Wanderer gegen ES – Olaf Brill
Wanderer befindet sich auf Kollisionskurs mit der Erde. Deren Bewohner unterliegen nach wie vor dem PIAD, dem Psionisch Induzierten Aufmerksamkeits-Defizit. Doch nun kommen auch noch Zeitphänomene hinzu. Mancherorts scheint die Zeit schneller oder langsamer zu vergehen. Die Kunstwelt unterliegt erratischen Beschleunigungsschüben. NATHAN kann den Zeitpunkt der Kollision daher nicht exakt bestimmen. Der Gute Geist Terras mobilisiert Raumschiffe, die die Auswirkungen der sich nähernden Massen mildern sollen. Sonden, die zu Wanderer geschickt werden, scheitern an einer unsichtbaren Barriere. Funksprüche werden nicht beantwortet. Perry Rhodan kann auch Shinae und Toio Zindher nicht kontakten.
An Bord der SHIKARI entwickelt Sichu Dorksteiger einen riskanten Plan. Die Wissenschaftlerin hat entdeckt, dass Wanderer nicht alle Materie ablenkt, sondern Kleinstteile passieren lässt. Zwar ist eine Raumlinse eigentlich viel zu groß, doch die Ator geht das Risiko ein und nähert sich der Scheibenwelt mit dem kleinen Gefährt. Doch auch sie wird abgelenkt. Die Wissenschaftlerin vermutet, dass es ausgerechnet die Nanoroboter in ihrem Körper waren, die abgewehrt wurden.
Nun wendet sich Perry Rhodan mit einer längeren Rede an Wanderer. Darin begründet er das tiefe persönliche Verhältnis zur Scheibenwelt. Wanderer ist nicht überzeugt, dass es der echte Perry Rhodan ist, erteilt aber eine Besuchserlaubnis per Transmitter. Rhodan materialisiert in Ambur-Karbush. Er trifft dort Vogel Ziellos und Lua Virtanen. Sie bringen sich gegenseitig auf den Stand der Dinge und Rhodan erfährt so von den Veränderungen auf Wanderer. Shinae und Toio Zindher stoßen dazu. Die Maschinenintelligenz bleibt lange stumm. Dann erscheint Pseudo-Homunk. Nach einer Überprüfung räumt der Androide ein, es mit Perry Rhodan zu tun zu haben. Doch auf ES angesprochen, bleibt Wanderer dabei: ES ist nicht mehr ES. ES ist noch immer in der temporalen Verwirrung gefangen, die es vor über tausend Jahren ergriffen hat. Wanderer folgt einer Handlungsrichtlinie, die ES selbst in seinem Testament erlassen hat. Als Beweis führt Homunk die temporalen Verwirrungen an, die auf Terra auftreten. Rhodans Einwand, dass die temporalen Effekte erst mit dem Erscheinen Wanderers auftreten, werden nicht anerkannt. Dabei scheint klar, dass es eine Wechselwirkung geben muss.
Der Unsterbliche ist überzeugt, dass das Medaillon der Legaten, das Cassandra gehört hat und nun im Keller seines Hauses lagert, mit Wanderer interagiert. Als Vogel Ziellos sich gegenüber der abwehrenden Haltung des Maschinenwesens sich zu sehr ereifert, geht Wanderer gegen die Gruppe vor. Lua stellt sich als Geisel zur Verfügung, damit Rhodan zur Erde zurückkehren kann. Derweil versuchen die anderen auf Wanderer Chaos zu stiften. Nach anfänglichem Erfolg schreitet Pseudo-Homunk ein. Lua und Vogel müssen auf Wanderer bleiben, aber Shinae und Toio dürfen die Kunstwelt verlassen. Rhodan begegnet dem Roboter X-7. Der hilft dem Terraner, indem er ihn zu einem Käfigtransmitter bringt und ihm den Zugangscode verrät. Rhodan kehrt nach Terra zurück.
Dort, in Terrania, im Stadtviertel Garnaru, sucht Sichu Dorksteiger das Haus in der Upper West Garnaru Road 746 auf, das alte Haus von Perry Rhodan, das sie auch als das eigene betrachtet. Sie wird von Antonya Bancroft und Wirna begleitet. Im inneren des Hauses stellen die drei Frauen fest, dass es Zonen mit unterschiedlichen Zeitabläufen gibt. Das Zentrum der Zeitfelder liegt im Keller des Hauses. Nun trifft auch Perry Rhodan ein. Sichu schickt nach Flint Cole. Schließlich ist das Medaillon auf ihn geeicht worden.
Rezension
Ich habe den Roman im Urlaub gelesen. Ich hatte mich auf die Spuren von Odysseus begeben und die ionischen Inseln in Griechenland besucht und u.a. Ithaka erwandert. Zwischen der griechischen Heldenfigur und dem Helden unserer Romanheftserie gibt es verblüffend viele archetypische Gemeinsamkeiten. Odysseus bereist das damals bekannte, aber sagenumwobene Mittelmeer, verirrt sich in mythologischen Welten und versucht, nach Hause zurückzukehren. Perry Rhodan bricht ebenfalls in das große Unbekannte (den Weltraum) auf. In der Serie gibt es sogar dezidierte Handlungsstränge, die dieses Motiv direkt aufgreifen (wie die Miniserie Perry Rhodan: Odyssee, in der Rhodan und seine Gefährten eine Milliarde Jahre in die Zukunft verschleppt werden und den Heimweg suchen).
Klassische Helden wie Achilles oder Herakles definierten sich primär über schiere Körperkraft und Kampfwut. Odysseus und Perry Rhodan brechen mit diesem Muster. Odysseus ist berühmt für seine Klugheit, List und geistige Flexibilität. Er besiegt den Zyklopen Polyphem nicht im Zweikampf, sondern durch Täuschung, und erfindet das Trojanische Pferd. Perry Rhodan wird als „Sofortumschalter“ charakterisiert. Seine größte Stärke ist es, sich blitzschnell an völlig veränderte, kosmische Situationen anzupassen und Probleme logisch und diplomatisch zu lösen, statt blind loszuschlagen.
Beide Figuren nehmen die Rolle des Anführers ein. Interessant ist auch, dass beide zum Spielball höherer Mächte werden. Odysseus wird von der Göttin Athene beschützt, während ihm der Meeresgott Poseidon grollt und seine Heimkehr sabotiert. Perry Rhodan bewegt sich in einem Kosmos, der von kosmischen Mächten gelenkt wird. Die Superintelligenz ES ist sein Mentor. Andere Hohe Mächte grollen ihm.
Beide verfolgen das Ziel einer Wiederherstellung der Ordnung. Perry Rhodan kehrt vom Mond zurück und begründet die Dritte Macht. Später folgen weitere ähnliche Taten. Odysseus’ Ziel ist die Wiederherstellung der Ordnung in seiner Heimat Ithaka, nachdem die Freier sein Haus belagert haben. Zusammenfassend lässt sich sagen: Perry Rhodan ist im Grunde ein moderner Odysseus des Weltraumzeitalters. Er transformiert den antiken Entdecker- und Überlebensgeist in die unendlichen Weiten der Science-Fiction.
Olaf Brill setzt den zuletzt eingeschlagenen Kurs der Konfrontation, die einem Höhepunkt zustrebt, fort. Der Roman ist flott geschrieben. Die Aktionen auf Wanderer von Perry Rhodans Begleitern, erscheinen mir nicht ganz so durchdacht. Auch Sichus Plan ist eigentlich ziemlich dämlich. Die Erklärung mit den Nanorobotern ist an den Haaren herbeigezogen. Die Begegnung mit X-7 ist eine Reminiszenz an ähnliche Gesellen, die die Serie im Laufe der Jahrzehnte bevölkerten. Insgesamt betrachtet bot der Roman eine kurzweilige Unterhaltung.

