Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2839

Vorstoß ins Hypereis – von Leo Lukas – Handlung:

Der Planet Medusa entwickelt sich im Mai 1518 NGZ zu einem aktuellen Brennpunkt der galaktischen Geschehnisse. Die LFT entsendet daher Aineas Cosentiu zum Dunkelplaneten. Der Terraner gilt als der beste Mann im diplomatischen Dienst der Liga, trotz oder vielleicht auch wegen seiner unkonventionellen Umgangsformen.

Auf der KRUSENSTERN muss Viccor Bughassidow widerwillig zur Kenntnis nehmen, dass immer mehr Parteien mit ihren Schiffen vor Medusa eintreffen. Zuerst ist es die ONTIOCH ANAHEIM, mit der Kaiserin Indrè Capablanca anreist, um vor Ort den Auswirkungen der dys-chronen Drift nachzugehen. Nur kurze Zeit später treffen tausend Schiffe der Liga ein und ebenfalls nur wenig später eine Flotte von Raumvätern der Onryonen in gleicher Anzahl. Die onryonische Kommandantin Amzza Taarwa erklärt sich zu einer Kooperation in begrenzten Maße mit den Terranern bereit. Sollten die Tiuphoren Medusa/Sheheena entdecken, wird der Planet ein primäres Angriffsziel werden. Oberst Ahasver Solo von der TOMASON der Liga-Flotte beansprucht jedoch den Oberbefehl über alle Kräfte vor Ort. In dieser Situation des Kräftemessens tritt Aineas Cosentiu auf den Plan. Wenig höflich aber bestimmt in seinem Auftreten kann sich der Diplomat durchsetzen und alle Beteiligten an einen Tisch in der KRUSENSTERN zusammenbringen.

Auf der ONTIOCH ANAHEIM wird Sicherheitschef Telo Buurnam zu einem Einsatz gerufen. Lordadmiral Monkey wurde von etwas Fremdartigen angegriffen, dem er sich nur mit Mühe erwehren konnte. Das Ding konnte jedoch durch die Lüftungsschächte entkommen. Der Oxtorner vermutet Niemandgram Toposhyn hinter dem Angriff. Doch der Hofnarr hat ein Alibi, was Monkey jedoch nicht überzeugt. Er hält den Epsaler für einen Jaj.

Aineas Cosentiu hat inzwischen eine Einigung der Parteien erreicht. Man wird sich gegenseitig unterstützen. Viccor Bughassidow und Indrè Capablanca statten im Anschluss an die Verhandlungen Medusa einen Besuch ab. Die beiden Mutanten Beldech und Töyontur wollen dort mit ihrer Fähigkeit der Kontakt-Ortung einen mentalen Vorstoß zur im Hypereis liegenden RAS TSCHUBAI unternehmen. Pattrok Beldech und sein Partner haben zudem ein Stelen-Gefünft entdeckt, das von der Onryonenflotte mitgebracht wurde. Die Bordärztin der KRUSENSTERN, der Hofnarr, der Oxtorner und die Chronotheoretikerin vervollständigen das Team.

Am Standort der RAS TSCHUBAI versagen die beiden Kontakt-Orter. Monkey schlägt vor, die Fähigkeiten von Beldech und Töyontur mit Glasfrost zu verstärken. Der Lordadmiral führt einen kleinen Bestand der Droge mit sich. Jatin hat Einwände, dennoch werden die Vorbereitungen getroffen, um die Orter medizinisch zu überwachen. Derweil ist Aineas Cosentiu nicht untätig. Er besucht zusammen mit Amzza Taarwa die Kerouten und kann durch geschicktes Verhandeln die Planetenbewohner auf die Seite der Liga ziehen.

Der Einsatz von Glasfrost hat die Kontakt-Orter weiter gebracht. Allerdings zehrt die Droge an deren Lebenskraft. Trotz großer Bedenken soll der Versuch wiederholt werden, um sich der RAS TSCHUBAI noch weiter paramental zu nähern. Aichatou Zakara installiert Versuchsapparaturen, um die Vorgänge aufzuzeichnen. Dann begeben sich Beldech und Töyontur erneut unter Glasfrost-Einfluss auf Reisen. Die Auswertung der Ergebnisse liefert Erschreckendes. Medusa, oder vielmehr die RAS TSCHUBAI, erzeugen eine dys-chronale Vibration. Möglicherweise ist die RAS TSCHUBAI von einer anderen Zeitlinie kontaminiert worden. Oder von einer anderen Art von Zeit. In der Folge wird der Zeitriss in Richtung Medusas verschoben und dadurch zahlreiche Welten gefährdet. Die RAS TSCHUBAI muss unbedingt von Medusa entfernt werden.

Bevor die Erkenntnisse in Aktionen münden, enttarnt sich Niemandgram Toposhyn als Jaj und attackiert mit unglaublicher Wucht Monkey. Der Jaj scheint über noch größere Fähigkeiten als die bekannten Gestaltwandler zu verfügen. Er similiert während des Kampfes selbst eine oxtornische Körperstruktur und mehrere Tentakel. Monkey hat keine Chance. Der Jaj geht weit über seine Grenzen hinaus. Er paralysiert das ganze Team, zuletzt Aichatou Zakara, bei der er sich zuvor bedankt. Der Jaj similiert die Kaiserin und kann mit der ONTIOCH ANAHEIM entkommen. Die Motive des Super-Jaj liegen völlig im Dunkeln. Warum hat er die Mitglieder der Gruppe nicht getötet und warum hat er sich bei Aichatou Zakara bedankt?

Während Monkey medizinisch versorgt wird, versuchen Onryonen und Terraner die RAS TSCHUBAI aus dem Hypereis zu ziehen, was kläglich scheitert. Monkey möchte Personen mit stärkeren Parakräften rekrutieren, die in das Hypereis vorstoßen sollen. Er will die tefrodischen Mutanten Dienbacer und Assan-Assoul beschaffen.

 

Rezension:

Leo Lukas beginnt den zweiten Teil seines Doppelbandes erneut mit einem Zitat von Geoffry Abel Waringer. Der berühmte Hyperphysiker forderte seinen Zuhörer im Rahmen einer Vorlesung dazu auf, im Zweifelsfall über Zeitexperimente lieber einen Tag länger nachzudenken. Da stellt sich mir die Frage, ob das die Expokraten auch getan haben, bevor sie die aktuellen Geschichten ersannen?

Angekündigt wurde Medusa als zentrales Element, an dem viele Handlungsfäden zusammengeführt werden. Momentan zeigt sich dieser Schauplatz noch als wirres Knäul und Leo Lukas brachte mit seinem Roman nur wenig Ordnung ins Chaos. Es sind nur Kleinigkeiten am Rande, die auf eine baldige Auflösung einiger weniger Handlungselemente hindeuten. Dazu gehören die Onryonen, die wohl nicht mehr zum „großen Feind“ zu zählen sein werden. Dementsprechend werden früher eingeleitete Maßnahmen, bspw. die Abwehr von Linearraumtorpedos, wohl auch nicht weiterverfolgt. Die Onryonen selbst werden klammheimlich herabgestuft. Sind im letzten Zyklus bei jeder Gelegenheit in jedem noch so unbedeutenden System zehntausende ihrer Schiffe aus dem Zwischenraum geplumpst, werden für die Verteidigung der ach so wichtigen Welt Medusa gerademal 1000 Schiffe aufgeboten. Der Downgrade eines Feindes, der ohne plausible Handlungsbeschreibungen einsetzt, konnte in früheren Zyklen als ein Indiz für den kommenden Showdown betrachtet werden. Leo Lukas haut in diese Kerbe, wenn er den terranischen Diplomaten die Onryonenkommandantin regelrecht vorführen lässt. Normalerweise hätte die Onryonin ein Ultimatum an alle Beteiligten ausgesprochen und die Terraner hätten sich wie geprügelte Hunde zurückgezogen.

Andererseits wäre eine Neuauflage dieses überstrapazierten Themas auch nicht angezeigt gewesen. Der Figur des terranischen Diplomaten und den wenig gepflegten Umgangsformen sei Dank, dass es anderes gekommen ist. Die Figur gefiel mir, wohl vielleicht auch aus dem Grund, weil ich schon einmal in meinem Berufsleben jemand habe kennenlernen müssen, der ähnlich agierte und gleichwohl erfolgreich dabei war. Auch die anderen Figuren, die der Autor einbaute, machten Spaß. Eine Naat als Hostess mittlerer Preisklasse, die vielarmige Barkeeperin und andere skurrile Erscheinungen und Szenen waren mehr nach meinem Geschmack, als der Hofnarr, dessen derbe Scherze mich zu sehr an einen Clown erinnerten. Ich mag keine Clowns und dies nicht erst seit ich ES gelesen habe. Damit meine ich Stephen Kings ES und nicht eine gleichnamige und eher hilflose Superintelligenz.

Nach der gelungenen Einführung des Diplomaten führt Leo Lukas auch die anderen Grüppchen bei Medusa zusammen. Die starke Konzentration an Figuren und die offenen Handlungsfäden offenbarten jedoch eine Schwäche dieses Romans. Mittlerweile sind nämlich derart viele Handlungselemente und Personen im Spiel, dass es dem Autor nicht mehr möglich war, jedem davon die eigentlich nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Die Kaiserin blieb blass und für Monkey, immerhin ein ZA-Träger, reichte es nur zu einer Randfigur. Auf den Oxtorner hätte man auch verzichten können, es sei denn, es lag in der Absicht des Autors, auch mal eine prominente Figur im Schatten vermeintlicher Nebenfiguren agieren zu lassen. Auch einige Szenen gerieten recht kurz. Dem Tempo der Geschichte kam das allerdings wieder zugute. Am Romanende wird angekündigt, nun auch noch die Tefroder mit ins Spiel zu bringen. Noch mehr Beteiligte also.

Auf den letzten Seiten versucht sich Leo Lukas zudem an einer Zusammenfassung der Milchstraßenebene, indem er Atopisches Tribunal, dessen Werkzeuge, insbesondere die Jaj, den Zeitriss, die dys-chrone Drift, die RAS TSCHUBAI, eine zweite Zeit (Synchronie) und etliches anderes zusammenwirft. Erfolglos natürlich, der Autor kommt auf Seite 53 zu einem Schluss, den ich als Leser bereits seit dutzenden von Heften immer und immer wieder erlebe. „Fragen über Fragen …“ teilt uns der Autor dort mit.

Es ist an der Zeit für Antworten!

 

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