Oudenkerk seinen Dienst. Ehemals ein Außenagent des TLD, ist Oudenkerk nach einem Vorfall, bei dem seine Partnerin starb, im Innendienst eingesetzt. Seine Aufgabe besteht darin, aus den vielen Prognosen, die der Kontra-Computer DIAVOLOS von sich gibt, diejenigen zu identifizieren, die beachtet werden sollten. Oudenkerk steht nach dem Vorfall noch immer unter Medikamenteneinfluss. Der Agent erhält Hinweise auf eine fremde Kommunikation auf Umbriel. Dies, und der Besuch eines alten Freundes setzen Ereignisse in Gang. Oudenkerk wappnet sich und bekommt durch den Besuch von Aurelia die erhoffte Unterstützung.

Aurelia Bina, eine Posmi, sieht sich hingegen auf dem Stützpunkt mit einer Vielzahl ungelöster Probleme konfrontiert. Die fremden Überläufer können aufgrund einer Konditionierung, dem Mnemo-Deletor, keine Geheimnisse verraten. Den Agenten anderer Milchstraßenmächte, die an den Befragungen teilnehmen, ist nicht unbedingt zu trauen und die Stützpunktkommandantin ist auch nicht über den Besuch erfreut. Aurelia Bina verfolgt jedoch einen Plan.

Rezension 

Die Romane der Cassiopeia-Ebene zeichneten sich dadurch aus, dass dort eine durchgehende Geschichte erzählt wurde. Den Zusammenhang zum Roman der Vorwoche mit dem Siebenschläfer konnte ich beim Einstieg in diese Geschichte der Milchstraßen-Ebene zunächst nicht erkennen. Da war zunächst die räumliche Trennung. Kai Hirdts Geschichte spielt auf Umbriel. Dieser Uranus-Mond ist bislang in der Serie nur selten in Erscheinung getreten. Zuletzt im Dyoversum-Zyklus. Weiterhin setzt Kai Hirdt völlig andere, neue Figuren ein. Lediglich Aurelia ist schon bekannt. Wobei ich bei diesem Namen mal die Perrypedia konsultiert habe. Eine Posmi namens Aurelia ist schon in früheren Zyklen in Erscheinung getreten. Da allerdings ohne den Nachnamen Bina. Lt. Perrypedia ist es die gleiche Figur. Das hatte ich so nicht erkannt, mich allerdings etwas darüber gewundert, warum eine weitere Posmi ebenfalls Aurelia heißen sollte.

Kai Hirdt verzichtet weitgehend auf Beschreibungen des Eismondes oder des Stützpunktes Port Tanwalzen. Auch die allseits beliebten Historienabrisse fehlen. Sehr schön. Seine Geschichte lebt von den Figuren. Und natürlich von dem Szenario, dass das Chaos nach Umbriel greift, wie schon der Untertitel des Romans verrät. Nur dass mit dem Chaos hier etwas anderes gemeint ist, als man es im Chaotarchenzyklus vermuten würde.

„Normale“ Figuren, wobei man zunächst definieren müsste, was „normal“ ist, sind Mangelware in dieser Geschichte. Allenfalls die Agenten der Tefroder und Akonen könnten darunter firmieren. Was eigentlich auch seltsam wäre, bei Agenten. Ansonsten bevölkern recht skurrile Gestalten den Eismond. Ohne allerdings ins Absurde abzugleiten. Eine Pedantische, ein Typ mit Betonlocke, eine Posmi mit Humorproblemen, ein Süchtiger, ein schräger Whistler-Spross und weitere. Nicht zu vergessen ein Kontra-Computer, der Schreckensszenarien entwirft und auf dem passenden Namen DIAVOLOS hört.

Es entwickelte sich eine verrückte Geschichte. Damit meine ich eine sehr unterhaltsame Geschichte. Ein Roboter lässt sich mit einem unter psychotischen Wahnvorstellungen leidenden TLD-Agenten ein. Dieser Roboter, vielmehr der sich als weiblich wahrnehmende Roboter begegnet in der Folge unterschiedlichen Figuren, die seine eigene Wahrnehmung auf die Probe stellen. Beispielsweise Betonlocke oder Mullholland. Das war sehr vergnüglich und der Ausgang der Geschichte lange unklar.

Die Geschichte von Kai Hirdt stellt, wenn man es denn so sehen möchte, einen Gegenentwurf zum Roman der Vorwoche dar. Kai Hirdt gehört zu den Autoren, die zum Handeln ihrer Figuren auch viele Erläuterungen schreiben. So ist der Autor stets gut gewappnet gegen Leser, die seine Texte sezieren oder Worte auf die Goldwaage legen. Das genaue Gegenteil eben zu Arndt Elmers Roman Siebenschläfer. Als Leser bevorzuge ich einen Weg in der Mitte. Aber da dürfte jeder Leser unterschiedlich sein.

Dieser Roman traf meinen Geschmack sehr gut. Nach den anfänglichen Erläuterungen, die Gators Psyche betrafen, konzentriert sich der Autor in der zweiten Romanhälfte auf die Beantwortung der Frage, ob an Gators Beobachtungen etwas dran sein könnte. Außerdem forciert er Aurelias Plan. Auch darin vergisst er die Details nicht. Die Posmi schlüpft nicht alleine in eine andere Hülle, sie muss auch Bewegungsabläufe einstudieren und weitere Faktoren berücksichtigen. Am Ende klärt sich, wie Gators zweite Chance gemeint war. Das Ergebnis deutete sich an, denn die Idee, der aus der Bahn geworfenen Figur ist nicht neu. Die klug strukturierte Geschichte sorgt allerdings dafür, dass man erst am Ende ein umfassendes Bild erhält.

 


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