Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2884

pr_2884Unter allem Grund – von Robert Corvus – Handlung:

Während die ODYSSEUS auf dem Weg ins Lichtfahnensystem ist, tobt dort eine Raumschlacht. An Bord des Flaggschiffs der Tiuphoren ist Chefingenieur Mixandrac mit seinem Personal in einer schwierigen Lage. Sein Schiff, die CELAXTA ist nach dem Beschuss durch ein Raumschiff der Gyanli nur noch ein Wrack. Als das Schiff vor dem Untergang steht, geschieht etwas Merkwürdiges. Ein Gyanliraumschiff der GYAAS-Klasse verhindert mit Löschtorpedos weitere Explosionen und nimmt die CELAXTA in Schlepp.

An Bord der ODYSSEUS beklagt sich Jurukao darüber, dass zu wenig vom Fluid der Gyanli für die Forschungen zur Verfügung steht. Die Flüssigkeit wimmelt von Kleinstlebewesen und es werden Gehirnströme angemessen. Ob die Aktivitäten im höherdimensionalen Spektrum bedeuten, dass das Fluid denkt, kann noch nicht gesagt werden. Mit etwas Abstand zum Lichtfahnensystem wird die Etappe beendet. Die Konstellation des Systems zeigt, dass die Position Tius zwischen den beiden Sonnen nicht natürlich entstanden sein kann. Als die Energieausbrüche der Schlacht gemessen werden, geht die ODYSSEUS in den Ortungsschutz einer der beiden Sonnen des Systems. Perry Rhodan und seine Begleiter erfahren, dass der Kriegs-Operator der Kohäsion im Lichtfahnensystem weilt. Er ist einer der drei Lenker des dominierenden Sternenreichs Orpleyds. Sein Schiff ist die SHADRUUS und Perry Rhodan wittert eine Chance. Zunächst jedoch verfolgt er mit Attilar Leccore und Pey-Ceyan angewidert das Vorgehen der Gyanli. Die tiuphorischen Schiffe, die einer Hantel gleichen, sind hoffnungslos unterlegen. Mehr noch, die zerschossenen Wracks werden von den Gyanli auf einen Kurs gebracht, der sie irgendwann auf Tiu stürzen lässt. Die Sieger demütigen die Tiuphoren.

Der Unsterbliche will nachsehen, ob hinter diesem Vorgehen noch mehr steckt. Mit Hilfe der Dakkar-Spanne will er an Bord der SHADRUUS. Die Wuutuloxo können das Gerät ein wenig modifizieren. Es ist außerhalb ihrer Technologie, aber das Gerät sollte es Rhodan und Leccore gestatten, sich in einen Transmitterimpuls einzufädeln. Rhodan macht Maske und Leccore nimmt die Gestalt eines Gyanli an. Dann geht es los.

An Bord der SHADRUUS hat die Gyanli Lutoo eine besondere Aufgabe von Kriegs-Operator Yeemburc erhalten. Sie soll einen Gast beschützen, der an Bord der SHADRUUS gekommen ist. Klavtaud ist sein Name und der äußeren Erscheinung nach ein Gyanli. Doch Lutoo spürt die Besonderheit Klavtauds.

Perry Rhodan und Attilar Leccore materialisieren in einem Transmitterraum der SHADRUUS. Ihr Eindringen wird bemerkt. Mehrere Soldaten können sie paralysieren, einen der Gyanli muss Leccore töten, nicht ohne vorher ein Template von ihm anzufertigen. Dadurch erhält der TLD-Chef wertvolle Informationen über die Lage an Bord. Im Transmitterraum ist auch der Tiuphore Mixandrac, der kurz zuvor als verletzter Gefangener an Bord gebracht wurde. Rhodan und Leccore nehmen ihn mit in ein Versteck. Von dort wollen sie zu Yeemburcs Quartier vorstoßen, um den Kriegs-Operator zu entführen.

An Bord der SHADRUUS wird Alarm gegeben und Lutoo untersucht den Vorfall im Transmitterraum. Die Aufzeichnungen lassen vermuten, dass zwei Gyanli zu Verrätern wurden. Lutoo verstärkt die Sicherheitsmaßnahmen. Allerdings bemerkt die Gyanli an ihrem Schutzbefohlenen auch etwas Merkwürdiges. Die Bewegungen Klavtauds sind wie die eines Teleporters auf kürzeste Distanzen. Der Mann springt bei Bewegungen für einige Zentimeter.

Inzwischen sind Perry Rhodan und Attilar Leccore auf den Bereich für Klavtaud aufmerksam geworden. Nachdem sie mehrere Sicherheitssysteme überwunden haben, werden sie von Lutoo gefangengenommen. Alle technischen Instrumente, auch die Dakkar-Spanne, werden ihnen abgenommen. In seiner Zelle findet Rhodan ein Fluid-Bassin vor. Die Gyanli haben seine Maske nicht durchschaut. Der Terraner legt sich in das Fluid. Einerseits um etwas davon in seiner Körpermaske zu speichern. Andererseits weil er hofft, etwas zu erfahren. Tatsächlich glaubt der Unsterbliche Stimmen wahrzunehmen. Es werden immer mehr. Etwas derartigen ist Rhodan schon begegnet. Wesenheiten, die den Status einer höheren Daseinsform erreicht hatten. Diese Superintelligenz, die er hier spürt, ist jedoch weiter. Sie will keine Bewusstseine mehr vereinen. Sie will die nächste Stufe erklimmen. Und irgendetwas sagt Rhodan, dass dies eine Materiesenke sein wird.

Leccore kann sich befreien. Damit sie von Bord können, müssen sie die Dakkar-Spanne holen, die sie in Klavtauds Quartier vermuten. Mit Leccores Fähigkeiten gelangen die beiden zusammen mit Mixandrac dorthin. Klavtauds Quartier wird von einem riesigen Hologramm Orpleyds dominiert. Auf dem Boden liegen silberfarbene kleine Metallscheiben. Leccore spürt etwas absolut Fremdartiges nähern. Plötzlich tritt Klavtaud ein. Der sehr selbstsichere Gyanli trägt die Dakkar-Spanne. Klavtaud hält Rhodan für einen Vertreter von KOSH. Der Unsterbliche nutzt die Gelegenheit und drückt Unmut aus. Klavtaud spricht von drei Maschinisten des Pavvat. Tellavely, Nunadai und Pushaitis. Sobald das Pavvat über die Geistkomponenten der zurückgekehrten Sammler verfügt, wird die Konvertierung KOSHS in eine Materiesenke unumkehrbar sein.

Rhodans Versuch, das Gespräch weiter zu führen wird durch zwei Ereignisse unterbrochen. Leccore scheitert bei dem Versuch, ein Template Klavtauds anzufertigen. Der Gestaltwandler krümmt sich vor Schmerzen. Und Klavtaud scheint über sich die Kontrolle zu verlieren. Er springt wie ein Teleporter durch den Raum. Dabei zieht er die Silberscheiben an. Als sie ihn bedecken, verschwindet das Wesen. Die Dakkar-Spanne bleibt zurück. Rhodan kann mit Leccore und Mixandrac an Bord der ODYSSEUS springen.

An Bord der SHADRUUS ist Klavtaud mit Lutoo sehr zufrieden. Das manipulierte Fluid, das der Fremde hat mitgehen lassen, sendet Signale aus, denen sie folgen können. Doch auch Jurukao auf der ODYSSEUS hat erkannt, dass das von Rhodan mitgebrachte Fluid sendet.

 

Rezension:

In Robert Corvus Roman passiert eine ganze Menge. Interessant ist, dass hier erneut vom Pavvat zu lesen war. Von diesem Gerät hat Rhodan bereits gehört. Es hat die Ur-Tiuphoren beim Aufbau des Catiuphat unterstützt. Es scheint nun so, als ob nicht alleine die Tiuphoren in einen Langzeitplan gepresst wurden, sondern auch die Gyanli.

In seiner Geschichte wechselt Corvus häufig die Perspektive. Hauptsächlich Rhodans und Leccores Sicht bestimmt das Geschehen. Aber auch die Nebenfiguren Lutoo und Mixandrac haben starke Auftritte. Über die Ziele, die Robert Corvus mit Mixandrac verfolgt, bin ich mir nicht sicher. Der erwähnte starke Auftritt war zunächst an die Einführung der Geschehnisse im Heimatsystem der Tiuphoren gekoppelt. Die Raumschlacht und die unmittelbaren Auswirkungen auf das Leben des Chefingenieurs ließen zunächst einen bodenständigen SF-Roman vermuten. Das Geschehen war sehr eindringlich geschildert. Danach entwickelte sich die Story aber ganz anders, als es der Beginn in Aussicht stellte. Und nach seiner Gefangennahme spielte Mixandrac immer weniger eine Rolle. Er diente noch dazu, einige Verwandlungen Leccores zu kommentieren. Allerdings nimmt ihn Rhodan mit, als sie zur ODYSSEUS fliehen.

Die zweite Nebenfigur ist den ganzen Roman über präsenter. Mit der Gyanli Lutoo schafft Corvus eine interessante Perspektive auf das Wesen der (vermeintlichen) Herrscher Orpleyds. Der Beginn des Kapitels „Infiltrationen“, als Lutoo erwacht und aus dem Becken mit dem Fluid steigt, gehört zum interessantesten, was bislang zu den Gyanli zu lesen war. Robert Corvus macht mit der Schilderung des Bedauerns Lutoos, den Kollekttraum zu verlassen auch eine Schilderung darüber, welchen Funktionen der Schlaf dient, bzw. zu was er nicht dient. Denn Lutoo findet im Schlaf keine Antworten auf ihre Fragen. Es bleibt nur das Bedauern, etwas Größeres, Stärkeres aufgeben zu müssen, wenn sie das Fluid verlässt. Später schafft es Lutoo gleich mehrmals, den Eindringlingen eine Falle zu stellen. Sie erkennt die Ziele der Fremden und nutzt dies aus, um ihnen das Fluid unterzujubeln. Allerdings haben die Wuutuloxo die Manipulation bemerkt.

Aber auch das ist ein Kennzeichen dieses Romans. Es geht hin und her, ohne dass eine der Parteien einen entscheidenden Vorteil erhält.

Rhodans und Leccores Eindringen in das Gyanli-Schiff begleitet der Autor weniger mit den üblichen Verhaltensweisen des Bewegens in einem unsicheren Terrain. Er konzentriert sich auf zwei Perspektiven. In der einen wird das Unternehmen aus Sicht des Gestaltwandlers geschildert. Der TLD-Chef verfügt über genügend Erfahrung und seine spezielle Fähigkeit gibt ihm genügend Selbstbewusstsein. Die Sicht des tiuphorischen Gefangenen liefert eine ähnliche Bewertung der Situation, quasi eine Bestätigung von Leccore. Die beiden Eindringlinge sind Herr der Lage. Von daher kommt das Scheitern, als sie in die Falle von Lutoo tappen, sehr überraschend. Der Autor hat seine Leser vorher ganz schön eingelullt.

In seiner Geschichte bringt Robert Corvus erstaunlich viele Details unter, die eines gemeinsam haben. Sie wirken unaufdringlich. Häufig erlebe ich Detailbeschreibungen, die eher einem Glossareintrag ähneln. In diesem Roman ist das, abgesehen von einigen Wiederholungen zu den Gyanli-Raumern nicht der Fall. Wenn ich mich nicht täusche, schildert Corvus zum ersten Mal eine Verwandlung von Leccore. Noch dazu vor Zeugen.

Auch für das Überwinden einer Türsicherung nimmt sich der Autor Zeit. Und findet dafür verständliche Erklärungen. Und nebenbei liefert er auch eine Begründung, warum Leccores Fähigkeit, mit einem Template auch das Wissen eines anderen Wesens zu übernehmen, durchaus Grenzen hat. Das sind nur einige Beispiele, aber der Autor überlässt nichts dem Zufall, liefert Begründungen, da wo sie notwendig sind und wo sie die Plausibilität der Geschichte fördern.

Im zweiten Teil wird der Roman kosmischer. 185 Romane nach Einführung der Tiuphoren wird deutlich, wozu die Geistkomponenten gesammelt wurden. Eine SI möchte den nächsten Evolutionsschritt tun. Mit der Materiesenke wird ein riesiger Bogen geschlagen. Vor 2000 Romanen wurde ein solches Objekt (Wesenheit?) erstmals erwähnt und in der ganzen Zeit ist außer dem Namen im Grunde genommen nichts darüber bekannt geworden. Es wird sich zeigen, ob die Vorgehensweise KOSHS der „normale“ Ablauf ist, um eine Materiesenke zu bilden, oder doch eher ungewöhnlich.

Eine spannende Geschichte mit einem ungewöhnlichen Verlauf.

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