Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 9

Ins Herz der Finsternis – von Ben Calvin Hary
Zusammen mit Colwin Heltamar ist Perry Rhodan in den Althanos-Komplex eingedrungen. Die Partnerschaft mit dem verräterischen Yakonto behagt dem Terraner nicht. Aber er ist auf Heltamar und dessen Organisation der Eoracten angewiesen, wenn er seinen Sohn und die Solaner im Mittelteil der SOL retten will. Colwin Heltamar ist es dann auch, der den Weg in die Tiefe von Evolux aufweist. Es gibt verborgene Schächte und einer davon kann durch den Einsatz einer ungeheuerlichen Waffe zugänglich gemacht werden. Beide SOL-Zellen stoßen in die Tiefe der Werftwelt vor. Die Voraussetzungen sind schlecht. Perry Rhodan steht kaum Personal zur Verfügung und in der SZ-1 hat Mahlia Meyun genug Probleme mit den Solanern, die sie gegen deren Willen an Bord genommen hat.
Die Unterwelt von Evolux überrascht Perry Rhodan. Heltamars Verschwörergruppe ist deutlich größer als vermutet. Und die Erkenntnisse, die seit Jahrmillionen von den Eoracten über die Proto-Chaotischen Zelle im Zentrum gesammelt wurden, sind spärlich. Chaos-Taucher können maximal 300 Kilometer in die etwa 70.000 Kilometer durchmessende Zone des Chaos eindringen. Perry Rhodan versucht es trotzdem mit der SZ-2, während die andere SOL-Zelle Position hält. Die Aktion endet beinahe in einem Desaster. Ein zweiter Versuch mit der SZ-1 unter anderen Bedingungen folgt. Das Mittelteil der SOL wird entdeckt. Gelingt Perry Rhodan die Rettung seines Sohnes und der Solaner?
 
Im Roman von Ben Calvin Hary nimmt die Zyklus-Geschichte Fahrt auf. Perry Rhodan dringt mit beiden SOL-Zellen in die Unterwelt von Evolux vor und findet dort die Proto-Chaotischen Zelle. Er stößt darin vor und findet das verschollene Mittelteil. Bis es soweit war, verfolgte der Autor die bekannten Handlungsebenen der Miniserie. Das ist zum einen die Sicht Perry Rhodans. Zum anderen der Blickwinkel der Heilerin Mahlia Meyun. Rhodans Sicht der Dinge sind genau das: Nämlich Blicke dieses Protagonisten auf ein Geschehen, das sich überwiegend ohne sein Zutun entwickelt. Natürlich hat Rhodan Entscheidungen getroffen. Heltamar ist nur deshalb mit dabei, weil Rhodan das entschieden hatte. Und Rhodan hat beide SOL-Zellen in die Unterwelt beordert. Doch in anderen wichtigen Momenten ist er nur Beobachter. Und die wenigen Gedanken, die der Autor seinem Protagonisten spendiert, zeigen nicht selten Hilflosigkeit und Ärger. Nur ärgert sich die Figur über das Verhalten anderer. Dabei sollte Rhodan sich eigentlich über sich selbst ärgern. Denn er gibt viel zu häufig das Zepter des Handelns aus der Hand und findet zu selten die richtigen Worte, um andere zu motivieren. Letzteres ist doch eigentlich die Stärke des Helden dieser Serie.
Erst spät greift diese Figur in das Geschehen aktiver ein und bewirkt etwas. Die Heilerin hingegen kämpft mit den seit Band 1 bekannten Gegebenheiten. Die Solaner-Nachkommen sind zerstritten und Mahlia Meyun hat nach zahlreichen Höhen und Tiefen noch immer mit ihrer Rolle zu kämpfen. Sie verpasst zahlreiche Möglichkeiten, die Menschen, die ihr lieb sind, in Sicherheit zu bringen. Einmal, sie erst gar nicht auf das gefährliche Unterfangen mitzunehmen und ein anderes Mal, sie bei den Eoracten abzuladen. Wenn dann Mahlia Meyun zum wiederholten Male schluchzend ihre heulenden Kinder in der Zentrale der SOL in die Arme nimmt, fehlt mir für diese Figur inzwischen jedes Mitgefühl. Es ist ja schön, dass Figuren derart intensiv über einen so langen Zeitraum auch mit vielen Emotionen geschildert werden. Aber irgendwann ist es genug. Der Perry Rhodan-Neuleser, an den sich dieser Roman richtet, wird vielleicht mit ergriffenen Gesichtsausdruck, einer Träne im Augenwinkel und dem zerknüllten Taschentuch vor der Lektüre sitzen. Jene Leser aber, die ohne jeden Zweifel in der Überzahl sind, so 99% oder mehr, wollen endlich auch mal etwas Handfesteres lesen. Ich zumindest.
Auch in diesem Roman bildet die Werftwelt Evolux den Hintergrund für das Geschehen. Bei dem Vorstoß in die Hohlwelt kann der Autor zeitweise ein phantastisches Setting entwickeln. Umso archaischer wirken dagegen manche Szenen, die der Autor in seinen Roman einbaut. Rhodans antiquierte Textnachrichten beispielsweise, die er mit der Hand abschirmt. Und nicht zu vergessen der Fackelzug der Bauerntrampel in die Zentrale der SZ-1.
Es gibt auch noch andere Textstellen, derentwegen ich schwer in den Roman gefunden habe. Auf den ersten Seiten des Romans wird der Eindruck erweckt, dass Heltamar nur mit Rhodans Einwilligung im Althanos-Komplex tätig werden durfte. Und dass er nun Gefahr laufe, an die Regierung ausgeliefert zu werden. Tatsächlich aber war der Kosmofekt Tun Manal mit dem Vorgehen Rhodans und Heltamars einverstanden. Zwar etwas widerwillig, aber er schickte sogar Sathox-Soldaten mit und ebnete den Weg zum Althanos-Komplex. In Heft 8 ist also längst die Entscheidung gefallen, dass Rhodan auf Heltamars Unterstützung angewiesen ist. Zu Beginn des vorliegenden Romans wird jedoch so getan, als ob Heltamars Verhalten Rhodan erst jetzt in ein Dilemma stürzen würde. Das Dilemma existiert jedoch schon länger.
Sowohl der Einsatz der Arkon-Bombe als auch der sich daran anschließende Flug in das Innere von Evolux sind nicht widerspruchsfrei. Die Bombe sollte den „Verschluss“ eines Schachtes beseitigen. Ein Schacht, der 50 Kilometer durchmisst. Beim Flug im Schacht werden in großer Tiefe Kavernen beobachtet, die zum Schacht geöffnet sind und die nun notdürftig von den Bewohnern abgedichtet werden. Dieses Szenario und Rhodans Reaktionen verstehe ich überhaupt nicht. Der Atombrand wütete doch nicht hier unten. Der Schacht war die ganze Zeit da. Er war nur oben verschlossen.
Die Rettung des Datenträgers aus den Trümmern des Althanos-Komplexes habe ich auch nicht verstanden. Sie soll den Zugang in die Unterwelt ermöglichen. Später wird klar, dass die Eoracten nicht eine Handvoll Verblendeter sind, sondern eine ganze Zivilisation von ihnen im Untergrund existiert. Und hunderte davon pendeln an die Oberwelt, um Positionen in höchsten Kreisen zu besetzen. Und dann benötigt Heltamar den Kristall, um einen Zugang zu finden?
Als die Frage aufkommt, wie tief das Mittelteil der SOL in der Proto-Chaotischen Zelle stecken könnte, wird auch diskutiert, dass Danton längst tot und sein Funkspruch vor Jahrhunderten abgesetzt sein könnte. Rhodan findet den von Meyun eingebrachten Einwand logisch. Das ist seltsam, da doch als der Kontakt zum Mittelteil bestand, nicht einfach nur ein Funkspruch empfangen wurde, sondern ein Dialog zwischen Rhodan und seinem Sohn stattfand, mit Fragen und Antworten. Außerdem schickte Danton seinem Vater ein Datenpaket, das alle Forschungsergebnisse enthielt, die von den Solanern im inneren der Proto-Chaotischen Zelle gesammelt wurden. Dieses Datenpaket findet hier leider keine Erwähnung mehr. Dabei hätte eine Auswertung der Daten durch Rhodan ihm genau die Möglichkeit eröffnet, aktiver an der Aufspürung des SOL-Mittelteils zu wirken. Aber das Feld der Rettung, bzw. die wichtigsten Ansätze dazu, legt der Autor nicht in die Hand der Hauptfigur.
Der Autor schafft zahlreiche Dispute zwischen seinen Figuren. Die zwangsweise geretteten Solaner stehen gegen Mahlia Meyun. Die Heilerin wiederum setzt sich mit Perry Rhodan auseinander. Und der mit Heltamar. Doch in diesen Auseinandersetzungen werden vom Autor selbst keine Lösungen offeriert, keine neuen Wege beschritten, keine Auswege aufgezeigt und keine wie auch immer gearteten hehren Ziele verfolgt. Der Leser bekommt alles an den Kopf geknallt, nach dem Motto: Sieh zu, wie Du damit zurechtkommst. Es gibt Romane, da funktioniert das. Hier funktionierte es, zumindest für mich, nicht.
Die Darstellung der Figur der Mahlia Meyun kann mich erneut nicht überzeugen. Wie auch schon in allen anderen Romanen, seit dem Start der Miniserie, durchläuft die Heilerin stark schwankende Phasen. Mal erscheint sie als starke Frauenfigur, beispielsweise als sie vor den 700 Solanern spricht und die meisten auf ihre Seite zieht. Dann wieder wirkt sie wie ein dummes Kind, wenn sie Rhodan beobachtet und sein Verhalten ihr nicht behagt. Dann wird sie trotzig beschrieben, was eigentlich ganz gut zu ihr passt. Nur habe ich den Eindruck, dass es nicht das ist, was der oder die Autoren mit der Figur eigentlich vorhatten. Und dann ist da noch die Seite, die sie kaum noch von den Dienern Senns und Kuum unterscheiden lässt. Sie hat durch die Hypnoschulung die Macht und alle anderen sind nur Primitive. Dumme Bauerntrampel, denen sie schon mal den Zugang zum Wissen verweigert.
Dass dadurch beim Vorstoß in die Proto-Chaotischen Zelle kein ausreichend geschultes Personal zur Verfügung stand, ist eine der Konsequenzen. Allerdings fiel das kaum ins Gewicht. Mit einer Horde Bauerntrampel in die Zone des Chaos einzudringen, bei dem auch Raumfahrer mit Jahrzehnte langer Erfahrung scheitern mussten, hätte auch Perry Rhodan vorher mal einfallen können. Doch der Unsterbliche ist zu keiner Zeit Herr des Geschehens. Seine „Erfolge“ erstrecken sich auf die Aufspürung der Entführer an Bord der SZ-1. Stichwort Visifon. Bei dem eigentlichen Unternehmen ist Rhodan nur Zuschauer. Aktivitäten gehen von ihm nicht aus.
Spannung aus dem Szenario selbst wollte sich bei mir nicht einstellen. Sofern man es überhaupt so bezeichnen kann, bezieht der Roman seine Spannung einzig aus dem Element der explosionsartig auftretenden Stimmungsschwankungen der Beteiligten. Wenn es wenigstens am Vibra-Psi gelegen hätte. Aber die Emotionsspitzen traten schon vorher auf. Und auch in anderen Romanen. Schließlich holt der Autor noch einmal den großen Gefühls-Holzhammer raus. Die schluchzende Mahlia Meyun wird von ihren heulenden Kindern auf den rechten Weg gebracht.
Fazit: Ein Roman, in dem endlich die Zyklushauptstory Fahrt aufnimmt. Der aber gleichzeitig viel Potential verschenkt, weil er sich in seinen Schwerpunkten wieder mit den seit Band 1 bekannten ewig gleichen Figurenproblemen auseinandersetzt.

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 8

Krise auf Evolux – von Bernd Perplies
Das Archivwesen hat per Telepathie alle Bewohner der Riesenwelt Evolux über die Proto-Chaotische Zelle informiert. In den Segmenten brodelt es. Demonstrationen gegen den Sequenz-Rat finden statt. Und die Krise weitet sich aus. In der Folge brechen in vielen Segmenten Unruhen aus und erste Sabotageakte werden verübt. Die Bewohner misstrauen mehr und mehr der Führung in Beliosa. Alaska Saedelaere als Statthalter und Kosmofekt Tun Manal versuchen alles, um die Lage zu beruhigen. Inzwischen ist Mahlia Meyun ins Tal im Althanos-Segment zurückgekehrt. Sie überbringt die Botschaften der Solaner aus dem Mittelteil der SOL. Doch ihre Rückkehr verläuft nicht unproblematisch. Die Heilerin erhält Zustimmung als auch Ablehnung. Die Situation verschlimmert sich, als Pravo Ylapp ein System in den Angriffen auf Evolux erkennt. Er warnt Perry Rhodan, denn das Tal der Solaner ist in Gefahr. Der ehemalige Diener Senns soll Mahlia bei der Evakuierung des Tals unterstützen. Das ist leichter gesagt als getan.
Derweil ist Perry Rhodan gezwungen, mit dem inhaftierten Sequenz-Rat Colwin Heltamar zusammenzuarbeiten. Denn nur Heltamar weiß, wie die Proto-Chaotische Zelle stabilisiert wird und wie man zu ihr vordringen kann. Während alle auf die Zerstörung der Proto-Chaotischen Zelle drängen, will Perry Rhodan zuerst seinen Sohn und die Solaner retten, die darin gefangen sind. Doch kann man Colwin Heltamar trauen?
 
Die Krise auf Evolux wird von Autor Bernd Perplies schon in den ersten Zeilen nachdrücklich eingefangen. Die Bewohner der Riesenwelt revoltieren gegen die Führung. Perry Rhodan kommt zunächst der Status eines Beobachters zu. Dagegen steht Alaska Saedelaere mehr im Mittelpunkt. Der ehemalige Zellaktivatorträger stemmt sich gegen die Zuspitzung der Verhältnisse auf der Werftwelt. Und gibt Order, gegen die Aufständischen vorzugehen. Die Mittel, mit denen dies geschieht, wirken antiquiert. Aufrufe werden gestartet, Polizeieinheiten entsandt. Auf einer solchen Welt, die Jahrmillionen im Dienste der Ordnung stand, hatte ich allerdings etwas mehr Gelassenheit erwartet und ein paar technische Möglichkeiten, der Lage Herr zu werden. Die Geschichte wirkte daher seltsam konservativ. Und manchmal auch etwas zu einfach. Denn nun setzt der Autor Perry Rhodan in Szene, Der Unsterbliche macht nämlich den Vorschlag, den Stein des Anstoßes, die Proto-Chaotische Zelle, zu zerstören. Aha. Und bekommt Zustimmung von Tun Manal. Der Kosmofekt hält das für eine hervorragende Idee. Sapperlot! Und als wäre das nicht genug, lässt der Autor auch Saedelaere beipflichten, dass dies die Lösung der Probleme wäre! Vor diesem Dialog ziehe ich den Hut! Welch mitreißendes Geschehen. Und dann auch noch Heltamars Auftritt, der Rhodans Absichten erkannt hat, nämlich die Proto-Chaotische Zelle zu zerstören. Und Rhodan zeigt sich besorgt, wie bemerkenswert gut der Yakonto über seine Gedanken Bescheid wüsste. Sorry für meine despektierliche Wortwahl, aber diesen Passagen fehlte es an jeglicher Raffinesse. Das war zu einfach, zu flach, zu einfallslos gestrickt.
Besser gerieten die Passagen, in denen der Autor die Rückkehr Mahlia Meyuns ins Tal schildert. Ihre Vorsicht und ihre Scheu sind überzeugend geschildert. Auch ihre Angst davor, unbequeme Nachrichten zu überbringen. Auch gut, wie sich Pravo Ylapp und die Heilerin notgedrungen zusammentun. Mahlia Meyun ertrinkt nicht mehr in Emotionen wie zuletzt und kann etwas bewirken. Dass der Autor sie dabei einen Weg gehen lässt, der sie zuletzt an Perry Rhodan gestört hat und den sie für unmenschlich hielt, ist die andere Seite dieser Geschichte. Mahlia kann auch nicht mit Worten überzeugen oder mit Taten. Sie muss zu härteren Mitteln greifen.
Bernd Perplies versucht auch Humor in einige Szenen einzubauen. Beispielsweise als 8-U3 geschützt werden soll und Rhodan, Heltamar und die Sathox unter Beschuss stehen. Heltamars gespielte Entrüstung, die Feinde könnten ihn, wenn sie nicht aufpassen, womöglich treffen, passte nicht so recht zum Charakter der Figur und in die Szene. Zumal der Roman bis dahin auf mich eher humorlos wirkte. Betrachtet man den Roman isoliert vom Gesamtgeschehen, dann bietet die Geschichte von Bernd Perplies solide Unterhaltung.
Allerdings ist der Roman Bestandteil einer Serie. Und die heißt Mission SOL. Dass dieses legendäre Raumschiff der Serie weniger eine Rolle spielt, als vielmehr Namensgeber der Miniserie; daran habe ich mich gewöhnt. Und bin deswegen enttäuscht. Natürlich soll man das Werk nicht vor dem Abend beurteilen. Aber zwei Drittel sind rum und es will sich bei mir das Gefühl nicht einstellen, dass da noch was kommt mit der berühmten Hantel. Die wurde in der Hauptserie auf eine Mission geschickt. Und die Leser, ich auch, warten seither auf eine spektakuläre Rückkehr. Vielleicht kommt die ja noch in der EA, wenn sie die Miniserie überlebt.
Zu einer Serie gehört auch, dass sich Handlungen über mehrere Romane verteilen. Und dass Figuren sich entwickeln. Und natürlich auch, dass Autoren den Figuren unterschiedliches Leben einhauchen. Das Paradebeispiel für eine homogene Serie ist in meinen Augen Olymp. Alle Romane wirken wie aus einem Guss. In Mission SOL sehe ich viele Wellen. Mal ist man auf einem Höhepunkt der Welle, mal im Wellental. Letzte Woche konnte Marc Herren dem Auftritt des Maskenträgers Flair verleihen. Diese besondere Ausstrahlung, die diese Figur umwehte, ging in diesem Roman wieder verloren. Auch, oder gerade deswegen, weil die Handlungen altmodisch wirkten. Ein durchexerzierter Aufbau der Hierarchie von Evolux und Polizeieinheiten an die Front. Der Statthalter, der kosmische Mensch Saedelaere, blieb da auf der Strecke.
Den Lesern, die den kosmischen Überbau der Hauptserie und die dortigen Schilderungen von Evolux nicht kennen, kommt der Stil vielleicht entgegen. Saedelaere und Evolux werden nicht abgehoben sondern bodenständig geschildert. Der Autor nähert sich mit seinen Figuren und ihrem Auftreten den Lesern an, für die Mission SOL vielleicht den Erstkontakt zu Perry Rhodan darstellt. Und schafft zugleich Distanz zu jenen Lesern, die in der Materie stecken und einfach mehr von den „Wundern“ dieser Welt, dem kosmischen Menschen Saedelaere und einen Auftritt der SOL lesen möchten.
Zusammengefasst: Der Roman bot Unterhaltung, die Serie hingegen langweilt mich zusehends.

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 7

Eine kosmische Bestimmung – von Marc A. Herren
Auf Evolux hat der Sequenz-Rat Colwin Heltamar es geschafft, Perry Rhodan, Mahlia Meyun und Pravo Ylapp zu internieren. Hilfe kommt von unerwarteter Seite. Alaska Saedelaere verhilft dem Trio zur Flucht. Der Maskenträger ist der Statthalter der Kosmokraten auf Evolux. Seine LEUCHTKRAFT, mit der er die vergangenen Jahrzehnte phantastische Orte bereist hatte, musste dringend überholt werden. Seit die kobaltblaue Walze repariert wird, nimmt Saedelaere im Auftrag eines Boten der Kosmokraten die Aufgaben eines Statthalters wahr. Diese Position erfordert auch einen Spagat für den Maskenträger. Er will Perry Rhodan helfen, darf sich jedoch nicht zu stark einmischen.
Die vier geraten allerdings schnell in eine Situation, die Saedelaere umdenken lässt. Während der Maskenträger zusammen mit der Heilerin zum Orakel geht, um dort Informationen zur Proto-Chaotischen Zelle zu bekommen, will sich Perry Rhodan zusammen mit Pravo Ylapp um Verbündete gegen Colwin Heltamar bemühen. Die beiden Gruppen haben unterschiedlichen Erfolg. Saedelaere und Meyun erfahren den tatsächlichen Standort der Proto-Chaotischen Zelle und Rhodan und Ylapp müssen erkennen, dass Heltamar ein Gegner ist der nicht so leicht besiegt werden kann.
 
Der ehemalige Team-Autor Marc A. Herren kehrt mit einem Gastbeitrag zur Miniserie Mission SOL zurück. Der Autor hat vor drei Jahren selbst noch die Exposés zur Mini-Serie Arkon verfasst. Noch etwas länger zurück, nämlich vier Jahre, liegen seine letzten Romane zur Hauptserie. Und darin ging es um das neue Kosmologiemodell der Serie, bzw. um eine andere Interpretation des kosmischen Überbaus des Perryversums.
Insofern passt es ganz gut, dass Marc A. Herren mit einem kosmischen Menschen in den Rhodan-Kosmos zurückkehrt. Oder vielmehr mit einer kosmischen Bestimmung. Oder vielleicht einfach nur einer Bestimmung. Aber ich greife vor. Denn zunächst fühlte sich der Roman nicht anders als seine Vorgänger an. Ich muss gestehen, dass ich während der Lektüre, vor allem in der ersten Hälfte, alle möglichen Höhen und Tiefen durchlaufen habe. Mal gefiel mir der Roman, mal wollte ich ihn in die Ecke schmeißen. Dann wieder folgten Passagen, die manche Ereignisse in ein anderes Licht rückten, gefolgt von Handlungen, die diese Ereignisse wieder auf den Kopf zu stellen schienen.
Mahlia Meyun mimte die Figur, die mir zuletzt ziemlich auf die Nerven ging. Nicht aufgrund ihrer inneren Zerrissenheit oder ihren Schuldzuweisungen Rhodan gegenüber. Nein, sie ging mir auf die Nerven, weil ihren Emotionen durch die Bank ein zu breiter Raum eingeräumt wurde. Ich will SF lesen. Und ich will etwas zum legendären Fernraumschiff SOL der Menschheit lesen. Letzteres spielte bislang kaum eine Rolle. Und schon gar keine, in der die SOL mit einem neuen, interessanten, spektakulären Kapitel in der unglaublich reichhaltigen Historie versehen wurde. Klar, es ist erst Halbzeit und es kann immer noch was kommen. Aber mal ehrlich, sechs Romane mit einem kurzen Rückblick auf die SOL beim Flug nach Tare-Scharm ist schon ein wenig dürftig.
Zurück zur Heilerin. Ja, sie ging mir auch im Roman von Marc Herren zunächst auf die Nerven. Und wieder waren es nachvollziehbare und gut geschilderte Emotionen mit der der Autor seine Protagonistin agieren ließ. Nur wollte ich einfach mal aus diesem seit zwei, drei Romanen andauernden Kreislauf ausbrechen. Glücklicherweise blieb ich bei der Lektüre und konnte erleben, dass der Autor mir diesen Gefallen tat. Denn er schafft es, diese Figur, oder vielmehr ihre Emotionen wieder einzufangen, sie zu kanalisieren und sie wieder auf ein Ziel zu fokussieren. Herren schafft das, weil er den kosmischen Menschen Saedelaere als Blitzableiter einsetzt. Meyun kann sich an dem Maskenträger reiben, den sie anfangs auf die gleiche unmenschliche Stufe wie Rhodan stellt. Später ist ihr der Maskenträger sogar noch widerwärtiger. Aber schließlich ist es erst diese „abgehobene“ kosmische Bestimmung, die ihr bewusst werden lässt, dass auch sie eine Bestimmung hat und sie nicht unbedeutender ist, als die Unsterblichen. Diese Darstellung hat mir gefallen.
Und auch der Figur des Pravo Ylapp konnte Marc Herren ein Image verpassen, das diese Figur einfach besser aussehen lässt, als in den letzten Romanen. Dort war Ylapp ein Außenseiter. Aber kein liebenswerter, sondern einer, der versuchte an Dingen teilzunehmen, die eine Spur zu groß für ihn waren. Und dabei einen unpassenden Eifer an den Tag legte. Marc Herren verpasst der Figur mehr Sympathie. Seine Entwicklung in diesem Roman und nicht zuletzt der Trick mit dem Armband macht ihn liebenswerter.
Auch der Handlungsort Evolux ist nicht mehr so unterrepräsentiert wie in den Romanen zuvor. Auch das wertet die Geschichte auf. Und Evolux wird wohl weiter von Bedeutung sein, wenn es stimmt, was Saedelaere und Meyun herausgefunden haben. Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen. Es hat etwas gedauert, bis der Autor mit ein paar Wendungen und ansprechenden Dialogen einen Kurs einschlug, der mich überzeugt hat.