Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 6

Das Orakel von Takess – von Hermann Ritter
Die Funknachricht seines Sohnes, der in einer Proto-Chaotischen Zelle irgendwo in Tare-Scharm festsitzt, hat Perry Rhodan bewogen, nach Evolux zurückzukehren. Von den Sequenz-Räten, von denen er empfangen wird, erhofft sich der Unsterbliche Hilfe bei der Suche nach dem Standort der verderblichen Einflusszone des Chaos. Doch die Mitglieder des Rates wollen einige Monate abwarten, bis der Statthalter der Kosmokraten abgezogen ist. Erst dann wollen sie die Suche beginnen. Sie fürchten um den Ruf der Werftwelt. Rhodan erfährt jedoch vom Orakel von Takess, das vielleicht seine Frage beantworten könnte. Da es keine Beschränkungen gibt, die ihm den Zugang zum Orakel verwehren könnten, begibt sich Rhodan auf eine Pilgerreise. Er wird von Elpin Vonnedal und Pravo Ylapp begleitet.
Mahlia Meyun hat indes den Entschluss gefasst, in ihr Tal zurückzukehren. Doch auf ihrem Weg dorthin wird sie aufgehalten. Und auch Rhodan stellen sich mehr Schwierigkeiten in den Weg, als ihm lieb sein kann. Der Zusammenhalt der Gruppe ist gefährdet, als Yakonto und Sathox in die Abläufe eingreifen und Rhodan erfahren muss, dass sein Vorgehen unterminiert wird.
 
Meine Kontakte zum Autor Hermann Ritter beschränkten sich bislang auf zwei Kurzgeschichten, die er zum NEO-Universum beigetragen hat. Und die ich ganz gut fand. Nun darf er die erste Hälfte der Mini-Serie Mission SOL abschließen. Der Autor verfolgt in seinem Roman zwei Handlungsebenen. In der einen ist Mahlia Meyun bestrebt, in das Tal der Gestrandeten zurückzukehren. Die andere Ebene begleitet Perry Rhodan auf der Suche nach einem Hinweis auf die Koordinaten der Proto-Chaotischen Zelle, in der sich sein Sohn aufhalten soll.
Die Mahlia Meyun-Ebene ist stark gefärbt von den teilweise außer Kontrolle geratenen Emotionen der Protagonistin. Sie gibt sich die Schuld, als Anführerin im Kolonnen-Fort versagt zu haben. Etliche Solaner kamen ums Leben. Die schrecklichen Bilder haben sich in ihr Gedächtnis eingebrannt und prägen sehr die Handlungen der Heilerin. Außerdem mehren sich die Selbstzweifel der Figur, mit dem Verlassen ihres Mannes und der Kinder und der beginnenden Liaison mit Elpin Vonnedal das Richtige zu tun. Der Autor greift hier in die Vollen. Gerade zum Beginn des Romans werden die Gemütsbewegungen der Heilerin sehr drastisch geschildert. Für meinen Geschmack hat der Autor zu dick aufgetragen. Vieles wiederholt sich. Natürlich gerät die Figur in einen schrecklichen Kreislauf und der Autor möchte dies auch mit starken Bildern ausdrücken. Aber irgendwann hatte ich als Leser genug von der Figur.
Glücklicherweise gab es noch die Geschehnisse um Perry Rhodan zu lesen. Hier konzentriert sich der Autor ebenfalls sehr stark auf die Figuren. Einerseits Rhodans Beobachtungen und Überlegungen, andererseits das Handeln der Figuren in seinem direkten Umfeld. Von Evolux war hier fast nichts zu lesen. Diese phantastische Welt geht im Roman von Hermann Ritter unter. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nochmal zurück zu Mahlia Meyun. Ausgerechnet dieser Person in ihrer arg eingeschränkten Sicht der Dinge spendiert der Autor ein oder zwei Ausblicke auf die Steile Stadt. Abgesehen von den Verkehrsproblemen und den Einflüssen, des bis dato Unbekannten, der die Bemühungen der Solaner torpediert, war das zu wenig. Aus einem solchen Handlungsort muss mehr gemacht werden. Das war fade.
Nun, die Geschichte ging noch weiter. Es folgte der für mich beste Abschnitt des Romans. Die Pilgerreise, die keine war. Rhodan scheitert. Schließlich doch die Möglichkeit, eine Antwort vom Orakel zu erhalten. Und Rhodan scheitert ein weiteres Mal, weil sich zwei Bauernrüpel vordrängen. Der eine, der mehr wissen möchte, der andere, um die Liebe seines Lebens bemüht. Das war mal überraschend und ich habe mir vor Vergnügen auf die Schenkel geklopft.
Es folgte das Finale. Die Geschichte fragmentierte zusehends. Iphir mit einem Verstand und zwei Körpern, Yakonto-Attentäter, verwirrte Sathox, eine Weiße-Saal-Adaption, die Zusammenführung der beiden Handlungsebenen, tragische Momente, Schuldzuweisungen, die unvermeidliche Gefangennahme und wiederholte Einkerkerung von Rhodan usw. usw. Der Autor verlor die Kontrolle und rettete sich in den letzten Satz, mit dem er den Staffelstab an Marc A. Herren weitergibt, der uns dann hoffentlich den Mann mit der Maske näherbringt.
In Erinnerung ist mir noch der Satz geblieben, als Elpin Vonnedal und Pravo Ylapp an Rhodan den Vorschlag mit dem kleinen Dreierteam herantragen:
„Ein gemeinsamer Einsatz auf niedrigstem Niveau.“
Das könnte auch ein Fazit zu diesem Roman sein.

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