Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2818

Flucht einer Welt – von Christian Montillon – Handlung:

Nach dem Einsatz gegen die Tiuphoren auf Medusa/Sheheena, in dessen Verlauf der junge Tiuphore Poxvorr Karrok in die Gefangenschaft der Terraner geriet, steht der Einsatz der Purpur-Teufe unmittelbar bevor. Perry Rhodan und Gucky verhören Poxvorr Karrok, der ohne seinen Kampfanzug im Hochsicherheitsbereich der BJO BREISKOLL untergebracht ist. Der Ilt erkennt, dass die Brünne ein schwaches Eigenbewusstsein besitzt, das unter anderem dazu dient, die Gedanken des Tiuphoren gegen einen Telepathen abzuschirmen. Doch auch ohne Brünne kann Karrok seine Gedanken vor Gucky verbergen. Der Ilt sucht die Hilfe des einzigen Herreachs an Bord. Kamona Hai soll mit seinen Fähigkeiten dazu beitragen, das Geheimnis des Gefangenen und seiner speziellen Ausrüstung zu lüften. Der Sicherheitschef der BREISKOLL, der Kamashite Grim Sternhell, unterstützt dieses Vorgehen.

Während die Untersuchung des Gefangenen beginnt, macht Perry Rhodan einen Ausflug zu einer Sternmission der Laren. Die TAAROS BOTE 119 hat sich an der Evakuierung der Kerouten beteiligt. An Bord trifft Rhodan auf den Laren Musas-Arron. Der Unsterbliche erfährt, dass die Sternmissionen den Kampf gegen die Tiuphoren aufgeben und sich zurückziehen. Einige Laren, darunter Musas-Arron, wollen jedoch zurückbleiben und den Kodex weiter unterstützen.

Auf dem Rückflug zur BJO BREISKOLL wird der Unsterbliche von Sichu Dorksteiger über einen Plan der Wissenschaftlerin informiert. Sie beabsichtigt, eine präparierte Space-Jet auf Medusa/Sheheena zu landen. Das Schiff soll die Jahrmillionen unter Eis begraben werden und im Jahre 1518 NGZ eine Funkbotschaft an Viccor Bughassidow und die KRUSENSTERN absetzen. Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger persönlich landen die Jet. Mit dem Kran werden sie zurückgeholt, während vier Posbis in dem kleinen Schiff bleiben.

Das Verhör von Poxvorr Karrok bleibt ergebnislos. Während das Gespräch noch diskutiert wird, bricht die Verbindung zum Sicherheitsbereich ab. Gucky, Kamona Hai und Grim Sternhell vermuten, dass es dem Gefangenen trotz Isolation gelungen sein muss, Indoktrinatoren freizusetzen. Der Gefangene hat dadurch mehrere TARAS in seine Gewalt gebracht und ist ausgebrochen. Die Jagd auf den Tiuphoren beginnt. Nach mehreren Kämpfen kann schlussendlich der Herreach mit einem dunklen Schemen Poxvorr Karrok töten.

Inzwischen sind 50 Sterngewerke der Tiuphoren im System eingetroffen und versuchen alles, um zu Medusa/Sheheena vorzudringen. Der Countdown zählt jedoch herunter und während alle Verteidiger das System verlassen, wird die Purpur-Teufe aktiv. Das erzeugte Energiefeld kann auch von den Tiuphoren nicht durchdrungen werden. Ein Tunnel bildet sich und Medusa/Sheheena verschwindet. Der vom rayonischen Waffenmeister Cosherryc beabsichtigte sextadimensionale-asynchrone Impuls entsteht. Aus sicherer Distanz beobachten die Terraner das Geschehen. Für kurze Zeit blitzt auch Sol auf und nach Dorksteigers Messungen wird ein Impuls ausgesandt, der noch in Milliarden Lichtjahren Entfernung gemessen werden kann. Sol hat auf sich aufmerksam gemacht.

 

Rezension:

Christian Montillon verfolgt mit seiner Geschichte zunächst einen äußerst pragmatischen Schreibstil. Seine Figuren reihen viele kleine Aktionen aneinander, die letztlich zwar in der titelgebenden Flucht einer Welt zusammengeführt werden, deren gemeinsamen Berührungspunkte aber nur oberflächlich waren. Alle Aktivitäten standen zwar unter dem Fluchtgeschehen des Planeten Medusa, wurden aber weder emotional noch technologisch, noch durch gemeineinsame Aktionen oder aus anderen Gründen miteinander gekoppelt. Dadurch wirkten die einzelnen Handlungsstränge planlos. Als Rahmenhandlung für eine große Story hätten die verschiedenen Handlungsstränge durchaus gepasst, alleine die große Story fehlte.

Der Autor setzt verschiedene Figurenpaarungen ein, deren Zusammensetzung auf dem Papier sehr reizvoll wirkte. Zunächst Perry Rhodan, der zusammen mit Gucky agiert. Als die erste Befragung des Gefangenen keine Ergebnisse bringt, stellt der Autor dem Ilt zwei Exoten an die Seite. Den Kamashiten Grim Sternhell und den Herreach Kamona Hai. Die Figur Perry Rhodan ist nach diesem Tausch weitgehend abgemeldet. Zwar lässt der Autor den Unsterblichen zwei Ausflüge unternehmen, die allerdings kaum diesen Hochkaräter als Besetzung benötigt hätten und dadurch erst recht belanglos wirkten.

Dabei hätte Christian Montillon durchaus die Gelegenheit gehabt, zumindest einer der Aktionen von Perry Rhodan mehr Tiefgang oder mehr Pep zu verpassen. Der Besuch des Larenschiffs bot sich allerdings dazu nicht an. Das war mehr ein Alibi-Besuch der Art, da gibt es doch noch was, da müssen wir mal vorbeischauen. Besser geeignet wäre der Ausflug gewesen, den Rhodan mit Dorksteiger unternimmt. Die Ator und der Terraner fliegen also los, um eine Space-Jet zu parken. Die Idee mit der Jahrmillionenbotschaft war gut, die Umsetzung geriet indes ausdruckslos. Wenn es dem Autor darum ging, beim Anflug auf Medusa/Sheheena und der geschilderten Enge in dem Raumschiff etwas Erotik ins Spiel zu bringen, dann ist das gnadenlos gescheitert. Bliebe noch eine interessante Unterhaltung, die seine Protagonisten hätten führen können. Beispielsweise Gedanken zur Gestaltung der Rückkehr in die eigene Gegenwart, z.B. per Zeitriss (dort ist ein Schiff stationiert worden, um das Phänomen zu untersuchen), per Dilationsflug, per Purpur-Teufe etc. etc. Aber leider Fehlanzeige!

Zurück zum Handlungsstrang mit dem Exotenteam. Der Autor führt die Figuren sehr langatmig ein. Auch die Örtlichkeiten, insbesondere der Sicherheitsbereich des Schiffes, werden ausführlich beschrieben. Sobald jedoch die ersten schnelleren Handlungsfolgen aneinandergereiht werden, verliert der Autor schnell den Überblick über sein eingesetztes Figurenequipment.

Es gab einige Entwicklungen, die nicht nachzuvollziehen waren. Während also im Arrestbereich die Hölle ausbricht, hält der Wachhabende ein Nickerchen, nur wenige Meter von explodierenden Kampfrobotern entfernt? Er schreckt hoch, als Gucky und sein Chef den Raum betreten. Dass der Tiuphore zu diesem Zeitpunkt die positronischen Überwachungssysteme unter Kontrolle hat, ist eine Sache. Eine andere sind explodierende Kampfroboter vor der Tür!

Es folgt eine weitere Entwicklung, die noch schwerer nachzuvollziehen war. Das untersuchende Team hält den Ausbruch des Gefangenen erst mal geheim. Weder werden Perry Rhodan noch andere Besatzungsmitglieder alarmiert und das Schiff in Alarmbereitschaft versetzt und dass, obwohl ein schwerbewaffneter Tiuphore durch den Raumer stürmt. Schließlich werden überraschende Schlussfolgerungen durch das Dreier-Team gezogen, bezgl. der Ziele des Tiuphoren.

Die Jagd auf den Tiuphoren wird dann relativ breit ausgewalzt. Ein erster Erfolg kündigt sich an. Der Kamashite liefert dem Tiuphoren einen spektakulären Kampf und dann, als sich herausstellt, dass dies nur Ablenkung war, um starke Kräfte an den Einsatzort zu führen, entkommt der Gegner. Genau mit diesem Satz. Einfach so, mitten im Schiff. Keiner verfolgt Poxvorr Karrok und die vom ihm kontrollierten Roboter, keiner bemüht Drohnen, Überwachungskameras etc.!

Stattdessen setzen sich zwei der Figuren mit der Keroutin und Rhodans Enkelin zusammen und halten einen Plausch. Diese Szenen wirkten holprig, nicht zuletzt auch deshalb, weil dem Autor sein exotisches Figurentrio, -quartett oder Quintett aus dem Ruder lief. Der kleine Kamashite darf ein wenig gegen die Brünne des Tiuphoren klopfen, an der schon TARAS mit hochenergetischen Waffen gescheitert sind. Na gut, es war spektakulär, das Kapitel wird aber durch das Vernachlässigen von Figuren, die zuvor auf Augenhöhe präsent waren, nicht plausibel. Wo war denn plötzlich der Herr Guck? Der Ilt erscheint erst wieder nach dem Kampf mit einem wichtigen Auftrag. Er erinnert nämlich die Verfolger des Tiuphoren daran, dass der Fremde noch immer durchs Schiff läuft. Beim Kaffeekränzchen mit der Keroutin Poungari hatten die nämlich alles um sich herum vergessen.

Der Handlungsstrang endet mit einer Falle, die von Poxvorr Karrok aufgebaut wird, in dem seine Verfolger scheinbar hineintappen, die teilweise selbst im Glauben sind, eine Falle für den Tiuphoren gestellt zu haben. Kaum scheint der Tiuphore gefangen, dreht der den Spieß sogar noch mal um. Wendungen in Geschichten sind gern gesehen aber das war eine Spur zu überzogen. Schließlich kommt es erneut zum Zweikampf des Kamashiten gegen Poxvorr Karrok. Alle Nachteile des Sicherheitschefs werden nun aber als Vorteile durch den Autor beschrieben. Eine völlige Umkehr des bisher geschilderten Kräfteverhältnisses. Schließlich die Erlösung. Der Herreach darf seine besondere Fähigkeit einsetzen. Ende der Geschichte. Halt! Nicht ganz. Es folgt noch das Kapitel mit der Versetzung von Medusa/Sheheena durch die Purpur-Teufe. Der Autor schreibt, dass dies nicht die Zeit für nüchterne Erklärungen war. Wahrscheinlich wollte er damit ausdrücken, dass er dem Leser keine Erklärungen liefern wollte. Der Leser bekam stattdessen nochmal die händchenhaltenden Perry und Sichu vorgesetzt.

 


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