Ansichten zu PR 2637

Die Informationsjäger – von Arndt Ellmer – Handlung:
Die SICHOU-1 und der Zapfenraumer KADURA sind auf dem Flug zur Werft APERAS KOKKALA als der MARS-Kreuzer nach einer Linearetappe in Schwierigkeiten gerät. Das Etappenziel wurde um 5 Lichtjahre verfehlt und als das Terranerschiff die Abweichung durch eine Kurzetappe korrigieren möchte, bleibt es beinahe in der Halbspur stecken. Anschließend gerät das Schiff in einem schweren Hypersturm, kann sich aber mit Hilfe der KADURA daraus befreien.
Am Standort der Werft sind seit Rhodans Verschwinden acht Tage vergangen. Nemo Partijan und Gucky warten auf ein Lebenszeichen des Unsterblichen. Gucky beschließt endlich etwas zu unternehmen. Am Standort der zerlegten BASIS findet kurz darauf ein Energieausbruch statt. Die wenigen brauchbaren Ortungsdaten, die von der MIKRU-JON erfasst werden, zeigen einen diskusförmigen Flugkörper, ähnlich einer Space-Jet, der unter Beschuss der Zapfenraumer gerät und schließlich in der riesigen Werft spurlos verschwindet. Sollte Rhodan an Bord gewesen sein, dann wäre die Suche in dem ehemaligen Handelsstern aufzunehmen. Die MIKRU-JON nähert sich mit aktiviertem Tarnschirm einem Zapfenraumer, der Kurs auf die Werft hat. Der Mausbiber teleportiert mit dem Hyperphysiker an Bord des fremden Schiffs. Sie werden von einem Besatzungsmitglied entdeckt, können den Xylthen jedoch paralysieren. Nachdem das Schiff die Werft erreicht hat, wechseln der Ilt und Nemo in die Station.
Ein Paraschirm macht das Eindringen beinahe unmöglich. Aber schließlich gelangen die beiden in die Werft. Auch dort laufen sie ständig Gefahr entdeckt zu werden. Sie machen Gefangene, können den Xylthen jedoch nur wenige brauchbare Informationen entlocken. Mit einem erbeuteten Zugangscode erhalten sie Bildaufzeichnungen des diskusförmigen Flugkörpers, der in der Werft verschwand. Gucky identifiziert den Diskus als B-SJ-031. Das Schiff durchdrang die Oberfläche der Werft und drang schließlich in ein seltsames Gebilde im Zentrum der Werft ein. Der Kern von APERAS KOKKALA wird von einer wabernden schwarzen Kugel von ca. 4,5 km Durchmesser eingenommen.
Gucky und Nemo untersuchen das Gebilde. Der Hyperphysiker hat den Eindruck, als ob ein anderes Universum in unseres einzudringen versucht. Außerdem stellt er einen seltsamen Sog fest, der von der Kugel aus Hypermaterie ausgeht. Seine Sinne werden von dem Gebilde beeinflusst. Er und Gucky nähern sich unfreiwillig weiter dem Zentrum. Am Ende kann der Ilt mit seinen Parafähigkeiten der Beeinflussung trotzen. Beiden gelingt die Flucht. Sie müssen feststellen, dass die Zeit in der Nähe des Kerns langsamer verlaufen ist. Ein Monat ist vergangen. Die Xylthen haben mittlerweile ihre paralysierten Besatzungsmitglieder entdeckt und suchen nach den Eindringlingen. Gucky und Nemo können fliehen und die MIKRU-JON erreichen. Bald darauf kommt es zum Kontakt mit Perry Rhodan. Die Schiffe nehmen Kurs auf Orontes.

Rezension:
Der Roman von Arndt Ellmer begann mit einem Malheur, das der Hauptfigur wiederfuhr. Dem lieben Perry fällt sein Becher mit Kaffee auf den Boden. Doch ein positronisch gesteuertes Prallfeld fängt den Kaffee auf. Warum ich das erwähne? Nun, aus zwei Gründen. Diese Szene zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich der Technikeinsatz in den aktuellen Romanen geschildert, bzw. angewandt wird. Letze Woche passierte an gleicher Stelle ein anderes Missgeschick. Bei Christian Montillon explodierte ein Steuerpult und da war leider kein Kraftfeld, um die Explosion abzufangen, abgesehen natürlich von Perrys Individualschirm, den sein SERUN rechtzeitig aktivierte. Welche Lehren ziehen wir aus den beiden Szenen? Den Erbauern eines MARS-Kreuzers ist der Kaffee (oder ein sauberer Fußboden) wichtiger als ein Menschenleben.
Für alle, die den Roman noch nicht gelesen haben und sich jetzt fragen, was aus dem Kaffee geworden ist, der vom Prallfeld aufgefangen wurde. Auf geheimnisvolle Weise gelangte die Flüssigkeit zurück in den Becher, dieser wurde von Perry aus dem Kraftfeld gefischt und der Unsterbliche konnte den Kaffee doch noch trinken.
Und nun der zweite Grund, warum ich die Kaffeeszene erwähnt habe. Es ist die beste Technikschilderung im ganzen Roman! Nein, wirklich, im Anschluss an die Kaffeesequenz garnierte uns der Autor den üblichen trivialen Heftromanauftakt schlechthin. Bevor die eigentliche Geschichte erzählt wird, kommt es zu einem Höllenritt der besonderen Art durch alle am Handlungsort Chandra vertretenen Gefahren. An und für sich ist dagegen nichts einzuwenden, wenn es nicht so entsetzlich ausgelutscht wäre. Das größte Übel ist jedoch, dass der Autor alle astronomischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten bei seinen Beschreibungen ignoriert. Die Aktion zweier Raumschiffe, von denen eines auf über 50 % der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, das andere Raumschiff hinterherfliegt und es mit einem Traktorstrahl bremst und die Begleitumstände dieser Szene sind sehr wirr geschrieben. Wenn dann am Ende der Textpassage höherdimensionale Energien aus dem Hyperraum in den Normalraum brechen und dort eine Wolke bilden und Rhodan, resp. Arndt Ellmer den erstaunten Lesern erklärt, dass man die Geburt eines Sonnensystems oder gar eines Sonnenhaufens erlebt habe und dies für die eben erst überstandenen Gefahren entschädigen würde, dann sorgt das sogar noch für einen unfreiwillig komischen Abschluss.
Es gibt Schilderungen in SF-Romanen, da muss man mangels Vergleichsmöglichkeiten zu aktueller Technik und allgemeinen Wissensstand beide Augen zudrücken. Sonst wäre es ja keine SF. Aber ein paar astronomische und physikalische Grundkenntnisse sollte ein SF-Autor schon mitbringen. Ein Raumschiff bei einer Geschwindigkeit von 50 % der Lichtgeschwindigkeit zu verfolgen, mit einem Traktorstrahl auf null zu bremsen, ist ähnlich folgender Szene, die so nie in einem Jerry Cotton Roman zu lesen ist (und das aus gutem Grund):
Jerry Cotton sprang auf der Flucht vor den Gangstern in seinen Jaguar. Ein kurzer Druck auf das Gaspedal katapultierte den roten Flitzer innerhalb von 2 Sekunden auf 700 km/h. Plötzlich ein Ruck! Cotton schaute in den Rückspiegel. Einer der Gangster war ihm zu Fuß gefolgt und hielt sich an der Stoßstange fest, während er die Füße in den Asphalt rammte. Die Geschwindigkeit sank rasch unter 300 km/h. Der FBI-Mann zog seine Waffe und …

Sollte eine solche Textpassage doch in einem JC vorkommen, entschuldige ich mich vielmals. 😉
Nach dem Höllenritt folgt die erste ruhige Phase des Romans. Der Autor nutzt die Zeit und lässt seine Hauptfigur Rhodan die Geschehnisse der vergangenen Monate Revue passieren. Anders ausgedrückt, es folgten die üblichen Wiederholungen. Mit Beginn des Gucky-Abschnitts wird der Roman ein bisschen lesbarer, auch wenn sich auch hier immer wieder die Ellmertypischen Ungenauigkeiten und seltsame Wendungen einschlichen. Typisch für Arndt Ellmer sind Schwächen im strukturellen Aufbau und in der zeitlichen Abfolge von Ereignissen. Außerdem lässt er den Leser nicht teilhaben an den weitergehenden Überlegungen seiner Figuren (sofern es denn welche gibt). Meist wird der Leser durch eine spontane Entscheidung oder Aktion der handelnden Figur überrascht und der Lesefluss dadurch unnötig unterbrochen. Guckys Aktivitäten sind (vom Autor) wenig durchdacht und stehen im Widerspruch zu seinen Zielen, nämlich Rhodan zu retten und keine Publicity zu erzeugen. Arndt Ellmer und seine Figuren erreichen das exakte Gegenteil.
Hin und wieder streut der Autor Begriffe aus den letzten 3000 Jahren Seriengeschichte ein. Was genau er damit bezweckt bleibt unklar. Vermutlich will er dem Roman eine „kosmische“ Dimension verleihen. Tatsache ist jedoch, dass die Geschichte eindimensional bleibt. Auf Seite 42 endlich ein wichtiger Satz. Nemo hat den Eindruck, dass sie im Grunde genommen keinen Schritt weiterkamen. Als Leser kann ich dieser Schlussfolgerung nur zustimmen.
Am Ende der Geschichte sauge ich die Geschehnisse um das Objekt im Zentrum der Werft dankbar auf. Diese 4 Seiten sind die Quintessenz einer durch und durch unharmonischen Erzählung. Nächste Woche kann es nur besser werden!

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