Ansichten zu PR 2668

Neuntau – von Christian Montillon – Handlung:
Alaska Saedelaere hat das Kommando über die SHEYAR, einem modernen Raumer der Escalianer erhalten. Und er bekam einen Datenspeicher mit Informationen über Sholoubwa. Während die RHYLINE und die meisten seiner Gefährten zurückbleiben, steuert die SHEYAR die Kleingalaxis Dranat an. Nur Eroin Blitzer begleitet den Maskenträger. In Dranat liegen die Baustellenplaneten, auf denen der Konstrukteur Sholoubwa die 48 Blütenblätter der Zeitrose geschaffen hat. TANEDRAR hatte mehrfach vergeblich versucht Agenten in die Baustelle einzuschleusen, war aber immer gescheitert. Nach dem Ende der Bautätigkeit hatte die SI die verlassenen Welten oberflächlich untersuchen lassen aber keine Erkenntnisse gewinnen können.
Als die SHEYAR das Zielgebiet erreicht, erkennt Eroin Blitzer in den Konstellationen der Baustellenwelten ein Muster. Er errechnet eine Zentrumswelt und die SHEYAR fliegt dorthin. Auf der zweiten Welt des Zielsystems wird eine Stadt entdeckt. Genaue Ortungen sind nicht möglich, da eine unbekannte Strahlung alles überlagert. Saedelaere und Blitzer landen mit einem Beiboot. Die Stadt ist verlassen. Das Zentrum wird von einem mehrere Kilometer hohen Turm dominiert. Auf dem Weg ins Zentrum finden die beiden Gefährten eine Statue, eine spinnenbeinige Gestalt, die wohl Sholoubwa zeigt. Außerdem treffen sie auf zahlreiche inaktive und zum Teil zerfallene Körper von Robotern der Technogarde Sholoubwas.
Während sie weiter ins Zentrum der Stadt vorstoßen, werden sie beobachtet. Der Fremde nennt sich Nikomus Neuntau und weilt seit langer Zeit auf dieser Welt. Sein Körper zerfällt langsam und er sieht in den Besuchern eine Möglichkeit, den Planeten zu verlassen. Der Unsterbliche und sein Begleiter erreichen schließlich den Turm im Stadtzentrum. Die Konstruktion ist von einem Energiefeld umgeben, das auch die Quelle der Störstrahlung ist. Eroin Blitzer versucht vergeblich mit seinen Gerätschaften einen Zugang zu schaffen. Plötzlich nähert sich eine fremde Gestalt. Zu Alaskas Überraschung und sehr zum Befremden von Eroin Blitzer erkennen sie in dem Wesen einen Zwergandroiden. Nikomus Neuntau stellt sich vor und erläutert, dass es keine Möglichkeit gibt, den Turm zu betreten. Selbst Sholoubwa, dem er einst als Pilot der SCHRAUBE-B diente, hatte bei seiner Rückkehr nach Sholoukanora keinen Zutritt mehr erhalten. Die Abkehr von seinen Auftraggebern wurde bestraft. Die Hohen Mächte gestatteten ihm keinen Zugriff mehr auf seine Schaltzentrale.
Alaska ist enttäuscht, da sich die Spur zu Sholoubwa aufzulösen scheint. Doch Neuntau kennt das Ziel Sholoubwas. Im Tausch gegen die Koordinaten will er mitgenommen werden. Saedelaere willigt ein. Nikomus Neuntau führt die SHEYAR zum Nahroin-System. In dem System von ehemals acht Planeten herrscht Chaos. Drei Planeten sind weitgehend zerstört, die Überreste werden von würfelförmigen Robotschiffen eingesammelt und zur Energiegewinnung an mehrere kilometergroße Raumstationen geliefert. Die einzige bewohnbare Welt des Systems liegt im Zentrum der Raumstationen. Die SHEYAR ortet auf dem Planeten Leben. Als sie sich der Welt nähern, kommt es im gesamten Sonnensystem zu Hyperaufrissen. Die SHEYAR wird davon erfasst und aus dem System geworfen. Da das Schiff stark beschädigt ist, fliegen Saedelaere und die beiden Androiden mit einem Beiboot zu dem Planeten. Eine Fläche von 50 Quadratkilometer wird von einem Energieschirm überspannt. Beim Anflug wird das Beiboot durch die Strahlung des Schirms zu einer Notlandung gezwungen.
Während sich Saedelaere, Blitzer und Neuntau dem Schirm nähern, beobachten sie primitive Eingeborene und es kommt mehrmals zu Hypereffekten und Verschiebungen der Realität. Dadurch bekommt die Gruppe Einblicke in die Zeit, als sich Sholoubwa erstmals dieser Welt näherte. Der Konstrukteur erscheint stark verändert. Er hat die Statur eines grobschlächtigen Humanoiden. Mit Eroin Blitzers Ausrüstung kann der Energieschirm durchdrungen werden. Dahinter zeigt sich ein gigantisches Netzwerk aus Positroniken, die wie Dominosteine über das gesamte Areal verteilt sind. Im Zentrum türmen sich die Positroniken zu einer Pyramide auf. Der obere Abschluss wird von einem Thron gebildet, auf dem Sholoubwa sitzt.
Der Konstrukteur erzählt, dass er den „Freien Raum“ erschaffen will. Während Alaska mit Sholoubwa spricht, kann Blitzer aus den Positroniken Daten herunterladen, die zeigen, wer Sholoubwa ist und was er mit dem „Freien Raum“ erreichen will. Sholoubwa schickt sie fort, da die nächste Stufe seines Projekts sie gefährden würde. Nikomus Neuntau, der eigentlich mit dem Gedanken gespielt hat, sich an Sholoubwa zu rächen, bittet seinen früheren Herrn, ihm einen Wunsch zu erfüllen. Ein Transmitterfeld erfasst die Gruppe und strahlt sie zu einem Punkt außerhalb des Energiefelds ab. Dort wird Nikomus Neuntau von einem Sperr eines Eingeborenen getroffen. Bevor er stirbt, bedankt er sich bei Sholoubwa, dem er um seinen Tod gebeten hatte.

Rezension:
Auf den ersten Seiten lässt der Autor seine Protagonisten etwas zu häufig mit ihren Gedanken in die Vergangenheit schweifen. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen, gab es für die Figuren doch allerhand zu entdecken. Eine unbekannte Kleingalaxie, ein geheimnisvoller Bauplatz für die Blütenblätter der Zeitrose, ein (scheinbar) verlassener Zentrumsplanet etc. Eigentlich Basis genug, um eine interessante Entdeckungsgeschichte zu schreiben. Der Autor sucht jedoch sein Heil zunächst im Aufgewärmten. Jedoch nicht lange. Dem Autor gelingt nach einigen Seiten der Umschwung in seiner Geschichte. Die Figur Neuntau wurde in den Mittelpunkt gerückt und um die Figur herum entwickelte sich eine interessante Erzählung.
Manche Beschreibung geriet etwas zu oberflächlich und einige Beobachtungen von Christian Montillons Figuren passten nicht zu den Aktionen. So lässt der Autor Saedelaere anfangs mehrmals die Distanziertheit im Auftreten des Zwergandroiden erwähnen. In einer anderen Szene (Seite 17) vergleicht er die Sprache des Androiden gar mit wissenschaftlichen Protokollen. Andererseits legt der Autor in der gleichen Szene der Figur Blitzer eine Sprache in den Mund, die gar nicht zu den Beobachtungen und Schlussfolgerungen Alaskas passen. In dieser Szene erlaubt der Autor Blitzer das Wort „Tot“ zu flüstern und lange zu seufzen und dass er sich nicht abwenden könne, von dem Anblick, der sich ihm bot. Auch das ihn der Anblick traurig machen würde. Die Gegensätze in den Beschreibungen und Äußerungen der Figuren passen nicht nur in dieser Szene nicht zusammen, sie tauchen noch ein-, zweimal im Roman auf. Mit ein bisschen mehr Sorgfalt bei den Interaktionen der Figuren Saedelaere und Blitzer wäre der Roman noch stimmiger geworden.
Die Figur Neuntau ist dem Autor dagegen gut gelungen. Zum einen hat es Christian Montillon geschickt verstanden, die Herkunft und das Erscheinungsbild dieser Figur vor dem Leser bis zu dem von ihm selbst gewählten Zeitpunkt zu verschleiern, zum anderen bleibt die Figur auch nach der ersten Enthüllung rätselhaft.
Auch zwischen Blitzer und Neuntau entwickelt der Autor eine Ebene. Der Anblick des alten Zwergandroiden, der nach Jahrhunderten oder gar nach Jahrtausenden vor dem endgültigen körperlichen Zerfall steht, lässt Blitzer ebenfalls die eigene Vergänglichkeit bewusst werden. Auch hier bleibt der Autor für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich. Da hätte man mehr aus dieser Begegnung und aus diesen Gefühlen herausholen können.
Insgesamt hat mir der Roman aber gut gefallen. Wenn Christian Montillon etwas mehr Mut beweisen würde und noch etwas mehr Sorgfalt in Beschreibungen und in die Beziehungen seiner Figuren stecken würde, dann könnten seine Geschichte davon profitieren.

 

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