Articles for the Month of Juli 2016

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2866

PR_2866Die Finale Stadt: Turm – von Michael Marcus Thurner – Handlung:

Atlan und seine Gefährten sind auf dem Weg in den vierten Teil der Finalen Stadt, den Turm. Der Pensor hat die Gruppe mit einer Kutsche abgeholt. Mit dem eigentümlichen Gefährt geht die Reise durch wechselnde Landschaften oder vielmehr unterschiedliche Realitäten. Der Pensor bezeichnet seine Para-Fähigkeit der Steuerung als die eines Movationsinjektors. Ansonsten ist der Kutscher recht wortkarg. Der Turm, so teilt er mit, hat keine messbare Ausdehnung. Der Turm wird sich den Gästen anpassen, um für ihre Sinneswahrnehmungen fassbar zu sein. Die Kutsche nimmt eine letzte Hürde, dann haben sie ihr Ziel erreicht. Ecke Grand Central und 42nd Street in New York City.

Die Fahrt endet mitten in geschäftigem Treiben. Menschen strömen aus U-Bahn-Stationen, gehen einkaufen, besuchen Lokale, Taxis hupen und Lastwagen liefern Waren. Nach und nach erkennt Atlan Unterschiede. Alles wirkt wie im Jahr 1955. Aber es gibt architektonische Unterschiede. Manche Gebäude scheinen aus späteren Epochen zu stammen. Und auch Außerirdische bevölkern die Straßen, davon viele, die Atlan auf seiner Suche in den Jenzeitigen Landen bereits kennengelernt hat. Eine Terranerin namens Pamela Bess stellt sich als ihre Planwalterin vor und tourt sie durch die Stadt.

Der Konglomerierte Bacctou ist nach seinen Niederlagen angeschlagen. Das Sediment Irrlicht soll den Erfolg bringen.

Pamela Bess gibt an, dass der Atope Julian Tifflor die Menschen bei einer seiner Missionen hierhergebracht hat. Obwohl Atlan Zweifel an dieser Realität hat, lädt er Pamela Bess zu einem Essen ein. Vorher will sie jedoch die Werft zeigen, in der die MOCKINGBIRD gebaut wird. Es ist Tifflors Richterschiff und es wird retrograd gebaut. Er besitzt das Schiff seit ewigen Zeiten oder wird es einmal besitzen. Bei seinen Missionen in der Vergangenheit meldet Tifflor Bedürfnisse seines Schiffes, die beim Bau berücksichtigt werden, so dass die MOCKINGBIRD bereits modifiziert zu ihrer Mission aufbricht. Die beiden Geniferen Lua und Vogel sind von Anfang an fasziniert von dem im Bau befindlichen Schiff. Mit ihren speziellen Sinnen erfassen sie den besonderen Charakter des Schiffes. Atlan hingegen ist ungeduldig. Endlich erhält er eine Einladung zum Treffen mit Tifflor für den nächsten Tag. Er verlässt die Baustelle und verbringt den Abend und die Nacht mit Pamela Bess.

Die beiden Jugendlichen setzen mit der insektoiden Optimierungsingenieurin Zykpyvarra die Besichtigung fort. Mit ihren Geniferensinnen spüren sie bei einem internen Transportsystem, den Schwerelos-Transmittern, eine Abweichung. Mehr noch, Lua und Vogel sind überzeugt, dass es sich um Sabotage handelt. Die Abweichung wird korrigiert aber von Sabotage will Zykpyvarra nichts wissen. Lua und Vogel lernen BIRD kennen, das erwachende Bordgehirn des Richterschiffes. Und beide spüren, dass sie nur deshalb die Besichtigung bekommen, weil die dem Schiff zukünftig angehören sollen. Beim Gestalten der Wohnräume der Besatzung kommt es zu einem weiteren Zwischenfall. Ein Roboter greift Zykpyvarra an und verletzt sie schwer. Lua und Vogel können sie retten, sind aber nur kurze Zeit später erneut das Ziel eines Angriffs.

Am nächsten Morgen erwacht Atlan an der Seite der Planwalterin. Die Wohnung sieht anders aus, als er es von Pamela Bess erwartet hätte. Atlan spürt die Gefahr und tatsächlich greift ihn Pamela Bess an, die nun auch ihr Äußeres verändert hat. Als Atlan zu unterliegen droht, kommt ihm der Staub des Bacctou zu Hilfe, der sich an seinem Zellaktivator angelagert hatte. Er bringt den Gegner zum Schrumpfen und vernichtet ihn letztendlich. Atlan findet in der Wohnung die ermordete echte Pamela Bess und Tifflor lässt ihn abholen. In einem Hochhaus in der 5th Avenue trifft Atlan den alten Freund, der sich merklich verändert hat. Er ist älter geworden, mit weißen kurzen Haaren und trägt eine Brille. Für Tifflor sind Jahrzentausende vergangen, seit sie sich gesehen haben. Tifflor zufolge hat der Bacctou im Auftrag des Matan Addaru gehandelt. Allerdings hat der Matan eine Art Sicherheitsventil im Konglomerierten Bacctou installiert. Der Staub hat verhindert, dass Atlan getötet wurde. Tifflor kennt nicht alle Schliche seines Atopenkollegen, aber Atlan sollte wohl nur festgehalten werden. Atlans Ansinnen, mit Thez in Kontakt zu kommen, lehnt Tifflor ab. Aber der Arkonide kann mit Glossberc sprechen, der sich in das Äußerste des Turms, zum Atopischen Proximus, zurückgezogen hat.

Atlan erfährt durch Tifflor, dass der Fauthe Than, eine Botschaft in Atlan, eine Hieroglyphe, entdeckt hat. Auch Perry Rhodan soll eine solche Botschaft in sich tragen. Atlan kann nicht mit Thez sprechen, weil Thez verblasst sei. Er könne jedoch sein Anliegen beim Kongress der Fauthen vortragen, dem bestimmenden Gremium der Finalen Stadt. Er wird dort auch Matan Addaru treffen, der ebenfalls auf dem Weg zum Kongress ist.

Tifflor wird informiert, dass in der Werft ein Zwischenfall eingetreten ist. Er steckt eine Schachtel ein und lässt sich mit Atlan zusammen vom Pensor in die Werft bringen. In der Werft klaffen zwei Risse, die alle Gerätschaften in Nichts auflösen, sobald sie damit in Berührung kommen. Der Feind ist schnell ausgemacht. Es ist eine Exuvie, eine Haut von Matan Addaru. Lua und Vogel sind verletzt und nicht ansprechbar. Der Pensor kämpft mit seinen Parakräften gegen die Haut und schleudert sie aus der Finalen Stadt, aus der Veste Tau hinaus in den Brei. Lua und Vogel geht es schlecht. Ihre ÜBSEF-Konstanten sind miteinander verschränkt worden. Die Ärzte der Finalen Stadt sind ratlos. Tifflor hat eine Lösung. Er gibt seinen Zellaktivator her, den er in einer Schachtel mitgebracht hat und den er nach eigenen Bekunden nicht mehr benötigt, da er auf andere Weise unsterblich ist. Der Chip rettet die beiden, die nun gemeinsam unsterblich sind und sich nicht weit voneinander trennen dürfen.

Bevor sich Atlan und Tifflor auf den Weg zum Atopischen Proximus machen wird dem Arkoniden noch etwas zuteil, das auch Perry Rhodan erlebte. Er wird mit dem Vigintilliardengesicht konfrontiert. Atlan soll im Atopischen Proximus, der auch der See der Fauthen genannt wird, mit Vermittlung der Fauthen, mit Thez sprechen. Er ist am Ende seiner Reise.

 

Rezension:

Die Finale Stadt: Letzter Teil. Auch Turm genannt. Doch ähnlich wie schon beim Hof hat dieser Namensbestandteil eine geringere Bedeutung erlangt, als man es von den vier Heften um die Finale Stadt erwarten konnte.

Atlan ist also am Ende seiner Reise. Nach der Milchstraßenebene folgt noch die Audienz bei Thez. Oder auch nicht! Dazu sind die Geschehnisse, die Autor Michael Marcus Thurner zum Abschluss dieser vier Bände beschreibt, zu unbestimmt geraten. Einmal heißt es da, dass Atlan nicht mit Thez sprechen könne, da Thez verblasst sei. Er könne stattdessen mit dem Fauth Glossberc sprechen, der sich in den Atopischen Proximus zurückgezogen hat. Dann wieder wird Atlan von Tifflor zum Kongress der Fauthen eingeladen, dem bestimmenden Gremium der Finalen Stadt. Schließlich treten Atlan und Tifflor die Reise zum Atopischen Proximus an, der auch der See der Fauthen genannt wird. Dort soll er nun doch mit Thez sprechen können, die Fauthen würden vermitteln.

Ich bin verwirrt. Welchen Ort sucht Atlan nun auf? Den Kongress der Fauthen, zu dem auch der Atope Matan Addaru unterwegs ist? Oder den Atopischen Proximus, wo sich ein einzelner Fauth namens Glossberc aufhalten soll? Wenn die Fauthen (Mehrzahl) vermitteln würden, warum wird dann geschildert, dass nur ein einzelner Fauth dort sei, der Fauth Glossberc? Kann Atlan nun mit Thez sprechen oder nicht? Und welche Rolle spielt der Atopische Hof? Wir erinnern uns. Als Atlan und Tifflor in die Jenzeitigen Lande kamen, war diese Institution das erklärte Ziel ihrer Bemühungen. Hat Julian Tifflor dieses Ziel erreicht?

Ist der Atopische Hof ein Bestandteil der Finalen Stadt oder ist er die Finale Stadt? Der Vorgängerroman, der ja immerhin an einem Ort spielte, der Hof hieß, brachte keine Aufklärung. Mit Band 2850 hieß es, dass am Atopischen Hof die Richter bestellt würden und der Atopische Hof beweglich sei und Atlan Glück hätte, dass der Atopische Hof in diese Insel der Hiesigkeit, in die Veste Tau, eingezogen sei. Warum Tifflor im Lehen des Matan Addaru sein Domizil aufgeschlagen hat ist schon merkwürdig und wird ebenfalls nicht geklärt. Und wie schon im letzten Heft gefragt, warum macht man sich diese Mühe mit Atlan? Wenn, außer dem Matan, offensichtlich niemand etwas dagegen hat, dass der Arkonide zu einem Gremium Zugang erhält, den Atopischen Hof, den Atopischen Proximus, den Kongress der Fauthen oder was auch immer, dann hätte ein Fingerschnippen oder ein Handwedeln genügt.

Apropos Handwedeln. Im Roman der Vorwoche konnte Oliver Fröhlich noch eine Portion Humor in seinen Roman packen, als es darum ging eine Lösung von Thez´ „Umdenken“ zu präsentieren. Der Autor hatte mit einem ironischen Seitenhieb auf seine Leser das Handwedeln, mit dem Thez seine Inseln und Anderes angeblich schafft, mit einer besonderen Technologie erklärt. In diesem Roman ist das bereits wieder vergessen. Nicht nur der Pensor wedelt beständig mit der Hand, auch die Szenarien werden herbei- oder fortgewedelt, dass es eine wahre Pracht ist.

Ich hatte mich sehr auf diesen Viererblock (ups, böses Wort) gefreut. Die Milchstraßenebene mit den Tiuphoren sagte mir nicht zu und Atlans Erlebnisse, wenngleich sehr breit erzählt, boten da eine willkommene Abwechslung. Dazu der Begriff „Finale Stadt“, der Erwartungen schürte. Nach den vier Bänden macht sich Ernüchterung breit. Schon nach dem dritten Teil hatte ich ein Resümee gezogen. An meiner Einschätzung hast sich nicht viel geändert. Die Geschichte lebt nicht. Es ist eine bloße Aneinanderreihung von phantastischen Szenen und Orten. Aber es fehlt an etwas Lebendigen, an etwas, dass das Ganze verbindet. Es fehlt an einem Aufbau, der dem Protagonisten einen Erkenntnisgewinn bringt, einen, den er sich selbst erarbeitet. Stattdessen wird Atlan nur durchgewedelt, ähem. durchgewunken. Inzwischen sind selbst die Ziele von Atlan unklar geworden oder werden unklar beschrieben. Atlan ist nicht der Einzige, der den Durchblick verloren hat. Auch der Autor kämpft mit dem Stoff und trägt mehr zum Wirrwarr bei, als dass er Lösungen bietet.

Den Handlungsorten und Figuren fehlt etwas. Alles und Jeder ist nur noch Faksimile. Jede Frage nach der Realität wird mit Ausflüchten beantwortet, und selbst die Ausflüchte werden noch verklausuliert. In den Jenzeitigen Landen ist nicht nur das Wissen des gesamten Universums angehäuft. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft spielen keine Rolle mehr. Raumschiffe werden gebaut, obwohl sie längst im Einsatz sind. Ursache und Wirkung werden vertauscht, bzw. gibt es keine Kausalketten mehr. Das Szenario ist derart abgehoben, dass es nicht mehr händelbar ist und die Geschichten der Autoren darunter leiden. Es gibt Ansätze, die verfolgt werden, um die phantastischen Elemente nicht zu übermächtig erscheinen zu lassen. Es werden Bilder aus dem Hier und Jetzt eingeflochten. New York, Hochhäuser, Freiheitsstatue, bekannte Straßennamen und dazwischen Figuren mit Gefühlen, wie Neid, Eifersucht, Neugierde und Liebe. Mit diesen Empfindungen kann der Leser etwas anfangen. Doch diese Ansätze sind nicht an das übrige Setting angepasst und entfalten keine Wirkung.

Die Unsicherheit der Autoren mit diesem Stoff wird über handelnde Figuren, hier Atlan, an die Leser transportiert. Die Geschichten in den Jenzeitigen Landen sind gespickt mit Darstellungen, die zweierlei ausdrücken: Hilflosigkeit und die Absicht, die Fragesteller dumm zu halten. Da werden schon mal Sätze wie dieser hier reingesetzt: „Für Geschöpfe mit monopolarer Realität ist das schwer zu erfassen. Die Textur der Raumzeit auf den Inseln der Hiesigkeit ist mit dem Realitätsgewebe des untergegangenen Universums zwar verwandt aber nur weitläufig.“ Aha!

Andere Versuche, die Leser mitzunehmen scheitern ebenso gnadenlos. Tifflor, der Jahrmillionen-Mensch ist den Autoren bereits vor vielen Jahren entglitten. Die Versuche Michael Thurners das „menschliche“ in Tifflor zu suchen und darzustellen, wirken kindisch. Nach „Jahrzehntausenden“ (!) trifft Tifflor seinen Freund Atlan. Sie essen eine Pizza und alles wird gut! „Die Menschlichkeit besitzt eine enorme Beharrungskraft“ legt Thurner seiner Figur Atlan bei dessen Gespräch mit dem Atopen Tifflor in den Mund. Als würde damit der Werdegang Tifflors erklärt! Was der Autor hier schreibt, ist nur eine Phrase, Thurner macht sich gar nicht erst die Mühe, diesen Satz zu erläutern. Er kann es nicht!

Ein enttäuschendes Finale in der Finalen Stadt!

Ansichten zu NEO-Story 8 – Die Graulinge

Neo-Story08Die Graulinge – von Alexander Huiskes– Inhalt:

Die Mehandor Belinkhar ist die Matriarchin der Nham-Sippe und Herrin der Raumstation KE-MATLON. Sie erhält Besuch des Terraners Wuriu Sengu. Mit den Terranern hat die Mehandor Geschäfte gemacht. Sie greift auf ihren reichen Erfahrungsschatz zurück und lässt Sengu an einem ihrer Erlebnisse teilhaben, die sie als Fremdgeherin hatte, lange bevor sie die Leitung der Sippe übernahm.

An der Station KE-MATLON hatte eines Tages die GRAULING angedockt und Belinkhar ging mit der Besatzung einen Kontrakt ein. Sie würde als Maklerin mit dem Schiff reisen und die Geschäftsinteressen der Graulinge gegenüber Dritten vertreten. Sie soll für eine profitable Reise und eine sichere Heimkehr sorgen. Als sie an Bord geht taucht sie in eine völlig fremdartige Welt ein. Die Graulinge sind mit keiner anderen ihr bekannten Spezies vergleichbar. Der Erste Offizier und der Kommandant weisen sie in ihre Aufgaben ein. Die Graulinge, die ihr Schiff niemals verlassen, benötigen dringend eine besondere Art von Hyperkristallen, um ihren experimentellen Überlichtantrieb zu reparieren. Mit Hilfe eines schwächeren Transitionsantriebes können die Handelsplätze angeflogen werden, die ihnen die Maklerin zuweist.

Unterwegs wird Belinkhar mit den überaus merkwürdigen kulturellen Eigenarten der Graulinge konfrontiert und in die komplizierte Beziehung zwischen Kommandant und Besatzung hineingezogen.

 

Rezension:

Für Autor Alexander Huiskes ist es bereits die zweite Kurzgeschichte zu Neo nach der Neo-Story 6. Die Story um die Graulinge ist in eine Rahmenhandlung eingebettet. Belinkhar erzählt ihre Geschichte von der Begegnung mit den Graulingen dem Terraner Wuriu Sengu. Dieser Teil diente wohl dazu, einerseits die Verflechtung mit dem Rhodan-Kosmos abzudecken und zum anderen sollte darüber der besondere Stellenwert von Verständigung, Vertrauen und Verständnis vermittelt werden.

Wie Alexander Huiskes seine Protagonistin die Welt der Graulinge erleben lässt, das hatte etwas. Als Leser begann ich ebenso wie Belinkhar die Ausdrücke, Gesten und Mimiken (bei drei Köpfen gar nicht so einfach) der Graulinge zu studieren, um sie besser einschätzen zu können. Trotz des knappen Raumes schafft der Autor eine faszinierende Spezies mit zahlreichen Eigenarten. In der Kurzbeschreibung fällt der Begriff der kulturellen Eigenarten und tatsächlich bringt der Autor zahlreiche Kulturelemente in seiner Kurzgeschichte unter. Seien es geschlechtsspezifische Besonderheiten, die Identitätsbildung oder die Ausbildung von bestimmten Strukturen. Die Geschichte nimmt einen unerwarteten Verlauf und nur zum Ende hin geht mir die „Auflösung“ etwas zu schnell.

Auf die Rahmenhandlung hätte man weitgehend verzichten können aber wie eingangs erwähnt, sollte wohl der Bezug zu Perry Rhodan etwas deutlicher herausgestellt werden, als es bei der Konzentration auf den eigentlichen Inhalte mit den Graulingen der Fall gewesen wäre.

Wieder eine kleine feine Geschichte als Ergänzung des Neo-Kosmos.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2865

PR_2865Die Finale Stadt: Hof – von Oliver Fröhlich – Handlung:

Nachdem sie Pend 1749 aus dem kristallinen Eisblock befreit haben, bringt das halb existente Wesen Atlan, Lua Virtanen und Vogel Ziellos zum Dank in die dritte Facette der Finalen Stadt, der als Hof bezeichnet wird. Nach der Eiswüste im Oben erscheint das Land, das sich vor der Gruppe ausbreitet, wie ein Idyll. Eine grüne fruchtbare Ebene, die am Horizont durch blaue Berge begrenzt wird. Bisons grasen in der Ferne und hier und da ist ein Haus zu sehen. Aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen bleibt Atlan misstrauisch. Zu Recht, wie ein Blick in den Himmel sofort zeigt. Statt einer Sonne, die an einem blauen Firmament zu sehen sein sollte, ist dort nur eine alles verzehrende bodenlose Schwärze. Der Anblick schlägt auf das Gemüt und nur mühsam können Atlan und seine jugendlichen Begleiter den Blick abwenden. Der Pend verabschiedet sich mit wenigen Worten und lässt das Trio alleine. Da die Flugfunktion der Anzüge nur zeitweise genutzt werden kann, muss der Weg zu Fuß zurückgelegt werden.

An anderer Stelle der merkwürdigen Landschaft hat der Revolvermann schon sehr lange auf die Ankunft Atlans gewartet. Er will dem Weißhaupt den Tod schenken. Eine andere Bewohnerin der Landschaft ist hingegen auf der Flucht. Maybelle Carr ist mit einem Conestoga-Wagen, an dem zwei Pferde angespannt sind, unterwegs zu einem Arzt. An der Wegstation haben Wilde die Bewohner angegriffen und sie mit dem Sediment des Schlafes infiziert. Auch Maybelle ist betroffen und ebenso ihre Tochter Jocy. Die Brücke über den Black River wurde von den Wilden, die Maybelle Carr als Awour kennt, in Brand gesteckt. Nun muss sie sich durch das Territorium der Awour einen Weg suchen. Nur ihr Roboter Obadia steht ihr zur Seite.

Auf ihrem Marsch durch das Land werden Lua und Vogel zunehmend pessimistischer. Nur Atlan scheint besser gewappnet. Wasser, das sie trinken, schmeckt abgestanden, Zweige an Bäumen, die sie bewegen, brauchen unnatürlich lange, um in die Ausgangsposition zurückzuschwingen. Die Welt, die sie durchqueren, schläft ein. Gelegentlich beobachten sie farbige Röhren, die in geringer Höhe die Landschaft überfliegen. In einem Haus finden sie eine alte Frau, deren Haut von einem Adergeflecht bedeckt ist, das sich an den Augen ballt. Sie lebt, aber sie ist nicht ansprechbar. Sie ziehen weiter und entdecken ein englischsprachiges Schild, das zu einer Wegstation weist. Dort angekommen, zeigen alle Bewohner die gleichen Symptome wie die alte Frau. In einer Zeitung, die auf den 18.09.1878 datiert ist, findet Atlan einen Hinweis auf Glossberc. Der Fauth musste seinen Besuch in Court City verschieben, weil das Wetter eine Reise nicht zulässt. In dem Artikel werden auch die Atopen Headrut und Lesseris Cossvan erwähnt, deren Reise nach GA-Laleen sich ebenfalls verzögert. Atlans Ziel steht fest. Er will nach Court City.

Maybelle Carr wird von den Awour angegriffen. Ihre Krankheit verhindert, dass sie sich effektiv verteidigen kann. Nur Obadia kann einige Awour ausschalten, bevor er zerstört wird. Der Revolvermann kommt ihr zu Hilfe. Er schlägt die Awour in die Flucht. Und er kann noch mehr. Er heilt Maybelle und Jocy. Allerdings kehren die Awour zurück.

Atlan hört Schüsse in der Nähe und nähert sich dem Planwagen. Er beobachtet zu seiner Überraschung einige Awour, die er aus der Terminalen Kolonne TRAITOR kennt. Die Awour greifen drei Personen am Planwagen an. Atlan, Lua und Vogel mischen sich ein. Als die Angreifer in die Flucht geschlagen sind, erkennt Atlan den Mann am Planwagen. Es ist Piet Rawland. Atlan erfährt, dass die Awour mit ihren Geschossen das Sediment des Schlafes auf die Bewohner des Landes übertragen. Auch Lua ist inzwischen infiziert. Gemeinsam will man nach Court City reisen. Atlan stellt unterwegs Rawland zur Rede. In einer Hütte am Wegesrand gibt der Revolvermann ein paar Antworten. Er behauptet, dass ES ihn vor Äonen hierher geschickt hat, um auf Atlan zu warten. Im Hof durfte Rawland sich einen eigenen Lebensraum gestalten. Die Fauthen haben ES ein Fraktal überlassen, weil die SI den Vögten von Thez seinerzeit einen Dienst erwiesen hat. ES hat dem Atopischen Tribunal zwei Personen überlassen, die der Mächtigkeitsballung von ES eine Wendung hätten geben können. Matan Addaru und Julian Tifflor.

Die Röhren, die Atlan beobachtet hat, bezeichnet Rawland als Fabriken. Sie erschaffen unvorstellbar winzige Maschinen, die Maschinellen, die in der Lage sind, an Elementarteilchen anzudocken. Damit kann die Realität verändert werden. Allerdings kann die Wirklichkeit nur innerhalb der Jenzeitigen Lande von Thez umgedacht werden. Thez hat die Fabriken in den späten Regionen der Synchronie entwickelt und damit die Jenzeitigen Lande geschaffen.

Der Konglomerierte Bacctou hat den Hof angegriffen und die Agenten, die Awour eingeschleust. Atlan muss den Awour entkommen. Das Schicksal unzähliger Welten entscheidet sich. Rawland hält auf Geheiß von ES Atlan den Weg in den Turm der Fauthen frei. Auch auf die Frage, warum nicht Matan Addaru, der ja ebenfalls ein Kind von ES ist, Atlan einfach durchwinkt, gibt Rawland eine Antwort. Matan Addaru ist einen Weg gegangen, auf dem ES ihm nicht folgen konnte. Der Matan hat den Konglomerierten Bacctou für seine Zwecke gewonnen. Matan Addaru versucht Atlan aufzuhalten.

Um voranzukommen, muss Atlan Piet Rawland töten. Der Arkonide erschießt den Revolvermann. Dessen innewohnende Vitalenergie befreit das Land vom Sediment des Schlafes und heilt alle Bewohner, auch Lua. Thez hat wieder Zugriff auf das Land. Der Pensor holt Atlan ab und zusammen mit Lua und Vogel geht es zum Turm der Fauthen.

 

Rezension:

Howdy! Piet Rawland habe ich sofort erkannt. Nur kurz kam mir der Gedanke, dass es ein anderer Revolverheld sein könnte. Aber seien wir ehrlich: Es kann nur einen geben, in dieser Serie!

In Heft 2586 hat Wim Vandemaan die Lebensgeschichte von Piet Rawland erzählt. Der Revolvermann hatte die Bank von El Paso überfallen und wurde erschossen. ES machte dem Mann ein Angebot. Er soll gelegentlich Freunde von ES auf die Probe stellen. Nun also in der Spätzeit des Universums wieder ein Auftritt dieser skurrilen Figur aus der Frühzeit der Serie. Oliver Fröhlich kann sehr gut an die exzellente Darstellung Rawlands von Vandemaan anknüpfen. Neben der sehr guten Figurendarstellung Rawlands kann auch die Charakterisierung der Witwe Maybelle Carr, die ihre Tochter retten möchte, überzeugen.

Trotz der vordergründig schönen Landschaft ist es insbesondere die beginnende Tristesse, die der Autor sehr gut einfangen kann. Der verzehrende Himmel, das schale Wasser, die Bewegungen der Bäume und andere Beschreibungen vermitteln einen Hauch von Melancholie.

Es hat mir gefallen, wie Oliver Fröhlich den dritten Teil der Finalen Stadt-Tetralogie gestaltet hat. Betrachten muss man jedoch auch das Hauptthema des Zyklus und wie der Spannungsbogen dazu gestaltet wurde. Neben den Abenteuern, die die Protagonisten erleben, muss auch das Zyklusthema vorangebracht werden. Und hier lahmt die Geschichte deutlich, trotz oder gerade wegen der Antworten, die in diesem Roman durch Piet Rawland transportiert werden.

Wir haben also eine Tetralogie und sind bereits im dritten Teil. Nicht zu vergessen, Atlan hat bei seinem Weg bis in die Finale Stadt schon etliche Blöcke hinter sich gebracht. Nun steht ein Viererblock an, der als „Final“ tituliert wird. Final steht für Zielgerichtet, für Zielstrebigkeit. Davon kann leider keine Rede sein. Hier wurde viel versprochen, aber wenig gehalten. Diese Erkenntnis lässt sich bereits vor dem abschließenden vierten Band ziehen.

Analysiert man die Aussagen Rawlands, die Atlan und den Lesern einen Erkenntnisgewinn bescheren sollen, fällt das Resümee mager aus. Dass Matan Addaru Atlan aufhalten will, wussten wir schon vorher. Dass er sich des Konglomerierten Bacctous bedient, auch. Dass sich das Schicksal unzähliger Welten entscheidet, ist ebenso wenig eine Überraschung. Dies ist der Standardsatz schlechthin in allen Zyklen!

Humorig wird die Lösung von Thez´ „Umdenken“ präsentiert. Hier musste ich schmunzeln. Schließlich habe ich auch im meinem Rezensionen zu den Romanen im Sturmland Bedenken zu dieser Art der Machtfülle eines Wesens geäußert.

Nach Oben und Unten nun der Hof, der keiner war. Die dringendste Frage, die sich mir stellt, ist die, warum Atlan nach Ankunft mit einem Fauthen und dem Pensor in den Jenzeitigen Landen nicht sofort in den Hof eingeladen wurde? Es waren alle Beteiligten zusammen, die nötig waren, dies zu ermöglichen. Der Fauth, der Atlan erst in die Jenzeitigen Land gebracht hat und wohl kaum auf Seiten des Matan Addaru steht und der Pensor, der wohl mehr ist, als nur der einfache Pilot eines Richterschiffes.

Die Antwort darauf dürfte ebenso einfach wie unbefriedigend sein. Die Expokraten haben es so gewollt. Das Problem dabei ist, dass sie vergaßen, auf dem Weg, den Atlan beschreiten musste, Meilensteine zu platzieren, die nicht nur Beschreibungen der Jenzeitigen Lande beinhalteten, sondern die entscheidend für seine Mission waren.

Ich mag Geschichten, die breit aufgestellt sind, dadurch schaffen sie Atmosphäre. Bei aller Leistung, die Michael Thurner, Michelle Stern und jetzt Oliver Fröhlich geliefert haben, bleibt das Zyklushauptthema der Schwachpunkt. Nicht inhaltlich aber in der Art und Weise, wie es von den Exposé-Autoren vorangetrieben wird.