Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL 2 Heft 06

Das Licht in der Tiefe – von Olaf Brill
Nachdem die SOL das Sphärenlabyrinth verlassen hat, macht sich Roi Danton mit der CALAMAR auf die Suche nach Aktivitäten der Chaos-Mächte. Gegenüber Perry Rhodan hat Danton angedeutet, TRAITOR hinterher zu spüren, um an wichtige Informationen zu gelangen. TRAITORS Machenschaften aufzuklären hat Priorität. Aber Rhodans Sohn verfolgt noch ein anderes Ziel. Er will die Originalkörper des Duals Zerberoff finden und befreien. Dieses Versprechen hat er einst gegeben und will es nun erfüllen.
Nach stundenlanger Fahrt durch die Sphären entdeckt die Besatzung der CALAMAR Kolonnen-Transportschiffe, die von Traitanks eskortiert werden. Der algorrianische Ortungsschutz macht die CALAMAR unsichtbar für den Feind. Die Korvette folgt den Schiffen durch eine Lichtschleuse in ein anderes Universum. Wie zuvor schon beobachtet, treten keinerlei Strangeness-Effekte auf. In der Nähe des Eintrittspunktes liegt ein Stern, der nur von einem kleinen Planetoiden umkreist wird.
Und um dieses Objekt, Doliuto genannt, scheint eine Auseinandersetzung entbrannt zu sein. Zu Erstaunen von Danton und seiner Crew kämpfen TRAITOR-Einheiten gegen TRAITOR-Einheiten. Die Kolonne ist in unterschiedliche Fraktionen aufgesplittert. Es gibt Piraten, die Transportschiffe angreifen. Auf Doliuto werden ebenfalls Kolonnen-Angehörige beobachtet, die mit primitiven Mitteln nach Erzen schürfen und von anderen Kolonnen-Angehörigen versklavt werden.
Roi Danton startet Doliuto einen Besuch ab. Er will dort Aroff und Zerbone finden. In der Unterwelt des Himmelskörpers lebt auch Cin, eine Erzkratzerin, die sich nichts Sehnlicheres wünscht, als ein Leben in Freiheit und unter dem Licht einer Sonne zu führen. Cin hat in den Minen eine Entdeckung gemacht. Und wird dafür von anderen ihres Volkes hintergangen und missbraucht. Die Wege von Danton und der Erzkratzerin Cin kreuzen sich.
 
Roi Danton ist mit der CALAMAR im Sphärenlabyrinth geblieben, um TRAITOR auf den Zahn zu fühlen. Ein ebenso waghalsiges wie verrücktes Unternehmen. Und auch irgendwie hoffnungslos. In dieser Geschichte beschreibt Olaf Brill ein noch aussichtloseres Unterfangen seines Protagonisten. Der Unsterbliche, der einst als einer der Vorlagen eines Dualen Kapitäns der Terminalen Kolonne TRAITOR diente, will die Originalkörper von Aroff und Zerbone des Duals Zerberoff finden und befreien. Die Suche nach dem Ganschkaren und dem Mor’Daer ist ein sinnloses Unterfangen. Angesichts der Größe TRAITORS, einem Heerwurm aus hunderten von Millionen Objekten, der permanent in mehreren Universen operiert. Diese Abwegigkeit wird vom Autor stillschweigend auf seine Figuren übertragen. Zu keiner Zeit hat einer der Handelnden Zweifel an dieser Absicht Dantons.
Wie es der Zufall/Autor will, findet Danton auf Doliuto ein abgestürztes Kolonnenschiff und darin auch Aroff und Zerbone. Diese Parameter der Geschichte kann man, muss man aber natürlich nicht akzeptieren. Legt man diese Unstimmigkeit einen Moment zur Seite, hat die Geschichte von Olaf Brill dennoch einiges zu bieten. Sie ist nicht komplex und schon gar nicht spektakulär. Und sie scheint, abgesehen von der Befreiung von Aroff und Zerbone, die vielleicht noch nützlich sind, keine Verbindung zur Storyline der Miniserie zu haben. Allerdings hat sie mich dennoch gut unterhalten. Ich meine, dass es Kai Hirdt war, von dem ich gelesen habe, dass sich die Autoren in der 2. Staffel der SOL-Serie erst „freischreiben“ mussten.
Dieser Roman ist der zweite Beitrag von Olaf Brill für die 2. Staffel. In „Zielpunkt Nebelzone“, dem 3. Roman, hat der Autor mit Anchi eine Figur eingeführt, mit der ich nicht warm wurde. Diesmal macht Olaf Brill aus meiner Sicht vieles besser. Er nimmt sich Danton als Hautfigur vor und schreibt zudem in der Ich-Perspektive dieser Figur. Das wirkt manches Mal etwas holprig. Diese Erzählperspektive soll Authentizität vermitteln und für eine engere Bindung zwischen dem Ich-Erzähler und dem Leser sorgen. Roi Danton wirkt aber auf mich in dieser Perspektive immer noch ein wenig sperrig. So, als würde diese Figur nach wie vor ihre Gedanken vor mir verbergen. Dennoch war diese Darstellung des Roi Danton durch Olaf Brill eine, die mir besser gefallen hat als zuletzt.
Mit Cin hat der Autor eine andere starke Figur. Eine Figur, die mich durchaus emotional fesseln konnte. Die Zutaten, wie das gelingt, sind klassisch. Olaf Brill beschreibt zunächst den emotionalen Kern der Erzkratzerin. Was treibt sie an, welche Konflikte hat sie mit anderen Figuren, was bewegt sie, welche Träume und Ängste hat sie? Was sind ihre Gefühlsbindungen zu den Orten und anderen Figuren? Für eine andere Figur (Mahlia Meyun) aus der ersten Staffel wurde der Fehler gemacht, sie die gesamte Bandbreite an Emotionen durchlaufen zu lassen. Und das auf engsten Raum. Es tut gut, dass man in der zweiten Staffel von diesen explosionsartig auftretenden Gefühlsschwankungen Abstand genommen hat. Auch Cin durchläuft eine Reihe von Gefühlsregungen. Aber alle sind plausibel und nachvollziehbar. Der Autor lässt Cins Wünsche in Erfüllung gehen und blufft uns sogar an einer Stelle. Dieser Charakter ist ihm gut gelungen.
Eine unspektakuläre aber unterhaltsame Geschichte.

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL 2 Heft 05

Der violette Tod – von Bernd Perplies
Die SOL ist nach wie vor im Sphärenlabyrinth unterwegs. Zusammen mit A-Kuatond, Roi Danton und Tess Qumisha schmiedet Perry Rhodan einen Plan. Um hinter die Aktivitäten der Stimme BARILS zu kommen, will der Unsterbliche zusammen mit der Zentrifaal den Diplomaten der Ritter, Semmaru, aufsuchen. Schließlich hatte Perry Rhodan von ihm die Koordinaten des Sphärenlabyrinths erhalten, bzw. erbeutet. Vielleicht weiß der Ritter noch mehr. Roi Danton hingegen will innerhalb der Nebelzone bleiben. Er schleust mit der CALAMAR aus und sucht nach TRAITOR-Standorten, um diese zu infiltrieren.
Die SOL geht nach Verlassen der Nebelzone sofort in den Hypertaktmodus. So hofft man, dass Haldukass das Schiff nicht bemerkt hat. Auf den Rückflug nach Kessaila erhält die SOL die Order, sich zum Planeten Praraytiap zu begeben. Dort ist eine zeitkritische Mission zu unterstützen. Es ist ausgerechnet Semmaru, der hier um Hilfe bittet.
Eine bessere Gelegenheit als diese, lassen sich Perry Rhodan und A-Kuatond natürlich nicht entgehen. Bei Praraytiap eingetroffen, erkennt Perry Rhodan mit Entsetzen, dass auf dem Planeten ein Erntevorgang des Ritters läuft. Semmarus Handeln dient angeblich der Rettung der Planetenbewohner, die an einer Seuche sterben. Rhodan setzt die Hilfsmittel der SOL ein, um den Bewohnern zu helfen. Gleichzeitig begibt er sich auf das Schiff von Semmaru. A-Kuatond begleitet ihn. Sie wollen Informationen erhalten. Während auf dem Planeten die Situation dramatisch wird und auch die SOL gefährdet ist, geraten Perry Rhodan und die Ritterin auf dem Schiff des Diplomaten ebenfalls in Gefahr. Doch nichts ist so wie es scheint. Und der Diplomat im Dienste BARILS hat eine äußerst zweifelhafte Moral.
 
Bernd Perplies steigt mit dem klassischen Szenario einer vertauschten Chronologie in seinen Roman ein. Er schildert ein Ereignis am 25. November an Bord der SOL, und versieht dieses 1. Kapitel mit einem aufschreckenden Ende. Zwei, eigentlich resolute, Besatzungsmitglieder der SOL stehen sich mit tödlichen Waffen gegenüber. Und nun will der Leser wissen, wie es dazu kommen konnte. Dementsprechend springt der Autor ab dem 2. Kapitel vier Tage in die Vergangenheit und schildert die Begebenheiten, die zu dem im Auftakt geschilderten Ereignis führen. Mich hat natürlich eher die Nennung des Namens Mahlia Meyun erschreckt, als die geschilderte Begebenheit an sich. Und weckte irrationale Ängste in mir, da ich mit dieser Figur seit der ersten SOL-Miniserie auf Kriegsfuß stehe. Soviel sei hier schon verraten, dass mich Bernd Perplies mit den weiteren Schilderungen dieser Figur mehr als nur positiv überraschte.
Im zweiten Kapitel macht der Autor Bestandsaufnahme. Geraten diese zuweilen langweilig, kann mich Bernd Perplies auch hier begeistern. Fast schien es mir, als würde ich die Serie und die bisherigen Abläufe erst jetzt richtig verstehen. Außerdem geht der Autor auf die Standardmotive von Schauergeschichten ein, um den gegenwärtigen Standort der SOL zu beschreiben. Diesen literarischen Gegenstand verknüpft er geschickt mit der Situation, in der sich Perry Rhodan mit der SOL aktuell befindet. Und erzeugt mit dieser Brücke mehr Emotionen bei mir, als die beiden vorangegangenen Romane zusammen. Endlich mal ein geschicktes und nachvollziehbares Einfangen von Situationsbeschreibungen und den Emotionen der Figuren darauf. Dementsprechend gelang auch der Brückenschlag zu mir, dem Leser. Dieser Stil, den hier der Autor pflegte, gefiel mir sehr gut.
Auch stilistisch setzt der Autor den einen oder anderen Akzent. Beispielsweise wenn er von der SOL als dem „legendären, in sein goldenes Kleid aus Solonium gehüllten Fernraumschiff der Terraner“ spricht. Die Beschreibungen auf dem Planeten und an den diversen Handlungsorten gerieten ebenfalls nach meinem Geschmack. Mit wenigen Worten schafft der Autor bleibende Eindrücke. Auch die Figurendarstellungen waren gefälliger als in den Romanen zuvor. Die Figur des Perry Rhodan wirkt gelassener als noch in den Beschreibungen der anderen SOL-Romane dieser 2. Serie. Bernd Perplies lässt bei seiner Figur unaufgeregte Emotionen und Überlegungen zu. Sein Perry Rhodan reagiert planvoll und nicht so hektisch. Er ist sarkastisch und hat einige trockene Antworten parat.
Etwas irritierend war der Auftakt zur Hilfe, der die SOL nach Praraytiap bringt. Semmaru fordert explizit die SOL und A-Kuatond an. Die Ritterin freut sich diebisch auf Semmarus Reaktion, wenn sie eintrifft. Und schließlich wundert sich Semmaru, dass A-Kuatond seinem Hilferuf gefolgt ist. Das passte nicht zusammen. Und auch beim Lügendetektortest geht es ein bisschen schnell. Zumindest eine Lüge hätte Perry Rhodan machen müssen, damit Semmaru vom Funktionieren des Geräts ausgehen kann. So aber verkündet Perry Rhodan bei drei Fragen, drei Mal die Wahrheit. Woher will dann der Diplomat wissen, dass der Orbiter nicht lügt?
Aber das sind nur Kleinigkeiten. Die Geschichte überzeugte mich insgesamt. Sie war rund, die Dialoge stimmten und sie hatte Wendungen. Mit dem Thema einer Virusinfektion schien der Exposé-Autor Kai Hirdt in Corona-Zeiten nicht glücklich zu sein. In sozialen Medien bezog er schon vor dem Erscheinen des Romans Stellung. Das Thema des Romans stand lange fest, bevor irgendjemand was von Covid-19 gehört hatte. Man habe sich keinesfalls auf den Sensationszug gesetzt. Mir persönlich wäre das egal. Ich finde SF schon alleine deshalb reizvoll, wenn aktuelle Themen in die Zukunft projiziert werden. Wenn ich es mir recht überlege, ist es sogar die Aufgabe der SF, dies zu tun. Und diese Aufgabe hat Bernd Perplies wunderbar erledigt. Der bislang beste Roman in dieser Reihe!
 

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL 2 Heft 04

Im Sphärenlabyrinth – von Hermann Ritter
Roi Danton hat mit seinem Team die Skapalm-Bank GRAGRYLO gekapert. Er tritt als Kalbaron auf und fordert Gehorsam von den Kolonnen-Anatomen. Der Nachfolger Krefferks, der bisherige Stellvertreter Rannkfarr, kooperiert notgedrungen mit dem Terraner. Denn Danton hat das Schiff in die Nebelzone gesteuert. Und findet nicht wieder hinaus. Obwohl die Zone nur 1500 Kilometer durchmisst, scheinen sie darin gefangen zu sein.
An Bord der SOL hat unterdessen A-Kuatond die Expeditionsleitung übernommen, mit Perry Rhodan als ihren Vertreter und Orbiter. Tess Qumisha versteht die Welt nicht mehr. Die von der Ritterin stets vorgetragenen Phrasen über BARIL gehen ihr auf die Nerven. Außerdem hat die Ritterin ihre Schlachtspitze dezentralisiert in die SOL integriert. Sollte A-Kuatond etwas zustoßen, wird der Hantelraumer vernichtet. Da empfängt Perry Rhodan einen Notruf seines Sohnes und die SOL bricht zur Rettungsmission auf. A-Kuatond ist überrascht, denn sie kennt das Zielsystem nicht.
In der Nebelzone lässt Danton eine Kompantin an das Steuer. Das Wesen kann die Wege innerhalb der Nebelzone lesen. Es erscheint ihr als gigantisches Labyrinth aus Kugeln, die allesamt einen Durchmesser von 1126 Kilometern haben und ineinander verschränkt sind. Die Kompantin findet zwar einen Weg nach draußen, es ist jedoch der Ausgang in ein anderes Universum. Den Weg zurück ins angestammte Universum kann sie nicht finden.
Die SOL ist vor Ort eingetroffen und die Stimme BARILS weist ihr einen Auftrag zu. Der Eindringling in der Nebelzone soll ausfindig gemacht werden. Mit einem Kompanten, der an Bord kommt, dringt die SOL in das Sphärenlabyrinth ein. Der Kompant stirbt jedoch unerwartet und die SOL sitzt fest. Tess Qumisha bekommt vom Kuum eine Warnung, dass da draußen etwas schläft. An Bord der SOL kommt es zu Explosionen. Meuterer fordern die Schiffsführung heraus. Perry Rhodan muss in dem Chaos seinen Sohn finden und klären wie sie das Sphärenlabyrinth verlassen können.
 
Der Roman von Hermann Ritter führt die Figuren Roi Danton und Perry Rhodan wieder zusammen. Beide sind ins Sphärenlabyrinth eingedrungen und haben an Bord ihrer jeweiligen Schiffe mit Problemen zu kämpfen. Obwohl die Beschreibungen der Nebelzone und die wenigen Daten darüber interessant sind, die „Kugeln“ haben die schon bekannte Dimension von 1126 Kilometer Durchmesser, sind die Schwierigkeiten der beiden Schiffe weniger auf den Einfluss der Nebelzone zurückzuführen. Zumindest anfänglich. Mit dem „Vielen Einen“ wird dann doch noch ein Konflikt von außen an eines der Schiffe herangeführt. Ansonsten kämpfen die Helden eher gegen ihre inneren Dämonen (Roi Danton) oder gegen die Ritterin BARILS (Perry Rhodan).
Autor Hermann Ritter lässt seinen Protagonisten Roi Danton zu Wort kommen. Genauer gesagt lässt uns der Autor dieser Figur über die Schulter schauen und auch manchmal in den Kopf. Der Einstieg ist eine Zusammenfassung der letzten Ereignisse. Zudem lässt der Autor seine Figur auch moralische Überlegungen anstellen. Einige sind nachvollziehbar, andere wirken befremdlich. Beispielsweise jene, in der Danton sich Gedanken macht, wie auf der Erde mit solchen Versuchen umgegangen würde, wie sie auf der Skapalm-Bank ablaufen. Dort werden 20.000 Lebewesen gezüchtet, um aus dieser Masse ein einziges Wesen zu selektieren, das in der Nebelzone als Navigator dienen kann. Die anderen 19.999 müssen sterben. Ich hatte nun erwartet, dass sich Roi Danton ohne Wenn und Aber von diesen unmenschlichen Experimenten distanziert. Der Roi Danton der Miniserie tut das jedoch nicht. In Bezug auf die Erde kommt er zu dem Schluss, dass man dort die Experimente „höchstwahrscheinlich“ eingestellt hätte, sobald klar geworden wäre, dass die Zahl der Toten in keinem Verhältnis zu den Erfolgschancen stehen würden. Mit dieser Einstellung gibt der Autor seiner Figur eine Hypothek mit, die mir Roi Danton zumindest auf den ersten Seiten nicht unbedingt sympathisch machte.
Allerdings mildert das Handeln Roi Dantons im weiteren Verlauf diese unglückliche Einstellung zum Romanbeginn. Ohne sie allerdings vollständig zu negieren. Als Danton einen Kompanten benötigt, um die Nebelzone zu verlassen, lässt er es zu, dass für eines der Wesen die Experimente zum Abschluss gebracht werden. Und äußert, in Gedanken, dass dies hoffentlich nicht umsonst war und sie nicht nur ein Monster geschaffen hätten. Die Kompantin hat merkwürdigerweise einen Namen. Für die Besatzung, wie auch für Rannkfarr, haben Namen für Kompanten keine Bedeutung. Es erstaunt daher, dass in der Datenbank ein Name eingetragen ist, als Danton danach fragt.
Wurde Roi Danton zuletzt aus der Perspektive eines anderen Besatzungsmitgliedes beobachtet, bzw. geschildert, bekommen wir als Leser nun endlich etwas mehr von diesem Unsterblichen zu lesen. Seine Gedanken, Gefühle und Pläne. Viel ist es nicht. Roi Danton beherrscht oberflächlich betrachtet die Situation. Seine Erfahrung mit TRAITOR erlaubt es ihm, sich zunächst an Bord der GRAGRYLO zu behaupten. Aber so, wie Hermann Ritter diese Figur schildert, geht kein echtes Vertrauen in diese Figur auf den Leser über. Der Autor verwendet Adjektive wie „entmutigt“ und „ungeduldig“ für Danton. Dazu gesellt sich der eingangs erwähnte ethische Konflikt, bei der die Figur nicht eindeutig Stellung bezieht. Und dann setzt der Autor seiner Figur gar Gedanken der Art „wie hätte Perry reagiert“ in den Kopf und geht kurz auf die Schwierigkeiten mit dem Vater in seiner Erwachsenenwerdung ein.
Die Figur Danton wird von Hermann Ritter (und auch anderen Autoren) eigentlich nur mit diesen beiden Aspekten charakterisiert oder vielmehr traktiert. Das sagt eigentlich alles. Es sagt vor allem, dass der Autor mit der Figur wenig anzufangen weiß. Gebt der Figur des Danton endlich ein Gesicht! Oder schreibt sie raus! Es ist langweilig, mit diesen ewig gleichen Platituden konfrontiert zu werden. Nachdem Roi Danton in diesem Roman einmal mehr blass blieb, setzte ich auf Perry Rhodan. Doch der Vater tat es seinen Sohn gleich. Die Figur konnte kaum Akzente setzen.
Der Einsatz der Nebenfiguren in diesem Roman muss auch angesprochen werden. Danton ist mit einem Team unterwegs. Drei Besatzungsmitglieder der SOL begleiten ihn. Die drei finden bis zur Halbzeit des Romans keine Erwähnung. Dann fallen ihre Namen und ein oder zwei Dialoge. Der Rest ist Schweigen. An Bord der SOL spielt Tess Qumisha die Rolle der Blitzableiterin. Wenn etwas nicht passt, dann kommentiert diese Figur die Situation und lässt ihren Emotionen freien Lauf. Aber sie ist auch Kommandantin. Sie sorgt sich um das Schiff und um die Solaner. Trotzdem stehen ihr ihre Emotionen im Weg. Beispielsweise dann, wenn sie durch das Schiff geht, um einen Besprechungsraum aufzusuchen. Sie geht den Zentrifaalrobotern aus dem Weg. Ein wirklich schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein für eine Kommandantin, wie es da geschildert wird.
Wie eingangs erwähnt kämpfen die Figuren eher gegen ihre inneren Dämonen als gegen einen Feind von außen oder von innen, wenn man die Ritterin oder Blitzer auf diese Stufe stellen möchte. Natürlich gibt es diese Bedrohungen, doch sie werden harmlos geschildert. Es wird zu keiner Zeit Spannung aufgebaut. Hatte sich Rhodan zuletzt noch mit der Ritterin schwer getan, sind die nun ein Herz und eine Seele. Na ja, bis zur aus heiteren Himmel kommenden Anweisung von A-Kuatond, doch nun bitteschön das Beiboot mit Roi Danton und den anderen an Bord abzuschießen. BARILS Wille geschehe!
Die Handlung spricht mich wenig an, weil ich einmal mehr mit den Figuren hadere. Und da die Handlung von schwachen Figuren getragen wird, kann auch das Geschehen um BARIL, die Ritter und andere Elemente mich nicht fesseln. In meiner Besprechung des Romans fühle ich mich unwohl. Die Miniserie unterscheidet sich doch erheblich vom gewohnten Bild der Serie. Bisher konnte ich keine „Handschrift“ erkennen, die die Miniserie zu etwas besonderen macht. Etwas Positives vermittelt. Beispielsweise etwas, was die Hauptserie nicht bietet, weil dort der Platz fehlt. Oder etwas ganz Neues, an dem die Miniserie sich erprobt. Die Figuren sind der Hauptunterschied. Sie haben nur den Namen mit den Bekannten gemeinsam. Der Rest ist nicht einfach anders, oder neu, oder breiter erzählt. Es ist einfach nur oberflächlicher. Suche ich das Haar in der Suppe? Ja, das tue ich. Es wird mir aber auch leicht gemacht. Denn da schwimmt leider nicht nur ein Haar in dieser Suppe, sondern deren viele. Ich möchte zu gerne die Serie um die SOL genießen, möchte etwas von dem Flair aufnehmen, das dieses Schiff umweht, wenn es in der EA geschildert wird. Doch die Romane dieser Miniserie zerstören den Mythos um das Schiff, statt ihn am Leben zu erhalten oder auszubauen. Die Figuren stehen sich selbst im Weg, die Emotionen sind sperrig und verhindern ein Eintauchen in die Handlung.