Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2849

Das Chronoduplikat – von Uwe Anton – Handlung:

An Bord der TOMASON fällt es Oberst Ahasver Solo immer schwerer, die Lage auf und um den Planeten Medusa zu überblicken. Priorität hat natürlich die Befreiung der RAS TSCHUBAI aus dem Hyperfrost. Aber seine Aufmerksamkeit ist auch bei anderen Aktivitäten gefragt. In einer Holokonferenz werden die Themen besprochen. Am Rande wird die Abstimmung des Olymp-Komplexes vom 01. Juni 1518 NGZ bekannt. Mit einer deutlichen Mehrheit haben sich die Bürger gegen einen Beitritt zum Tamanium ausgesprochen. Von Anna Patoman kommen beunruhigende Nachrichten. Die Tiuphorenflotte hat inzwischen eine Stärke von etwa 45.000 Sterngewerken erreicht, die sich allerdings aus unbekannten Gründen still verhalten. Die Tiuphorenwacht beobachtet nur und auch die Onryonen halten sich zurück. Der Zeitriss hat zwei Perforationspassagen gebildet, die sich einander nähern, als wollten sie fusionieren. Cai Cheung hat dem Plan Bostichs zugestimmt, die Perforationspassagen zu bombardieren. Die LFT sendet dazu die beiden einzigen SHIVA-Aufrissbomben zur GOS’TUSSAN II und Monkey steuert die tefrodische Variante bei, die er auf Halut erbeutet hatte.

Auf Medusa ist die Chronotheoretikerin Aichatou Zakara dabei, Indizien für das Horawyzsche Theorem zu sammeln. Sie lässt sich vom Wahldenker der Kerouten Geschichten erzählen. Dabei hört sie zum ersten Mal von der vierten Kammer der verirrten Toten. Bislang waren ihr nur drei Kammern bekannt. Die vierte Kammer könnte gerade erst entstanden sein, als ein Ergebnis der dys-chronen Drift. Mit Monkey untersucht Aichatou Zakara die vierte Kammer. In der Mitte finden sie ein kleines Schiff. Im inneren entdecken sie den mumifizierten Leichnam eines Terraners und Bilder von Terra, die seltsam verfremdet anmuten. Plötzlich stellt sich das Schiff vor. Es nennt sich die Irr-MUTTER dieser Zeit.

In der Nähe des Zeitrisses laufen die Vorbereitungen für den Einsatz der GOS’TUSSAN II. Inzwischen wurden alle Waffen geliefert und Anna Patoman überwacht persönlich die Überstellung der Bomben auf das Schiff Bostichs, der nun ebenfalls eingetroffen ist. Der Imperator nimmt die Waffen entgegen. Auf seltsame Art scheint der Arkonide von menschlichen Standpunkten entrückt zu sein, wie Patoman beobachtet. Während die GOS’TUSSAN II sich tarnt und Kurs auf die Perforationspassagen nimmt, beobachten die galaktischen Schiffe den Einsatz.

Lordadmiral Monkey und Aichatou Zakara erfahren nur wenig von MUTTER, die sich als Chronoduplikat bezeichnet und vor etwa 350 Jahren, also um 1170 NGZ auf Medusa deponiert wurde. Es waren zwei Personen an Bord, von denen eine vor 150 Jahren gestorben ist. Die andere hat das Schiff verlassen, kurz nachdem das Schiff deponiert wurde. Wer das Chronoduplikat auf Medusa eingelagert hat, ist aus den Speichern gelöscht. Auf Bitte von Monkey soll MUTTER an der Befreiung der RAS TSCHUBAI mitwirken. Der Tefroder Dienbacer kann die Positronik von MUTTER nicht lesen. Es könnte eine Syntronik sein und das Schiff aus der Zukunft stammen. MUTTER kann Kontakt zur anderen MUTTER auf der RAS TSCHUBAI herstellen. Es ist zu riskant, die RAS TSCHUBAI aus dem Hyperfrost zu holen. Aber man könnte wenigstens die Besatzung herausholen. Das Chronoduplikat von MUTTER schafft eine Verbindung zur MUTTER in der RAS TSCHUBAI. Über eine winzig kleine Verbindung durch den Hyperfrost wird die Besatzung per Transmitter geborgen. Die lange Zeit in Suspension hat die Besatzung geschwächt und gestresst. Alle 35000 Frauen und Männer werden betäubt und auf die Medostationen der Schiffe um Medusa verteilt.

Die an Bord der TOMASON inhaftierte Anoree Meechyl arbeitet an einem Mittel gegen die Indoktrinatoren der Tiuphoren und beobachtet auch, dass die Irr-MUTTER bei dem Rettungsprozess, der sie viel Kraft kostet, regelrecht ausbrennt. Meechyl äußert gegenüber Monkey die Vermutung, dass die Terraner im Atopischen Tribunal einen mächtigen Verbündeten hätten. Anders ist es nicht zu erklären, wie das Chronoduplikat auf Medusa so zielgerichtet positioniert wurde.

Perry Rhodan wird als Letzter geholt. Der Unsterbliche leidet unter Alpträumen, kann sich jedoch schnell erholen. Nachdem er die Lage erklärt bekommt, will er Bostichs Plan stoppen. Der Arkonide ignoriert die Funkanrufe, mit denen Anna Patoman ihn stoppen will. Er feuert alle fünf Waffen auf die Perforationspassagen ab. Die Energien der Waffen scheinen zunächst wirkungslos zu sein. Dann beobachten die Schiffe eine Veränderung. Aufgrund einer chronokinetischen Transformation hat sich der Zeitriss verformt und steuert zwei Ziele an. Die eine Perforationspassage eilt auf das zentrale Black Hole der Milchstraße zu, die andere Perforationspassage wird von Sol angezogen!

Gaumarol da Bostich meldet sich noch einmal bei Anna Patoman. Im Augenblick der Explosion hat er eine mentale Resonanz gespürt. Auf die Frage von Patoman, ob der Zeitriss lebt, zögert Bostich mit der Antwort. „Er lebt nicht. Leben ist zu viel gesagt. Und zu wenig.“

 

Rezension:

So, Heft aus der Hand gelegt und kurz überlegt. Hat mir der Roman gefallen? Ja, hat er. Seit längerer Zeit mal wieder eine Geschichte, die ich in einem Rutsch durchgelesen habe. Wie wird die Rezension ausfallen? Sie müsste eigentlich gut ausfallen. Eigentlich? Nun ja, um die Rezension zu schreiben lese ich manche Kapitel im Roman noch einmal. Und dann passiert es einfach. Ich hinterfrage die Geschichte oder zumindest manche Inhalte. Meine Beurteilung, dass mich der Roman gut unterhalten hat, bleibt. Und trotzdem kommt jetzt das unvermeidliche „Aber!“

Ich nehme das Heft also nochmal in die Hand. Oben rechts prangen vier Ziffern. Zwei – Acht – Vier – Neun. Wirklich schon Band 2849? Wo steht der Zyklus nach 150 Romanen um das Atopische Tribunal? Und wo steht eigentlich der Held? Dessen Erwachen im aktuellen Roman nach 500 Jahren in Suspension wird von Uwe Anton ganz positiv geschildert. Der „Sofortumschalter“ Rhodan erwacht, lässt sich die Lage schildern und entscheidet, dass Bostich sein Vorhaben abbrechen soll. So kennen wir den Helden, so lieben wir den Helden. Wären da nicht das verflixte Nachdenken und das Schreiben einer Besprechung des Romans. Ist es also wirklich positiv, was der Autor da schreibt?

Versetzen wir uns kurz in die Lage des Helden am Ende von Uwe Antons Roman. Perry Rhodan erwacht am 03. Juli 1518 NGZ in der Krankenstation der TOMASON. Ziemlich genau vier Jahre zuvor ist er mit der STARDIVER zum Mond gestartet und die Onryonen haben das erste Jahr des Atopischen Tribunals verkündet. Was hat der Held erreicht? Die Antwort fällt ernüchternd aus: „Nichts!“ Der Held hat nichts erreicht. Er wird nach wie vor eines Verbrechens beschuldigt, das er erst im Jahre 84.387 begehen wird, die Auslösung des Weltenbrandes. Was hat der Held über die sogenannte Ekpyrosis von GA-yomaad in Erfahrung bringen können? Hat er die Richter stoppen können? Hat er die Onryonen aufhalten können? War er es, der die Jaj verjagt hat? Hat er den Mond gerettet? Hat er die Stationierung von Stelen verhindert? Hat er etwas über das Atopische Tribunal erfahren? Wer ist der dritte Fraktor? Wer beruft die Richter? Woher stammt deren Technologie? Welche Ziele verfolgt das Tribunal?

Die Fragen ließen sich noch endlos fortsetzen. Fakt ist, der Held der Geschichte hat überhaupt nichts erreicht. Oh, halt, er hat einen Richter getötet. Er weiß nur noch nicht, dass ein Ersatz kommen soll. Rhodan steht mit leeren Händen da. Na ja, nicht ganz. Von seiner Zeitreise hat er immerhin die Tiuphoren mitgebracht. Und den Zeitriss, der, wie wir am Ende von Uwe Antons Roman erfahren, nun Richtung Sol driftet. Ich hatte mich schon gefragt, wann denn vom Exposé-Team mal wieder diese Karte gezogen würde?

Dabei fing es in Heft 2700 doch so gut an für den Helden. Nachdem er im Neuroversum-Zyklus durch einen Strampelanzug noch gehandicapt war, zeigte Rhodan zu Beginn des Zyklus endlich wieder die Qualitäten, die man sich von dieser Figur erwartet. Er zieht los, um es zu richten. Die Dinge, nicht die Richter. Nach 150 Heften ist davon nicht viel übrig geblieben. Der Held, das zeigt auch die vorliegende Story, wird nur noch von der Hoffnung getragen. Er hatte die Hoffnung, dass sein Handeln die Zeitlinie bewahrt. Er hatte die Hoffnung, dass Bughassidow den Planeten Medusa findet. Er hatte die Hoffnung, dass dann ein paar Mutanten herumhängen, die sich vielleicht als nützlich erweisen könnten. Er hatte die Hoffnung, im richtigen Jahr zu erscheinen. Vielleicht hat er sich auch das Chronoduplikat erhofft. Und anscheinend hat Rhodan auch noch die Hoffnung, dass Atlan etwas ausrichten kann.

Apropos Atlan. Es ist schon ganz gut, dass der Arkonide in die Jenzeitigen Lande unterwegs ist. Perry hätte das nicht geschafft. Der wäre an den 700 Jahren Flugdauer nach Andrabasch zugrunde gegangen oder hätte sich auf die Onryonenwelt Bootasha zurückgesehnt. Dort hätte er nur 500 Jahre absitzen müssen. Wie wäre die Situation in der Milchstraße, wenn Perry nicht aus dem Gefängnis geflohen wäre? Er wäre nicht nach Larhatoon gelangt, hätte keine Laren mitgebracht, die damit keinen Zeitriss ausgelöst hätten. Es würde keine Tiuphoren in der Handlungsgegenwart geben. Eigentlich wäre es für die Galaxis besser gewesen, wenn der Held im Gefängnis geblieben wäre.

Genug über die unrühmliche Rolle des Helden im Zyklus geredet. Zurück zum Roman von Uwe Anton. Der Autor, dessen erster Teil des Romandoppels für meinen Geschmack zu viele Rekapitulationen aufwies, zeigt sich diesbezüglich etwas besser aufgestellt in dieser Geschichte. Seine Wiederholung mit den Erkenntnissen über die dys-chrone Drift fand ich sogar notwendig. Verstanden habe ich sie trotzdem nicht. Der Autor wechselt sehr häufig die Handlungsorte und bringt in allen Ebenen eine stetig steigende Spannungskurve unter. Wie schon letzte Woche kann Uwe Anton die Entwicklung der Handlung geschickt verschleiern. Im letzten Roman hatte der Paraschock nichts mit der RAS TSCHUBAI zu tun. Und das Chronoduplikat diese Woche war auch die Kopie eines anderen Schiffes. Mit dem Auffinden des kleinen Schiffes in der 4. Kaverne ging ich zunächst davon aus, hier die Space-Jet vorzufinden, die Rhodan vor 20 Millionen Jahren auf Medusa geparkt hatte.

Um so manche Klippe in seinem Roman schifft der Autor gekonnt herum. Warum Transmitter im Hyperfrost funktionieren, die Indoktrinatoren hingegen nicht, warum man die Suspensionsalkoven im Hyperfrost öffnen und die enthaltenen Personen per Transmitter nach außen transportieren kann, bleibt weitgehend unklar. Der Autor sah es genauso und verweist auf ein bekanntes Zitat: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ Gut, das MUTTER dabei war und das gleich zwei mal.

Und auch sonst wird von Uwe Anton manche Handlungsfolge der Dramaturgie untergeordnet. Beispielsweise als es darum ging, ob die Kapazitäten der Medoeinrichtungen reichen würden, um alle Besatzungsmitglieder der RAS TSCHUBAI zu versorgen. Im 21.Jahrhundert der realen Welt reicht zur Beantwortung dieser Frage ein Taschenrechner. Im Roman ließ man es darauf ankommen! Wie verwegen!

Der Roman „funktioniert“ ganz gut. Das habe ich beim Lesen festgestellt. Fängt man an, darüber nachzudenken, geht die Faszination Stück für Stück verloren. Also höre ich jetzt lieber auf, über den Roman nachzudenken.

Eine witzige Anekdote zum Schluss. Als ich das Wort „Horawyzsche“ eintippte und dabei zunächst den Buchstaben „z“ vergaß, schlug die Rechtschreibkorrektur als Ersatz das Wort „Ohrwaschel“ vor. Ich finde, dass das „Ohrwaschel Theorem“ für das Zeitchaos in der Handlung eine akzeptable Beschreibung ist.

 

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