Articles for the Month of Oktober 2011

Ansichten zu PR 2619

Planet der Formatierer – von Wim Vandemaan – Handlung:
Shamsur Routh, auf der geistigen Ebene eines Kindes, gelangt über das Transitparkett nach Gadomenäa unter der Sonne Banteira. Puc hat ihn auf seine eigene Anweisung hin, die Erinnerungen genommen und beginnt damit, diese Backups nach und nach zurückzuspielen. In der Stadt Whya auf Gadomenäa wird der Journalist in der Halle Sternenfall zusammen mit anderen Terranern, hauptsächlich Jugendlichen, von einem Sayporaner begrüßt. Außer dem Sayporaner befinden sich noch andere humanoide Gestalten in der Halle, die Zofen und die Junker. Die offensichtlich künstlichen Geschöpfe kümmern sich um die Ankömmlinge. Die etwa eineinhalb Meter großen mädchenhaften Zofen mit starren Puppengesichtern verteilen heiße Tücher und Getränke an die Terraner. Von den Junkern gibt es weniger als die Zofen. Die Junker präsentieren sich als deutlich über zwei Meter große Roboter aus dunkelgrünem Metall. An der Stelle des Kopfes tragen sie einen transparenten Zylinder, in dem Routh nur ein grünes Wallen erkennen kann.
Von der Hallendecke senken sich blaue Sterne auf die Ankömmlinge und heften sich auf die Stirn. Die Willkommenssterne, so der Sayporaner, seien als Geschenk gedacht. Routh ist misstrauisch und lässt sein Implantmemo den hauchdünnen und nur fingernagelgroßen Stern untersuchen. Puc stellt fest, dass der Stern Einfluss auf Routh nimmt, indem er die Ausschüttung eines Proteohormons namens Oxytocin anregt. Das Hormon entfaltet verschiedene Wirkungen. Es mindert Stress und wirkt beruhigend. Shamsur befiehlt Puc, die Auswirkungen zu neutralisieren. Da der Stern keine Kommunikation mit einer anderen Stelle zu haben scheint, bleibt die Manipulation unentdeckt.
Die Terraner werden auf Ziehväter und Ziehmütter verteilt. Von der Zofe Dindirri wird Routh zu dem Gebäude seines Ziehvaters Chourtaird gebracht. Das Gebäude Nhymoth gehört zur Stadt Whya, die überwiegend aus einzelnen Turmgebäuden, den Daakmoy besteht. Die Türme ragen dabei teilweise bis zu 7000 Meter auf. Ab einer Höhe von mehreren hundert Metern sind die Daakmoy zum Teil über Brücken miteinander verbunden. Über ein Gefährt, das als Wegschale bezeichnet wird, bringt man Routh zu einem der Geschlechtertürme der Patronatswelt, wie Dindirri erläutert. Mit einem Lift wird der Journalist auf eine fast vollständig leere Etage gebracht. Eine eiförmige Konstruktion stellt sein Quartier dar. Ausgestattet mit einem Spender, der Decke und Essen zur Verfügung stellt, lässt man Routh alleine. Bevor er einschläft informiert ihn Puc darüber, dass er weitere Erinnerungen im Schlaf zurückladen wird. Routh wünscht sich, mehr über Puc zu erfahren.
Rückblende: Shamsur Routh reist mit Jaron Peppererg auf der Jagd nach einer Story zum Planeten Pataralon im Patarkon-System. Dort sollen Aras ein Geheimprojekt betreiben. Die beiden Journalisten kommen einem Tierexperiment auf die Spur. Von den Aras und einem Swoon werden Truthähne und Kraniche manipuliert. So soll eine Gehirnprothese entwickelt werden, die sämtliche Gedächtnisinhalte einer Person speichern und vorrätig halten kann. Shamsur und Jaron werden als Versuchskaninchen missbraucht. Beiden wird ein Implantmemo eingepflanzt, dessen organischer Bestandteil aus ihren eigenem Gehirn entnommen wird. Puc betrachtet Routh daher als Großen Bruder. Jaron Peppererg stirbt bei der Prozedur. Und Routh hat seitdem Visionen und Träume von Kranichen.
Shamsur Routh erwacht und hat nun wieder alle Erinnerungen an Puc. Er trifft auf seinen Ziehvater. Chourtaird ist ein Greis und gerade dabei, Kopffüßler in einem Bassin zu füttern. Das Gespräch ist belanglos. Rouths Fragen ignoriert der Alte zumeist. Allerdings hat Chourtaird auch keine Einwände, als Routh sich die Stadt ansehen möchte. Ein Junker teilt Routh mit, dass seine Neuformatierung für den übermorgigen Tag angesetzt sei. Routh beobachtet in einer Etage von Nhymoth eine groteske Zeremonie, auf deren Höhepunkt sich eine Zofe und ein Junker in ein Feuer stürzen und darin verbrennen.
Dann erkundet der Journalist die Stadt. Er beobachtet zwei junge Terranerinnen bei einem Marionettenspiel. Sie zeigen sich abweisend als er sie anspricht. In der Stadt schweben riesenhafte Faltfiguren, die ihn an Origami-Figuren erinnern. Zurück in seinem Daakmoy findet er in einer Etage eine Holo-Darstellung des Systems. Achtzehn Planeten, davon fünf Planeten, die auf gleicher Umlaufbahn die Sonne Banteira umkreisen, der sogenannte Weltenkranz. Das System hat keine Asteroiden. Der Junker Cülibath bezeichnet es als bereinigtes System.
Am nächsten Tag wird Routh in die Ikonische Symphonie von Whya gebracht. Zusammen mit achtzig Terranern nimmt er an der Veranstaltung des Sayporaners Pläccriz teil, der sich als Formatierer bezeichnet. Holoprojektionen vermitteln eine seltsame Geschichte. Während Pläccriz vorgibt die Geschichte der Sayporaner zu vermitteln, zeigen die Projektionen ein Zerrbild der terranischen Geschichte. Insbesondere die negativen Auswüchse der terranischen Geschichte werden verzerrt dargestellt. Mit Entsetzen beobachtet Routh, dass die jungen Terraner beginnen, diese Bilder in sich als „Erinnerungen“ aufzunehmen und dadurch ein gänzlich anderes Bild der Menschheit erhalten.
Puc hat zwischenzeitlich Rouths Tochter Anicee in einer anderen Stadt lokalisiert. Um dorthin zu gelangen benutzt Routh eine Onuudoy, eine fliegende Landschaft mit dem Namen Nebelschlucht. Der Journalist macht dort die Bekanntschaft eines Mannes und eines Jungen. Allerdings kann er nichts über deren Herkunft erfahren. Am Zielort trifft er endlich Anicee. Sie zeigt sich reserviert, weist ihn aber nicht ab. Er darf im Daakmoy übernachten, das auch seine Tochter bewohnt. Puc bekommt Kontakt zu einer seiner Spionsonden, die über das Transitparkett Anicee gefolgt sind. In den Aufzeichnungen sieht Routh, dass seine Tochter einen engeren Kontakt zu einem Terraner namens Benat hat. Es stellt sich heraus, dass Benat bei den Formatierungs-Sitzungen sich hitzige Wortgefechte mit den Sayporanern liefert. Als sich Anicee wieder mit Benat trifft, schickt Routh die Spionsonde hinterher. In der Aufzeichnung des Treffens sieht er, dass sich Anicee und Benat offensichtlich streiten und dann trennen. Benat wird im Anschluss an das Treffen von einer Zofe ermordet. Als der Journalist seine Tochter mit der Geschichte konfrontiert, glaubt sie ihm nicht. Er hat Anicee an die Sayporaner verloren.
Routh kehrt nach Whya zurück. Bei einer weiteren Tour durch die Stadt hat er auf einem freien Platz die Wahrnehmung einer mentalen Präsenz, die Interesse an ihm zeigt. Dem mentalen Sog kann er sich nur mit Pucs Hilfe widersetzen. Er beschließt Chourtaird reinen Wein einzuschenken. Er teilt ihm mit, dass er sich nicht formatieren lassen möchte und dass er seine Tochter retten will. Überraschenderweise will ihm Chourtaird im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen. Routh hat jedoch noch ein anderes Problem. Puc teilt ihm mit, dass er psychisch zerrüttet ist und dass seine Zeit als selbstbewusste handelnde Person begrenzt sei. Seine Beobachtungen in der Stadt, das seltsame Ritual, die fremdartige mentale Präsenz, all das könnten Symptome seines fortschreitenden Bewusstseinszerfalls sein.

Rezension:
Einmal mehr hat Wim Vandemaan eine komplexe Geschichte geschrieben mit vielen kleinen Facetten, die eine Zusammenfassung schwierig machen, da nicht immer klar wird, ob die Erlebnisse der Romanfigur lediglich Auswüchse einer übersteigerten Phantasie der Figur oder Einflussnahme von außen sind und für die weitere Handlung von Bedeutung sein könnten.
Eine der absonderlichen Facetten waren die Erlebnisse Rouths auf der fliegenden Landschaft. Die Wahrnehmungen des Protagonisten zu den Schlangen im endlosen Bungalow, der alte Mann und der Junge, das war selbst für meinen Geschmack etwas zu bizarr. Der Autor ist in diesen Szenen zu verspielt und verliert sich in seiner eigenen Bildsymbolik.
Haben mich im letzten Roman von Wim Vandemaan seine Anekdoten über die gesellschaftliche Entwicklung der Terraner und deren Auswüchse fasziniert so muss ich allerdings feststellen, dass mir in der Fortsetzung ein bisschen die Inhalte fehlen, die eine Erklärung dafür bieten, warum die jungen Terraner sich so manipulieren lassen können. Anders ausgedrückt, warum fallen die Jugendlichen auf die Sayporaner herein? Auf der einen Seite ist das noch nicht vollständig ausgereifte Gehirn, das der Autor anführt zwar ein Argument aber keinesfalls kann es als vollständige Begründung herhalten, warum die Jugendlichen so unkritisch sind. Auch die Auswirkungen des Willkommenssterns reichen m.E. nicht aus, um das Verhalten der jungen Menschen zu erklären. Der Auftritt des Terraners Benat zeigt zwar, dass es mindestens 1 Kritiker gibt, aber auch das ist zu wenig, da dem eben viele Tausend andere blindgläubige Jugendliche gegenüberstehen. Sollte es also eine gesellschaftliche Entwicklung der Terraner im 51. Jahrhundert NGZ geben, der die Jugendlichen so anödet, dass sie lieber den Gehirnwäschen Fremder ohne Widerstand entgegentreten, dann wurde diese Fortentwickelung nicht in den Romanen aufgezeigt.
Auch Rouths Entwicklung wird von Wim Vandemaan nicht in letzter Konsequenz beschrieben. Auf der Erde hatte die Figur zwei Seelen. Die eine des Journalisten, die andere des Vaters, der sich um seine Tochter sorgt. Von beiden ist nicht viel übrig geblieben. Zwar lässt der Autor seine Hauptfigur diverse Exkursionen durchführen aber es fehlt die letzte Entschlossenheit, die einen Journalisten auszeichnen sollte, um die Geheimnisse von Gadomenäa aufzudecken. Auch seine Besorgnis um seine Tochter hält sich in Grenzen. Auch hier könnte man anführen, dass der vom Autor völlig überraschend auf der vorletzten Seite eingebrachte Aspekt der psychischen Zerrüttung seiner Figur als Erklärung dienen könnte. Ich hoffe, dass dem nicht so ist und dass in der Fortsetzung die Figur tatsächlich etwas bewirken kann. Es wäre zu begrüßen, denn Routh ist eine der wenigen handelnden Personen in diesem Zyklus. Fällt diese Figur weg, was bleibt dann noch?

Ansichten zu PR 2618

Flucht von der Brückenwelt – von Verena Themsen – Handlung:
Der Trupp Terraner und Favadarei unter der Führung von Jenke Schousboe hat festgestellt, dass der Körper ALLDARS wohl schon vor langer Zeit aus dem Schrein verschwunden ist. Mittlerweile haben die Truppen der Allgegenwärtigen Nachhut die Spur der Eindringlinge aufgenommen und rücken gegen den Schrein vor. Die Terraner verständigen sich, dass sie einzeln die Flucht aus dem Schrein antreten und auf verschiedenen Wegen zurück in den Unterschlupf in der Ringstadt gelangen wollen.
Der Plan gelingt und für kurze Zeit können die Terraner sich in der Ringstadt versteckt halten. Unterstützt werden die Fremdweltler von den Glückswaisen um Shipa Gajoship. Die Fagesy kommen ihnen jedoch immer wieder auf die Spur, so dass sie mehrmals das Versteck wechseln müssen. Zu Gute kommt den Terranern, dass es mittlerweile in der Stadt zu verschiedenen Aufständen der Bevölkerung gegen die Allgegenwärtige Nachhut kommt. In dem allgemeinen Chaos können die Terraner immer wieder untertauchen.
Der Oberste Marschgeber Facao bestraft Mareetus für dessen Versagen und dem Verlust des Intrantums, mit dem die Fremden in den Schrein gelangen konnten. Er setzt einen neuen Hohen Marschgeber ein und beauftragt diesen mit einer Strafaktion gegen die Favadarei der südlichen Welt. Insbesondere soll deren Heiligtum, das Totenhirn, vernichtet werden. In einer Rede an die Bewohner der Ringstadt behauptet Facao, dass die Fremden den Leichnam der SI gestohlen haben. Der Hohe Marschgeber Phocallu, der die Strafexpedition leitet, stößt auf erbitterten Widerstand der Favadarei.
Unterdessen übt der Favadarei Finukuls Verrat. Er gibt den Terranern die Schuld an der Strafexpedition gegen sein Volk und hintergeht die Expeditionsleiterin. Jenke Schousboe gerät auf der Flucht durch den Verrat in Gefangenschaft und wird zu Facao gebracht. Da sie nicht die gewünschten Informationen zu ihrem Schiff und der BOMBAY herausgibt, wird sie gefoltert. Auch die VAHANA ist mittlerweile entdeckt worden und wird angegriffen. Ein Fagesy gelangt an Bord und kann nur mit Mühe getötet werden. Das Blut des toten Fagesy entwickelt jedoch ein beängstigendes Eigenleben.
Den Expeditionsteilnehmern gelingt die Befreiung von Jenke Schousboe, die durch die Folter arg mitgenommen wurde. Vom Totenhirn gehen Informationen über Schaltzentralen, mit deren Hilfe das dysfunktionale Feld um die Planetenbrücke abgeschaltet werden kann über die BOMBAY an die VAHANA. In einer weiteren Kommandoaktion kann eine der Schaltzentralen erobert werden und ein Abschnitt des Feldes deaktiviert werden. Während die Favadarei zurückbleiben, gelingt dem SKARABÄUS die Flucht in den Raum. Vom oberen Planeten steigen Raumschiffe auf, die der Protektor Gaztraid im Auftrag des Obersten Marschgebers auf die Fremdweltler hetzt. Die Schiffe greifen die VAHANA an. Während des Angriffs entdeckt Jenke Schousboe in der Zentrale einen seltsamen eiförmigen Körper, von der Farbe des Blutes des Fagesy, der an Bord getötet wurde. Sie versuchen die BOMBAY zu warnen, dass die VAHANA kontaminiert ist, aber der Funk ist gestört.
Die BOMBAY nimmt die VAHANA bei einem gewagten Manöver mit dem Traktorstrahl an Bord und nimmt Kurs auf das Solsystem. Facao besucht Gaztraid und berichtet ihm, dass  die Kriegs-Ovula die Verbindung hergestellt hätten. Gaztraid bedankt sich über diese gute Nachricht. „Alles läuft nach Plan.“

Rezension:
Ein handwerklich guter Roman von Verena Themsen mit einigen Schwächen im Detail. Größtes Manko ist der Handlungsaufbau. Im Exposé stand als Zielvorgabe, dass die Mitglieder der BOMBAY-Expedition die Planetenbrücke verlassen werden. Vermutlich war es der Autorin überlassen, eine spannende Fluchtstory zu schreiben. Nun, das Ziel wurde erreicht, spannend war es allerdings selten. Ein dramatischer Abschnitt war zum Beispiel die Entdeckung des SKARABÄUS in der Schlucht nahe der Ringstadt durch die Fagesy und der folgende Angriff. Ansonsten war das Tempo in der ersten Romanhälfte trotz zahlreicher Fluchtmanöver eher gemächlich.
In einigen Abschnitten hat Verena Themsen das Lokalkolorit der Planetenbrücke gut eingefangen, beispielsweise in der Szene, in der sich Jenke Schousboe nach der Flucht aus dem Schrein ALLDARS alleine zum Unterschlupf durchschlägt. Oder die Szene im Tempel, als sich die Flüchtlinge durch die Massen der Fremdwesen durchkämpfen müssen. In anderen Szenen hingegen übertreibt die Autorin ihre Detailverliebtheit. Für meinen Geschmack werden die Namen der Flüchtlinge zu häufig genannt, so als würde uns die Autorin ein ums andere Mal beweisen wollen, dass sie die Situation fest im Griff hat. An anderen Stellen des Romans werden mitten in den zumeist harmlos verlaufenden Verfolgungsszenen mit den Machthabern der Planetenbrücke Hintergrundinformationen zu den Figuren eingestreut. Das passte dann überhaupt nicht und zerstörte das ohnehin nur rudimentär vorhandene Gefahrenszenario. Beispielsweise streut die Autorin bei einem Schusswechsel mit den Verfolgern ein, dass Pia Aftanasia Clonfert, wie Pifa laut ihres Ausweises mit vollem Namen hieß, die Führung übernahm. Das ist ja alles schön aus dem Datenexposé entnommen, aber wenn die Truppe sich im Kampf befindet, dann sollte zu einem Vokabular gegriffen werden, dass das Bedrohliche der Situation zum Ausdruck bringt und nicht etwa den vollen Namen einer Figur, wie er im Ausweis steht.
In der zweiten Romanhälfte hat die Autorin das Tempo etwas angezogen. Gut gefiel mir, dass ihre Figuren handeln, statt nur zu beobachten und abzuwarten wie es leider sehr häufig in den letzten Heften der Fall war. Dennoch bin ich froh, dass die Abenteuer auf der Planetentube nun vorbei sind. Für meinen Geschmack wurde diesem Schauplatz, auch wenn er recht exotisch war, zu viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Ansichten zu PR 2617

Der dunkelste aller Tage – von Hubert Haensel – Handlung:
Am 13. September 1469 NGZ trifft sich Homer G. Adams mit der Ersten Terranerin Henrike Ybarri und Vashari Ollaron, der Verteidigungsministerin. Die Nachrichten, die von Schiffen der Flotte um Sol kommen, sind alarmierend. Der Fimbul-Impuls wurde ausgelöst. Der Kontakt zu AMATERASU ist verloren gegangen. Die Sonnenstation scheint nicht mehr zu existieren. Adams glaubt nicht daran, dass Bull tot ist. Die Verteidigungsministerin will mit allen Mitteln einen Waffengang gegen die Spenta unternehmen.
In der Sonnenstation sind die Orter tot. Nicht das geringste Signal wird empfangen. Shanda Sarmottes letzte Wahrnehmung sind einige Nagelraumer, die der Station sehr nahe gekommen sind. Dann bricht sie bewusstlos zusammen. Der Effekt, der die Station aus dem normalen Raum-Zeit-Gefüge entfernt hat, wird diskutiert. Zwar könnten die Manipulationen der Spenta dahinterstehen aber Bull vermutet eher einen Sabotageakt. Eine Space-Jet soll die Umgebung erkunden. Unbemannt nähert sich das Klein-Raumschiff der Grenze der Wahrnehmung und wird durch mysteriöse Kräfte zusammengepresst und vernichtet.
Auf der Erde ist die Direktorin des Whistler-Museums in Forschungen vertieft. Toja Zanabazar wurde in diese Stellung versetzt, weil ihre Eigenmächtigkeiten in der Forschung im Whistler-Konzern ungern gesehen wurden. Ihr Robot-Assistent Pollux überbringt der Robotikerin eine handgeschriebene Einladung. Der Graue Graf denkt, es wäre an der Zeit, abwesender Freunde zu gedenken, ist es nicht?
Toja Zanabazar hat Jahre auf diese Nachricht gewartet. Sie räumt ihren Arbeitsplatz auf und verlässt das Whistler-Areal auf unbekannte Zeit. Neben Pollux nimmt sie zwei von Ihr entwickelte Roboter mit. OTHER und WISE haben die Form von Eiszapfen und basieren auf VARIO-Robotertechnologie. Beide besitzen Hochleistungs-Biopositroniken. Ihr Ziel liegt im südlichen England. In einem Landhaus trifft sie auf Homer G. Adams. Der Graue Graf und Unsterbliche serviert Ihr Earl Grey und eröffnet ihr, dass die Society of Absent Friends, die Gesellschaft der abwesenden Freunde in dieser Minute aktiv wird. Adams überreicht ihr zwei Umschläge und eine Visitenkarte. Die Karte soll sie an den Kapitän des Handelsraumers LADY LAVERNA übergeben.
An Bord der AMATERASU hat Shanda Sarmotte das Bewusstsein wiedererlangt. Sie identifiziert Korbinian Boko als den Urheber der Blase, die die Station einhüllt. Ein direkter Kontakt mit dem Koch ist nicht möglich. Korbinian ist in eine Aura gehüllt, die ihn der Realität entrückt. Shanda will außerhalb der Station den Kontakt zu Boko suchen. Bull begleitet die Telepathin. Die beiden finden sich in einer unwirklichen Umgebung wieder und werden Zeuge der Kindheitserinnerungen von Boko. Shanda versucht zu Korbinian vorzudringen und ihn zum Aufheben der Blase zu bewegen.
Auf der Erde hat Toja Zanabazar die Springerwalze LADY LAVERNA unter dem Kommando von Flint Surtland betreten. Sie übergibt dem Plophoser die Visitenkarte von Adams. Das Handelsschiff soll in die Antarktis fliegen und dort einen Eremiten namens Vergil Rifeshyd aufsuchen. Toja übergibt dem Einsiedler einen der Umschläge. Nachdem der den Brief gelesen hat, lässt er Maschinen, Aggregate und Baublöcke seiner Station in die LADY LAVERNA verladen. Die ganze Truppe nimmt Kurs auf den Jupiter. Im Orbit des Gasriesen befindet sich die größte Baustelle des Solsystems. Tausende von Raumschiffen sind an der Rekonstruktion des Jupitermondes Ganymed beteiligt. Enoch Godolphin ist der Empfänger des zweiten Briefs. Der leitende Senator des Synkopha, des Syndikats zur Konstruktion planetarer Habitate empfängt die Ladung der LADY LAVERNA. Er lässt die Aggregate ca. 20 km unter der Oberfläche des unvollständigen Mondes bringen. Dort wurde ein Asteroid ausgehöhlt. Der Bau des Kastells beginnt unter strenger Geheimhaltung. Am 29. September 1469 NGZ nimmt die Station die Arbeit auf. Die beiden Roboter OTHER und WISE verschmelzen zur Hochleistungspositronik OTHERWISE. Adams wird per Funk informiert. Der Unsterbliche geht nach nunmehr 2 Wochen ohne Nachricht von Bull von dessen Tod aus.
Shanda und Bull bringen Boko dazu die Blase aufzulösen. Der Mutant liegt im Sterben. Mittlerweile sind 2 Wochen vergangen. Die Sonne hat sich dramatisch verändert. Die aus Ephemerer Materie geschaffenen Maschinen der Spenta haben die Arbeit aufgenommen. Sie bewirken ein Aufblähen der Sonne um das Hundertfache. Die Sonne hat sich mit der Fimbul-Kruste überzogen. Die Photonen sind in dieser Kruste gefangen. Auch die Station ist noch innerhalb der Sonne gefangen und kann die Kruste nicht durchstoßen. Shanda bewegt Boko dazu noch einmal die Blase um die Station zu erzeugen, damit die AMATERASU die Fimbul-Kruste durchstoßen kann. Das Vorhaben gelingt. Boko stirbt und die Geretteten sehen zum ersten Mal Sol von außen. Eine schwarze Kugel mit einem Durchmesser von fünfunddreißig Millionen Kilometer. Der dunkelste aller Tage hatte begonnen.

Rezension:
Hubert Haensel hat einen eher stillen Roman geschrieben. Sicherlich hätte es dutzende Möglichkeiten gegeben, die Ereignisse zu schildern, die dem dunkelsten aller Tage vorausgehen. Aus Sicht eines Menschen der Erde, eines Außerirdischen, der zum ungünstigsten Zeitpunkt das Sol-System besucht hat, aus Sicht eines Kreuzerkommandanten, aus Sicht einer Therapeutin, der die verängstigten Menschen die Praxis einrennen. Aus Sicht eines Mitglieds des Krisenstabs oder aus Sicht von hunderten anderen Personen. Und natürlich hätte es auch dutzende von Stimmungen geben können, aus der der Autor hätte wählen können. Nun, er hat sich für eine sehr zurückhaltende Geschichte entschieden. Ohne Zweifel muss es hektische Aktivitäten an anderen Orten geben, der Autor geht aber darauf nicht ein.
Die Figuren seines Romans gehen ihren Tätigkeiten mit bemerkenswerter Ruhe oder soll ich sagen unglaubwürdiger Ruhe nach. Die Museumsdirektorin aus der Gesellschaft der abwesenden Freunde macht sich ein paar Gedanken über das Erlöschen der Sonne, mehr aber auch nicht. 60 Romanheftseiten sind verdammt wenig aber ein bisschen mehr Endzeitstimmung von den inneren Planeten hätten dem Roman gut getan. Auf den äußeren Welten hingegen scheint man von der bedrohlichen Lage nichts mitbekommen zu haben. Während anderenorts sogar über eine Evakuierung des Solsystems nachgedacht wird oder über eine Einleitung der Kernfusion des Jupiter, sind tausende von Raumschiffen und ihre Besatzungen emsig dabei, den zerstörten Jupitermond Ganymed zu rekonstruieren. Eine Arbeit, die noch Hundert Jahre oder mehr in Anspruch nehmen wird. Da will man doch keinen Tag versäumen, oder?