Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2713

Im Wolkenmeer – von Christian Montillon – Handlung:

Der perfekte Jäger Leza Vlyoth hat in Erfahrung gebracht, dass der lunare Widerstand Interesse am Mare Nubium, dem Wolkenmeer, zeigt. Dort liegt das von den Tolocesten verwaltete Synapsenpriorat. Einem Mitglied dieses Volkes war Vlyoth nie begegnet. Vlyoth ersucht bei Fheyrbasd Hannacoy um Unterstützung, die ihm der Onryone nach einigem Zögern auch gewährt. Der Jäger hat beim gescheiterten Attentat auf den Administrator dem dabei verletzten Widerstandskämpfer Angh Pegola einen biogenen Sender in den Körper geschleust. Über die Signale der Sonde kann der Jäger Pegola aufspüren. Leza Vlyoth similiert den Körper eines Onryonen und baut im Mare Nubium eine Falle für den Widerstand auf. Als Shekval Genneryc von diesem Vorhaben erfährt, ist er verärgert. Leza Vlyoth ist sein Mann und es missfällt ihm, dass Hannacoy ihn erst spät in Kenntnis setzt.

Mit einem getarnten Fahrzeug, einem Mondwurm, fahren Pia Sipiera, Angh Pegola, Errest Coin, Fionn Kemeny, Shanda Sarmotte und Toufec zum Mare Nubium. Am 30. Juli 1514 NGZ erreicht die Gruppe ihr Ziel. Nanogenten Toufecs erkunden einen Schacht, der den Widerstandskämpfern einen Zutritt unterhalb des Wolkenmeers ermöglicht. Während Errest Coin im Fahrzeug zurückbleibt, durchstoßen die anderen die Technokruste. Shanda espert einige Onryonen und auch die Gedanken einer unbekannten Lebensform. Deren Gedanken sind zu fremd, als dass die Telepathin damit etwas anfangen kann.

Dem Jäger Leza Vlyoth ist das Eindringen der Gruppe nicht unbemerkt geblieben. Er legt einen Köder aus und schickt den Eindringlingen drei onryonische Techniker entgegen. Tatsächlich werden die Onryonen von den Eindringlingen überwältigt und verhört. Vlyoth verfolgt das Geschehen über eine Drohne und identifiziert die Mitglieder des Trupps. Lediglich Shanda Sarmotte ist ihm unbekannt. Die Techniker verweisen auf ihren Vorgesetzten, der mehr über die Vorgänge im Synapsenpriorat wüsste. Und genau diesen Vorgesetzten hat der Jäger similiert. Er wartet auf seine Beute.

Die Widerstandskämpfer wollen sich trennen. Mit Genehmigung von Pia Sipiera wird sich Angh Pegola von der Gruppe trennen und Sabotageakte durchführen. Die anderen dringen zum Vorgesetzten der onryonischen Techniker vor. In letzter Sekunde kann Shanda Sarmotte in den Gedanken des Gestaltwandlers lesen und erkennt die Falle. Da die Gruppe bereits zu tief in feindliches Gebiet vorgedrungen ist und von Soldaten und Kampfrobotern umringt ist, bleibt nur der sofortige Angriff auf den Gestaltwandler als Lösung. Leza Vlyoth wird vollkommen überrascht. Bei den folgenden Kämpfen wird er verletzt. Erst jetzt identifiziert er Shanda Sarmotte als Telepathin. Angh Pegola erreicht ein Hilferuf von Shanda und er greift mit Sprengkörpern in das Gefecht ein. Während die anderen fliehen, kann Pegola ihren Rückzug decken. Sein SERUN ist schwer beschädigt, dennoch kann sich der Widerstandskämpfer ebenfalls absetzen und dringt dabei unbeabsichtigt in eine Kernregion des Synapsenpriorats vor. Dort trifft Angh Pegola auf ein seltsames Wesen, das annähernd Humanoid geformt ist und von dessen kugelförmigen Kopf ein Leuchten ausgeht.

Leza Vlyoth hat seine Wunden behandeln lassen und folgt Angh Pegola, von dessen Körpersonde er nach wie vor Signale empfängt. Um sich vor der Telepathin zu schützen similiert er das Gehirn einer Spezies, die immun gegen Psikräfte ist. Pegola hat unterdessen über den Translator Kontakt zu dem Tolocesten aufgenommen, der sich als Bei dem Röntgenhaus vorstellt. Die Verständigung ist sehr schwierig, dennoch erfährt Pegola vom dem Wesen, dass er eine Körpersonde in sich trägt. Der Widerstandskämpfer richtet seine Waffe gegen sich selbst und zerstört die Sonde. Vlyoth verliert daraufhin den Kontakt. Shanda bekommt einen gerafften Funkspruch von Pegolas SERUN, mit dessen bis zu diesem Zeitpunkt gesammelten Informationen. Die Gruppe eilt Pegola zu Hilfe. Dort angekommen, erkennen sie, dass der Mann seine schweren Verletzungen kaum überleben wird. Fionn Kemeny kann sich mit Bei dem Röntgenhaus einige Zeit lang unterhalten. Trotz der Verständigungsschwierigkeiten bekommt der Wissenschaftler genügend Informationen, die seine eigenen Beobachtungen und Erkenntnisse bestätigen.

Das Synapsenpriorat dient als Triebwerk für ganz Luna. Über tausende Transpositoren kann der Mond Transitionen ausführen. Die Onryonen haben keine Ahnung von der Technik, sie verwalten sie nur. Mitten in diese überraschenden Erkenntnisse erfolgt der Angriff des Gestaltwandlers und onryonischen Soldaten. Pegola opfert sich, indem er alle Sprengkörper, die er noch bei sich hat, gleichzeitig zur Explosion bringt. Die anderen können entkommen und diskutieren die Frage, wohin die Besatzer den Mond bringen wollen.

Leza Vlyoth erwacht schwerstverletzt in einer Klinik. Shekval Genneryc besucht ihn und ist zornig darüber, dass das Transpositor-Netz in Gefahr gebracht wurde. Noch schlimmer als der Zorn des Mondbefehlshabers ist jedoch die Tatsache, dass Vlyoth seine similierte Gestalt nicht halten konnte und nun in seiner Ursprungsgestalt von Genneryc gesehen wird.

 

Rezension:

Da Christian Montillon nunmehr der Fraktion (d.i. übrigens die Mehrzahl von Fraktor) der Exposé-Autoren angehört, die maßgeblich die Zukunft des Perryversums beeinflussen, muss er sich natürlich gefallen lassen, dass man bei seinen Romanen etwas genauer hinsieht als bei den Werken der reinen Team-Autoren.

Die Handlung ist zwar recht einfach gestrickt aber flott geschrieben. In den zwei, drei geschilderten Kampfszenen hält sich der Autor erfreulicherweise mit blutrünstigen Darstellungen zurück. Obwohl Shanda und Toufec und auch die Anführerin des Widerstands vom Autor eingesetzt werden, steht ein anderes Mitglied des Widerstands, nämlich Angh Pegola, im Mittelpunkt der Geschichte. Die anderen Figuren bleiben zumeist blass. Oder um es anders auszudrücken, ein weiterer Toufec-Roman ohne Toufec. Es gibt ein paar moralische Diskussionen in der Geschichte. In der einen Szene geht es um die Behandlung, bzw. Tötung von Gefangenen, in der anderen Szene um die Entscheidung, ob ein einzelnes Leben mehr wiegt als weitere Erkenntnisse über die Technologie des Synapsenpriorats. Obwohl in beiden Szenen die Mitglieder der Gruppe ständig der Gefahr einer Entdeckung  ausgesetzt waren und der Autor somit zu schnellen Entscheidungen neigte, hätte gerade das Dilemma um den Erkenntnisgewinn oder der Rettung Pegolas noch ein bisschen mehr ausgebaut werden können.

Insgesamt bot der Roman nur Durchschnittskost. Ab dem Zeitpunkt, an dem der Widerstandstrupp die Falle des Gestaltwandlers erkennt und zum Gegenangriff übergeht, konnte der Roman gefallen. Die Aktionen lassen den etwas unausgegorenen Überbau in den Hintergrund treten. Die Geschichte litt allerdings ein wenig unter zahlreichen kleineren handwerklichen Fehlern. Sehr zum Glück oder zum Pech des Protagonisten Angh Pegola kennt der Autor nicht die Wirkungsweise eines Desintegrators. Der Figureneinsatz selbst ist ebenfalls unglücklich. Nimmt man Toufec die Flasche weg, kann man die Figur gleich mitentsorgen. Es ist sehr schade, welche „Entwicklung“ diese Figur seit Richard Dübells Roman genommen hat. Auch die Fähigkeiten von Shanda Sarmotte scheinen einen Down grade erfahren zu haben. Weshalb die Informationsextraktorin nicht auf die wirklich wichtigen Personen angesetzt wird, bleibt das Geheimnis der Autoren. Welcher Teufel den Autor geritten hat, die Widerstandskämpfer im Feindgebiet die Tarnung aufgeben zu lassen und sich offen zu zeigen, bleibt ebenfalls ein Geheimnis. Wahrscheinlich sollte dabei den Mondbefehlshabern lediglich die Identität von Toufec und Shanda preisgegeben werden. Weitere Aktionen, wie der geschilderte Einsatz, werden so unmöglich oder zumindest schwieriger gemacht.

Es tritt ein weiteres Volk auf, das im Dienst des Atopischen Tribunals steht und in einem Nebensatz versteckt der Autor die Information, das sich die Onryonen aus Sicht des Jaj in der Milchstraße nicht nur zu Hause fühlen, sie mochten hier gar zu Hause sein.

Obwohl die Lunarer eine sehr lange Zeit, nämlich nach ihrem Zeitablauf viele Jahrzehnte, mit den Onryonen verbracht haben, wird dieser Umstand von Montillon nicht genutzt, bzw. ist er nicht in der Lage, diesen Faktor ausreichend für seine Geschichte zu nutzen. Das beginnt damit, dass die Onryonen auch den Menschen auf Luna vollständig fremd sind. Es wäre verständlich, wenn das Gros der (zivilen) Bevölkerung, den Geschehnissen ohnmächtig und distanziert gegenüber geschildert wird. Dass auch die Widerstandkämpfer sich in allen Dingen arglos und uninteressiert zeigen, wird vom Autor nicht plausibel erklärt. In den ersten Heften des Zyklus sind diese Ungereimtheiten noch erklärbar gewesen. Denn zunächst mussten spannende Stories geschrieben werden, die den Schwerpunkt im Aufbau des Gegners hatten, da blieb für solche Feinheiten wenig Platz. Nun sind allerdings schon 14 Wochen ins Land gegangen und die Schilderungen des lunaren Widerstands hätten jetzt dringend auf eine solidere, sprich plausiblere Basis gestellt werden müssen. Da dieser Roman keine weiteren Ansätze bietet, ist zu befürchten, auch aus Kenntnis ähnlicher Entwicklungen früherer Zyklen, dass da nicht mehr viel kommen wird. Vor dem Durchgang durch den Schacht war Luna mit NATHAN und zahlreichen Raumschiffswerften sehr wahrscheinlich einer der größten Militärstützpunkte der Liga. Vor dem Hintergrund solcher Fakten sind die bisherigen Schilderungen, nicht nur dieses Romans, nicht nachvollziehbar.

Christian Montillon mag sich trösten, in diese Falle sind schon frühere Exposé-Autoren getappt und gescheitert. Auf der einen Seite mussten lange Zeitabläufe herhalten, um Änderungen, wie sie momentan beschrieben werden, nachvollziehbar gestalten zu können, auf der anderen Seite sind es ausgerechnet diese langen Zeitabläufe, die andere Ereignisse hingegen wenig durchdacht erscheinen lassen.

Eine letzte Anmerkung noch. Über die Gehirnumwandlung des Jägers ließe sich eine Menge schreiben. Montillon fand es sicherlich gut. Er dürfte der Einzige sein.

 


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