Articles for the Month of Juli 2015

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2814

Im Netz der Kyberspinne – von Verena Themsen – Handlung:

Der Seher Ch’Daarn ist tot und sein Schützling, der Teleporter Germo Jobst, hat Atlan und Jawna Togoya zurück zu MUTTER gebracht. Solange der Junge sich erholt, lehnt es das Schiff ab, einen Ortswechsel durchzuführen. Der Aufbruch von Terra/Lemur ist jedoch dringend geboten. Die Posbi-Frau hat die lemurische Agentin Miuna Lathom in der Nähe entdeckt, die ihnen trotz der beeindruckenden Tarntechnologie von MUTTER sehr nahe gekommen ist. Als es Germo besser geht, wird als Ziel Suen angesteuert, wo sich die 236-COLPCOR befinden soll. MUTTER tarnt sich als altes Versorgungsschiff und nach kurzer Überprüfung darf das Schiff landen. Hauptstadt, des vom Technogeflecht überwucherten neuen Mondes, ist Neberu-Nest. Um nicht aufzufallen, lässt Atlan den Raumhafen von Toppa anfliegen.

Auf Terra/Lemur bekommt Miuna Lathom einen Eindruck von den Möglichkeiten der Gesuchten. Denn die Daten, die sie aus unzähligen Quellen sichtet, belegen, dass ihr das Schiff mit Atlan und seinen Begleitern erneut entkommen ist. Die Agentin vermutet, dass Suen das nächste Ziel der Flüchtigen ist und begibt sich ebenfalls dorthin.

Der Arkonide ist mit seinen Begleitern inzwischen von Toppa aus nach Neberu-Nest gelangt. Hier ist die Überwachung durch fliegende Drohnen sehr dicht. Alle Daten landen im APASHEMION. Im Suen-Museum erhalten die drei Besucher weitere Informationen. Suen ist kein neuer Mond, sondern ist letztlich das zu Ende geführte Projekt Neu-Ganymed. Neberu ist der lemurische Name für Jupiter, für den Neu-Ganymed bestimmt war. Beim Bau des Rechengehirns von Suen soll der tefrodische Mutant Dienbacer in eine PEW-Komponente des Rechners aufgegangen sein. Möglicherweise ist es dieses Opfer, das es dem Matan ermöglicht, jeden Bürger des Tamaniums, der eine gefährliche Richtung einschlägt, aufzuspüren und zu bekehren.

Das Trio bekommt Kontakt zur Archäo-Archivarin Denetree Hosessos. Von ihr erfahren sie den ungefähren Aufenthaltsort des Richterschiffs, das am Grunde eines tiefen Gewässers liegt. Und sie erhalten Einblick in eine künstlich geschaffene Welt, eine Messingwelt, in der die letzten 95 Haluter leben. Diese kämpfen in einer erzwungenen Drangwäsche einen immerwährenden Kampf gegen Eindringlinge dieser Traumwelt. Sie werden auch die lebendig Begrabenen genannt. Atlan hat die Vermutung, dass Ch’Daarn gar nicht Perry Rhodan meinte, als er Atlan auftrug, dass die Begrabenen ihm Antworten geben könnten.

Mit einem Beiboot von MUTTER fliegen Atlan, Jawna und Germo zu dem Gewässer, in der die 236-COLPCOR liegen soll. Am Ufer steht in einem bernsteinfarbenen Würfel gefangen, Angakkuq, der Hüter der COLPCOR. Atlan und die Posbi tauchen mit SERUNS zum Richterschiff. MUTTER hatte zuvor entdeckt, dass in der Tiefe ein Bereich mit negativer Strangness beginnt. Der Arkonide ist zuversichtlich, dennoch zum Schiff vordringen zu können.

Miuna Lathom ist dem Trio dicht auf den Fersen. Germo kann ihr knapp entkommen. Der Matan aktiviert die Verteidigung der COLPCOR und Germo rettet seine Freunde ein weiteres Mal per Teleportation. Atlan und Jawna wollen sich an die Haluter wenden und vorher nochmals die Archivarin kontakten. Germo kommt ihnen zuvor und springt zu Denetree Hosessos. Die hatte Besuch von der Agentin und liegt im Sterben. Sie trägt dem Jungen auf, dass man die Haluter wecken müsse. Deren hyperaktive Gehirne sind es, die das APASHEMION nähren. Bevor sie stirbt warnt sie Germo noch und flüstert einen Namen: „Bahonner“.

Inzwischen kommt es in der Messingwelt nach langer Zeit wieder zu einer Zusammenkunft aller 95 Haluter, die in ihrem immerwährenden Kampf gegen das Reich der Draugh die Vitalstädte verteidigen. Der sogenannte Lordprotektor berichtet von einer Gefahr, die das gesamte Bioversum zerstören könnte. Das Reich der Draugh rüstet sich und schickt den Gefährlichsten, den Anführer ihrer Streitkräfte. Sein Name ist Atlan!

 

Rezension:

Der dritte Teil des Kurzzyklus bringt eine Variation im Erzählstil. Autorin Verena Themsen konzentriert sich auf weniger Handlungsorte als Autorenkollege Andreas Eschbach und greift in einigen Kapiteln auf die Ich-Erzählperspektive zurück. Der zentrale Konflikt der Geschichte, also die Jagd der Agentin auf die Eindringlinge aus der erleuchteten Welt, wird ebenfalls fortgesetzt. Dazu reichert die Autorin ihre Geschichte mit Szenen aus der Traumwelt der Haluter an.

Für den Ich-Erzählstil setzt Verena Themsen auf Germo Jobst. Der Jugendliche hat seine eigene Sicht der Dinge, die aber keineswegs absonderlich ist. Vielmehr wirkt der Junge fast wie ein Teenager des 21. Jahrhunderts der realen Welt. Abgesehen von seinen Alleingängen ist diese Figur der Autorin beinahe etwas zu brav geraten. Nichtsdestotrotz lockerten die Gefühlswelt des Jungen und seine leicht bissigen Gedanken über die Menschen in seiner Umgebung, beispielsweise der Posbi-Frau, die Geschichte auf. Es war eine gelungene Mischung aus naiver Teenagersicht, einigen humorigen Beobachtungen und dem Bestreben des Jungen, seinen Platz in der kleinen Gruppe zu finden und zu behaupten.

Die actionlastigen Szenen werden von Verena Themsen beinahe ausnahmslos in die Traumwelt der Haluter eingebaut und die Autorin lässt die Leser lange im Unklaren, was hinter dem Kampf der vierarmigen Riesen steckt. Für meinen Geschmack werden diese Scharmützel in der Messingwelt ein wenig zu breit geschildert. Es bleibt auch am Ende des Romans unklar, welche der verwendeten Begrifflichkeiten in dieser künstlichen Welt noch eine Rolle spielen werden. Unklar bleibt auch, welche Bedeutung der erwähnten negativen Strangness noch zukommt. Allerdings wird dieser Aspekt von den Protagonisten durchaus lang und breit erörtert.

Der Roman bot gute Unterhaltung auch wenn erkennbar die wesentlichen Beschreibungen in den beiden ersten Bänden des Kurzzyklus verarbeitet wurden und die Auflösung komplett dem vierten Band vorbehalten scheint.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2813

An Rhodans Grab – von Andreas Eschbach – Handlung:

Die ATLANC hat es in das Jahr 2577 NGZ verschlagen. Die Galaxis wird vom Tamanium beherrscht. In dieser Zeit arbeitet Haran Vellec an einer Arbeit über die Dritte Macht. Der Student der Geschichtswissenschaft ist sich der Problematik seines Textes bewusst. Er läuft Gefahr, in die Ecke der Rhodan-Versteher, der Irrdenker, gestellt zu werden. Aber das 4000 Jahre alte Bildmaterial, das er als Quelle für seine Arbeitet verwendet, zeigt seiner Meinung nach, dass in den Aussagen der Irrdenker doch ein Körnchen Wahrheit stecken muss. Gerade will er mit seiner Arbeit fortfahren, als es an der Tür klopft. Es ist der Matan, der höflich um Einlass bittet. Der Matan gibt dem überraschten Studenten Gelegenheit, seine Gedanken offen zu äußern. Nach offizieller Doktrin hat Rhodan die Arkoniden seinerzeit überlistet und Crest hintergangen. Vellec ist jedoch der Meinung, dass Crest ein Freund der Menschen gewesen sei. Geschickt kann der Matan die Gedanken des Studenten in eine andere Richtung lenken.

Atlan hat sich unterdessen an Bord der AIETA JAGDARA auf dem Weg ins Solsystem gemacht, das in dieser Zeit Apsusystem genannt wird. Der Arkonide wird von Jawna Togoya, dem Positronik-Spezialisten John Wa und der Xenotechnik-Analystin Sigalit Barka begleitet. Der Flug der Space-Jet, die mithilfe von tt-Progenitoren in eine Raumjacht umgebaut wurde, geht zunächst durch den Sonnentransmitter im Thiasansystem nach Wega, die im lemurischen Tanos genannt wird. Das Tanossystem hat sich stark verändert. Mehrere Planeten fehlen und wurden wohl zu dem weißen Zwergstern Lichtstein verdichtet, der mit Tanos zusammen einen Sonnentransmitter bildet. Da eine direkte Reise ins zentrale System des Tamaniums nicht möglich ist, müssen die vier Galaktiker auf Ferrol zwischenlanden. Mit gefälschten Papieren buchen Atlan und seine Begleiter eine Passage auf der RAHAILOR, die eine Reisegruppe ins Apsusystem bringt.

Dorthin unterwegs ist auch die lemurische Agentin Miuna Lathom mit der VHANOSHI. Sie genießt Generalvollmacht und kann daher den Kristallschirm problemlos passieren. Die kybernetische Agentin sichtet das Datenmaterial und stößt auf vier verdächtige Personen, die auf Ferrol an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gegangen sind. In der Nähe von Rhodans Grabmal will sich die Agentin auf die Lauer legen.

Beim Einflug ins Apsusystem sabotiert John Wa die RAHAILOR. Sie muss auf Lahmu, dem Mars landen. Mit einem anderen Schiff reisen Jawna und Atlan zur Erde/Lemur. John und Sigalit sollen nachkommen und inzwischen den Rückzug vorbereiten, falls etwas schief geht. Das Apsusystem hat sich ebenfalls stark verändert. Die Venus ist zu einem Atopischen Konduktor umgewandelt worden. Als Steuerplanet dient Merkur, der nun Asalucc heißt und den Konduktor umkreist. Terra/Lemur hat einen neuen Mond, Suen genannt.

Atlan und Jawna landen in Tokio. Mit der Reisegruppe besuchen sie zunächst Gobi. Terranias Untergang hat mehr als 100 Millionen Menschen getötet. Die Reise geht weiter nach Leu-Lemuria auf den Azoren. Das Regierungszentrum Tamaghat wird besichtigt. In Sichtweite schwebt die HELITAS, das Flaggschiff des Matan. Die beiden Besucher erfahren, dass die 236-COLPCOR nicht einsatzbereit sei und als das Herz von Suen bezeichnet wird. Atlan macht noch eine andere Entdeckung. Die Lemurer zeigen sich hochmütig. Ihre Rolle als unumschränkte Herrscher der Galaxis hat sie verändert. Schließlich können Atlan und die Posbi-Frau Manchester besuchen, den Geburtsort Perry Rhodans, wo sich auch sein Grab befindet. Der schwere Sarkophag zeigt die Daten des Wegbereiters des Tamaniums. Geboren am 8.6.1936 n. Chr., gestorben am 14.12.1542 NGZ. Im daneben befindlichen Museum erfährt Atlan, dass Perry nach einem millionenjährigen Dilationsflug die Milchstraße 1542 NGZ erreichte und bei einer Schlacht gegen arkonidische Robotschiffe den Tod fand. Später fanden auch viele anderen Zellaktivatorträger den Tod. Einige wurden als Verräter hingerichtet. Nur von Roi Danton, Julian Tifflor und Atlan sei nichts bekannt. Icho Tolot sei trotz seines Aktivators an einer Seuche gestorben, die fast sein ganzes Volk auslöschte. Nur 95 Haluter überlebten und bilden auf Suen den halutischen Rat, als beratende Instanz für den Matan und dem Tamanium. Auch Wanderer ist zerstört, der Verbleib von ES unklar. Jawnas Analysen zeigen, dass im Mausoleum tatsächlich Rhodans Körper liegt. Er wird von einem Energiefeld vor dem Zerfall bewahrt.

John Wa und Sigalit Barka sind unterdessen aufgeflogen und werden von Sicherheitskräften getötet. Bei einem Gehirnscan an den beiden Leichen erfährt Miuna Lathom, dass sie von der CHUVANC/ATLANC stammen. Und sie erfährt den Namen Atlan. Die Agentin wird zum Mausoleum gerufen, denn dort ist der Seher Ch’Daarn erschienen.

Ch’Daarn, wieder begleitet von dem Jungen, klärt seine Anhänger darüber auf, dass jemand aus der erleuchteten Welt gekommen sei. Als Atlan Ch’Daarn anspricht, erscheinen Polizisten und eröffnen das Feuer. Ch’Daarn wird verwundet, der Junge packt Atlan und Jawna und teleportiert sie in Sicherheit. Der Junge stellt sich als Germo Jobst vor. Ein implantierter Psi-Induktor erlaubt es Jobst, Psi-Kräfte einzusetzen. Atlan schlägt einen Pakt vor. Sie helfen bei der Befreiung des Sehers und Germo Jobst bringt sie dafür zum Mond Suen. In den Nachrichten wird der Tod zweier Terroristen auf dem Mars gemeldet.

Der verletzte Ch’Daarn wird zum Matan gebracht. Auch die Agentin berichtet dem Herrscher. Der Matan berät sich mit der Statue des letzten Meisters der Insel. Er kommt zu dem Schluss, dass die Welt vor ihrer Annullierung stehen könnte. Der Matan offenbart gegenüber der Agentin Erstaunliches. Die permanente Kontrolle, die er ausübt, macht er nicht zum Spaß. Sie ist notwendig, weil diese Welt eine ist, die gegen alle Wahrscheinlichkeiten geschaffen wurde, geschaffen werden musste! Atlan ist ein Störfaktor, der eliminiert werden muss. Der Seher soll als Köder verwendet werden.

Germo Jobst bringt Jawna und Atlan zu MUTTER, einem erstaunlichen Schiff, das sich komplett unsichtbar auf Lemur bewegen kann. Sie hat einen Antrieb, den Versetzer, der das Schiff überall hinbringt. Als sich die Stimme von MUTTER meldet, kommt sie Atlan vertraut vor. Er erinnert sich allerdings nicht. MUTTER bringt sie zur Klinik, in der Ch’Daarn behandelt wird. Germo Jobst kommt zu spät, der Seher stirbt und die drei Eindringlinge werden in der Klinik von Sicherheitskräften und Miuna Lathom angegriffen. Atlan, Jawna und der Junge können trotz Parafallen entkommen. MUTTER tarnt sich als Segelschiff auf einem unberührten See auf Lemur. Und doch kommt die kybernetische Agentin dem Schiff auf die Spur.

Atlan wacht am Bett von Germo Jobst, der sich beim Einsatz überanstrengt hat. Im Raum liegt ein Puzzle angefangen auf dem Tisch. Obwohl es keine Vorlage gibt, ist der Rahmen schon vollständig gelegt. Und das bei 14.400 Teilen, wie der Extrasinn Atlans feststellt! Atlan will unbedingt herausfinden, welches Bild sich ergibt.

 

Rezension:

Andreas Eschbach setzt die faszinierende Geschichte um die falsche Welt fort. Wie auch schon im Vorgängerroman schafft der Autor eine sehr dichte Atmosphäre, gespickt mit zahlreichen Hinweisen und unzähligen Details, die zusammengesetzt hoffentlich bald ein Bild ergeben. Es müssen ja nicht gleich 14.400 Teile sein. Aber ebenso wie die Neugierde Atlans am Romanende geweckt wird, der unbedingt das fertige Bild sehen möchte, so wurde auch bei mir als Leser die Neugierde geweckt, bzw. am Leben erhalten, wie es denn nun weiter geht mit der falschen Welt. Immerhin haben wir bereits erfahren, dass die Welt, wie sie momentan Atlan erlebt, eine höchst fragile Welt ist. Sie wurde gegen alle Wahrscheinlichkeiten erschaffen und bedarf der ständigen Kontrolle.

Andreas Eschbach schafft für diese Kontrolle eine wirklich allgegenwärtige Überwachung. Was in Band 2812 nur andeutungsweise zu lesen war, rückt der Autor nun noch deutlicher in den Mittelpunkt. Das Tamanium ist eine Dystopie, ein Überwachungsstaat, in dem es keine Privatsphäre gibt, ein Staat, in dem selbst der „kleine“ Bürger Besuch vom großen Bruder, hier in Person des Matan, bekommt. Und der große Bruder geht erst dann wieder, wenn die Gehirnwäsche vollzogen ist und die Zweifler und die Andersdenkenden umgepolt wurden und alles, was die falsche Welt gefährden könnte, eliminiert wurde.

Der Autor hetzt durch die Handlungsorte, als wären ihm 20.000 Sterngewerke der Tiuphoren auf den Fersen. Thiasan, Tanos/Wega, Ferrol, Lahmu/Mars, Erde/Lemur, Tokio, Gobi, Manchester, usw. Trotz der schnellen Wechsel bleibt immer Zeit für stimmige Beschreibungen, Beobachtungen und zahlreiche kleine Aktionen. Obwohl es viele Hinweise und Teilstücke zu verarbeiten gibt, wirkt die eingesetzte Erzählweise erfreulich aufgeräumt. Als Leser hat man den Eindruck, dass hier mit vielen, aber keineswegs unübersichtlich vielen Puzzleteilen, ein Bild gelegt wird. Ich hoffe, ich irre hier nicht und die beiden folgenden Bände von Verena Themsen liefern eine befriedigende Antwort.

Interessant sind auch so manche Schlussfolgerungen des Protagonisten Atlan, die der Autor eingebaut hat. Es sind gerade solche geschickt platzierten Folgerungen, die ich zuletzt in anderen Romanen vermisst habe. In der vorliegenden Geschichte ist es die Folgerung, die Atlan aus Rhodans Einbalsamierung zieht. Dass nämlich dem Freund eine Falle gestellt wurde. Rhodans Körper wäre schnell zerfallen, wenn nicht die Hypereinbalsamierung schnell zur Verfügung gestanden hätte.

Trotz der bedrückenden Informationslage, beispielsweise schreibt der Autor mal eben auf 1 Romanseite nahezu alle Zellaktivatorträger aus der Welt, schafft es der Autor, eine positive Grundstimmung zu erzeugen. Während der Zyklus um die Atopen seit beinahe 110 Bänden läuft und eine permanente pessimistische Stimmung liefert, ist es ausgerechnet dieser Kurzzyklus mit seinen marternden Inhalten, der eine Aufbruchsstimmung erzeugt. Eschbach hat ein klares positives Ziel für seinen Protagonisten Atlan gesteckt. Die falsche Welt muss zerstört werden. Und nicht etwa in 100 oder 199 Heften!

Zwischenfazit nach der Hälfte der vier besonderen Bände: Der besondere Reiz der Romane liegt insbesondere darin, dass eine Fiktion geschaffen wurde, die wiederrum selbst auf einer anderen beeindruckenden Fiktion aufbaut.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2812

Willkommen im Tamanium! – von Andreas Eschbach – Handlung:

Die lemurische Agentin Miuna Lathom bekommt einen Auftrag. Niemand geringeres als der Matan selbst schickt sie nach Thiasan III. Dort soll sie den Mann ergreifen, der die Zukunft sieht. Sie bekommt alle Vollmachten. Mit ihrem Schiff, der VHANOSHI, materialisiert sie im Thiasan-System, einem aus zwei roten Riesen bestehenden Sonnentransmitter. Bevor sie auf dem Raumhafen Cunarbugh landet, sichtet die Agentin Daten. In den nächsten Tagen wird auf Thiasan III der Quinto-Tag gefeiert. Aufgrund der Lage des Sonnentransmitters, ist mit einem ausufernden chaotischen Volksfest zu rechnen. Diese Situation will der obskure Seher Ch’Daarn für einen Auftritt nutzen. Ch’Daarn ist in den Augen des Tamaniums ein Störenfried, noch dazu einer mit einer hohen Anzahl an Gefolgsleuten. Miuna Lathom will den Seher ergreifen.

An Bord der ATLANC schreibt man den 23. November 1517 NGZ. Atlan lenkt das Schiff durch die Synchronie. Der Arkonide ist erschöpft. Die Verbindung mit dem ANC kostet Kraft. Plötzlich ändert sich der Zustand des Schiffes. Es gerät ins Schlingern und das ANC erklärt, dass dem Schiff eine Zeitfalle gestellt wurde, der auszuweichen oder zu entkommen unmöglich ist. Atlan befiehlt den Abbruch des Fluges und die Rückkehr in den Normalraum.

Im Baagsystem hat Thyan Meverdatis das Kommando über die URDNIR und das Oberkommando über die Wachflotte des Chronohermetischen Intervalls. Als Soldat hat er dem Tamanium Treue und dem Matan Gehorsam geschworen. Seit fast 1000 Jahren ist die Anlage, die er bewacht, im Bau. Und nur noch 43 Jahre werden bis zur Vollendung vergehen. Plötzlich wird Alarm gegeben. Die CHUVANC, die Terroristen vor über 1000 Jahren gekapert hatten, erscheint. Meverdatis fordert per Funk die bedingungslose Übergabe des Richterschiffes. Er bekommt keine Antwort und lässt seine Flotte angreifen.

Die ATLANC wird trotz ihres Repulsorwalls in Richtung eines Geflechts gigantischer Ringe gezogen. Auch die Waffen der Wachflotte schwächen den Schutzschirm. Alle Gegenmaßnahmen, die Atlan einleiten lässt, werden von der Gegenseite schnell durchschaut. Atlan ist klar, dass er unkonventionell handeln muss. Die ATLANC gelingt schließlich die Flucht durch den Kristallschirm. Zuvor kann sie auch die Falle zerstören, die sie im System einfangen sollte. Im Leerraum außerhalb von M13 bezieht die ATLANC Position und beobachtet. Die gesammelten Informationen belegen, dass man sich im Jahre 2577 NGZ befindet. 1060 Jahre in der Zukunft. Die Galaxis wird vom Tamanium beherrscht. Überall herrscht Frieden. Terraner und Tefroder haben sich zu den Lemurern vereinigt. Terra heißt wieder Lemur und Sol wieder Apsu. Die Milchstraße wird von einem Matan regiert. Atlan ist konsterniert. Er zieht den Schluss, dass dies nur Matan Addaru Jabarim sein kann. Die Mission in die Jenzeitigen Lande ist gescheitert. Thyan Meverdatis wird vom Matan trotz seines Scheiterns ins Thiasansystem beordert.

Von den Tolocesten an Bord erfährt man, dass die Rückkehr ins Thezische nicht möglich ist. Die Trans-Chronalen Treiber sind defekt. Nur aus einem anderen Richterschiff könnte man entsprechende Teile bekommen. Da empfängt die ATLANC einen Funkspruch aus dem Thiasansystem. Der Inhalt scheint direkt an Atlan gerichtet, der dort einen Seher treffen soll. Die Botschaft nimmt Bezug auf eine Tochter Atlans auf der Erde, die Aieta Jagdara hieß. Atlan beißt an und besucht getarnt mit Jawna Togoya und Samu Battashee Thiasan III. Dort erfahren die drei Besucher auch den Grund für den Quinto-Tag. Es ist der Jahrestag der Zerstörung von Quinto-Center vor 880 Jahren. Und man erfährt, dass womöglich gar nicht Richter Matan Addaru Jabarim es ist, der als Alleinherrscher regiert, sondern dass durch einen Sprachwandel in den 1000 Jahren aus dem Wort Maghan nun Matan wurde. Vetris-Molaud und der Matan sind womöglich die gleiche Person. Und Atlan geht sogar einen Schritt weiter. Matan Addaru Jabarim und Maghan Vetris-Molaud sind möglicherweise identisch.

Die drei Besucher aus der Vergangenheit nehmen an den Feierlichkeiten zum Quinto-Tag teil. Dort werden auch historische Ereignisse gezeigt, u.a. die Vernichtung Terranias durch eine Bombe, die angeblich von der USO am 12.11.1601 zur Explosion gebracht wurde. Im örtlichen Amphitheater tritt dann der Seher auf. Auch Miuna Lathom ist nun vor Ort. Ch’Daarn ist ein blinder Topsider der von einem Jungen auf die Bühne geführt wird. Der Seher berichtet von einer Trübnis, die nach und nach diese Welt in die falsche Welt verwandelt. Aber die erleuchtete Welt könne in die falsche Welt einbrechen. Obwohl er ihn nicht sehen kann, hat Atlan plötzlich den Eindruck, dass sich Ch’Daarn an ihn wendet, als er sagt, dass noch Hoffnung bestehe. Er solle das Grab aufsuchen, nur die Begrabenen können helfen. Und schließlich fügt der Seher hinzu: „Ich rede vom Grab Perry Rhodans.“

Miuna Lathom befiehlt den Zugriff. Soldaten der URDNIR nähern sich dem Amphitheater. Ch’Daarn entkommt. Wahrscheinlich ist der Junge an seiner Seite ein Teleporter. Der Agentin ist jedoch nicht entgangen, dass sich der Seher an drei Personen direkt gewandt hat. Sie erkennt zwar nicht, wer die drei sind, vermutet aber, dass die Unbekannten vom gesuchten Richterschiff stammen. Mit der VHANOSHI bricht die Agentin nach Lemur auf, wo sich das Mausoleum Rhodans befindet.

Atlan, Jawna und Samu sind zur ATLANC zurückgekehrt. Avan Tacrol hat inzwischen weitere Informationen gesammelt. Von Halut, seiner Heimatwelt, ist nichts zu hören. Das Richterschiff 236-COLPCOR ist zuletzt vor 300 Jahren im Solsystem gesichtet worden. Es gibt auch Hinweise auf einen zweiten Richter, den noch niemand gesehen hat. Er heißt Veirdandi und wird auch der verleugnete Richter genannt. Sein Schiff ist die ZEITWEIDE.

Atlan konzentriert sich auf die 236-COLPCOR und das Solsystem. Das ANC vermutet, dass Atlan die Trans-Chronalen Treiber identifizieren kann, wenn er sich ihnen nähert. Das ANC verpasst Jawna Togoya ein Attest, damit die Posbi-Frau ebenfalls diese Treiber erkennen kann. Dann wird die Mission vorbereitet. Eine Space-Jet wird mithilfe von tt-Progenitoren in eine Raumjacht umgebaut und auf den Namen AIETA JAGDARA getauft.

 

Rezension:

Was wäre gewesen, wenn dieser Roman den Zyklusauftakt gebildet hätte? Die Tiuphorenromane sind hinlänglich bekannt, bei den noch drei ausstehenden Romanen des Kurz-Zyklus um „Die falsche Welt“ wissen wir noch nicht, was am Ende stehen wird. Der Roman von Andreas Eschbach vermittelt ein mutiges, ein faszinierendes Szenario, das den Leser sofort in seinen Bann zieht. Dagegen wirkt die Geschichte aus Band 2800 etwas altbacken. Da kann man schon mal spekulieren, was gewesen wäre, wenn dieser Band den Zyklusauftakt gebildet hätte. Die Wirkung dieses Romans hätte sogar noch gesteigert werden können, wenn die ganzen Ankündigungen zu diesem Roman weggelassen worden wären. Nun wissen wir, dass die vier Bände in sich abgeschlossen sind. So manche Erkenntnis wird in den übergeordneten Zyklus einfließen. Aber vieles werden wir nicht wiedersehen, dazu sind die Ankündigungen zu diesem Vierer-Block (leider) eine Spur zu konkret. Mit diesem Roman wird sicherlich eine Zielgruppe unter der Leserschaft angesprochen, die überrascht werden will und nicht immer das gleiche lesen möchte. Von daher wäre der Roman zum Zyklusauftakt und ohne größere Vorankündigungen sicherlich eingeschlagen wie eine Bombe.

Andreas Eschbach nutzt den Freiraum und entwickelt eine Story, die in nahezu allen Belangen überzeugen kann. In einer alternativen Realität oder Parallelwelt beschreibt der Autor eine Welt, in der die Geschichte einen anderen Verlauf genommen hat. Beginnend bei der lemurischen Agentin, die im Jahre 2577 NGZ ihren Dienst für das Tamanium versieht und die wohl ein Geheimnis umgibt, denn sie macht sich so ihre Gedanken, warum ausgerechnet sie es ist, die sich auf die Spur des Sehers begeben soll. Weiter geht es mit der Rückkehr des Richterschiffs ins Baagsystem, in der eine Falle seit 1000 Jahren in Bau ist. Im weiteren Handlungsverlauf akzeptieren die handelnden Figuren die Situation, in die sie geschlittert sind, ein Spur zu schnell. Das ist aber nur eine klitzekleine Kritik. Mit dem Erzählstil und der Zeichnung und Gestaltung der Figuren kann Andreas Eschbach diese Schwächen beiseiteschieben.

Insbesondere die Darstellung des Atlan mit einigen unaufdringlichen, weil kurz gehaltenen Reminiszenzen an seine Erlebnisse als Unsterblicher auf der Erde konnte am meisten überzeugen. Dazu eine aufgeräumte, gelassene Sprache, die vor allem in den Dialogen punkten kann. Die Geschichte bringt den Seher ins Spiel, der erkennt, dass dies die falsche Welt ist. Das erinnert ein wenig an Das Orakel vom Berge. Dort war es ein Buch, das einen anderen Ablauf der Geschehnisse zeichnete. Eschbachs Geschichte kann auch deshalb überzeugen, weil aus den Beobachtungen seiner Protagonisten unmittelbar Schlussfolgerungen gezogen werden. Ebenso zügig werden Aktionen eingeleitet und durchgezogen. Gegen dieses Tempo, dass der Roman vorlegt, wirkt die „normale“ Zyklushandlung nochmals langsamer, als sie eh schon ist.

Alles in allem hinterlässt die Geschichte einen sehr guten und stimmigen Gesamteindruck. Mit der Ankündigung sich zu Rhodans Grab zu begeben erzeugt der Roman auch wieder eine Vorfreude auf den Band der nächsten Woche, die ich zuletzt vermisst habe.