Articles for the Month of August 2014

Ansichten zu Perry Rhodan Stardust Heft 6

Whistlers Weg – von Rüdiger Schäfer – Handlung:

Auf Jaroca wird Perry Rhodan von den Jaroc beschuldigt, die Phiole aus dem zweiten Schrein entwendet zu haben. Gerade noch rechtzeitig erscheint Timber F. Whistler. Um den Unsterblichen und seinen Begleiter Kerat Tinga bilden sich Sphären. Die Jaroc fühlen sich betrogen und greifen die Sphären an, die mit ihren Insassen rasch davonschweben.

Timber F. Whistler wirkt wie ein junger Mann um die dreißig. Der Anzug, den der ehemalige Administrator trägt, besitzt weitreichende technische Fähigkeiten. Aus einer Tasche zieht Whistler zwei Pakete, die deutlich größer sind als das Behältnis, in dem sie verstaut waren. Die Päckchen entpuppen sich als Kleidungsstücke für die beiden Geretteten.

Whistler zeigt sich beim Gespräch teilweise unnahbar und ergeht sich häufig in vage Andeutungen. Ein Geheimnis lüftet er jedoch schnell. Er weiß nicht wer Anthur ist, er weiß aber, wer er nicht ist, nämlich TALINS Bote. Diese Funktion hat nämlich Whistler inne. Und er berichtet, wie es dazu kam. Im Jahre 1465 NGZ hat Whistler dank seines Robotkörpers der Zeit ein Schnippchen geschlagen. Doch die Zeit hat Spuren hinterlassen. Er hat sich verändert, hält sich für einen Freak, eine Chimäre aus Mensch und Maschine. Er beschließt, sich das Leben zu nehmen. Alles ist gut vorbereitet, doch plötzlich wird er von einem goldenen Leuchten eingehüllt. Er erwacht an einem unbekannten Ort und besitzt wieder einen menschlichen Körper. Die Superintelligenz TALIN zeigt sich als alter Mann und bittet Whistler um Hilfe. Sie ist noch schwach und hat nicht viel Zeit. Whistler soll das System der Immateriellen Städte reparieren. Die sieben Städte wurden zur Stabilität diverser Mächtigkeitsballungen geschaffen. Doch nur noch vier Städte funktionieren. Außerdem wurde in einer der Basis-Stationen ein Bewusstseinssplitter von VATROX-VAMU eingeschleust. Dadurch sind alle Städte gefährdet. Whistler erhält ein überlegenes spindelförmiges Schiff, das er nach seiner verstorbenen Frau auf CYNTHIS tauft. Und er bekommt von TALIN einen Chronogator, mit dem er Kontrolle über die Grundfunktionen der Immateriellen Städte erhält.

Whistler fliegt die Basis-Station von Connajent an. Der Splitter VATROX-VAMUS hat mit seiner Hass-Strahlung die Bewohner der Welt bereits beeinflusst. Whistler kann nur die Auswirkungen eindämmen, gegen den Splitter kann er nichts ausrichten. Der Kernbereich ist durch ein Siegel TALINS geschützt. Er benötigt 30 Jahre, bis er eine Lösung hat. Ein Zellaktivatorträger kann vielleicht das Siegel überwinden. Zwanzig Jahre benötigt Whistler, bis er sich ganz sicher ist.

Whistler bringt sie zu Yashildag, der Meergrün-Stadt. Mit ihr wollen sie zur Basis-Station von Connajent reisen. Vorher erfährt Rhodan noch, dass es sogenannte Konklavewelten gibt, Welten die von allen Immateriellen Städten besucht werden können. Und er erfährt, dass sein Begleiter Kerat Tinga einen alten Roboter der Pahl-Hegemonie zerstört hat, der nach über 180.000 Jahren plötzlich aktiv wurde. Perry Rhodan besteht darauf, dass Admiralin Eritrea Kush kontaktiert wird. Die erscheint auch alsbald mit der STARDUST III und begibt sich zu Perry Rhodan. Zu viert dringen sie in Yashildag ein, nachdem sie von Whistler Netze gegen die Beeinflussung der Stadt erhalten haben.

Kaum hat Whistler mit seinem Chronogator die Stadt nach Astogur gesteuert, wo die Basis-Station Connajents liegt, werden alle von den Auswirkungen des Bewusstseinssplitters getroffen und sehr aggressiv. Rhodan kann mit Hilfe von Posimon in den Kernbereich der Anlage eindringen und die Hinterlassenschaft von VATROX-VAMU vernichten.

Um Rhodan von der neuen Bedrohung der Stardust-Menschheit ein Bild zu geben, steuert Whistler die Meergrün-Stadt in die Vergangenheit. Knapp 185.000 Jahre in die Vergangenheit geht die Reise in die Zeit der Pahl-Hegemonie. Rhodan, Tinga, Kush und Posimon haben drei Tage Zeit, sich dort umzusehen. Dann müssten sie zurück. Sie bekommen ein kleines spindelförmiges Schiff und fliegen zunächst nach Jaroca. Kaum haben sie den Hyperraum verlassen, geraten sie in eine Raumschlacht. Mehrere Amöbenschiffe kesseln das Schiff ein. Ein Jaroc meldet sich und fordert Zutritt an Bord. Als mehrere schwerbewaffnete Jaroc gerade an Bord kommen wollen, gibt es erneut Ortungsalarm.

 

Rezension:

Sieht man von Perryversum-typischen Elementen ab, genannt sei hier beispielsweise das übliche Ergehen in Andeutungen durch die Boten höherer Wesenheiten, hat Rüdiger Schäfers Beitrag zur Stardust-Miniserie einen geradlinigen Aufbau. Die Geschichte beginnt mit der Rettung von Rhodan, lässt dann in einer Rückblende eine Erklärung von Whistlers Wandlung folgen, dann kommt der erste kleinere Auftrag, gefolgt von der Überleitung zum eigentlichen Zyklusthema. Beendet wird die Geschichte mit einem Cliffhanger.

Waren die Bände 2-5 hoffnungslos überfrachtet mit Detailbeschreibungen, Metaphern, Vergleichen und Bildern, die jede einzelne Handlung dominierten, zeigt sich Rüdiger Schäfers Roman wohltuend nüchtern in seinem Stil. Große Überraschungen blieben allerdings aus. Der Bote TALINS tut wie eingangs erwähnt das, was alle Boten tun. Rhodan tut das, was Boten von ihm verlangen, nämlich die Drecksarbeit. Der Helfer Kerat Tinga tut das, was man von ihm verlangt, sich nämlich im Hintergrund halten. Und Eritrea Kush ist angesichts von Rhodans und Whistlers Dominanz wieder ins 2. Glied gerutscht. Aber nach der Admiralin-Übermutter-Seelsorgerin-Kämpferin-Nummer zuletzt, ist das zu verschmerzen gewesen.

So geradlinig der Handlungsaufbau auch war, so unverständlich waren allerdings auch einige Inhalte. Die SI sucht sich also einen Helfer für Ihre Probleme und stattet ihn mit überlegener Technik aus. So weit so gut. Sie lässt verlautbaren, dass die Immateriellen Städte ein wichtiges Element in der Stabilität dieser Region des Kosmos darstellen. Diese Stabilität ist gefährdet durch VATROX-VAMUS Bewusstseinssplitter. Whistler soll das Problem lösen. Dumm nur, dass das Siegel TALINS Whistler daran hindert, etwas gegen die Bedrohung zu unternehmen. Whistler braucht 30 Jahre um auf eine Lösung zu kommen und weitere 20 Jahre um sicher zu sein, dass seine Lösung stimmt. Er braucht einen speziellen Zellaktivatorträger. Hier kommt unser Held ins Spiel.

Die Story haut jetzt nicht wirklich vom Hocker. Die Hereinnahme von einem weiteren Ableger VATROX-VAMUS empfand ich als überflüssig, hier hätte man sich auch was anderes ausdenken können, um den Raum bis zur Zeitreise Rhodans zu füllen. So wird einfach ein bereits bekanntes Thema aus der Hauptserie aufgewärmt.

Irritierend sind die Ausdrücke von Gefühlen, die der Autor seine Figur Whistler durchleben lässt. Die Gefühle des Mannes gleichen bei Schäfer einer Achterbahnfahrt und zwar in jeder Szene. Mal reagiert der Mann bedächtig, in der nächste Sekunde ablehnend, dann etwas verheimlichend, dann freundlich, dann passiv, dann arrogant, gefolgt von schroff usw. usw. Hätte die Figur in verschiedenen Handlungsabschnitten jeweils eine oder zwei dieser Reaktionen gezeigt, die zudem zum geraden Erlebten in Einklang zu bringen gewesen wäre, okay. So aber wird jeder Dialog von vielfältigen Reaktionen der Figur Whistler beherrscht und meist lässt sich eine Ursache nicht erkennen. Dadurch bekam diese Figur einfach kein Profil. Die Argumentation des Autors würde wahrscheinlich lauten: So sind sie eben, die Boten von Superintelligenzen. Wenn es um die Heimlichtuerei geht, dann ja. Die anderen Emotionen waren teilweise zu dick aufgetragen. Immerhin garniert Rüdiger Schäfer die Heimlichtuerei des Boten mehrmals mit Humor und einige Male spöttelt er sogar darüber.

Fazit: Ein Roman ohne überraschende Handlungselemente, der Schreibstil hingegen konnte überzeugen.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2766

Ein Rhodan zu viel – von Hubert Haensel – Handlung:

Das Einsatz-Team hat den Planeten Volterhagen zusammen mit der geretteten Larin Than-Deneec verlassen und ist zur RAS TSCHUBAI zurückgekehrt. Die Experimente der Onryonen haben an Than-Deneec Spuren hinterlassen. Während der Rekonvaleszenz erinnert sich die Larin an ihren Mentor Takir-Hassa. Der Lare war zusammen mit dem Biochemiker Fem-Mokref vor langer Zeit in einen verlassenen Laborbereich Volterhagens eingedrungen. Die beiden Laren machten dort die Entdeckung ihres Lebens. In einer Konservierungseinheit entdeckten sie die Überreste eines fremden Geschöpfes mit zwei Armpaaren und einem halbkugelförmigen Kopf mit drei Augen. Eine alte Speicherdatei sprach von einem unbesiegbaren Wesen. Die beiden Laren wussten damals noch nicht, welche Ziele sie mit ihrem Fund verfolgen wollten. Doch in einem Punkt waren sie sich einig. Sie versprachen sich durch die genetische Nutzung des fremden Zellmaterials Unterstützung im Kampf gegen das Atopische Tribunal. Mindestens 200 Jahre später ist Than-Deneec die einzige Überlebende von Experimenten an Laren.

Seit der Rückkehr fühlt sich Rhodan von den Freunden ignoriert. Da er keine Funktionen an Bord erfüllt, ist ihm schnell langweilig und Bull antwortet nicht auf seine Anrufe. Der Expeditionsleiter hat indessen Than-Deneec aufgesucht und ein wenig mehr von der Larin erfahren. Die nächste Information, die Bull verarbeiten muss, kommt vom Koko-Interpreter des Schiffes. Demnach gibt es einige Prozent Wahrscheinlichkeit für ein Identitätsproblem bei Perry Rhodan. Allerdings wird das Problem in gleicher Höhe auch für die Person Reginald Bull ausgeworfen. Das Ergebnis wird von Mitgliedern der Schiffsführung auf unterschiedliche Weise kommentiert. Misstrauen breitet sich aus.

Eine Besprechung mit Than-Deneec wird angesetzt. Tolot und Tacrol nehmen teil, auch Jawna Togoya und Reginald Bull. Und auch Perry Rhodan wird eingeladen. Die Larin trifft zum ersten Mal auf Haluter. Der Disput zwischen Bull und Rhodan tritt offen zu Tage und andere Themen, etwa wie man Bostich helfen kann, treten in den Hintergrund. Bull will auch kein Richterschiff entern. Er will den Proto-Hetosten einen Beistandspakt anbieten, die Sternportale sabotieren und den Heimflug antreten. Perry Rhodan fühlt sich brüskiert und verlässt die Besprechung. Er erkundet das Schiff und merkt schnell, dass er unter Beobachtung steht.

Farye Sepheroa sucht derweil Toio Zindher auf. Die Vitaltelepathin soll auf ihre Bitte hin, den Zellaktivator Rhodans auf Veränderungen untersuchen. Nur kurze Zeit später bekommt die Tefroderin Besuch von Perry Rhodan. Auch er bittet sie um einen Gefallen. Toio soll den Zellaktivator Bulls auf Veränderungen untersuchen. Als Gegenleistung soll sie nicht vor ein terranisches Gericht sondern vor eine Ordische Stele. Die Tefroderin entdeckt bei ihren Untersuchungen, dass sich die Chips der beiden Zielpersonen nicht „mögen.“

Sepheroa teilt Zindhers Beobachtungen den Halutern und Jawna Togoya mit. ANANSI befragt zeitgleich Quick Silver. Der Silberne berichtet von der Neuprägung von Bulls Zellaktivator in der Stadt Allerorten. Obwohl die Beteiligten der Besprechung das erste Mal davon hören, setzen sie ihr Vertrauen in Bull. Gucky soll beide scannen. Bull ist einverstanden und besteht diese Untersuchung. Und auch Rhodan stimmt der Untersuchung zu und auch ihm wird vom Ilt bescheinigt, dass die Untersuchung nichts erbracht hat. Als Rhodan nicht mehr zugegen ist, informiert Gucky die Freunde. Rhodan ist ein Doppelgänger. Der fremde Rhodan glaubt selbst, der echte Rhodan zu sein. Doch seine Erinnerungen sind nur Kopien. Tief in dem Pseudo-Rhodan steckt noch der Wissens-Rohling aus dem er geformt wurde. Reginald Bull entwickelt einen Plan.

Der Expeditionsleiter will die CHEMMA DHURGA der Richterin Saeqaer erobern. Die letzten Koordinaten sind dank Rhodan bekannt. Rhodans Doppelgänger wird in die Pläne mit einbezogen, bekommt aber falsche Informationen. Die RAS TSCHUBAI nähert sich getarnt dem Richterschiff und gibt sich kurz davor zu erkennen. Rhodan kontaktiert Saeqaer und bittet um medizinische Hilfe für Bostich. Noch während das Gespräch im Gange ist, läuft Bulls Plan an. Per Aagenfelt-Blitz wird der Schutzschirm der CHEMMA DHURGA aufgerissen. Ein getarnter Robotkreuzer kollidiert mit großer Wucht mit der größeren Kugel des Richterschiffs und reißt ein Loch in die Wandung. In diese Lücke stößt eine gleichfalls getarnte Space-Jet mit Gucky, Sichu Dorksteiger und den beiden Halutern und landet in der Sphäre. In der RAS TSCHUBAI wird der Pseudo-Rhodan von TARAS eingekreist.

 

Rezension:

Blieben die Ziele des Romans der vergangenen Woche weitgehend im Dunkel, so waren die Absichten Hubert Haensels in diesem Heft von Anfang an klar. Es ging darum, die Identität des Rhodans, der an Bord der RAS TSCHUBAI gekommen war, möglichst lange zu verbergen. Als Leser wissen wir, dass es von Rhodan einen Doppelgänger gibt. Er wurde an Bord des Richterschiffs erzeugt. Was wir Leser zu Beginn der Geschichte von Hubert Haensel nicht wissen ist, ob nicht vielleicht doch dem echten Rhodan die Flucht gelang und somit der echte Perry Rhodan zurückgekehrt ist.

Wäre dem Pseudo-Rhodan seine Identität bekannt gewesen, dann hätte der Autor nicht so viele Innenansichten der Figur bringen können, denn dadurch wäre recht schnell der Schwindel aufgeflogen. So aber agiert der Pseudo-Rhodan in dem Glauben er sei der „Echte.“ Auf diese Weise konnte der Autor nun daran gehen die Leser in die Irre zu leiten. Die Saat des Misstrauens war gesät und jede Handlung mit Rhodan wurde nun argwöhnisch daraufhin untersucht, ob da was nicht in Ordnung war.

Die Perry Rhodan-Serie wäre nicht die Perry Rhodan-Serie wenn Hubert Haensel nicht noch einen weiteren Faktor eingebaut hätte, der das Geschehen beeinflusst. Eigentlich hätte sich schon aufgrund der o.a. Ausgangslage ein spannendes Hin- und her ergeben, doch so wird mit Bulls Zellaktivatorprägung eine zusätzliche Größe eingebaut. So weit so gut. Dann jedoch begeht der Autor einen Fehler. Er bringt den Koko-Interpreter ins Spiel und lässt die Wahrscheinlichkeit einer falschen Identität sowohl bei Rhodan als auch bei Bull auf identischen Niveau ausweisen. Liegen zunächst nur Indizien vor, die die Identität Bulls in Frage stellen, werden mit Hilfe Quick Silvers harte Fakten bekannt, mit denen etwas fahrlässig umgegangen wird.

Stillschweigend wird nämlich von Haensels Figuren die Neuprägung von Bulls Aktivatorchip akzeptiert. Natürlich wird das Thema uns irgendwann nochmal einholen. Das heißt doch aber nicht, dass man das Thema jetzt ignorieren kann. Auch der positive Scan des Ilts kann nicht als Ausrede herangezogen werden, denn der Ilt hat schließlich nicht den Aktivator untersucht. Platz genug wäre in dem Roman zumindest für spekulative Überlegungen der Figuren gewesen. Doch naheliegende Reaktionen der Figuren werden einfach ausgeblendet. Allerdings ist dieses Vorgehen des Autors nicht überraschend. So wird mit vielen Elementen in der Serie umgegangen. Es gehört zum Stil der Serie, bestimmte Elemente nur kurz anzureißen und in 10, 100 oder 1000 Heften dann das Aha-Erlebnis folgen zu lassen.

Mit dem Element des gegenseitigen Misstrauens im Hintergrund baut der Autor gut 90 Prozent seines Romans auf. Das Szenario wird vom Autor durch Dialoge und der Einbindung weiterer Figuren noch vertieft. Einiges davon war flüssig erzählt, anderes geriet nicht so gut. Es vergeht viel Zeit mit eher unbedeutenden Szenen, die sich zudem wiederholten. Gemeint sind Rhodans verschiedentliche Begegnungen mit anderen Besatzungsmitgliedern. Hier wird die Geschichte kaum vorangebracht und erst spät entwickelt sich langsam eine Dramatik, die den Leser auch fesseln kann. Erst auf Seite 54 lässt der Autor die Bombe der Erkenntnis platzen. Der Rest ist der Enterung der CHEMMA DHURGA gewidmet.

Zu erwähnen ist noch, dass plötzlich verschiedentlich erwähnt wird, dass an der Ekpyrosis doch was dran sein könnte und es deshalb besser wäre wenn Bostich und Rhodan nicht in die Milchstraße zurückkehren würden. Bisschen spät, wie ich meine und zu überraschend, da es für die plötzlich gesteigerte Aufmerksamkeit zu diesem Thema überhaupt keine neuen Erkenntnisse gab.

Die Eindrücke, die der Roman bei mir hinterlassen hat, sind zwiespältig. Auf der einen Seite lässt sich ein Fortschritt in der Zyklushandlung feststellen und das Thema des falschen Rhodans scheint nicht dem üblichen Muster zu folgen, was ebenfalls zu begrüßen ist. Auf der anderen Seite hat auch dieser Roman, ähnlich dem der Vorwoche ein Potential beinhaltet, das einmal mehr vom Autor nicht genutzt wurde.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2765

Das genetische Kunstwerk – von Christian Montillon – Handlung:

An Bord der Flammengondel LUCVAIT wird plötzlich der Transmitter aktiviert, mit dem der Shetorner da Zoltral vor einiger Zeit zu einer Forschungsstation der Lucbarni gereist ist. Das Wachpersonal versucht vergeblich, das Gerät abzuschalten. Doch der Eingriff von außerhalb lässt sich nicht verhindern. Eine Gestalt ohne die schützende Transportkapsel materialisiert und steht in Flammen. Die hyperenergetischen Einflüsse des Transports verletzen den Ankömmling schwer. Es ist Perry Rhodan.

Die RAS TSCHUBAI hat die Station der Lucbarni erreicht und geht in den Ortungsschutz einer Sonne. Die drei Lucbarni, die man von Vi hiergebracht hat, werden in einem 500m-Großbeiboot zur Station gebracht, nachdem sich die Terraner vorher angemeldet haben. In einem Hangar der Station erwartet Reginald Bull und Gucky eine Überraschung. Gaumarol da Bostich empfängt die beiden Unsterblichen. Bull lässt den Arkoniden stehen aber Gucky erfährt von Bostich Erstaunliches. Perry Rhodan ist ebenfalls an Bord. Der Terraner wird umgehend zur RAS TSCHUBAI gebracht, wo seine schweren Verbrennungen behandelt werden. Bull lässt Bostich zurück. Die Gefahr, einen Kardinal-Fraktor an Bord zu holen, sei zu groß. In 500 Jahren könne man nochmal über die Sache sprechen.

Perry Rhodan kommt dank der Behandlung und seines Zellaktivators schnell wieder auf die Beine. Erste Informationen werden ausgetauscht. Rhodan berichtet von seiner Gefangennahme durch die Proto-Hetosten, seiner Flucht und die erneute Gefangennahme durch die Onryonen, wie er zur Folterwelt gebracht wurde und schließlich an Bord des Schiffes der Richterin gelangte. Auch dass ihm die Flucht mit Hilfe eines gestohlenen Transmitters gelang. Schnell werden Pläne geschmiedet. Der Unsterbliche berichtet seinen Freunden von den Jenzeitigen Landen. Nur dort könne das Atopische Tribunal besiegt werden. Man muss ein Richterschiff kapern und Atlan als Piloten finden. Als Ziel wird die verschlossene Domäne des kristallinen Richters gewählt. Die RAS TSCHUBAI kann dank ihres besonderen Antriebs den Repulsor-Wall durchdringen. Icho Tolot hat andere Pläne. Er erbittet ein Schiff von Bull, damit er nach Volterhagen fliegen kann. Zusammen mit Bostich. Der Haluter möchte verhindern, dass mit seinem genetischen Erbgut herumexperimentiert wird. Bull genehmigt den Flug und stimmt auch zähneknirschend zu, dass Bostich Tolot begleitet.

Auch Perry Rhodan benennt Volterhagen als wichtiges Ziel. Schließlich einigen sich alle darauf, dass die RAS TSCHUBAI nach Volterhagen fliegt. Bostich wird an Bord eines Großbeibootes gebracht, das Tolot in FANCAN TEIK II umtauft. Der Arkonide ist von den Medizinern und Sichu Dorksteiger untersucht worden. Sein Arm entwickelt neuronale Verdickungen, die der Ara Thoveno als Mikrohirne bezeichnet. Die Auswirkungen sind bald auch für Bostich spürbar. Sein Extrasinn übermittelt, dass fremde wesenlose Stimmen in ihm wispern würden. Bostich erzählt Tolot davon und auch der Haluter sieht die Mikrohirne als Ursache an. Sie müssen unbedingt die Genetikerin Than-Deneec auf Volterhagen finden.

Auch Bull plagen unschöne Gedanken. Er hat Rhodan noch nicht von seinem Aufenthalt in der Stadt Allerorten berichtet und nicht von der Änderung der Prägung seines Zellaktivators. Und auch in Rhodan wispern fremde Stimmen. Der Unsterbliche meint Veränderungen an seinem Freund Bully erkannt zu haben. Ist Bull etwa ein Jaj?

Als man Volterhagen erreicht, wird in bewährter Weise die LAURIN II mit Rhodan, Bostich, Gucky, Tolot und Tacrol benutzt, um dort zu landen. Auch ein TARA-X-T wird mitgenommen. Aus der Forschungseinrichtung, wo Than-Deneec gearbeitet hat, ist die Larin verschwunden. Gucky spürt sie in der Onryonensiedlung Stozer auf. Sie wird von Onryonen gefangen gehalten, die genetische Experimente an ihr durchführen. Das Team dringt in die Stadt ein und befreit Than-Deneec. In dem Labor werden Klone der Larin gezüchtet und halutische Gene missbraucht. Tolot zerstört die ganze Anlage. Dann kehrt das Team mit Than-Deneec zur RAS TSCHUBAI zurück.

Icho Tolot, Reginald Bull, Gucky und Farye Sepheroa treffen sich in der Zentrale der FANCAN TEIK II. Auf einem Holobild ist Rhodan in seiner Kabine zu sehen. Die Freunde glauben an verschiedenen Kleinigkeiten erkannt zu haben, dass mit dem Terraner etwas nicht stimmt. Die entscheidende Frage stellt Bull in Richtung Holo-Bild: „Wer ist dieser Mann?“

 

Rezension:

Sah es letzte Woche noch danach aus, als würde der Autor den Plot verfolgen, in alle Fußstapfen, die Rhodan und Bostich in Larhatoon hinterlassen haben, erneut zu treten, überrascht Christian Montillon in seinem Roman damit, indem er das Tempo anzieht. Kaum in Larhatoon angekommen, wird Bostich gefunden. Und kurz darauf Rhodan, wenn auch augenscheinlich der Falsche. Danach dauerte es eine Weile, bis klar war in welche Richtung sich die Geschichte entwickelte. Nach Abschluss der Lektüre kann man festhalten, dass der Roman einiges Potential in sich barg. Da war zunächst das Zusammentreffen von Bostich mit der Suchexpedition, schließlich das Treffen von Rhodan mit den alten Freunden. Gefolgt von Tolots Ausflügen in seine tragische Vergangenheit, die Veränderungen Bostichs, die Pläne gegen das Atopische Tribunal und letztlich der Verdacht, dass der Rhodan, der an Bord gekommen ist, der falsche sein könnte.

Wie ging der Autor mit diesen Elementen um? Vorsichtig ausgedrückt, hat der Autor sich nicht ausreichend genug mit den Zielen beschäftigt, die er mit seiner Geschichte erreichen wollte. Wenn es doch ein Ziel für eines der o.a. Elemente gab, dann geriet der Weg dorthin arg holprig. Wieder andere Teilbereiche sind schludrig geschrieben und mancher Teilabschnitt geriet bereits zu Beginn erkennbar in eine Sackgasse.

Betrachten wir Bostich. Ungeachtet der platzierten Äußerungen auch im Roman von letzter Woche, dürfte das Ziel hier ausnahmsweise klar definiert worden sein. Bostich macht die Reise der Expedition mit. Hätte jemals ein anderes Vorhaben existiert, dann hätte man nur wegen dieses einen Augenblicks des Zusammentreffens mit Bull den Arkoniden nicht so lange bei den Lucbarni aufhalten lassen. Der Arkonide hätte inzwischen seinen Plan, über die Transmitter in die Milchstraße zu reisen, angegangen. Nun aber entscheidet Montillon, dass der Arkonide mit den Terranern reist. Dafür muss er sich für seine Geschichte einen Weg ausdenken, wie er dieses Ziel erreicht und das die Leser fesseln kann.

Zunächst formuliert der Autor die Ablehnung der Mitnahme, damit es etwas spannend wird. Bull erläutert also seine Gründe gegenüber Bostich, diesen nicht mitzunehmen. Angeblich würde die Mitnahme Bostichs die Onryonen auf die Spur der RAS TSCHUBAI bringen. Diesen Vortrag Bulls, den sich Montillon da ausgedacht hat, kann man nur belächeln, denn die Mitnahme Rhodans birgt diese Gefahr ebenfalls. Abgesehen davon war es doch das Ziel der Expedition Rhodan zu finden und damit einen der Kardinal-Fraktoren. Beide zusammen erhöhen das Gefährdungspotential nicht. Richtig dumm wird die Äußerung, die Montillon Bully in den Mund legt, allerdings durch die Reaktion des Ilts. Der bescheinigt Bull, dass er die Rede in aller Sorgfalt vorbereitet hat. Genau das war sie nicht. Sollte Bull nur nach einer Ausrede gesucht haben, den verhassten Arkoniden nicht mitzunehmen, dann wäre es eben nur ein schwacher Vorwand gewesen, den alle durchblickt hätten, aber nicht ändern wollten oder konnten. Die Reaktion des Ilts, die der Autor nachschiebt, macht die Rede Bulls jedoch unsinnig.

Da Montillon aber das Ziel verfolgt, Bostich doch mitzunehmen, muss nun die Kurve genommen werden und der Grund gefunden werden, warum Bostich doch an Bord kommt. Tolot will nach Volterhagen aufbrechen, um dort den weiteren Missbrauch des genetischen Materials seines Kindes zu verhindern. Dazu will er Bostich mitnehmen. Bull stellt ihm dazu ein Beiboot zur Verfügung. Abgesehen von der Verbundenheit, die Tolot nun gegenüber Bostich empfindet, was arg künstlich herbeigeredet ist, lässt Bull nun Bostich an Bord. Was ist aus der Gefahr geworden, dass ihnen die Onryonen so auf die Spur kommen können? Und wieder ein bisschen später kommt es zu einem peinlichen Gespräch in der Lagebesprechung als Bull nochmals einwendet, das Bostich von den Onryonen gejagt werde und deshalb eine Gefahr sei. Der Rest ist bekannt. Bostich war also nun an Bord, der Weg dorthin war wenig überzeugend geschrieben.

Auch die anderen Elemente kommen nicht gut weg. Der Autor setzt zu viele hochkarätige Figuren ein, die sich gegenseitig auf die Füße treten. Bei der Masse kann er gar nicht alle gebührend berücksichtigen. Dadurch geraten die entscheidenden Elemente, nämlich die Hinweise auf das gegenseitige Misstrauen zu unscharf. Zudem vergeudet Christian Montillon wertvollen Raum mit unnützen Wiederholungen. Damit sind nicht die notwendigen Rückblicke gemeint, die winzige aber wichtige Details früherer Geschichten in Erinnerung rufen, in der Absicht sie mit neuem zu verknüpfen und die Erlebnisse zu untermauern und voranzutreiben. Nein, Montillons Wiederholungen sind im Stile eines Glossars gehalten. Nur selten gelingt es ihm sie interessant zu gestalten, aus einem anderen Blickwinkel zu beschreiben oder mit neuen Erkenntnissen zu untermalen.

Die Entscheidungsträger an Bord, die einige Pläne gegen das Atopische Tribunal zumindest im Ansatz formulieren, ähneln eher aufgeregten kleinen Kindern, als abgeklärten Unsterblichen. Hier bricht der Kinderbuchautor Montillon in unangenehmer Weise durch. Die anderen eingangs erwähnten Elemente werden lieblos aneinandergereiht. Der Autor ergeht sich wohl in der Hoffnung, die Leser würden sich alles selbst zusammenreimen. Ein bisschen mehr Anstrengung seitens des Exposé-Autors, dies mit aufeinander aufbauenden Handlungselementen zu fördern, wäre allerdings schön gewesen. So macht es sich Montillon mal wieder viel zu einfach.

Am Ende widmet der Autor der Figur Tolot beim Einsatz auf Volterhagen kaum eine Zeile. Dabei hätte die Tragik einer Rückkehr des Haluters nach 1500 Jahren an den Ort, an dem sein Kind starb, einfach mehr Raum verdient gehabt. Das war kläglich, was Montillon dazu schreibt.

Fazit: Ein Roman, der großes Potential in sich barg, das vom Autor nicht genutzt wurde.