Ansichten zu PR 2667

Der Diplomat von Maharani – von Michael Marcus Thurner – Handlung:
Die an vielen Orten der Milchstraße in Gefangenschaft geratenen Badakk und Sayporaner werden nach Absprachen innerhalb des Galaktikums der USO zu weiteren Vernehmungen und Untersuchungen überstellt. Einige Sayporaner verbleiben auf Maharani, darunter Chourweydes. Auch die Arkoniden überstellen nicht alle Gefangenen an die USO. Von T9, einer Gefängniswelt der USO wird ein Ausbruchsversuch der dort inhaftierten Badakk gemeldet. Den Zylinderwesen ist es gelungen, die Technik des USO-Stützpunkts für ihre Zwecke zu manipulieren. Wahrscheinlich setzten die Fremden Nanotechnologie ein, die sie im Körper verborgen trugen. Tekener kann die geflohenen Badakk zwar mit Raumschiffen stoppen, als die Lage für die Badakk jedoch aussichtslos wird, begehen sie gemeinsam Selbstmord. Monkey informiert Bostich über die Gefährlichkeit der Gefangenen. Der Imperator lässt die eigenen Sicherungsvorkehrungen noch verstärken, dennoch können auch die Arkoniden nicht verhindern, dass die Badakk in ihrem Gewahrsam kollektiven Selbstmord begehen.
Auf Maharani ist der Erste Terraner in zahlreichen Konferenzen gebunden. Den inhaftierten Sayporanern geht es schlecht, ohne dass zunächst ein Grund für dieses Unwohlsein erkennbar wird. Arun Joschannan lässt sich auch über die aufgefundenen Jugendlichen berichten. Zu seinem Entsetzen erkennt er auf einem der Bilder seinen Sohn. Die Lebensgefährtin Joschannans, Cyria Antwan ist leider viel zu früh gestorben und sein Sohn Caio ist ihm fremd geworden. Der Erste Terraner besucht Caio im Sudarshan-Hospital, wo die Jugendlichen untersucht werden. Der Arzt Faroz Khalai nimmt ihn in Empfang. Der Mediker, der im Übrigen der Religion der Parsen angehört, konnte bislang noch nicht viel für die Jugendlichen tun, die von den Sayporanern beeinflusst wurden. Die erste Begegnung mit Caio endet in einer Katastrophe. Der Jugendliche greift seinen Vater an und Arun Joschannan zieht sich konsterniert zurück.
Arun Joschannan führt Gespräche mit Chourweydes, um mehr über die Motive der Fremden zu erfahren. Auch wenn Chourweydes die Lebensweise der Menschen ablehnt, erklärt er sich bereit, an der Rekonstituierung der Jugendlichen mitzuwirken. Unterdessen stirbt einer der Sayporaner. Chourweydes bittet den Ersten Terraner um fremde DNS, die sie für das Überleben benötigen. Arun Joschannan ist zuerst angewidert aber er sucht den Parsen Faroz Khalai auf. Der Arzt ist auch Oberpriester seiner Glaubensgemeinschaft. Die Parsen „bestatten“ ihre Toten auf einem Turm und lassen die Leichname von Vögeln fressen. Die Parsen erklären sich nach langen Verhandlungen bereit, ein kürzlich verstorbenes Mitglied ihrer Gemeinschaft den Sayporanern zu überlassen. Im Gegenzug erklärt sich Chourweydes bereit, die Fragen der Terraner zu beantworten.
Nach der Aufnahme der fremden DNS erscheint Chourweydes sichtlich gekräftigt. Er gibt zu, dass die Sayporaner an der Entführung des Solsystems beteiligt waren. Er nennt das Weltenkranzsystem, ohne jedoch seine Position zu kennen. Die Jugendlichen sollten dort neu formatiert werden und die Milchstraße dadurch destabilisiert werden.
In Galakto-City werden die Erkenntnisse diskutiert. Es stellt sich heraus, dass auch einige Sayporaner Badakk-Plasma in sich tragen, was bei den Sayporanern für Entrüstung sorgt. Das Monofilament im Körper von Arun Joschannan baut sich mittlerweile ab und stellt keine Bedrohung mehr dar. Bekannte Tryortan-Aufrisse werden vom Galaktikum überwacht. Die Rekonstituierung der Jugendlichen zeigt erste Erfolge. Arun Joschannan und Caio kommen einander näher.

Rezension:
Wie schon letzte Woche vermutet, spielte die mögliche Beeinflussung der Figur Arun Joschannan durch die Badakk nur noch eine untergeordnete Rolle zum Ende des Viererblocks. Das war zwar letzte Woche nicht der Handlung zu entnehmen, aber Ellmers „Autorenwissen“ verriet früh den Fortgang der Handlung zumindest zu dieser Fragestellung.
Michael Marcus Thurner folgt beim Aufbau seines Romans in Teilbereichen den genreüblichen Fixpunkten, als da sind:
1. Starker Beginn, Einstieg mit Action
2. Ruhigere Phase in der erklärt wird, was in dem Roman geschieht, was die Aufgabe ist
3. Es muss Hindernisse geben, Zwischenhöhepunkte
4. Hauptbösewicht
5. Der Held könnte scheitern
Der Einstieg erfolgte tatsächlich mit Action, die darauf folgende „ruhige“ Phase ging allerdings bis zum Ende des Romans. Einmal noch unterbrochen durch eine „Einlage“ bei den Arkoniden, die im Ergebnis letztlich nur eine Wiederholung der Phase 1 darstellte.
Dem „Helden“ Arun Joschannan stellten sich in der Tat Hindernisse in den Weg. Diese Hindernisse bedrohten zwar nicht seine Existenz, waren aber dennoch geeignet, den Helden zumindest aus dem Gleichgewicht zu werfen. Die Hindernisse zeigten sich in den Figuren des Medikers Faroz Khalai, seines Sohn Caio und des Sayporaners Chourweydes. Den Hauptbösewicht gab es eigentlich nicht. Sollte ich mich allerdings entscheiden müssen aus den Romanfiguren einen „Gegner“ zu wählen, dann war der Bösewicht in der Geschichte wohl eher Khalai und nicht etwa Chourweydes. 😉
Thurners Roman merkt man an, dass der der Autor für den Romanaufbau deutlich mehr Sorgfalt aufwendet als so manch anderer seiner Team-Kollegen. Die Dialoge seiner Figuren erscheinen mir durchdachter, seine Handlungsabläufe logischer. Der Autor brennt jetzt zwar kein Feuerwerk an Ideen ab und seine Figuren agieren auch nicht in neuen und ungewöhnlichen Szenarien, dennoch gefiel die Geschichte, weil sie geradlinig aufgebaut war. Dafür, dass es dem Exposé schlicht und ergreifend an Substanz mangelt, holt Thurner einiges aus der Geschichte heraus.
Die zwischenmenschlichen Konflikte, die der Autor in den Vordergrund seiner Geschichte stellt, konnten mich in der Ausführung zwar nicht immer vollständig überzeugen, waren aber interessant zu lesen. Die Dialoge zwischen Arun Joschannan und dem Arzt waren nicht immer widerspruchsfrei. In manchen Textpassagen meinte ich zu erkennen, dass der Autor hier nicht ganz so sorgfältig an die Sache herangegangen ist, bzw. manches Mal das Bauchgefühl von Michael Marcus Thurner die Oberhand errang.
Auch bei dem einen oder anderem Dialog zwischen Arun Joschannan und dem Sayporaner Chourweydes müssen einige Abstriche hingenommen werden. Das liegt vor allem daran, dass zum derzeitigen Stand des Zyklus manches Geheimnis noch nicht geklärt werden darf und die Figur Joschannan demzufolge nicht die „richtigen“ Fragen stellen durfte und folglich Chourweydes Antworten keine neuen Erkenntnisse brachten. Bezweifeln darf man, dass die Entführung einiger Jugendlicher die Milchstraße destabilisieren könnte. Wahrscheinlich glauben die Autoren, die Galaxis ist ein Dorf. Aber um die Milchstraße zu destabilisieren, müssten schon einige Dutzend Milliarden Jugendliche entführt werden.
Ein anderes konfliktträchtiges Thema, nämlich die „Verwertung“ der Organe Verstorbener durch die Sayporaner, „löst“ Thurner auf etwas ungewöhnliche Weise. Während in Deutschland die Organspende aktuell stark diskutiert wird, wobei vor allem der Missbrauch von Organspenden im Vordergrund der Diskussionen steht, vermeidet es der Autor, das Wort „Spende“ in seiner Geschichte unterzubringen. Das Verhalten der Sayporaner bleibt unklar. Das Verhalten der LFT-Bürger bei der Unterstützung der Sayporaner wird mit religiösen Motiven begründet. Gerade bei dieser Motivation bleiben die Ausführungen des Autors etwas oberflächlich. Er scheut den echten Konflikt. Etwas mehr Risikofreude, diese für manche Zeitgenossen existenziellen Fragen wirklich in den Mittelpunkt zu stellen, hätte sich hier ausgezahlt.

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