Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2756

Das Schiff der Richterin – von Marc A. Herren – Handlung:

Vom Raumschiff der Atopin Saeqaer, der CHEMMA DHURGA oder übersetzt DIE WIEGE DER LIEBE, löst sich eine kristalline Sphäre und landet in einem Hangar der SPINYNCA. Ein schwarzes Kunstwesen, dessen Oberkörper humanoid, der untere Teil zylindrisch gestaltet ist, entsteigt der Sphäre. Das Geschöpf bezeichnet sich als den Schwarzen Bacctou und er soll Rhodan an Bord des Richterschiffs bringen. Die Geniferin Taccea Sperafeco will mitfliegen, doch der Bote verweigert das. Rhodan steigt ohne zu zögern in das Gefährt. Auf dem Flug beobachtet er, dass der Schwarze Bacctou Mimik und Bewegungen Rhodans imitiert. Das Kunstgeschöpf zeigt auch andere Facetten. Es singt und bemüht sich Rhodan zu beeindrucken.

Die CHEMMA DHURGA besteht aus zwei Kugeln, die von einem Ring umlaufen werden. Globus 1 durchmisst einen Kilometer, Globus 2 fünf Kilometer. Rhodan wird zu Globus 2 gebracht, die die Heimstatt der Schiffbrüchigen aller Welten sei. Eine Audienz bei der Richterin sei zunächst nicht geplant. Die große Kugel entpuppt sich als Hohlwelt mit einem Innendurchmesser von ca. 4,8 km. Eine rote Kunstsonne spendet Licht über einer feuchten und unwirtlichen Moorlandschaft. Sie landen in der Nähe eines Trümmerkomplexes, das Rhodans Begleiter als Stätte Einsnullvier der Siwives bezeichnet. Der Schwarze Bacctou hat diese Stätte aus hunderten gewählt, weil die Lebensbedingungen der Siwives denen Rhodans ähneln. Ansonsten steht es dem Terraner frei, Globus 2 zu erkunden. Die Siwives entpuppen sich als vielarmige Wesen, die sich als Diebe betätigen und die anderen Stätten heimsuchen. Über ihre Herkunft haben sie keine Aufzeichnungen. Für einen Platz zum Schlafen und für Nahrung muss Rhodan etwas beisteuern. Im Auftrag des Werten Thivinne soll er in Stätte Dreizwo Pläne für ein Fluggerät stehlen. Rhodan macht sich auf den Weg, den Schwarzen Bacctou immer an seiner Seite. Stätte Dreizwo wird von den Valvdigern bewohnt, spindeldürre humanoide Wesen. Der Werte Khambhulom, Sprecher dieser Stätte, ist sehr freundlich und überlässt Rhodan die Pläne und das Modell eines einfachen Fluggeräts. Auch die Valvdiger haben keine Erinnerung an ihre Herkunft.

Mehrere Tage vergehen und Rhodan ist sich über seine Rolle im Unklaren. Besorgt beobachtet er, dass sich sein Begleiter nun auch äußerlich verändert. Die Gesichtszüge des Schwarzen Bacctou gleichen sich denen Rhodans an und sogar die kleine Narbe wird nachgebildet. Das Kunstgeschöpf bezeichnet dies als unbewussten Vorgang. Er adaptiert Rhodan, um als gleichwertig betrachtet zu werden. Rhodan macht mehrere Besuche bei Khambhulom. Als der Valvdiger erfährt, wie alt Rhodan ist, lädt er ihn zur Tagung des Ultimaten Rates ein. Alle 40 Tage treffen sich die Werten aller Stätten in einem Amphitheater. Der Werte Tax eröffnet die Diskussion, die sich um die Beantwortung der drei Ultimaten Fragen dreht. Es sind nicht die Rhodan bekannten Fragen sondern andere. „Was ereignet sich hinter dem Horizont des GESETZES?“ ist die erste Frage. Die zweite Frage lautet „Auf welcher Seite des Spiegels der Schöpfung existiert der Fragesteller?“ und „Wem gehört die Zeit?“ ist die dritte Ultimate Frage. Der Schwarze Bacctou macht Rhodan den Anwesenden bekannt und Rhodan erläutert die ihm bekannten Fragen und Antworten, die auf großes Interesse stoßen. Der Schwarze Bacctou bezeichnet Rhodans Ultimate Fragen als andere Aggregatszustände der immer gleichen universellen Fragen.

Nachdem sich der Rat aufgelöst hat gewährt Richterin Saeqaer Rhodan eine Audienz. Die Atopin zeigt sich in einer Holoprojektion, dennoch wird die Gestalt von einer mentalen Aura umgeben, die Rhodan auf Distanz hält. Saeqaer ist eine Reptiloide und unverkennbar schwanger. Einen Vater gäbe es nicht, erläutert sie, und auf Rhodans Frage, was er in Globus 2 soll, antwortet sie nur, dass sie sehen will, wie er sich schlägt. Dann ist die Audienz auch schon zu Ende. Danach sinniert Rhodan noch lange über die Inhalte der Ultimaten Fragen. Rhodan will auch mehr über seinen Begleiter erfahren. Aus dessen Erinnerungen kann Rhodan einen Ort innerhalb der Sphäre lokalisieren, wo sein Begleiter entstanden sein muss. Rhodan begibt sich in einem selbst gebauten Fluggerät dorthin und findet vor Ort einen riesigen Klumpen aus der gleichen Materie wie sein seltsamer Begleiter. Als der Terraner den Ort verlässt, wird er von der Richterin gestellt. Saeqaer zeigt sich nun gesprächiger. Das Atopische Tribunal entstammt keinem wirklichen Ort im Universum, sondern aus einer kosmischen Atopie, den Jenzeitigen Landen. Noch nie habe die Richterin so tief im Chronoversum operiert, so nahe an der Quelle der sich selbst schöpfenden Schöpfung. Rhodan erkennt in der Bezeichnung den Urknall, die Richterin bejaht das aber auf die Frage, ob sie aus der Zukunft operiert, bleibt sie mit ihrer Antwort zweideutig. Rhodan erfährt noch mehr. Die Jenzeitigen Lande kann nur ein Richterschiff bereisen und nur von einem Wesen gesteuert werden, das bereits hinter den Materiequellen war. Und Saeqaer war bereits dort, was Rhodan sehr beeindruckt.

Perry Rhodan setzt sich ein neues Ziel. Er will Atlan finden, damit dieser ihn in die Jenzeitigen Lande bringen kann. Atlan ist der Schlüssel, doch Rhodan quälen auch andere Gedanken. Vielleicht ist das der Plan der Richter, nämlich das Rhodan sie zu Atlan führt. Dennoch will der Unsterbliche mit Hilfe der Schiffbrüchigen von der CHEMMA DHURGA fliehen. In der Nacht erwacht er durch Schmerzensschreie des Schwarzen Bacctou. Dieser verwandelt sich endgültig in eine Kopie Rhodans. Später hat der Terraner einen wirren Traum. Die Richterin bittet ihn, ihr Kind zu beschützen.

In einer gewagten Aktion will Rhodan die Richterin herausfordern. Er droht damit, sich und seinen Doppelgänger zu töten. Saeqaer vereitelt Rhodans Plan. Während Rhodan seinen Doppelgänger an der Seite der Richterin sieht, schläft er ein. Im Traum begegnet er Vetris-Molaud. Und dann ist nichts mehr.

 

Rezension:

Nachdem schon Reginald Bull in diesem Zyklus als genialer Luftfahrt-Ingenieur seinen Auftritt hatte, tut es ihm Perry Rhodan in der aktuellen Episode gleich. Zum damaligen Roman mit Bull als Hauptfigur schrieb ich, dass die Unterschiede zwischen Bull und Rhodan darin bestünden, dass der eine mit beiden Beinen fest im (mehrtausendjährigen) Leben steht und der andere kosmischen Geheimnissen nachjagt. Marc A. Herren bestätigt einmal mehr diese Einschätzung. Pflichtbewusst lässt er Rhodan ein einziges Mal in seiner Geschichte eine scheinbar sorgenvolle Frage nach dem Schicksal der Milchstraße und ihrer Bewohner stellen. Alle anderen Fragestellungen und Überlegungen der Hauptfigur zeigen, dass sich die Figur ein gutes Stück von den Niederungen des Lebens entfernt hat.

Im Zyklus „Die kosmischen Burgen“ kam es seinerzeit zum Wettstreit zwischen Perry Rhodan und dem Arkoniden Atlan, wer der geeignete Kandidat sei, um hinter die Materiequellen zu gehen. Rhodans Enttäuschung, als Atlan gewählt wurde, ist mir noch gut in Erinnerung. Mal sehen, ob diese Begebenheit noch eine Rolle im aktuellen Zyklus spielen wird. Zumindest könnte es Würze in das Zusammentreffen der alten Freunde bringen.

Die Geschichte war flüssig geschrieben und der Autor hat viele Kapitel den alten aber auch neuen kosmischen Rätseln gewidmet. Die Leser der größten Science-Fiction-Serie der Welt sind schließlich dankbare Geschöpfe, zumindest aus Sicht des Autors. Wirft man ihnen ein paar Brocken aus der mannigfaltigen Serienvergangenheit hin, beginnen die Leser beinahe ohne jedes weitere Zutun des Autors damit, diese Häppchen zu analysieren, sie hin- und her zu bewegen und Verknüpfungen zu anderen Inhalten herzustellen, an die der Autor ganz gewiss nicht gedacht hat und anderes mehr. Es könnte also gut sein, dass Marc A. Herren falsche Spuren legt und dass seine Figur der Richterin Rhodan ähnlich einschätzt, wie der Autor seine Leser. Sie (der Autor) wirft Rhodan (dem Leser) ein paar Brocken hin und schon startet Rhodan (der Leser) sein Kopfkino.

Christian Montillon ließ unlängst auf eine Frage im Forum zum Handlungsfortschritt verlautbaren, dass in der Larenebene die relevanten, tempo-anziehenden Elemente „zu gut versteckt“ gewesen seien, bzw. sie waren zu sehr unter der Oberfläche. An Deutlichkeit mangelt es den Hinweisen in diesem Roman von Marc ganz sicherlich nicht.

Das große Problem wird sein, die Spreu vom Weizen zu trennen, d.h. was diente der Ablenkung und was bringt Rhodan (den Leser) auf die richtige Spur. Immerhin scheint es nun so zu sein, unabhängig davon, welche von Rhodans Überlegungen zu Atlan, die der Autor seine Figur anstellen lässt, die richtige ist, dass der Arkonide nach langer Abwesenheit kurz davor steht, in die Handlung einzugreifen. Und ich hätte mir gewünscht, dass Atlan vielleicht ein Richter des Atopischen Tribunals ist. Schließlich wurde bereits Rhodan ein solches Amt angetragen, als er sich auf der Erde im Richterschiff aufhielt. Hoppla, nun läuft auch bei mir Kopfkino!

Fazit: Der Autor hat sein Ziel erreicht.

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