Articles for the Month of September 2020

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3084

Brigade der Sternenlotsen – von Uwe Anton
Der Haluter Bouner Haad hat den Benshér Tenshuun befreit und bringt den ehemaligen Diener der Superintelligenz HATH’HATHANG zu einer Insel in der Nähe des Kontinents Ghalabaicos auf Ghibona. Zwei Cairaner, die dort leben, bieten den beiden Unterschlupf. Tenshuun erzählt die Geschichte des Sternenrads Emlophe. Tenshuun lebte auf Nou’Noinou im Gleißmeer, das den größten Teil des Planeten bedeckte und aus Bendo bestand, dem Lebenselixier der Superintelligenz HATH’HATHANG. Die Superintelligenz hatte in ihrer Mächtigkeitsballung eine Friedenszone geschaffen. Und sie schuf Sternenräder, um den Frieden auch in andere Regionen des Universums zu bringen. Doch es war lange her, dass HATH’HATHANG ein Sternenrad geschaffen hatte. Als endlich wieder der Auftrag dazu erging, gehörte Tenshuun zu jenen Auserwählten, die zur Brigade der Sternenlotsen gehören sollten. Jenen, die das Sternenrad, das den Namen Emlophe erhielt, steuern sollten. Die Freude über die Nachricht wurde getrübt. Denn Emlophe sollte das letzte Sternenrad sein. Die Superintelligenz will sich selbst abberufen und den Weg zur Materiequelle und zum Kosmokrat nicht einschlagen. Sie nimmt einen anderen Weg der Entfaltung.
Zahlreiche Hilfsvölker schufen die planetaren Anlagen und die Infrastruktur für das Sternenrad. Aber das planetare System mit einem Weißen Loch zu verschmelzen bewerkstelligte die Superintelligenz selbst. Dann ging das Sternenrad Emlophe auf Reisen. Die erste Versetzung führte in die Galaxis Xitandha. Dort fand eine Schlacht statt, die beendet werden sollte. Das Sternenrad setzte zur Konfliktlösung auch seine Primärwaffe ein. Dieses Vorgehen führte auch zu hitzigen Debatten unter den Sternenlotsen.
Eine weitere „Friedensmission“ sollte folgen. Auf dem Weg zum nächsten Ziel, der Galaxis Schenter, in der ein immerwährendes Gefecht tobte, wurden die Pläne geändert. Die Mission sollte nicht stattfinden. Jahrelang wartete die Besatzung des Sternenrads auf Anweisungen. Schließlich beschloss man eigenständig die Mission fortzusetzen. Doch auf dem Flug kam es zu einer Begegnung mit Cairanern. Diese überbrachten neue Befehle der Vecuia und der Kosmokratin Mu Sargai. Emlophe sollte stillgelegt werden. Die Mission in Schenter sollte die letzte sein. Die Erhöhung der Hyperimpedanz erschwerte die Mission. Vor Ort waren bereits die Cairaner im Einsatz der Vecuia. Die Cairaner eroberten mit einem Trick das Sternenrad. Begünstigt durch eine Verräterin unter den Sternlotsen. Bouner Haad kommt eine Idee. Er fragt Tenshuun, ob der noch immer das Sternenrad bewegen könne.
 
Zum Romanende beschreibt Uwe Anton seinen Protagonisten Bouner Haad mit den Worten, er sei „sehr berührt“ nach der Lebensgeschichte des Benshér. Den jungen Haluter hatte zum ersten Mal der Hauch kosmischer Geschichte umweht, schreibt der Autor. Dem kann ich zustimmen. Der Roman folgt in seinem Aufbau der „Tradition“ von Lebenserinnerungen, in denen Wesen geschildert werden, die an großen, an „kosmischen“ Aufgaben mitgewirkt haben.
Der Reiz dieser Geschichte liegt in der Inszenierung einer fast schon religiös angehauchten sagenhaften Geschichte, die man auch passend zum Zyklustitel durchaus der Kategorie Mythen zuordnen kann. Gerade in den ersten Beschreibungen auf der Welt Nou’Noinou mit dem Gleißmeer, dem Lebenselixier einer höheren Wesenheit. Dazu dichtet der Autor ebenfalls sagenhafte Wesen, wie die Protozeitforscher, ohne die sich kein Sternenrad in Bewegung setzen würde. Auch die Beschreibung, dass sich das Sternenrad bis vor den Urknall zurückbewegt, um ein neues Ziel anzufliegen, passt in diese mythische Erzählung.
Etwas Moralität streut der Autor auch dazwischen, wenngleich er sich in dem Disput der Sternenlotsen, ob Gewalt ein vertretbares Mittel bei einer Friedensschaffung sein darf, letztlich nicht festlegen möchte und einen offenen Ausgang bevorzugt. Die klassische Fragestellung ob einer getötet werden darf, um tausend zu retten, wird in verschiedenen Ansätzen gespiegelt. Am Ende könnte „einer“ unter Milliarden vielleicht den Ausschlag geben beim aktuellen Konflikt in der Milchstraße. Tenshuun könnte noch einmal das Sternenrad bewegen. Ein detailverliebter und guter Roman von Uwe Anton.
 

Perry Rhodan Risszeichnungen Sonderdrucke 1966

Perry Rhodan Risszeichnungen Sonderdrucke 1966 – Sortiment G
Mehr als 5 Jahrzehnte hat dieser kleine Schatz auf dem Buckel, den ich dieser Tage bei einer längst überfälligen Bestandsaufnahme meiner Sammlung aus einer Kiste kramte. In Heft 263 wurde erstmals eine Werbung zu Sonderdrucken veröffentlicht. Damit waren die ersten zwölf Risszeichnungen terranischer Raumschiffe gemeint. Gedruckt wurden die Zeichnungen auf Primula-Karton mit drei verschiedenen Farbtönen im Format 42 cm x 29 cm. Beim damaligen Kundendienst des Moewig-Verlages konnte man mit Bestellschein ein Sortiment A, Sortiment B oder Sortiment G erwerben.
Sortiment A bestand aus (1) Kaulquappe, (4) 3-Mann-Zerstörer, (5) Schwerer Kreuzer der Terra-Klasse, (10) Bergungs- und Flottentender, (11) Schlachtschiff der Stardust-Klasse, (12) Stufenraumschiff Androtest.
Sortiment B bestand aus (2) Space-Jet, (3) Leichter Kreuzer der Staaten-Klasse, (6) Flottentender, (7) 5-Mann-Fluggleiter, (8) Schlachtkreuzer der Solar-Klasse, (9) Flugpanzer Shift.
Sortiment G (= Gesamt) besteht aus allen in A und B enthaltenen Sonderdrucken.
A und B kosteten seinerzeit je 2,60 DM. Sortiment G war für 4,80 DM erhältlich. Hier zeige ich die Werbung aus Heft 263, den Originalumschlag, mit dem das Sortiment G geliefert wurde und das Sortiment G selbst. Die Risszeichnungen entsprachen den in den Heften veröffentlichten Zeichnungen und sind ein Vorläufer zu den vier späteren Risszeichnungsbänden, die zwischen 1971 und 1983 auf den Markt kamen.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3083

Die drei Haluter – von Michael Marcus Thurner
Den drei Halutern unter der Führung von Bouner Haad ist es gelungen, in das Sternenrad der Cairaner vorzudringen. Bouner Haad hat dies ermöglicht. Denn der Haluter besitzt eine Parafähigkeit, die ihn buchstäblich durch Wände und auch Schutzschirme gehen lässt. Der Pfadfinder und seine Begleiter kommen in Kontakt mit dem terranischen Einsatzteam auf dem Planeten Ecaitan. Man einigt sich, zunächst im Sternenrad zu bleiben und beschließt, den Planeten Ghibona aufzusuchen. Hier soll sich zum einen die Hyberschub-Maschine befinden, mit dem das Sternenrad gesteuert wird. Zum anderen bauen die Cairaner hier an einer Enzephalotronik.
Das Auftreten der Haluter hinterlässt Spuren. Nuanit Takkuzardse ist die beste Jägerin im Sternenrad und sie folgt den Spuren der vier-armigen Kolosse. Verfolgte und Verfolger liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel.
Auf Ghibona kommt das Einsatzteam in Kontakt zu Olubfanern. Mit deren Hilfe gelangen Bouner Haad und der TARA-Psi zum Bauplatz der Enzephalotronik. Hier müssen die beiden entsetzt erkennen, wie skrupellos die Cairaner agieren. Aber Bouner Haad gelingt die Befreiung eines geheimnisvollen Wesens.
 
Die Idee, drei Haluter in einen Einsatz zu schicken, fand ich im letzten Roman noch gut. Die Verstärkung des terranischen Einsatzteams versprach Unterhaltung. Interessant war auch die Frage, wie Michael Marcus Thurner den Einsatz gestalten würde. Schließlich sind Haluter nicht nur von der Statur her eher wenig geeignet, unbemerkt einen Stützpunkt der Cairaner zu infiltrieren. Der Autor hat sich wohl ähnliche Gedanken gemacht. Drei Haluter werden früher oder später auffallen. Thurner entscheidet sich für das früher. Kaum schlagen die Junghaluter auf der cairanischen Welt auf, werden sie entdeckt und verfolgt. Und der Autor macht sich auch keine Mühe damit, seine Protagonisten in Deckung gehen zu lassen. Er macht das genaue Gegenteil. Die Haluter geben sich gar nicht die Mühe, still aufzutreten. Zurückhaltung passt nicht zu den Riesen im Einsatz. Natürlich bleibt dabei ein Stück Plausibilität dieses Vorgehens auf der Strecke. Zumal die Kontaktaufnahme zu den Terranern erst erfolgt, nachdem die Haluter die Cairaner bereits auf sich aufmerksam gemacht haben. Und mit der Abenteurerlust der Haluter ist es auch nicht so weit her. Nach dem Zusammentreffen mit den Terranern wollen sie so schnell wie möglich das Sternenrad wieder verlassen. Diese Darstellungen fand ich jetzt nicht so passend.
Etwas merkwürdig mutet auch die inzwischen in mehreren Romanen praktizierte Weitergabe von Sallu Browns Lebensgeschichte an jeden Interessierten oder Uninteressierten an. Wobei sich in den Roman von Thurner dabei ein Fehler eingeschlichen hat. Denn die Junghaluter hatten schon vorher den Namen Sallu Brown erwähnt.
Damit die Aktionen nicht zu einseitig vom inzwischen sehr umfangreichen Einsatzteam ausgingen, bedient sich der Autor eines bekannten Erzählmittels. Er hetzt den Eindringlingen einen Verfolger hinterher. Mit der Cairanerin Emuladsu wurde das vor einigen Romanen auch schon so praktiziert. Nuanit Takkuzardse ist schärfer in ihrem Vorgehen. De Autor beschreibt sie als Jägerin. Diese Art, eine Geschichte aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zu gestalten, mag ich ganz gern. Das Einsatzteam setzt Aktionen und die Jägerin betrachtet die Spuren mit zeitlicher Verzögerung, macht sich Gedanken und zieht Rückschlüsse. Letztlich zum gleichen Geschehen aber eben mit einer anderen Sicht.
Insgesamt war das Einsatzteam nun nahezu unhandlich für eine flotte Geschichte geworden. Der Autor unterdrückte Kompetenzstreitigkeiten und musste im weiteren Verlauf den einen oder anderen Klimmzug anstellen, um die Gruppe von A nach B zu bewegen. Zum Ende hin fokussiert Thurner dann ganz auf die Figur Bouner Haad. Das tat der Story zum Ende hin gut. Bloß „passiert“ war lange Zeit eigentlich nichts Wesentliches.
Ein wenig interessanter in Bezug auf die Zyklusstory wurde die Geschichte, als es Bouner Haad dann gelang, einen Benshér zu befreien. Die Szenen im Nashadaan waren geheimnisvoll, auch wenn der Informationsgehalt gering war und daher nicht zum Spekulieren einlud. Dafür zeigte die Jägerin am Ende dieser Szenen ihr wahres Gesicht, so wie auch die Cairaner nun unmissverständlich als Bösewichter gelten müssen. In jedem Zyklus sind die Exposé-Autoren bemüht, den Gegner mannigfaltig darzustellen. Die Cairaner sind selbst Vertriebene, die einen Ausweg suchen. Mit der Differenziertheit scheint jetzt Schluss zu sein.