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Der Fimbul-Impuls – von Wim Vandemaan – Handlung:
Die Stardust-Terranerin Shanda Sarmotte beteiligt sich an den Rettungseinsätzen in Terrania City. Die Telepathin und Informationsextraktorin, die zusammen mit Rence Ebion seit 6 Jahren auf Terra lebt, setzt ihre Fähigkeiten zur Ortung von Verletzten ein. Doch der terranische Resident braucht die Mutantin an einer anderen Front. Er lässt Shanda in die Solare Residenz rufen. Die Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen der psychischen Schockwelle und dem Wirken der Fremden in der Sonne. Bull beschließt zusammen mit Shanda Sarmotte zur Sonne zu fliegen und paramentalen Kontakt zu den Fremden zu suchen. Mit der GEO SHEREMDOC, einem Kreuzer der MINERVA-Klasse fliegen Bully und Shanda zu Sonne. Dort werden sie bereits von einem Shuttle der Sonnenstation AMATERASU erwartet. Mit dem Shuttle geht’s zur Sonnenstation, die unter dem Kommando von Shaveena Deb stand.
Auf Terra ist der Journalist Shamsur Routh auf der Suche nach seiner Tochter. Anicee hat nach ihrem Unfall, der durch das Nirwana-Phänomen ausgelöst wurde die Eric-Manoli-Klinik auf eigenem Wunsch verlassen. Da er keine Spur zu seiner Tochter hat setzt er darauf, dass Anicee Kontakt zu ihrer Lebensgefährtin suchen würde. Auris hatte den Unfall im Warenhaus mit schwersten Verletzungen überlebt und war ebenfalls in die Eric-Manoli-Klinik eingeliefert worden. Tatsächlich spricht Anicee per MultiKom mit Auris. Routh, der das Gespräch abhört, erfährt, dass sich seine Tochter in den Zoo begeben würde. Dort haben die Sayporaner das Transitparkett bereitet.
Nachdem sich Shanda Sarmotte über die seltsamen Schiffe, von Deb als Sonnennägel bezeichnet, informiert hat, beginnt sie mit einer ersten mentalen Sondierung. Zuerst fühlt sie sich etwas orientierungslos und sucht noch den mentalen Kontakt zur Besatzung der Sonnenstation. Doch dann lässt sie los und streift mit ihren paranormalen Sinnen durch die Sonne. Sie hat eine Vision von einer uralten Stadt, älter noch als die Sonne. Auf einem Platz in der Mitte der Stadt erhebt sich eine Säule aus miteinander verschlungenen Figuren, von denen einige menschlich wirken. Nach dieser paranormalen Fata Morgana spürt Shanda auch die Präsenz des Leichnams von ARCHETIM. Von der toten SI geht ein Echo oder eine Art Nachhall aus. Als Shanda schon versucht ist, sich dem Nachhall weiter zuzuwenden und in die grenzenlosen Abgründe des Todes vorzudringen besinnt sie sich ihres Auftrags. Sie sucht weiter nach den Fremden und nimmt nach einiger Zeit tatsächlich erste, sehr fremdartige Gedanken wahr. Die Fremden betrachten die Sonne als eine Art Haus. Die mentalen Entitäten des Hauses bezeichnen sich als Sonnenhäusler. In der Sprache der Fremden erfährt Shanda deren Namen. Die Fremden nennen sich Spenta. Die Fremden bilden eine Art Mosaik-Bewusstsein. Und ihre Gedanken haben den Beigeschmack von Empörung und Schmutz. Als sie Shandas Anwesenheit bemerken, erkennt die Telepathin Erschrecken, Abscheu und Scham. Das Mosaik-Bewusstsein zerfällt und Shanda erleidet einen Schock.
Shamsur Routh hat den Zoo von Terrania erreicht. In dem unübersichtlichen Areal von 200 Quadratkilometern hat er Mühe, seine Tochter zu finden. Die modifizierten Gorillas von Terrania, die in der afrikanischen Enklave leben, helfen ihm. Ed, das ehemalige Oberhaupt der Sippe bringt Routh zu einem pagodenartigen Bauwerk der Auguren, größer noch als das Gnauplon, das der Journalist in Hamburg gesehen hatte. Hunderte Jugendliche strömen zu dem Bauwerk. Nach und nach treten die Terraner in das Innere. Routh schließt sich einer Gruppe an. Der Innenraum ist zwar groß, aber keinesfalls kann er alle Jugendlichen aufnehmen. In der Mitte des Raumes erhebt sich ein Podest mit zwei Stelen. Routh wird von einem Sayporaner aus dem Zelt gewiesen, da er die Frage, ob er sich einen jungen Geist bewahrt hat, nicht beantworten konnte. Routh, der vermutet, dass seine Tochter in das Gnauplon ging, schickt eine Mikrosonde in den Innenraum. Dort sieht er, wie die Jugendlichen von einer violett schillernden Aureole eingehüllt werden und verschwinden. Er informiert die Erste Terranerin und beschließt dann den Jugendlichen zu folgen. Von Puc lässt er sein Gedächtnis löschen und abspeichern. Nach dem Durchgang soll Puc die Erinnerungen zurückladen. Routh, auf der geistigen Ebene eines Kindes gelangt tatsächlich auf das Transitparkett. Er verschwindet.
Shanda Sarmotte hat sich mit Hilfe des Aras Prak-Parlong erholt und unternimmt eine zweite Sondierung. Sie findet nun die Kollektivintelligenz der Spenta recht schnell. Die Spenta selbst stammen aus einem blauen Riesen. Die Spenta betrachten den Korpus von ARCHETIM als widerwärtige Lache, die sie aus der Sonne entfernen wollen. Doch sie scheitern. Weitere Spenta sollen helfen. Bull informiert Terra, dass möglichweise weitere Nagelraumer auf dem Weg sind. Sie sind unter allen Umstanden aufzuhalten. Zusammen mit der wissenschaftlichen Besatzung und ihrer Fähigkeit der Informationsextraktion findet Shanda heraus, dass die Spenta ephemere Materie aus ihren Geist erschaffen und stabil halten können. Damit schaffen sie Maschinen, die wie Formenergie stabil bleiben. Mit den Maschinen soll die Sonne gelöscht werden!
Reginald Bull informiert die Erste Terranerin über die ungeheuerliche Gefahr, die der Menschheit droht. Es existieren zwar Produktionsstätten für Kunstsonnen auf den solaren Welten, doch der Zeitfaktor ist das Hauptproblem bei der Herstellung. Bull bleibt vorerst an Bord der AMATERASU. Er will die Nagelraumer aufspüren und der Flotte die Koordinaten übermitteln, damit sie angreifen kann. Bevor sich der terranische Resident an die Menschheit mit einer Rede wendet wird er von Henrike Ybarri über die verschwundenen Jugendlichen informiert. Bull verspricht in seiner Rede, dass die Menschheit sich alles zurückholen werde, was man ihnen nimmt.

Rezension:
Dem Autor Wim Vandemaan ist ein faszinierender Roman gelungen. Die Handlungsebene mit Shanda Sarmotte war exzellent. Der Autor schildert ihre Parafähigkeiten sehr intensiv und lässt seine Protagonistin auch den einen oder anderen kleinen Tabu-Bruch begehen. Es ist ja nicht so, dass der „Missbrauch“ von Psi-Fähigkeiten in der Serie zum ersten Mal geschildert wurde. In der Vergangenheit wurde der Einsatz von Telepathen zumeist jedoch chirurgisch steril erzählt. Die Telepathen wie John Marschall oder Fellmer Lloyd waren viel zu brav – zumindest in den Schilderungen der Autoren – als dass sie beim „Gedankenschnüffeln“ mehr als nur ihrem offiziellen Auftrag nachgekommen wären. Wenn denn mal Informationen außerhalb des Auftrags geespert wurden, wurde das eher in die Abteilung Humor gesteckt, siehe z.B. Guckys Eskapaden. Das aber zutiefst intime Emotionen und Gedanken gelesen werden können, wenn ein Mutant seine Fähigkeiten einsetzt, wurde bislang in der Serie eher selten behandelt.
Auch die zweite Fähigkeit von Shanda, die Informationsextraktion hat der Autor eindrucksvoll geschildert. Bemerkenswert war dabei nicht nur die Informationsgewinnung sondern auch die Verarbeitung der neuen Informationen zu einer wissenschaftlichen Theorie. Das Zusammenspiel zwischen Shanda und den Experten an Bord der Sonnenstation, der Erkenntnisgewinn, die Schlussfolgerungen daraus und die Handlungsableitungen wurden schlüssig geschildert.
Die zweite Handlungsebene mit den Erlebnissen des Journalisten Shamsur Routh war auf gleich hohem Niveau. Insbesondere die kleinen Abrisse über die gesellschaftliche Entwicklung, bzw. deren Auswüchse waren faszinierend.
Mir sagt die Art wie Wim Vandemaan seine Romane entwickelt sehr zu. Der PR-Kosmos scheint in einigen Kapiteln seines Romans ein Stück weit in den Hintergrund zu rücken. Er ist zwar allgegenwärtig aber im Vordergrund steht eine distinguierte Beschreibung vieler kleiner Episoden von ganz unterschiedlicher Art. Mal sind es Begegnungen, mal Beobachtungen, mal Gespräche. Bei dieser liebevollen Ausgestaltung der einzelnen Kapitel verliert der Autor jedoch nie den Überblick über das Ganze. Der Autor findet in seinem Roman die Zeit und die Muße sich auch mit unbequemen und z.T. absonderlichen Auswüchsen der Gesellschaft der Zukunft auseinanderzusetzen. Beispielhaft seien die Schilderungen von halbbewusstem Spielzeug, von modifizierten Gorillas und die ethischen Bedenken bei einer Gehirnprothese genannt.
Jedes Kapitel hielt eine neue Überraschung bereit und meine obige Zusammenfassung wird diesem Roman nicht gerecht. Dieser Beitrag Vandemaans zur Serie war große Klasse!

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