Ansichten zu PR 2616

Countdown für Sol – von Arndt Ellmer – Handlung:
Die Spenta sind mit ihren drei Schiffen nach wie vor in der Sonne aktiv und schaffen mit ihrem Geist ephemere Materie, aus denen sie Maschinen bauen, die die Sonne zum Erlöschen bringen sollen. Nach Kalkulationen der Positronik ARINNA an Bord der AMATERASU sind mindestens 3 und maximal 19 weitere Schiffe nötig um den Plan der Spenta in die Tat umsetzen zu können.
Da passiert es! Elf weitere Schiffe der Sonnenhäusler nähern sich der Sonne. Bevor LFT-Schiffe die Spenta daran hintern können, erreichen die Nagelraumer die Sonne und verschwinden darin. Die Erste Terranerin informiert Bull über die Entwicklung. Der Resident fordert die Besatzung auf, alles zu tun, um die Koordinaten der Fremden zu ermitteln, damit die Schiffe der Flotte mit Waffengewalt gegen die Spenta vorgehen können.
An Bord der Sonnenstation ist auch ein Stardust-Terraner mit einer Psi-Fähigkeit. Korbinian Boko wuchs im Stardust-System auf. Seine Eltern waren Funkenleute. Er hat eine Zwillingsschwester namens Lia. Während seine Schwester über die Fähigkeit der Teleportation verfügt, war seine Fähigkeit lange Zeit unbekannt. Erst Jahre später gewinnt er Erkenntnisse übers seine Psi-Kräfte. Er kann einen Raum im Raum schaffen, eine Blase im Universum, in die er sich zurückziehen kann. Er nennt sie seine Klause. Unbewusst hat er mit seiner Begabung einen Unfall verursacht, bei der seine Schwester so schwer verletzt wurde, dass sie zu einem Pflegefall wurde. Gelähmt und ohne der Möglichkeit zur Kommunikation dämmert sie in einem Überlebenstank dahin. Nach dem Tod der Eltern reiste Korbinian mit Lia über den Nebeldom zur Erde. In Terrania findet er eine Anstellung als Koch. Eines Tages bekommt er Kontakt zu einem Sayporaner namens Stradprais. Der Fremde, der sich als Heiler versteht, sucht seine Schwester auf und beginnt auf seiner Phenube zu spielen. Nach mehreren Besuchen dieser Art kann Lia wieder ihre Augen bewegen und nach einiger Zeit sogar wieder erste Worte sprechen. Die Hilfe des Sayporaners ist jedoch nicht selbstlos. Stradprais drängt Korbinian dazu, seine Stellung in Terrania aufzugeben und sich als Koch an Bord der AMATERASU zu verdingen. Auf ein bestimmtes Signal hin, soll er seine Fähigkeit einsetzen.
In der Sonne ist es den Terranern endlich gelungen, den Aufenthaltsort der fremden Schiffe zumindest annäherungsweise zu bestimmen. Obwohl die Daten nur ungenau sind, befiehlt Reginald Bull den Angriff auf diese Positionen. Plötzlich wird ein kurzer Funkspruch von der Erde empfangen. Der Empfänger muss an Bord der Sonnenstation sein. Übergangslos verschwindet die Sonne und macht einer milchig weißen Wand Platz. Außerhalb der Sonne beginnen die LFT-Schiffe mit dem Feuer auf die errechneten Positionen der Spenta-Raumer. Es bleibt unbekannt, ob sie Wirkung erzielen. Die Verbindung zur AMATERASU bricht ab und eine Schockfront unbekannter Natur läuft durch die Sonne.

Rezension:
Arndt Ellmer knüpft an den letzten Roman der Sol-Ebene von Wim Vandemaan an. Der Fimbul-Impuls ist mir in ausgezeichneter Erinnerung und bislang der besten Roman in diesem Zyklus. Die vorliegende Geschichte kann an diese Leistung nicht anknüpfen. Man merkt wie verzweifelt der Autor versucht die Spannung hoch zu halten aber seine Mittel sind begrenzt. Sowohl die Exposé-Vorgaben (das erste Heft eines Viererblock kann unmöglich zu Ergebnissen führen) als auch seine schriftstellerischen Fähigkeiten verhindern einen guten Roman. Kapitelweise konnte das Heft überhaupt nicht überzeugen. Es strotzt nur so von Fehlern im Handlungsaufbau und von unlogischen Handlungsabläufen. Sehr ungeschickt war der Einstieg mit den Geschehnissen bei Merkur, als weitere Fremdschiffe in die Sonne fliegen können, der anschließende Rückblick nach Stardust und dann der Wechsel zur Bully-Ebene.
Vandemaan hatte als Steilvorlage einen klassischen Cliffhanger hinterlassen. Jugendliche von der Erde und anderen Welten Sols wurden entführt, die Sonne und damit alles Leben im Sol-System wird bedroht und der Resident hält eine patriotische Rede an die Nation. Jetzt wäre es geschickt gewesen, dieses Szenario zu nutzen. Stattdessen stolpert der Autor mit einem dilettantisch geschriebenen Auftakt in die Sol-Ebene und verabschiedet sich anschließend mit einem Rückblick auf die Familie Boko im Stardust-System. Zurück in der Sol-Handlung folgen seitenweise Daten-Exposé-Auszüge, die einem Rainer Castor ein breites Lächeln ins Gesicht zaubern, die an dieser Stelle aber so überflüssig wie eine Warze an einem Okrill waren. Und schließlich folgte der 1. Höhepunkt des Romans im negativen Sinne, als Arndt Ellmer seinen Protagonisten Reginald Bull sagen lässt, dass jeder Fremdraumer, der in die Sonne gelangt ein Sargnagel (im wahrsten Sinne des Wortes) für das Sol-System darstellt.
Da zu diesem Zeitpunkt die Flammrede Bulls 9 Stunden Handlungszeit zurücklag ist es mehr als unlogisch, dass bei einer solchen existenziellen Bedrohung für alles Leben im Sol-System eigentlich gar nichts in der Zwischenzeit passiert ist und die Geschehnisse aus Kapitel 1 muten geradezu absurd an. Natürlich müssen die 11 Sargnägel in die Sonne gelangen, sonst hätten wir ja keine Zuspitzung der Situation aber bitte nicht mit so einem Billigplot von einem Schiff, das den Merkur verlässt und zufällig die Bahn der Sargnägel kreuzt, die anderen LFT-Schiffe behindert und ratzfatz sind dann die Spenta plötzlich in die Sonne eingeflogen.
Sollte der Roman einen Spannungsbogen gehabt haben, dann habe ich ihn nicht entdecken können. Der Autor tut auch wirklich alles, damit erst gar keine Spannung aufkommen kann. Dazu greift Arndt Ellmer mehrmals auf ein typisches Element trivialer Literatur zurück, indem er auf die Hoffnungslosigkeit in dem von ihm verfolgten Handlungsfäden hinweist. Der Autor schafft es innerhalb weniger Zeilen völlig konträre Feststellungen über die Lage von sich zu geben. So schreibt er, dass es Monate, Jahre oder Jahrzehnte dauern könnte, bis man die fremden Schiffe in der Sonne findet. Nur einen Absatz später arbeiten die Positroniken an einem Suchmuster, das einen schnellen Treffer versprechen soll.
Der Handlungsfaden des Romans, der sich in Rückblenden mit dem Schicksal einer Familie von Funkenleuten im Stardust-System beschäftigt ist holprig geschrieben. Die Geschichte ist vorhersehbar und bedient zu viele Klischees. Anfangs habe ich darüber gerätselt, welche Botschaft uns der Autor damit vermitteln möchte, außer der Absicht Fahrt aus der anderen Handlung herauszunehmen. Mit dem Auftreten des Sayporaners wurde klar, dass die Handlungen zusammengeführt werden. Trotzdem konnte ich der Geschichte der Zwillinge nichts abgewinnen. Arndt Ellmer verwendet die richtigen Vokabeln, trotzdem nimmt er die Leser nicht mit in seiner Erzählung. Der Geschichte mangelt es an Feingefühl oder um ein Element aus dem Roman aufzugreifen, die Zutaten mögen allesamt vorhanden gewesen sein aber das Gericht schmeckte nicht. Manchmal gab es geringe Ansätze, beispielsweise als Ellmer seine Figur Korbinian die Reaktionen seiner Schwester auf die Behandlung des Sayporaners miterleben lässt. Dann wiederum lässt der Autor Korbinian, der 5 Jahrzehnte seines Lebens aufopferungsvoll und mit Hingabe seiner Schwester gewidmet hat und jede Änderung wie ein nasser Schwamm aufsog, als Volltrottel erscheinen, wenn er ihn gegenüber Ve sagen lässt, dass ihn die Fortschritte seiner Schwester verborgen geblieben sind.
Fazit: Es kann nur besser werden.

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