Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2855

PR_2855Der Linearraum-Dieb – von Michelle Stern – Handlung:

An Bord der TOMASON schreibt man den 09.Juli 1518 NGZ. Das Führungsschiff des Liga-Verbands hält sich nach wie vor beim Planeten Medusa auf. Auch Germo Jobst und Jawna Togoya sind an Bord und teilen sich eine Unterkunft. Während die Posbi nach dem Hyperfrost-Schlaf wieder einsatzbereit ist, leidet Germo noch unter den Nachwirkungen. Der Junge rätselt über Bilder, die er selbst in der Zentrale von MUTTER gemalt hatte. Sie zeigen Kerouten, allerdings hat Germo nie Kontakt zu diesen Lebewesen gehabt. Er ist erst über die Berichte aus der Vergangenheit und den Kerouten auf Medusa in Kontakt zu diesen Wesen geraten. Auch sein Chrono-Duplikat hat an Bord der Irr-MUTTER solche Bilder gemalt. Die Bilder von Bord der Irr-Mutter wurden aufgezeichnet, bevor das Schiff zu Staub zerfallen ist, da alle Energie bei der Rettung der RAS TSCHUBAI aufgebraucht worden war. An Bord der TOMASO wird Alarm gegeben. Ein einzelner Linearraum-Torpedo der Onryonen hat sich Medusa genähert. Möglicherweise ein Irrläufer, denn die Onryonen sind Partner der Terraner beim Einsatz vor Medusa.

Fünfeinhalb Wochen zuvor ist der Raumvater HOOTRI im Landeanflug auf die Onryonenwelt On-Vennbacc. Der Planet ist Heimat von 1,2 Milliarden Onryonen und dreht sich in einer On-Vakuole, eines im Linearraum stabilen Gebildes, das von einem Schwarzen Loch mit Energie versorgt wird und den Planeten als Sonnenersatz dient. On-Vennbacc ist Teil der On-Ökumene, deren Hauptwelt On-Ryo ist. TLD-Chef Attilar Leccore, der sich als der Terraner Ovid Penderghast ausgibt, wird mit anderen Galaktikern in ein medizinisches Zentrum der Hauptstadt gebracht und dort behandelt. Leccore kann sich relativ frei bewegen und wird in den Medien auf eine geschätzte Persönlichkeit aufmerksam. Die Onryonin Typhan Opporosh ist die Mutter des aktuellen Kanzlers des Planeten und mischt sich gerne unter das Volk. Zwei Wochen später hat Leccore eine Gelegenheit und trifft auf Typhan Opporosh, die er kurz berühren kann. Als Gestaltwandler ist er nun in der Lage, ein Template der Onryonin abzuspeichern. Er erfährt dadurch, dass die Onryonen an einer Abwehrwaffe gegen die Indoktrinatoren der Tiuphoren arbeiten. Der TLD-Chef hat nun ein Ziel. Er will die Daten des Verwirblers erbeuten.

Einige Tage später übernimmt Leccore die Identität des Onryonen Dannekhar Tokkhoi. Der junge Onryone ist Kämpfer in einem Wettstreit, bei dem es darum geht, Freiwillige für einen Test des Verwirblers zu rekrutieren. Zusammen mit zwei weiteren Onryonen erreicht Tokkhoi/Leccore das Ziel des Wettkampfes und wird in das geheime Forschungszentrum gebracht. Der Verwirbler hält zwar die Indoktrinatoren auf, hat aber tödliche Nebeneffekte für die Verteidiger. Eine sechsdimensionale Blendung entsteht, die unbedingt eliminiert werden muss. Projektleiter ist der alte Onryone Tass Shaycanar, der zusammen mit seinem Assistenten Cessnad Assoy die Tests leitet. Versuche Leccores, von Shaycanar ein Template zu machen, scheitern.

Inzwischen spitzt sich die Lage in der Milchstraße weiter zu. Zwar ist der größte Teil der Tiuphorenflotte nach wie vor passiv, dennoch haben Überfälle auf mehrere Aarus-Wurme stattgefunden. Der Zeitriss nähert sich bedrohlich dem Solsystem, so dass Cai Cheung, als kommissarische Residentin, Vorbereitungen zur Evakuierung des Systems angeordnet hat.

Bei den Tests wird Tokkhoi/Leccore schwer verletzt und liegt Tage im Koma. Glücklicherweise wird seine wahre Identität von den Onryonen nicht entdeckt. Er ändert seinen Plan und findet überraschend in Cessnad Assoy einen Partner. Der Onryone ist ebenfalls der Ansicht, den Verwirbler allen Völkern zur Verfügung zu stellen. Die beiden schmieden einen Plan. Leccore gelingt es unter verschiedenen Tarnidentitäten die Führungsriege des Planeten davon zu überzeugen, dass ein abtrünniger Jaj im Auftrag der Terraner die Pläne erbeuten will. Um die Daten zu sichern, sollen sie mit einem umgebauten Linearraum-Torpedo in Sicherheit gebracht werden, während man den vermeintlichen Jaj auf eine falsche Spur lockt.

Cessnad Assoy kann den Torpedo für den Transport vorbereiten. Als Leccore und er bereits unterwegs in Richtung Medusa sind, fliegt ihr Schwindel auf. Die beiden Diebe können jedoch nicht mehr aufgehalten werden. Ihr Funk ist beschädigt, aber Germo erkennt, dass in dem Torpedo, der so überraschend aufgetaucht ist, zwei Lebewesen sitzen. Assoy und Leccore werden gerettet und die Pläne des Verwirblers sind nun in der Hand der Terraner.

 

Rezension:

Glaubt man den Umfragen, dann machen nur vier von zehn PC-Anwendern in Deutschland eine Sicherungskopie ihrer Daten. Onryonen, so teilt uns Michelle Stern mit, gehören ebenfalls zur Gruppe der Anwender, die bei Datenverlust ziemlich dumm dastehen. Man sollte eigentlich davon ausgehen, dass die Daten der Waffe auch auf der Hauptwelt On-Ryo vorliegen. Der (vermeintliche) Jaj muss sich also ganz schön wundern, wenn die „Originaldaten“ dorthin in Sicherheit gebracht werden sollen. Es hätte eigentlich genügt, die Daten auf On-Vennbacc zu löschen. Da dies aber nicht gemacht wird, sind die Onryonen entweder so dumm, tatsächlich kein Backup der Daten zu haben oder sie sind dumm, weil sie glauben, einen Jaj mit einer solchen Geschichte ködern zu können. Da sie aber versuchen, den Torpedo abzuschießen, wird wohl doch irgendwo ein Backup existieren.

Ich hatte zunächst Probleme, die Handlungsstränge zu sortieren, bzw. zu erkennen, welche Ziele die Autorin mit den verschiedenen Ebenen ihres Romans verfolgt. Germo Jobst schien zunächst nur dazu angelegt, um aus dieser Figurensicht den Erfolg Leccores zu dokumentieren. Dann natürlich der Erzählstrang, der den Gestaltwandler als Hauptakteur hat und schließlich ein Einsprengsel zum Tamanium, das irgendwie nicht zum Roman zu passen schien, das aber, wie sich schnell herausstellte, zur Germo Jobst-Handlung gehörte. Die Bilder, die der Junge betrachtete, scheinen etwas zu bedeuten. Leider wurde dieser Aspekt von Michelle Stern weniger intensiv, als erhofft, verfolgt. Stattdessen diente Jobst seitenlang dazu, die Leser auf den Stand der Handlung von Band 2840 zu bringen, dem Vorgängerband. Eine tiefergehende Charakterisierung der Figur Germo Jobst bleibt Verena Themsen vorbehalten, wie die Vorschau auf den Roman nächste Woche verrät.

Endlich beschreibt Michelle Stern auch mal Onryonen, die sich als selbständige Individuen zeigen. Es werden nicht nur Demonstranten von ihr beschrieben, sondern mit dem Assistenten des Wissenschaftlers wird gleich ein gänzlich anderer Typ von Onryone eingeführt. Einer, der sich als Rebell betätigt. Zeit wurde es ja, denn die Konformität, die von den Autoren dieser ganzen Zivilisation angehängt wurde, wirkte, je länger sie andauerte, immer weniger plausibel.

Die Autorin kann mit dem Planeten On-Vennbacc einen weiteren sehr ungewöhnlichen Handlungsort einführen. Die von Michelle Stern gemachten Beschreibungen vermittelten ein exotisches Flair. Die Landschaftsbeschreibungen, das Farbenspiel in der Atmosphäre und die Wirkungen der verschiedenen Phänomene auf die Städte und deren Bewohner werden detailliert eingefangen. Auch in den zahlreichen Interaktionen der Figur Leccore mit anderen Onryonen geht die Autorin erschöpfend zu Werke. Abseits davon wirkte die Geschichte allerdings unnötig kompliziert. Da war zunächst der „Wettbewerb“, der auf der Onryonenwelt veranstaltet wird, um Probanden für ein Experiment zu gewinnen. Und wie schon eingangs erwähnt, war auch die Idee, wie die Onryonen die Pläne des Verwirblers in Sicherheit bringen wollen, verzwickt. Da hilft auch nichts, dass Leccore diese Aktion beeinflusst.

Ein entscheidender Aspekt fehlte in der Geschichte von Michelle Stern gänzlich. Zu keiner Zeit machen sich ihre Figuren weitreichende Gedanken darüber, was diese Abwehr gegen die Indoktrinatoren tatsächlich bedeutet. Denn es fehlt nach wie vor an einer Möglichkeit, Sterngewerke, die sich in Hyperstenz befinden, zu bekämpfen.

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