Ansichten zu PR 2700

Der Techno-Mond – von Andreas Eschbach – Handlung:

Auf Terra schreibt man das Jahr 1514 NGZ. Das Solsystem ist am 26. August 1503 NGZ an seinen angestammten Platz zurückgekehrt. Da hatte man auf Terra noch 1470 NGZ geschrieben, die Bewohner der solaren Welten hatten somit 33 Jahre einfach übersprungen. Die Rückkehr war jedoch nicht vollständig gewesen, denn Luna, der Mond der Erde, fehlte. Anfangs hatte man die Hoffnung, dass der Mond mit einiger Verspätung noch eintreffen werde. Die Auswirkungen des fehlenden Mondes auf das Klima der Erde waren gravierend. Zudem wurde natürlich die lunare Riesenpositronik NATHAN schmerzlich vermisst. Als dann schließlich der Mond am 22.05.1512 NGZ auf seiner korrekten Umlaufbahn eintraf, zeigte sich der Himmelskörper stark verändert.

Die Oberfläche des Mondes war von einer Technokruste überzogen. Wie ein Geflecht überwuchert ein in sich verdrehtes Netz aus Maschinen und technischen Strukturen den gesamten Mond. Von den Städten ist nichts mehr zu sehen, das Schicksal ihrer Bewohner ist unbekannt. Natürlich hatte man versucht, auf dem Mond zu landen, doch ein unbekanntes Kraftfeld, der Repulsor-Wall, umgab den Mond vollständig und verhinderte bislang jeden Versuch, es zu durchdringen. Auch Gucky, der auf eine leichtfertige Bemerkung von Rhodan hin, eine Teleportation wagte, scheiterte. Seither liegt der Ilt im Koma in einer Spezial-Klinik in Terrania.

Seit der Mond zurück ist und fahlgrün am Himmel wie ein Damoklesschwert über Terra hängt, haben zahlreiche Menschen die Erde verlassen, sind auf andere solare Welten gezogen oder gleich in ein anderes Sonnensystem. Die Auswanderungswelle hat mit 1 Milliarde Menschen schon beunruhigende Ausmaße angenommen.

Doch im Juni 1514 NGZ gibt es endlich die Hoffnung ein wenig mehr über den veränderten Mond zu erfahren. Die STARDIVER ist der Prototyp eines Raumschiffes, das mit einem neuartigen Antrieb, dem Hypertrans-Progressor, ausgestattet wurde. Eigentlich für intergalaktische Flüge konzipiert, erlaubt es der Antrieb dem Schiff, aus dem Stand in den Hyperraum zu gehen. Der 200m-Kugelraumer mit Anflanschen aus Salkrit soll den Piloten Rhodan und 3 Begleiter durch den Repulsor-Wall bringen. Da die vom Salkrit ausgehende Strahlung für Lebewesen tödlich ist, wird die Besatzung den Flug in Suspension verbringen.

Perry Rhodan trifft sich im Luna-Orbit zu letzten Gesprächen mit Oberst Evrem Valsoda, dem Kommandierenden der Sicherungsflotte. Dort hat man neue Erkenntnisse gewonnen. Vom Mond werden intensive Scans des Solsystems durchgeführt. Anschließend trifft sich Rhodan mit dem neuen Solaren Premier Cai Cheung im Solaren Haus. Die Solare Residenz schwebt über der Stadt Goyn auf Maharani, eine Änderung, die erstaunlich schnell von den Terranern akzeptiert wurde. Der Start der streng geheimen Mission wird auf den 19. Juni 1514 festgelegt.

Unterdessen entsteht in der galaktischen Eastside ein neuer Krisenherd im Sektor Ghatamyz. Vor einiger Zeit ist der Polyporthof ITHAFOR-5 dorthin verlegt worden. Seitdem verwehren die Jülziish den Tefrodern den Zugang zum Polyportnetz. Die Tefroder reagieren auf diese Blockade und erheben ihrerseits angebliche Ansprüche auf Planeten der Jülziish. Eine LFT-Beobachterflotte im Auftrag des Galaktikums muss mit ansehen, wie tefrodische Schiffe einen Verband von Blues-Schiffen attackieren. Hilflos wird an Bord der Beobachter-Flotte der Tod von Lebewesen beobachtet, denn man darf offiziell nicht eingreifen. Nur eine Rettungsmission für Überlebende des Raumkampfes darf unternommen werden.

Auf Terra bekommt Rhodan die Information vom Liga-Geheimdienstchef, dass die Pilotin und gebürtige Tefroderin Farye Sepheroa von der KRUSENSTERN, dem umgebauten Posbi-Raumer des Milliardärs Viccor Bughassidow, offensichtlich eine Enkelin von Rhodan ist. Der Unsterbliche nimmt eine länger zurückliegende Einladung von Bughassidow an und geht an Bord der KRUSENSTERN. Natürlich will er mehr über Sepheroa erfahren. Allerdings kommt es zu keinem Kontakt. Viccor Bughassidow macht Rhodan stattdessen mit seiner Suche nach einem Dunkelplaneten vertraut. Medusa, so nennt er den Planeten, hat vor ca. 20 Millionen Jahren das Solsystem verlassen. In einer Kaverne auf dem Jupiter-Mond Europa hat der Milliardär neue Hinweise zu Medusa entdeckt. Er bittet Rhodan um Rechenzeit bei der Biopositronik OTHERWISE. Rhodan interessiert das Projekt und er sagt Bughassidow Unterstützung zu einem späteren Zeitpunkt zu.

Unmittelbar vor dem Start der STARDIVER sagt das Galaktikum in Absprache mit der LFT die Entsendung einer Hilfsflotte für die Opfer des Eastside-Konfliktes zu. Rhodan kommen die Zusammenstellung der Flotte und der Start des Verbandes gelegen. Diese Aktivitäten tarnen den Start seiner Mission. Zusammen mit Toufec, Sanda Sarmotte und dem Hyperphysiker Fionn Kemeny geht er an Bord der STARDIVER. Nach dem Start wird der neue Antrieb eingeschaltet und das Schiff geht in die Phase der Hypertransit-Progression. Tatsächlich kann das Schiff die Grenze des lunaren Kraftfelds damit durchfliegen.

Sichu Dorksteiger, die Chefwissenschaftlerin der Liga, beobachtet von einem Observatorium, wie 32 fremde Kugelraumschiffe von der Mondoberfläche starten. Sie verfolgen ein anderes Schiff und schießen es ab. Auch bei der Sicherungsflotte um Luna sind die Aktivitäten der Fremden bemerkt worden. Plötzlich aktivieren sich überall die Kommunikationsanlagen. Ein fremder Humanoide mit lackschwarzer Haut stellt sich als Shekval Genneryc vor, Kommandant des Raumvaters HOOTRI und Anführer des onryonischen Raumrudels der im Auftrag des Atopischen Tribunals handelt. Der Fremde fordert ultimativ dazu auf, den für die Eastside bestimmten Verband nicht starten zu lassen und auf keinen Fall den Versuch zu unternehmen in den Linearraum einzutreten.

Die Drohung wird ignoriert und der Verband geht in den Linearraum. Von den fremden Schiffen werden daraufhin 300 Raumtorpedos gestartet. Die Sicherungsflotte kann die meisten abschießen, sie kann allerdings nicht verhindern, dass einige Torpedos in den Linearraum gehen. Zum Entsetzen der Terraner stürzen Trümmer von Schiffen der Hilfsflotte in den Einsteinraum zurück. Die Torpedos konnten die Schiffe während des Linearfluges vernichten! Die Sicherungsflotte von 1000 Schiffe eröffnet daraufhin das Feuer auf die 32 onryonischen Schiffe, die sich ohne Verluste nach Luna zurückziehen. Genneryc verkündet in einem weiteren Funkspruch ein Linearflug-Verbot über das Sol-System.

Der Resident Arun Joschannan weist in einer Funkbotschaft alle Forderungen zurück. Da meldet sich direkt Shekval Genneryc wieder und kann auf allen Kanälen empfangen werden. Er ruft den ersten Tag des ersten Jahres des Atopischen Tribunals in der Milchstraße aus. Er untersagt jegliche Flottenbewegung im Solsystem. Als erste Amtshandlung fordert der Fremde die Überstellung von Perry Rhodan und Gaumarol da Bostich an das Tribunal innerhalb von 3 Tagen. Auf die Frage, welche Vergehen Rhodan zur Last gelegt werden, nennt der Fremde die Auslösung des DORIFER-Schocks, die Tötung der Superintelligenzen SETH-APOPHIS und KOLTOROC und die Auslösung des Weltenbrandes, der Ekpyrosis von GA-yomaad. Das letztgenannte Verbrechen wird Rhodan erst im Jahre 84.387 begehen.

Auf Luna stehen Rhodan und seine Begleiter am Mare Imbrium. Auf die Frage von Kemeny, was sie nun machen antwortet Rhodan: „Na, was schon? Wir gehen und schauen nach, ob hier noch Menschen leben.“

Rezension:

Wiederholt sich Geschichte? Diese Frage ging mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf. Auch nicht in diesem Moment, da ich meine Ansichten zum Jubiläumsband 2700, der von Andreas Eschbach verfasst wurde, niederschreibe. Der Roman liegt vor mir auf dem Tisch. Mit 80 Seiten Umfang, den Anhängen und dem eingehefteten Poster ist der Jubiläumsband dick geraten. Der Verlag kann stolz sein, der Name Andreas Eschbach auf dem Cover einer „runden“ Nummer wertet das Heft zusätzlich auf. Trotzdem kreiste in meinen Gedanken nur diese eine Frage: Wiederholt sich Geschichte?

Wieder steht Rhodan mit 3 Begleitern vor einer Herausforderung. Wieder muss er mit einem Raumschiff den gefahrvollen Flug zum Mond wagen. Wieder einmal dasselbe. Wieder einmal wird die Erde bedroht. Wieder taucht ein übermächtiger Gegner auf. Wieder sprechen zuerst die Waffen. Wieder haben die Terraner den Fremden nichts entgegenzusetzen. Wieder stehen Wissenschaftler ratlos vor fremden Technologien.

Wiederholt sich Geschichte? Andreas Eschbach macht im Epilog ein Bekenntnis. Nein, lässt er seine Figur Rhodan feststellen. Zwar neigte Geschichte dazu, ähnlichen Mustern zu folgen, aber das, was tatsächlich geschah, war letzten Endes immer eine Überraschung.

Ich würde dieser Aussage von Andreas Eschbach nur allzu gerne vertrauen. Um sicher zu gehen, dass sich Geschichte nicht wiederholt, und damit meine ich die immer wiederkehrenden Elemente der Perry Rhodan-Serie, muss nicht viel getan werden. Andreas Eschbach muss lediglich auch die Romane 2701 bis 2799 schreiben und ich bin mir sicher, dass dann die Serie zwar immer noch ähnlichen Mustern folgt, uns dennoch aber zahlreiche Überraschungen erwarten.

Ja, auch der Jubiläumsband von Andreas Eschbach folgt vertrauten Mustern. Der (fast schon obligatorische) Zeitsprung erlaubt die Schilderung einer stabilen Gesellschaft. Die Unruhe direkt nach der Rückkehr des Solsystems wäre doch eher hinderlich gewesen. Dazu eine neue politische Ordnung, leicht abgewandelte Aufgaben für die Unsterblichen, ein paar geschickt platzierte Geheimnisse. Ein exzentrischer Milliardär, dazu eine persönliche Note mit der mutmaßlichen Enkelin von Rhodan und ein paar verspielte Details, beispielsweise die Statue in Rhodans Haus.

Der Roman hat mir gefallen, trotz oder vielleicht auch wegen der vertrauten Muster. Zugegeben, meine Verblüffung hielt sich in Grenzen und überraschende Wendungen blieben ebenfalls aus. Aber im Auftaktband zu einem 100 Hefte umfassenden Zyklus darf man das auch nicht erwarten. Andreas Eschbach schafft es, ganz Perry Rhodan-untypisch, einige typische Jubiläumsband-Klippen zu umschiffen. Keine epischen Wiederholungen, kein Herunterbeten von Lebensläufen und Ähnlichem. Toufec und Shanda sind mit dabei. Das reicht, der Leser kennt die beiden schließlich aus den letzten Romanen. Die verschiedenen Handlungsorte wurden gleichrangig abgedeckt, die Geschichte bot eine ausgewogene Mischung aus bekannten und neuen Elementen. Die Handlung wurde zielstrebig vorangetrieben. Der Roman war jetzt nicht übermäßig spannend, weckte jedoch meine Neugierde auf die Fortsetzung.

 

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