Upper West Garnaru Road – Wim Vandemaan
Upper West Garnaru Road Nr. 746 ist das Haus von Perry Rhodan. Der Unsterbliche hat das Haus, das ursprünglich die Botschaft der Galkiden beherbergte, vor ewigen Zeiten angemietet. Diverse Leihgaben aus früherer Zeit lagern noch immer im Keller des Hauses. Ebenso die zahlreichen Souvenirs, die Perry Rhodan im Laufe seiner Jahre zusammengetragen hat. Kasimier Starlek ist der Haushüter des Anwesens. Er genießt weitgehende Privilegien. So lässt er schon mal Gäste, wie die Galkidin Bostru Sidhurnev, ins Haus, die dann und wann schon mal Leihgaben mitnimmt. Unterstützung findet der Haussitter im Roboter Thonhauser. Die uralte Maschine hat Rhodan, als er das Haus bezog, ebenfalls übernommen.
In der Gegenwart des Jahres 2257 NGZ steht das Haus im Mittelpunkt der Geschehnisse. Sichu Dorksteiger, Antonya Bancroft, Wirna und Perry Rhodan vermuten hier das Zentrum der Zeitanomalien. Ausgehend vom Medaillon der Legaten, das Cassandra gehört hat und nun im Keller des Hauses lagert. Die vier warten auf Flint Cole, auf dem das Artefakt geprägt wurde. Statt Cole erscheint Carisma Präauer. Die Wissenschaftlerin des HZI ist eine Koryphäe im Fachbereich der Chronodynamik und wurde von Sichu Dorksteiger angefordert. Sie bringt zwei Roboter mit, František und Blinkmaster. Blinkmaster dringt in das Zeitfeld ein und durchsucht den Keller. Die Kommunikation über die Zeitbarriere hinweg erfolgt durch Lichtsignale. Die Sonden, die zuvor eingesetzt wurden, sind zerstört. Blinkmaster entdeckt einen Fremden. Das Wesen hat einen s-förmig gekrümmten Körper und erscheint verwahrlost. Als Blinkmaster auf Rhodans Befehl hin einen Kontaktversuch macht, wird der Roboter zerstört.
Dann trifft auch Flint Cole in Begleitung zweier Sicherheitsmänner ein. Rhodan entscheidet, zunächst mit einem kleinen Team ins Zeitfeld vorzudringen. Er nimmt Tony, Wirna und František mit. 16 Minuten im Zeitfeld bedeuten für die zurückgebliebenen Personen außerhalb gerade mal 3 Sekunden. Rhodan stellt fest, dass einige Vitrinen aufgebrochen wurden. U.a. fehlt eine MAC-12M, eine Projektilwaffe. Als sie die mitgebrachten Strahler testen, versagen die modernen Waffen. Sie haben kaum noch Energieleistung. Rhodan und seine Begleiterinnen rüsten sich mit Bogen und Pfeilen aus, die der Hausherr ebenfalls im Keller lagert.
Der Tresor, in dem das Medaillon lagert, ist von innen aufgebrochen worden. Das Artefakt ist jedoch noch da. Regenbogenfarbene Blitze umzucken es. František meldet, dass sich der Fremde nähert. Rhodan will das Medaillon zerstören. Doch das reagiert ungewöhnlich. Es sendet eine Holobotschaft von Atlan aus. Der Arkonide berichtet, dass die Vernichtung von ES im Interesse der Legaten des Ahnentums gewesen sei. Cassandra hat die Wiedervereinigung der Triade in deren Auftrag vorangetrieben. Der ES-Botschafter Ignul Dom, der an der ursprünglichen Trennung der Triade vor mehr als fünfzigtausend Jahren beteiligt war, war ein Kol Mani, und die von diesen abstammenden Kollmanen sind eine treibende Kraft hinter den Legaten. Sie waren es, die Cassandra den Tipp gegeben haben, weil das, was in der Yodor-Sphäre wiederentstanden wäre, unter Umständen nicht ES geworden wäre. Den Legaten war das Risiko zu groß.
Perry Rhodan sind die Äußerungen Atlans zu vage, zu spekulativ. Der Terraner ist misstrauisch. Erst recht, als Atlan berichtet, dass er die Legaten davon überzeugt haben will, die Feindseligkeiten gegen das Elysion einzustellen. Und er jetzt ein Legat sei. Niemand soll nach ihm suchen. Mindestens ein Jahrzehnt lang nicht. Das wären nach dem in Andromeda herrschenden Zeitablauf 1000 Jahre.
Mehr Zeit, um über Atlans Botschaft nachzudenken, bleibt nicht. Denn der Fremde erscheint und geht zum Angriff über. Er verströmt einen essigartigen, zugleich süßlich-fauligen Geruch. Die Feuermutantin Wirna kann ihn nicht erfassen. Es kommt zum Kampf. Der Fremde lässt sich doch auf ein paar Äußerungen ein. Er nennt sich Teblarhon. Er wurde von seinem Willenspartner getrennt. Rhodan übermittelt eine Botschaft an Sichu.
Die Ator dringt mit Flint Cole und den beiden Sicherheitsleuten in den Keller vor. Sie werden beinahe unmittelbar von Teblarhon angegriffen. František rettet Sichus Leben. Der Fremde bedrängt Cole. In ihm sieht er seinen Willenspartner. Sichu bringt Teblarhon dazu, das Zeitfeld abzuschalten. Der Fremde sickert in Coles Körper ein, der daraufhin spurlos verschwindet. Wanderer lässt sich trotz Erlöschen der Zeitanomalien nicht vom Kollisionskurs abbringen. Da erscheint Reginald Bull, der eine Idee hat, wie die Lage zu lösen ist.
Rezension
Um die Geschichte richtig einsortieren zu können, bzw. zu werten, müsste man wissen, welche darin geschilderten Elemente diesem oder dem nächsten Zyklus zuzuweisen sind. Generell ist es seit Uwe Anton als Exposé-Autor tätig war, so, dass Handlungselemente zyklenübergreifend angelegt werden. Das haben sowohl Wim Vandemaan selbst als auch seit Band 3300 Ben Calvin Hary so fortgeführt. Dieser vorletzte Band jedoch soll die Figuren in Stellung für das große Finale bringen. Und tatsächlich tappe ich im Dunkel, inwieweit wir in der Perry Rhodan-Serie so etwas wie ein „großes Finale“ überhaupt noch mal bekommen werden.
In dieser Geschichte von Wim Vandemaan wird die aktuelle Bedrohung thematisiert, ohne sie jedoch zu lösen oder in irgendeiner Form lösbar zu machen. Weiterhin scheint der Autor eher in den nachfolgenden Zyklus „investiert“ zu haben. Und schließlich schwelgt er in weit zurückliegenden Zyklen. Das Motiv dieser „Erinnerungen“ liegt auf der Hand. Jeder, der Andenken im Keller oder sonstwo in der Wohnung lagert, kennt das. Man greift sich ein Stück und schon begibt man sich auf Zeitreise in die Vergangenheit. Ein schöner Anlass und vom Autor natürlich mit großartigen Worten eingefangen.
Insofern, und ohne eben die Zyklusplanung zu kennen, stellt diese Geschichte einen Mix aus interessanten Elementen dar. Allerdings ohne die notwendige Fokussierung auf den bevorstehenden Zyklusabschlussband. Die typischen Konventionen eines Heftromans zu diesem Zeitpunkt einer Serie werden vom Autor ausgehebelt. Das dürfte einmal mehr die Leserschaft polarisieren.
Sinnbildlich, detailverliebt und voller feiner Nuancen kommt seine Geschichte daher. Er erzeugt dichte atmosphärische Stimmungsbilder. Mir gefällt das. Wie gesagt, wenn eh kein „Finale“ erwartet werden kann, dann kann dieser Roman gefallen. Auch wenn die Perspektive des kleinen Mannes, hier des Haussitters, schon ein wenig ablenkte. Überraschend wird eine Figur von ihm in den Ring geworfen, deren Pendant uns in Malora schon begegnet ist. Das hatte etwas Mysteriöses, erzeugte aber Spannung dadurch, wie diese Geschehen zusammenhängen
Wims Geschichte zeigt Mut zur Langsamkeit. Die intensive Atmosphäre ist ihm wichtiger als die eigentliche Serienhandlung. Diese wird hier (vorletzter Band!) nur minimal vorangetrieben.
Fazit: „Ein typischer Vandemaan: Sprachlich ein Genuss, wer jedoch ein rasantes Abenteuer mit schnellen Antworten sucht, wird durch die bewusste Entschleunigung auf eine Geduldsprobe gestellt.“

