Ansichten zu Perry Rhodan Storys Galacto City 1

Aufbruch in die Weiße Stadt – von Andreas Eschbach
Nach einer längeren Zeit im Gefängnis möchte Vince Tortino endlich ein anderes Leben führen. Tin Can, wie er zumeist genannt wird, trifft mit Susan Dayle die Frau seiner Träume und möchte sie glücklich machen. Doch die Vergangenheit holt ihn in Person von Logan ein, mit dem er schon früher kriminelle Geschäfte tätigte. Vince Tortino soll nach Galacto City reisen, in die Weiße Stadt, die in diesen Tagen erbaut wird. Ihr Gründer ist Perry Rhodan, Tortinos alter Rivale aus der Jugendzeit. Tortinos Auftraggeber zwingen ihn zu einem Diebstahl, denn die arkonidische Technik, die Perry Rhodan mit auf die Erde brachte, ist allzu verlockend für diese Verbrecher. Tortino wird mit einer märchenhaften Technik, mit Mutanten und mit widerstrebenden Gefühlen konfrontiert. Er muss sich entscheiden, welchen Weg er für die Zukunft einschlagen will.
 
Im Jubiläumsjahr erscheinen die sechs Kurzromane „Galacto City“ zunächst als E-Book. Zeitlich sind wohl alle Romane in den Anfängen der Serie angesiedelt. Band 1 dürfte ca. 1972 spielen und wurde von Andreas Eschbach geschrieben, der eine Figur aus seinem Perry Rhodan Buch „Das größte Abenteuer“ aus einem anderen Blickwinkel schildert. Vince Tortino oder kurz Tin Can, ist ein Gegenspieler des jungen Perry Rhodan gewesen, mit dem er zusammen in die Schule ging. Tin Can, ein Krimineller, brachte Perry Rhodan in große Schwierigkeiten, als er ihn in seine Machenschaften hineinzog.
Also nicht gerade eine sympathische Figur, die sich der Autor da ausgesucht hat. Der Kurzroman handelt davon, ob der Protagonist seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen und ein anderes Leben, eines ohne Gaunereien, führen kann. Zeitweise gerät dieser innere Konflikt, den die Figur mit sich austrägt, in der Geschichte etwas aus dem Fokus. Eschbach packt viele Beschreibungen des fiktiven Handlungsjahres 1972 in seine Geschichte. Galacto City kommt nicht zu kurz. In einer Kurzgeschichte wäre vieles weggefallen und der Autor hätte sich stärker auf seine Figur und deren Konflikt konzentrieren können.
Inwieweit Vince Tortino seinem bisherigen Leben abschwört, bleibt in Eschbachs Roman ein Stück weit offen. Es gibt die eine oder andere Entwicklung der Figur. Aber zumeist wird er doch von außen beeinflusst und wir erfahren als Leser nicht, wie er bestimmte Entscheidungen auch alleine umgesetzt hätte. Tin Cans zweite Chance wurde von Perry Rhodan eingeleitet. Nur hat Logan davon zuerst Kenntnis erlangt und die Situation ausgenutzt. Tortino hat dann den Spieß umgedreht. Das Auftauchen der Mutanten geschah m.E. einen Tick zu früh. Marshall hätte eigentlich warten können, bis Vince sein Versprechen an Susan wahrgemacht hätte, den gestohlenen Strahler zurückzugeben. Inwieweit Tin Can dann die neu aufgelegte zweite Chance nutzt, bleibt ebenfalls offen. Das passt wiederum gut zu einer Kurzgeschichte. M.E. wäre für diesen Stoff eine Kurzgeschichte das bessere Format gegenüber einem Kurzroman gewesen. Perry Rhodan-Nostalgiker dürften allerdings die Szenen in Galacto City genießen. Und auch die Mutanten hatten jene Auftritte, wie sie zu Beginn der Serie an der Tagesordnung waren.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Story 06 Die Leben des Blaise O’Donnell

Die Leben des Blaise O’Donnell – von Michael Marcus Thurner
Der sechste und letzte Roman aus der Reihe um die verlorenen Jahrhunderte stammt von Michael Marcus Thurner. Legt man als Leser Band 3003 vom gleichen Autor zur Seite, kommt man wahrscheinlich zum Schluss, dass dieser Blaise O’Donnell ein ziemlicher Widerling ist. In seiner Kurzgeschichte greift Michael Marcus Thurner diese Figur wieder auf und zeigt uns dessen Vorgeschichte. Und die stellt O’Donnell differenzierter dar. Nicht alleine deshalb, weil dieser Blaise O’Donnell offensichtlich nicht nur ein Leben hat. Es sind die Leben.
Blaise O’Donnell ist Träger eines Gemeni-Zellaktivators und ist damit über dreihundert Jahre alt geworden. Doch seit einigen Jahren hat sein Gerät immer wieder Aussetzer. O’Donnell ist ein Feigling, der jeder Gefahr ausweicht, um seine Unsterblichkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Er ist der Meinung, dass sich mehrere Zellaktivatoren ergänzen. Führt man welche zusammen, würden sich ihre Leistungen stabilisieren. Auf Tondonar begibt sich O’Donnell auf die Suche nach anderen Unsterblichen. Er trifft den schwermütigen Hsao-Darling, der ebenfalls einen Gemeni-Zellaktivator trägt. Sie freunden sich an. Durch Hsao-Darling erhält Blaise O’Donnell die Chance, seine Vermutung zu prüfen. Zumal ihm der Freund einen Hinweis auf eine dritte Person auf Tondonar gibt, die unsterblich sein könnte. Womit Blaise O’Donnell allerdings nicht gerechnet hat, dass auch andere Nachforschungen anstellen.
Das Thema Unsterblichkeit und wie damit umgehen, ist ein reizvolles Thema. Die üblichen Helden der Serie, Rhodan, Bull, Gucky und die anderen, sind, was das betrifft, eher Langweiler. Edelmütig und selbstlos gehen diese Unsterblichen ihrer „Bestimmung“ nach. Von daher ist das Motiv, das der Autor hier beleuchtet, interessanter gelagert. Es sind Leute von der Straße, die sich seinerzeit um die Gemeni-Zellaktivatoren beworben hatten. Welche Voraussetzungen sie mitbringen mussten, erinnere ich mich nicht mehr. Nun greift sich der Autor einige dieser Personen heraus und schildert, was die Unsterblichkeit auf Raten mit ihnen gemacht hat. Blaise O’Donnell führt ein Leben als Feigling. Und wird mit einem ganz anderen Leben von Hsao-Darling konfrontiert. Und muss schließlich aus der Reserve kommen, denn irgendwann ist sein Leben bedroht. Was dann folgt ist ein schöner Kontrast zu den moralisch agierenden Hauptfiguren der Serie. Thurners Unsterbliche leben ihre Individualität aus. Sind egoistisch, paranoid und skrupellos. Die Kurzgeschichte ist eine gelungene Ergänzung zu Band 3003.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Story 05 Admiralin außer Dienst

Admiralin außer Dienst – von Rüdiger Schäfer
Von Rüdiger Schäfer stammt der fünfte und vorletzte Roman aus der Reihe um die verlorenen Jahrhunderte. Der NEO-Autor trägt nicht zum ersten Mal eine Story zum klassischen Rhodan-Universum bei. Etliche Atlan-Taschenbücher stammen von ihm und auch an der Mini-Serie Stardust hat er mitgewirkt. Protagonist seiner Geschichte ist Anna Patoman. Die Ex-Admiralin der Liga-Flotte hat sich vor längerer Zeit vom aktiven Flottendienst zurückgezogen. Nun, im Alter von 191 Jahren lebt sie seit einigen Jahren auf Abaq, dem zweiten von sechs Planeten des Sterns Oroba am Rande der Milchstraße. Hier leben ehemalige Kolonisten des Großen Imperiums der Arkoniden. Fast siebzig Jahre nach dem Ausbruch des Weltenbrands halten sich noch immer einige Folgen. Die Hypersensibilisierung wird weitgehend erfolgreich mit neuen Medikamenten unterdrückt. Dennoch leben die Bewohner überwiegend unter der Erde. Es wird noch Jahre dauern, bis sie an die Oberfläche zurückkehren können. Nur Anna Patoman trotzt den Folgen der Katastrophe und verweigert die Einnahme der Medikamente. Als sie sich tagsüber zur nächsten Versorgungsstation aufmacht, wird sie von starken Symptomen in die Knie gezwungen.
Sie erwacht in einer Klinik des Planeten. Der behandelnde Arzt kann ihr helfen. Doch bevor Patoman die Klinik wieder verlassen kann, wird das Gebäude von zwei Dutzend Eindringlingen besetzt. Diese drohen, das Gebäude in die Luft zu sprengen, wenn Anna Patoman ihnen nicht hilft, die Folgen des Weltenbrands endgültig zu eliminieren. Angeblich besitzt die Admiralin ein Gegenmittel. Anna Patoman muss sich der Gruppe stellen.
Nach Florence Hornigold und Fitz Klem greift die Geschichte eine weitere bekannte Figur aus dem abgelaufenen Genesis-Zyklus auf. Anna Patoman. Und wird erstmals der Ankündigung gerecht, ein wenig darüber zu berichten, wie sich die Milchstraße verändert hat und was mit ihren Bewohnern geschehen ist. Die Folgen des Weltbrands klingen erst nach und nach ab. Die Auswirkungen, wie sie Rüdiger Schäfer eindringlich beschreibt, verändern das Gesicht der Milchstraße. Während die erste Romanhälfte diesem Szenario gewidmet ist, wird in der zweiten Hälfte Anna Patoman mit einem unglaublichen Ansinnen unter Druck gesetzt.
Um dieses Ansinnen zu erklären, greift der Autor tief ins medizinische Handbuch über den Aufbau und die Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Hier ging es mir wie Patoman. Ich habe nichts verstanden. Die Darstellung der Ex-Admiralin war überzeugend. Weniger plausibel geriet die Wandlung ihres Gegenspielers. Hier vermisste ich ein paar Andeutungen, Anzeichen oder kleinere Hinweise im Gebaren von Aoris Kiehn, die die spätere Veränderung in seiner Haltung nachvollziehbar gemacht hätten. So geriet die entscheidende Szene etwas zu trivial. Am Ende schwingt dann noch etwas Melancholie durch die letzten Sätze der Geschichte. Aufgrund der Szene davor kann sich die Wirkung der letzten Worte jedoch nicht richtig entfalten.
Bleibt noch die Frage offen, warum Rüdiger Schäfer den Pfefferminztee ausgelassen hat?