Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3400

Der ewige Sturz – Christian Montillon

Seit den letzten Ereignissen um die Superintelligenz ES sind 10 Jahre vergangen. Das Jahr 2266 NGZ könnte einen revolutionären Technologiedurchbruch erleben. Der Wissenschaftler Arion Mbinguni hat einen Fiktivtransmitter entwickelt und will das Gerät der Öffentlichkeit bei einem ersten Versuch nach zahlreichen Simulationen vorstellen. Zuvor bekommt der Hyperphysiker, der mit Meg Ontares verlobt ist, Besuch von Perry Rhodan. Arions Forschungsstation liegt auf Terra. Den Gegenpart für das anstehende Experiment nimmt der PHOENIX ein, der im Orbit um den Planeten schwebt. Bevor Rhodan und Mbinguni an Bord gehen, müssen sie sich noch den Fragen einer Medienvertreterin stellen. Sarai Beranghi von Lepso ist keine einfache Gesprächspartnerin. Sie macht einen schnoddrigen Eindruck und ist provokativ. Die beiden Männer bringen das Gespräch hinter sich und wechseln per Transmitter an Bord des PHOENIX. Dort werden sie von Dr. Liam Barstow, Meg Ontares, Anzu Gotjian und Sky, der Bordintelligenz, empfangen. Anzu wurde aus ihrem Suspensionsalkoven geholt, weil die Energieversorgung des Gerätes während des Experimentes leiden könnte. Ihr bleiben 20 Tage Lebenszeit, wenn sie nicht wieder in Suspension zurückkehrt.

Dann beginnt das Experiment. Der Metadukt, so nennt Arion seinen Fiktivtransmitter, ist keine Kopie des Wycondergeräts an Bord. Das war nicht möglich. Dennoch ließ sich der Wissenschaftler von dem Geschenk der Wyconder inspirieren. Der Metadukt strahlt einen Metallwürfel in das Labor auf Terra. Danach bricht Chaos aus. Ein hyperenergetisches Feld liegt um den PHOENIX. Ebenso um den wycondrischen Fiktivtransmitter. Rhodan kann über die gleichfalls an Bord befindliche Truhe der Wyconder den Energieschirm abschalten, bei dem es sich um einen Diebstahlschutz handelt. Doch das Feld zieht sich zu einem Glutball zusammen und schlägt auf Terra im Meer ein. Dort entsteht ein exakt 2,5 Kilometer durchmessender Schacht, kreisrund aus Metall und unglaubliche 447.933 Kilometer tief. Ein fremder Funkspruch wird empfangen und aus dem Metadukt zuckt ein Überschlagblitz in Arion Mbinguni, der daraufhin entmaterialisiert. NATHAN entdeckt fremde Strangeness um den Schacht. Der PHOENIX scheint nicht betroffen. Als er sich den Schacht nähert, wird der SERUN von Arion entdeckt. Der Mann stürzt durch den Schacht nach unten. Der PHOENIX folgt ihm. Allerdings liegt bei 300 Kilometern pro Stunde eine Geschwindigkeitsgrenze, die das Raumschiff nicht überschreiten kann. Arion fällt mit gleicher Geschwindigkeit und kann nicht eingeholt werden. Die metrischen Einheiten, die gemessen werden, stellen ein Rätsel dar.

Ab einer Falltiefe von 890 Kilometern werden an der Schachtwand Artefakte entdeckt. Eine Leiter zu einer Plattform mit einer Ruine, dann überlebensgroße Zeichnungen unbekannter humanoider Personen. Bei 980 Kilometer Tiefe wird eine kugelförmige Station von exakt 200 Meter Durchmesser in der Mitte des Schachts entdeckt. Arion stürzt darauf zu. Dann wird er plötzlich abgebremst und schwebt durch ein Schott in das Innere der Station. Arion, der zunächst seinen Sturz miterlebte, dann vom SERUN sediert wurde, kann nicht erkennen, wer die Unbekannten sind, die ihn wegbringen. Perry, Anzu und Meg verschaffen sich Zugang zur Station. Funkanrufe bleiben unbeantwortet. SERUNS und Waffen sind in ihren Funktionen eingeschränkt. Ein Wesen, das Perry an einen Faun erinnert, feuert einen Pfeil auf sie ab. Dann tauchen auch Kampfroboter auf und das Team flieht durch die Station. Über den Kontakt zu Sky können schließlich erste Sprachaufzeichnungen bei Kontakt zu den Fremden übersetzt werden. Die faunhaften Wesen nennen sich Kanequa und offenbar soll Arion von ihnen geopfert werden. Anzu prägt für den Schacht den Namen Tartaros

Auf dem PHOENIX repariert Liam Barstow den Antrieb und den Metadukt. Doch plötzlich entstehen Portale auf dem ganzen Schiff und Kanequa dringen ein.

Die Flucht von Perry und seinen Begleiterinnen endet. Die Kanequa entwaffnen sie und sie treffen auf Garrian-Zin, der sich als Mundschenk des Erretters bezeichnet. Arion soll den Platz des Erretters einnehmen. Dann soll Dilial-Gor den PHOENIX zu seinem Streitwagen machen, die Galaktischen Herde entzünden und sobald diese brennen, wird Dilial-Gor mit ihnen das dunkle Auge neutralisieren. Damit meint er das zentrale Schwarze Loch der Milchstraße. Mit einer Art Kreidestück malt Garrian-Zin eine Tür auf eine Wand. Es bildet sich ein Portal zum PHOENIX. Die Kanequa entern das Schiff. Rhodan springt hinterher.

Der Terraner hat einen Plan. Er will Garrian-Zin oder noch schlimmer Dilial-Gor daran hindern, den Schacht zu verlassen. Die Station hält den Schacht offen und muss zerstört werden. Er gibt den Befehl an den PHOENIX per SHTP-Antrieb in die Station zu springen. Vorher werden Meg, Anzu, Liam und Perry per Metadukt auf einen Steg am Rand des Schachts abgestrahlt. Dann vergehen PHOENIX und Station in einer Explosion.

Rezension

Es gibt eine Konstante, die seit dem 08.09.1961 stets gleich bleibt. Jede Woche, d.h. seit 3400 Wochen, erscheint ein neuer Perry Rhodan-Roman. Seit 65 Jahren! Das bedeutet auch, dass 1 Woche nach dem Zyklusabschlussband nun der erste Roman des neuen Zyklus vorliegt. Geschrieben hat ihn Christian Montillon. Der, so verrät es der redaktionelle Innenteil des Jubiläumsheftes, mit dem Schreiben der Geschichte früh begann, um nicht in Zeitdruck zu geraten. Ein wenig allerdings, das wird meine Besprechung zeigen, hätte er sich vielleicht doch noch mehr Zeit nehmen sollen. Generell räume ich allerdings einem Auftaktband zu einem Zyklus einen Bonus ein. Diese Hefte sollen Altleser begeistern, neue Leser nicht abschrecken, in eine neue Handlung einführen, dabei ebenso als Überleitung der davor liegenden Handlung dienen und einiges mehr. Das ist nicht einfach. Ich lege daher einen nicht so strengen Maßstab an. Dennoch sind mir einige Textstellen aufgefallen, die ich näher beleuchten möchte.

Zunächst macht Christian Montillon alles „richtig“, indem er auf einen überschaubaren Figureneinsatz setzt. Neben dem Namensgeber der Serie sind mit Liam Barstow und Meg Ontares zwei geerdete Figuren dabei. Die schon im Vorgängerzyklus die Rolle als Stellvertreter des Lesers eingenommen haben und die Normalität repräsentieren. Für Neuleser nehmen diese Figuren die gleiche Rolle ein. Anhand dieser Figuren wird das Außergewöhnliche der Perry Rhodan-Welt greifbarer. Anzu Gotjian ist den Altlesern als zynische Kommentatorin bekannt und kehrt in dieser Rolle zurück. Das Geschehen wird von ihr mit Vernunft, aber oft auch mit bissigem Spott kommentiert. Sie ist diejenige, die Regeln bricht, Autoritäten hinterfragt und die Ernsthaftigkeit des Protagonisten durch Spott, Streiche oder ironische Bemerkungen ins Wanken bringt. Vom Wissenschaftler Arion Mbinguni erfahren wir nicht sehr viel. Seine Vita beschränkt sich auf den Begriff „genial“ und seine Verbundenheit zu Meg Ontares.

Ich denke, dass neue Leser mit allen Figuren schnell zurechtkommen. Der Autor hat sich jedoch den einen oder anderen Fallstrick, über den man beim Einsatz dieser Figuren stolpern kann, selbst gelegt. Er weckt Anzu Gotjian auf, weil die Energieversorgung ihres Suspensionsalkoven durch das Experiment nicht sichergestellt werden kann. Da ihr aufgrund fehlender Zelldusche nur 20 Tage bleiben, wäre es logisch gewesen, sie, bzw. den Suspensionsalkoven, in dem sie entstofflicht liegt, von Bord zu nehmen. Der Autor will sie jedoch „dabei“ haben. Entweder, um ihr Problem mit der Vitalenergie nun endlich mal anzugehen oder sie zu opfern. Zunächst opfert er sie jedoch der Dramaturgie wegen.

Ebenfalls der Dramaturgie geschuldet ist der erste „echte“ Versuch des eigenentwickelten Fiktivtransmitters. Und dann noch vor den Augen der Öffentlichkeit! Normalerweise sollten bereits einige hundert echte Versuche im Labor stattgefunden haben, bevor man dies live überträgt. Und Simulationen stehen ganz am Anfang, ob es sich überhaupt lohnt, einen Versuchsaufbau anzugehen.

Überhaupt ist der Autor, was Fiktivtransmitter angeht, zum Romanende hin etwas ins Schlingern geraten. Liam Barstow repariert den Metadukt, um darüber mit denen in der Station Eingeschlossenen zu kommunizieren. Warum benutzt sie nicht den Fiktivtransmitter der Wyconder? Das Gerät stand zwar in Wechselwirkung zum Metadukt, von einer Beschädigung hat der Autor aber nichts erwähnt.

Nun muss ich noch etwas zu Arion erwähnen. Sind die o.a. genannten Punkte zu verschmerzen, dann gilt dies nicht für das Figurenschicksal des Wissenschaftlers. Denn Christian Montillon „vergisst“ Arion in seiner Geschichte ab einem bestimmten Zeitpunkt. Arion muss befreit werden, so wird ein Ziel definiert. Außerdem soll Dilial-Gor daran gehindert werden, den Schacht zu verlassen. Die Station hält den Schacht offen. Wird sie zerstört, ist das zweite Ziel erreicht. Doch auf Kosten des ersten Ziels. Daran denkt Christian Montillon, bzw. Rhodan nicht. Rhodan denkt auch nicht daran, sich mit Liam in Kontakt zu setzen, nachdem er zurück auf dem PHOENIX ist. Dabei stehen beide in Kontakt zu Sky. Sie könnten ihre Operationen koordinieren. Tun sie jedoch nicht. Erst als Sky die beiden darauf aufmerksam macht, offenbart Rhodan seinen Plan zur Zerstörung der Station. Und erhält von keiner Seite Widerspruch zu Arion. Hier fehlt einfach eine Aussage in der Geschichte.

Im redaktionellen Innenteil äußert sich Ben Calvin Hary zu den Inhalten des Zyklus. Er will auf dem Boden bleiben. Vergleicht man den 1,5 Lichtsekunden tiefen Schacht mit dem im letzten Zyklus beschriebenen Gigantismus, dann erscheint der Auftakt im direkten Vergleich tatsächlich bodenständig. Auch wenn der Schacht keinen Boden hat. Ich würde es begrüßen, wenn die Autoren auch mal kleinere Brötchen backen würden.

Abgesehen vom ungewissen, bzw. nicht beschriebenen Schicksal des Wissenschaftlers stehen die Charaktere im Vordergrund. Stil und Atmosphäre des ersten Bandes des Chroniden-Zyklus sind gelungen.


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