Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3401

Die Runen des Tartaros – Marie Erikson

Nach der Zerstörung des PHOENIX sind Perry Rhodan, Liam Barstow, Meg Ontares und Anzu Gotjian in einem Schacht mit zweieinhalb Kilometer Durchmesser gefangen, der sich auf Terra geöffnet und den Anzu den passenden Namen Tartaros verpasst hatte. Doch sie sind nicht die einzigen, die sich auf der Flucht befinden. An anderer Stelle wird der Kaneque Remmet-Pog von seinen eigenen Leuten, den Kanequa verfolgt. Remmet-Pog ist alt. Der Runenmacher kämpft gegen das Vergessen. Er hat ein Verbrechen begangen, indem er eine positronische Zeichenscheibe mit Runen beschriftet hat. Darauf steht der Tod und er muss die Scheibe vernichten. Er wirft sie in den Abgrund des Schachts. Remmet-Pog will den Fremden, die den Schacht geöffnet haben, helfen. Im Gegenzug sollen sie ihn gegen den Mundschenk und seinem Stellvertreter beistehen.

Perry Rhodan und seine Begleiterinnen beginnen den endlosen Abstieg. Auf einer nur zwei Meter breiten Rampe, die sich wie ein Gewinde an der Schachtinnenseite nach unten windet, ist jeder Fehltritt tödlich, da die Antigravs der SERUNS ausgefallen sind. Meg ist des ungewissen Schicksals ihres Verlobten Arion Mbinguni in Sorge. Dennoch kümmert sie sich um Liam, die den Verlust von Sky verarbeiten muss. Sie gibt der Ingenieurin das Probenröhrchen mit dem Kreidestaub. Sie hatte die Reste in der Station eingesammelt. Die Analyse ergibt, dass die Kreide im Grunde genommen aus Hyperkristallen und Nanomaschinchen besteht. Damit wird ein 2D-Entstoffllichungsfeld erzeugt. Eine Art Nanotransmitter. Wahrscheinlich kann man überall ein Portal schaffen, aber nur in der Nähe einer Gegenstation rematerialisieren. Perry Rhodan sieht eine Chance, damit Arion zu retten. Doch dazu müssten sie an Kreidestifte gelangen.

Die Gelegenheit dazu ergibt sich später. Mit den SERUN-Optiken erkennen die vier Wanderer einen Trupp bewaffneter Kanequa, die ihnen auf der Rampe entgegenkommen. Der Anführer trägt einen Gürtel mit mehreren Kreidestiften. Die vier Terraner bereiten sich auf eine Auseinandersetzung vor. Über den Schall, der zu ihnen getragen wird, können die SERUNS einzelne Fragmente übersetzen. Die Kanequa sind im Auftrag von Lillepen-Urn, dem Stellvertreter von Garrian-Zin, unterwegs. Sie verdächtigen die Fremden, den Mundschenk entführt zu haben. Rhodan setzt zunächst auf Diplomatie beim Aufeinandertreffen. Dennoch kommt es zum Kampf. Gegen die Paralysatoren haben die Kanequa allerdings keine Chance. Rhodan bemächtigt sich der Kreidestifte und sie entfernen sich von den paralysierten Wesen.

Etwas tiefer im Schacht versucht sich Rhodan an der Erschaffung eines Portals. Wird es geöffnet, können immer zwei Personen gelichzeitig durchgehen. Doch der Unsterbliche kann sich nicht mehr exakt an die Symbole erinnern, die er beim ersten Einsatz dieses Transportmittels gesehen hatte. Das Entstoffllichungsfeld entsteht nicht korrekt. Doch plötzlich erscheint Remmet-Pog. Er behauptet, dass die Runen von Rhodan korrekt seien, nur dass Rhodan nicht die Berechtigung hat, das Transportmittel einzusetzen. Remmet-Pog will den Fremden helfen. Was Rhodan nicht weiß, der Alte wurde auf seiner Flucht von Lillepen-Urn geschnappt und gegen das Versprechen, ihm die Fremden zuzuführen, freigelassen. Den vier Terranern bleibt nur, sich dem Alten anzuvertrauen.

Sie kommen in einer Halle mit der erwarteten Materialisierungsstation heraus. Die Anlage ist verlassen. Hier sollen Zaliden leben oder gelebt haben. Sie entdecken eine schematische Darstellung des Schachts. Entlang des Schachts gibt es Kavernen, die, glaubt man Remmet-Pog, Planetengröße erreichen. Remmet-Pog führt sie auf eine freie Fläche. Rhodan ist misstrauisch. Zu Recht, denn sie werden von Kanequa angegriffen. Diesmal sind sie in der Überzahl. Die Terraner werden überwältigt. Lillepen-Urn will von Perry Rhodan wissen, wo Garrian-Zin ist.

Rezension

Marie Erikson setzt die Abenteuer der kleinen Schicksalsgemeinschaft fort. Die Autorin setzt sehr stark auf eine Charakterdynamik. Vier Figuren, vier Schicksale. Sie versteht es, das Innenleben ihrer Protagonisten greifbar zu machen. Während Perry Rhodan physisch wie psychisch am wenigsten beeinträchtigt ist und glimpflich mit einer Schulterprellung davonkommt, wiegt die Last der drei weiblichen Hauptfiguren umso schwerer. Bei Anzu tickt die Uhr. Ihr verbleiben lediglich 18 Tage. Ihr von der Autorin meisterhaft inszenierter Galgenhumor dient als psychologischer Schutzschild, der im Laufe der Zeit auch die restliche Gruppe ansteckt und die düstere Atmosphäre auflockert. Dann ist da noch Liams Tragödie. Sie trauert um ihr Kind Sky, dessen Selbstopferung emotionale Spuren hinterlassen hat. Sky war eine künstliche Intelligenz, wurde aber von der gesamten Besatzung des PHOENIX als vollwertiges Besatzungsmitglied angesehen.

Und Meg leidet unter dem ungewissen Schicksal ihres Freundes. Hier zeigt sich ein kleiner Bruch in der Kontinuität zum vorherigen Band. Aus dem eigentlichen Auftakt ließ sich keineswegs ableiten, dass Arion die Station vor der finalen Zerstörung verlassen konnte. Die Autorin setzt dies nun jedoch als Prämisse voraus. Meg und den anderen ist bekannt, dass Arion im Zuge einer feierlichen Zeremonie die Rolle des Erretters einnehmen soll. Die Verhinderung dieser Zeremonie wird zur primären Mission des terranischen Quartetts.

Da der Roman als erster Teil eines Zweiteilers fungiert, greifen bekannte Strukturmuster. Die ganz großen Knalleffekte werden erwartungsgemäß für das Finale aufgespart. Das zeigt sich insbesondere an der Dynamik der Flucht. Einem ersten erfolgreichen Entkommen folgt prompt die unausweichliche Gefangennahme beim zweiten Versuch.

Ein narratives Highlight ist das psychologische Misstrauen, das sich zwischen den Terranern und ihrem vermeintlichen Retter Remmet-Pog aufbaut. Dass sich der Helfer letztlich als Handlanger entpuppt, ist ein starker Twist – den die Autorin jedoch ohne Not zu früh auflöst. Durch das frühzeitig eingeschobene Rückblende-Kapitel, das Remmet-Pogs Erpressung durch Lillepen-Urn zeigt, wird der Leser vorab informiert. Dem darauffolgenden Intrigenspiel innerhalb der Gruppe geht dadurch leider ein großes Stück des Mitfieber-Faktors verloren. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass der zweite Teil bezgl. der Gesinnung von Remmet-Pog noch eine Wende bekommt.

Zwar blieb der große Knalleffekt aus, dennoch schiebt die Autorin die im Auftaktband gemachten Aussagen, dass das angewandte metrische System im Schacht kein Zufall sein kann, noch etwas an. 2,5 Kilometer exakt durchmisst der Schacht. 200 Meter die Station. Und nun beschreibt die Autorin Graffiti in der Schachttiefe 2, an die sich Remmet-Pog erinnert. Die Bilder zeigen Wesen, die aussehen wie die Terraner.

Fazit: Marie Erikson liefert mit „Die Runen des Tartaros“ einen charakterstarken Zwischenschritt ab, der vor allem durch die emotionale Tiefe der Schicksalsgemeinschaft überzeugt. Kleinere Logiklöcher in der Kontinuität und ein handwerklich zu früh aufgelöster Plot-Twist dämpfen die Spannung etwas. Ein solider und atmosphärischer erster Teil, der Lust auf das Finale des Romandoppels macht.


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