Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2714

Das Ultimatum der Onryonen – von Uwe Anton – Handlung:

An Bord des vom Neuen Tamanium eroberten Polyporthofes ITHAFOR-5, von den Tefrodern WOCAUD getauft, ist die Situation angespannt. Der tefrodische Hyperenergieexperte Famather Myhd steht vor einem Rätsel. Alle Versuche, die Transferkamine auf ein Ziel zu programmieren, scheitern. Er vermutet, dass die Schattenmaahks diese Aktivitäten unterbinden. Allerdings zeigen die hyperenergetischen Röhren seltsame Erscheinungen. Bei einem Aufenthalt auf dem Transferdeck beobachtet Myhd, wie alle Transferkamine in einem von Myriaden feinster Risse durchzogenen rötlichen Glühen erstrahlen. Der Wissenschaftler hat den Eindruck, dass sich gleichzeitig in allen vier Röhren ein Schatten auf ihn zubewegt. Er meint sogar, von etwas gestreift zu werden. Auch die Sicherheitseinrichtungen des Hofes erkennen eine Gefahr und geben Alarm. Doch bevor Sicherheitskräfte eintreffen erlischt das Licht. Myhd entdeckt auf dem Boden die versteinerten Teile eines Fingers, zwei Glieder ohne Kuppe.

In seinem Labor untersucht der Hyperenergieexperte den Fund. Die Altersbestimmung bringt ein sensationelles Ergebnis. Der versteinerte Fingerteil ist älter als das Universum selbst. Mit einem Alter von ca. 19,442 Milliarden Jahren ergibt sich eine Diskrepanz von ca. 4 Milliarden Jahren. Mit der Genehmigung des Stationskommandanten Gornen Kandrit zieht Famather Myhd den weddonischen Chefwissenschaftler Projjid Tyx hinzu, der nach der Eroberung der Station in Haft kam. Die beiden Wissenschaftler stellen diverse Theorien auf. Wenn das Fingerglied aus einem anderen älteren Universum stammt, müsste sich eine abweichende Strangeness feststellen lassen. Diese Untersuchungen verlaufen jedoch ohne Ergebnis. Möglicherweise stammt der Fund aus der Zukunft des eigenen Universums. Bei einem Transport in die Vergangenheit müsste sich jedoch ebenfalls ein abweichender Strangeness-Wert nachweisen lassen. Die Wissenschaftler sind ratlos. Auf WOCAUD gibt es unterdessen Alarm. Eine Flotte der Blues versucht den Hof zurückzuerobern, scheitert aber an den starken tefrodischen Flottenverbänden. Die Tefroder erhalten zudem Verstärkung. Truppentransporter mit Geleitschutz erscheinen im Ghatamyz-System und bereiten die Besetzung der inneren Welten vor, die von Blues besiedelt sind. An Bord der GALBRAITH DEIGHTON V, einem Schiff der Liga, muss den Operationen hilflos zugesehen werden.

Plötzlich erscheint ein Raumrudel der Onryonen im System. Der Onryone Ghonvar Toccepur, der die 450 Schiffe kommandiert, untersagt allen Parteien jegliche Kampfhandlungen im System. Verstöße würden vom Atopischen Tribunal geahndet werden. Die Schiffe der Tefroder ziehen sich zunächst zurück. Doch nur kurze Zeit später erscheint eine starke tefrodische Flotte unter dem Kommando von Vetris-Molaud persönlich. Mit gleichen Worten wie zuvor Toccepur, stellt der Hohe Tamrat den Onryonen ein Ultimatum zum Verlassen des Systems. Da die Onryonen nicht reagieren, greifen die Tefroder an und setzen dabei Transitionstriebwerke ein, um den gefürchteten Linearrumtorpedos zu entgehen. Die Onryonen erleiden hohe Verluste und fliehen aus dem System. Doch nur wenige Stunden später kehrt Ghonvar Toccepur mit seinem Schiff CHARILL zurück. Er richtet ein neues Ultimatum an die Tefroder. Binnen 6 Tage müssen sie das Ghatamyz-System verlassen, andernfalls würde der Gerichtshof von Luna in den Orbit von Tefor verlegt. Zudem wird das Polyport-System unzugänglich geschaltet.

In QUINTO CENTER, dem Hauptquartier der USO diskutieren Ronald Tekener und Monkey die politische Lage. Sie stellen auch die Vermutung an, dass das bisherige Auftreten der Tefroder unter Vetris-Molaud durchaus einen zeitlichen Bezug zu den Aktivitäten des Atopischen Tribunals aufweist. Möglicherweise paktiert der Hohe Tamrat mit dem Tribunal. Die gewonnene Schlacht im Ghatamyz-System könnte ein geschenkter Sieg sein. Tekener und Monkey wäre es durchaus recht, wenn Luna aus dem Solsystem abgezogen würde, denn Terra wäre damit nicht mehr unmittelbar bedroht. Die beiden Unsterblichen wollen jedoch nicht darauf warten, dass die Tefroder von sich aus das Ultimatum ignorieren, notfalls soll die USO einen solchen Gegenschlag selbst inszenieren. Die Zeit eilt. Mit einem Spezialistenteam will Tekener über den Handelsstern JERGALL nach WOCAUD reisen. Der Transfer verläuft ungewöhnlich. Tekener hat das Gefühl, dass eine lange Zeit vergeht und sich ein Druck auf seine Brust legt. Als er schließlich WOCAUD erreicht, spürt er sein Herz nicht mehr schlagen. Bevor er ohnmächtig wird, meldet sein SERUN, dass sein Herz irreparabel beschädigt sei. Es ist nur noch ein funktionsloser Gewebeklumpen.

 

Rezension:

Ein unterhaltsamer und abwechslungsreicher Roman, den Uwe Anton nach einer längeren Pause als Autor präsentiert. Der Autor verfolgt 3 Handlungsstränge. Ein gutes Viertel des Romans widmet Uwe Anton der Entdeckung und Untersuchung des seltsamen Fossils, älter als das Universum selbst. Die Konflikte Tefroder/Blues, bzw. Tefroder/Onryonen werden in einem weiteren Viertel behandelt, wobei der Autor dabei die Perspektive wechselt. Wurde die Raumschlacht gegen die Blues aus tefrodischer Sicht geschildert, ist die Liga beim zweiten Konflikt gegen die Onryonen Beobachter der Geschehnisse. Den umfangreichsten Part nahmen allerdings die Aktivitäten oder vielmehr die Gespräche und Überlegungen der beiden Unsterblichen von der USO ein. Dieser Part war allerdings auch recht unergiebig. Die Rolle der USO ist, obwohl der Autor einiges dazu schreibt, sehr unklar geblieben. Natürlich könnte es auch sein, dass die Rolle der USO nur deshalb unklar bleibt, weil die beiden verantwortlichen Figuren der USO ihr eigenes Süppchen kochen und die Rolle ihrer Organisation individuell interpretieren.

Auffallend in den Schilderungen des USO-Abschnitts ist, dass Prävention ein Begriff ist, der im Sprachgebrauch der Autoren nicht vorkommt. Beispiele dafür liefert der vorliegende Roman von Uwe Anton zuhauf. Vordergründig liefert der Autor einen interessanten und Einblicke gewährenden Roman zur Lage der Galaxis. Die USO ist von den Ereignissen, wie alle anderen Organisationen, Völker und Einzelpersonen auch, völlig überrascht worden. Zu diesem immer wieder aufgewärmten Szenario hatte ich schon einiges geschrieben. Von längeren Zeitabläufen profitieren immer nur die Elemente der Bedrohung. Alle Verteidiger beginnen immer beim Stande Null. Es mag noch akzeptabel sein, dass es dem Atopischen Tribunal gelungen ist, bestimmte Aktivitäten, die einen längeren Vorlauf benötigt haben müssen, erfolgreich vor der Öffentlichkeit zu tarnen. Dass insbesondere Geheimdienste und geheimdienstähnliche Organisationen vollständig überrascht werden, ist eine wenig glaubhafte Darstellung. Insofern muss die USO nach Schilderung des Autors in der Analyse des Gegners bei null beginnen. Dümmlich wirken zudem Schilderungen, die den Tefrodern einen brillanten Schachzug unterstellen, nur weil die auf Transitionstriebwerke zurückgegriffen haben. Solche Pläne müssen bei jedem galaktischen Volk in der Schublade liegen und bei der USO sowieso.

Wenig gelungen sind auch Darstellungen, dass es bei der USO kein Dossier über den Hohen Tamrat gibt. Dass die USO auch bei aktuellen galaktischen Krisenherden bei null beginnt, ist ein weiterer nicht nachvollziehbarer Plot der Autoren. Zum Lebenslauf bekannter Politiker (oder Despoten) liegen keine Dossiers in der Datenbank und die Agenten müssen mühsam ihr Wissen erst aufbauen. Der Plan der USO, eine Reaktion der Tefroder auf das onryonische Ultimatum herbeizuführen, um Luna aus dem Solsystem zu bekommen, passt schon mehr in die (kruden) Abläufe dieser Organisation. Über die 1 Milliarde Terraner, die auf Luna leben, machen sich die beiden Fraktoren, äh Unsterblichen auch keine Gedanken. Die Eckdaten des Plans, nämlich das Polyport-Netz zu benutzen, ist dagegen wieder stümperhaft. Angesichts der bekannten Phänomene ist eine Benutzung nicht einfach als risikoreich zu bezeichnen, sondern schlicht dumm. Tekener wird uns zumindest im nächsten Heft noch erhalten bleiben. Dazu war der betreffende Abschnitt am Romanende einfach zu kurz gehalten.

Fazit: Trotz der merkwürdigen USO-Darstellung bot der Roman gute Unterhaltung. Einige Beschreibungen gerieten zu lang und der Aktionsplan der USO dagegen zu kurz.

 

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