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Kristall-Labyrinth – von Christian Montillon – Handlung:
Perry Rhodan, Alaska Saedelaere, Nemo Partijan und Gucky haben sich in eine unterirdische Grotte von Pean geflüchtet. Die Howalgoniumkristallvorkommen sollen sie vor dem Geistwesen QIN SHI schützen. Allerdings ist auch die Strahlung der Kristalle gefährlich. Klare Überlegungen gelingen Perry Rhodan immer schwerer, ein Geflecht aus Hyperkristallen scheint ihn und seine Begleiter zu überwuchern. Rhodan und Gucky beginnen zu halluzinieren. Bevor Rhodan den Sinnestäuschungen vollständig erliegt, erkennt er, dass er und seine Begleiter stellvertretend für die vier Teile von TANEDRAR stehen.
Rhodan findet sich an Bord des escalianischen Schiffes WORUGA wieder. Als einfacher Soldat kämpft er gegen QIN SHIS Flotten. Er ist sich allerdings auch bewusst, dass er Perry Rhodan ist. Die WORUGA wird vernichtet und Rhodan als einziger Überlebender zum Befehlshaber der Flotte Craton Yukk gebracht. Rhodan soll die Position des geflohenen Kanzlers Orsen Tafalla einnehmen. Rhodan willigt ein und verschafft sich einen Überblick über die strategischen Positionen des Reiches und QIN SHIS Flotten. Sein Ziel ist der Schutz des Ankerplaneten Pean. Doch die Skrupellosigkeit, mit der QIN SHI seine Flotten opfert, um bestimmte Ziele zu erreichen, erschreckt Rhodan. Trotz zwischenzeitlicher Erfolge, die Rhodan für das Reich der Harmonie verbuchen kann, stehen die Invasoren bald dicht vor Pean. Rhodan wird Zeuge wie sich QIN SHI die Bewohner von Escalian einverleibt, darunter auch ihn, den Kanzler Tafalla. Schließlich verblasst die falsche Realität und er findet sich im Kristall-Labyrinth wieder. TANEDRAR hat einen Teil eingebüßt.

Auch Gucky wird in eine falsche Realität geschleudert. Er landet in einem Zoo. QIN SHI beeinflusst die Tiere, so dass es zu zahlreichen Ausbrüchen von wilden Kreaturen kommt. Gucky hilft, wo er nur kann. Der Retter soll schließlich zu König Noser Netbura gebracht werden, dessen Palast über dem Planeten schwebt. Mit einigen Schwierigkeiten gelangt der Ilt zu Netbura. Entgegen dem Rat Guckys will der König in Verhandlungen mit den Streitkräften QIN SHIS eintreten. Scheinbar erklären sich einige Xylthen-Kommandanten bereit zu einem Gespräch. Doch es ist eine Falle und die Flotte des Königs wird vernichtet. Netbura besteigt ein Kampfraumschiff und wird im Gefecht getötet. Damit stirbt ein weiterer Teil TANEDRARS.
Die vier, die eins sind, sind jetzt nur noch zwei. TANEDRAR kann es nicht verhindern. Das Reich der Harmonie fällt.

Rezension:
Der Einstieg in Christian Montillons Roman geriet für meinen Geschmack eine Spur zu langatmig. Die Inhalte, also dass die Figuren einem wie auch immer gearteten fremden Einfluss unterliegen sind ja so selten nicht in der Serie. In den vergangenen Zyklen haben diese Elemente jedoch zugenommen. Zudem verrät der Autor schon recht früh, was den Leser erwartet. Die vier Gefährten im Kristall-Labyrinth stehen stellvertretend für TANEDRAR. Wieder einmal wird der Versuch gestartet, den mit normalen (menschlichen) Sinnen nicht begreifbaren Kampf zwischen zwei geistigen Entitäten darzustellen. Der Autor hat sich für diese Aufgabe durchaus etwas einfallen lassen. Doch zunächst waren die vorherrschenden Elemente in seiner Geschichte, die durch die Strahlung der Kristalle ausgelösten bizarren Sinneseindrücke und die teils ins Groteske gehenden Wahrnehmungen seiner Figuren. Dazu garniert der Autor ein ums andere Mal Splatter, d.h. es fließt viel Blut und die Darstellungen von Verletzungen, Gewalt und Tod variiert Christian Montillon in der ihm eigenen Art.
Welchen Stil der Autor im vorliegenden Roman verfolgt, bleibt auch nach der vollständigen Lektüre unklar. Anders als beispielsweise Thurner oder Herren, die sich erkennbar Gedanken über Aufbau und Ziel ihrer Geschichten machen, scheint Montillon munter drauflos zu schreiben. Im vorliegenden Roman beginnt er eine absonderliche und unwirkliche Welt zu entwickeln, in der seine Figuren gefangen sind. Schon bald erkennt der Autor, dass er mit diesen alptraumhaften Szenen ein Problem bekommen wird, denn derartige Beschreibungen können zwar einen ganzen Roman füllen, sind aber vom Leser nicht allzu lange zu ertragen. Also beginnt er seinen Figuren, genauer zuerst Rhodan und dann Gucky scheinbar mehr Kontrolle zu geben, indem er sie in falschen Realitäten, die er als Phasen bezeichnet, agieren lässt. Diese Phasen sollen den Kampf TANEDRARS gegen QIN SHI symbolisieren. Auch wenn sich diese Passagen durchaus annehmbarer für den Leser gestalten, ist der Autor in der Ausgestaltung unschlüssig darin, wie viel Kontrolle, bzw. Erkenntnisse seine Figuren in der falschen Realität erhalten sollen. Schließlich soll der Leser noch eine Zeitlang im Unklaren gelassen zu werden. Von daher gibt es keine klar definierten Grenzen, zwischen den Geschehen in der Kristallhöhle und den Erlebnissen von Rhodan und Gucky. Der Autor gibt selbst aber auch nur ungenügende Hinweise, wie sich die Geschehnisse voneinander trennen lassen, er formuliert bewusst sehr schwammig. Das einzige „Stilelement“, dass Montillon immer wieder gezielt einsetzt, sind seine heißgeliebten Splatter-Szenen. Meist dienen sie ihm dazu einen Übergang von einer Phase in die nächste Phase zu schaffen.

Und so ist der Roman dann aufgebaut, (Alp)traumsequenzen werden gefolgt von Passagen, in denen der Autor seinen Figuren in den falschen Realitäten etwas mehr Kontrolle gibt, um dann mit irgendwelchen Splatter-Szenen diese Kapitel enden zu lassen.
Die Szenarien, in die Montillon seine Figuren Rhodan und Gucky schickt, sind wie schon erwähnt falsche Realitäten, denn sie bilden nicht vollständig die aktuellen Verhältnisse in Escalian ab. Nicht die realen Figuren der aktuellen Hierarchie werden genannt, sondern die Figuren aus dem Mahnenden Schauspiel vom See der Tränen. Der aktuelle Kanzler Vedikk, der ja von Ennerhahl gerettet wurde, wird nicht erwähnt. Stattdessen übernimmt Rhodan den Platz des geflohenen Kanzlers Orsen Tafalla. Und auch Gucky trifft in seiner „Realität“ nicht auf den echten König sondern auf den König Netbura aus dem Mahnenden Schauspiel. Während Montillon seinen Figuren insoweit Kontrolle zurückgibt, dass sich die Figuren ihrer selbst bewusst sind und zum Teil auch logisch handeln können, werden die Elemente aus dem Schauspiel von seinen Figuren nicht hinterfragt. Dass der Bezug zur Realität nicht vollständig ist, erkennt man auch daran, dass sich Rhodan und Co keine Gedanken zu den im Orbit von Pean zurückgelassenen Gefährten Mondra und Eroin machen. Und Gucky wundert sich nicht über den Zoo auf Pean, während dieser Planet bisher nur als Welt der Peaner geschildert wurde, ohne fremde Siedlungen.

Durch die bewusst oder unbewusst schwammigen Formulierungen und den nicht sorgfältig genug durchdachten Rollen von Rhodan und Gucky in diesen Geschehen, verliert der Autor und damit seine Geschichte. Alles wird zu chaotisch, manche Geschehen driften zu stark auseinander und werden vom Autor nicht mehr eingefangen. Vielleicht wäre es besser gewesen, die falschen Realitäten anders zu gestalten. Statt Rhodan und Gucky zuerst in fremde Körper zu versetzen und sie anschließend entweder Figuren aus dem Schauspiel ersetzen zu lassen, bzw. ihnen zu begegnen, hätte Montillon Rhodan und Co von Anfang an als die Darsteller vom Mahnenden Schauspiel spielen lassen sollen. Das wäre zwar eine Wiederholung aus einem Roman von Marc A. Herren geworden aber Christian Montillon hätte nun die „reale“ Bedrohung durch QIN SHI integrieren können.
Fazit: Mit einer anderen Rollengestaltung für Gucky und Rhodan und etwas weniger Splatter hätte sich aus der Geschichte etwas machen lassen.

 

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