Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3396

Die Rebellen von Wanderer – Stefan Pannor

Perry Rhodan ist auf Terra und hilft, wo er nur kann. Der Unsterbliche will noch immer nicht gegen ES vorgehen, obwohl der Vorschlag von Flint Cole auf dem Tisch liegt, der vorsieht, dass Rhodan ES tötet. Doch selbst, wenn Rhodan dies wollte, fehlt ihm das Instrument dazu. Der ÜBSEF-Kollektor ist bei seiner letzten Mission vernichtet worden. Bleibt nur, ES irgendwie aus dem Solsystem zu schaffen. Dafür benötigt man einen Anker. Der könnte die verwaiste Kunstwelt Wanderer sein. Mit Shinae und Toio Zindher sind zwei ES-Hüterinnen auf die Suche gegangen. Ihnen wurde der Schlachtkreuzer ANGULAR zur Verfügung gestellt. Die Suche beginnen die beiden Frauen auf dem ehemaligen Kurs Wanderers, der in der Milchstraße in 2 Millionen Jahren einen elliptischen Kurs verfolgt. Allerdings hat es immer wieder Einflüsse gegeben, die auf den Kurs und den zeitlichen Ablauf des Fluges eingewirkt haben. Niemand kann daher berechnen, wo sich der Planet, sofern er auf seiner alten Bahn ist, aktuell befindet.

Eine monatelange Suche liegt hinter den beiden Frauen, als sich endlich ein Hinweis auftut. Abseits der vermuteten Bahn erhält die Vitaltelepathin Toio den Eindruck einer Präsenz. So, als ob ES auf einem nahegelegenen Planeten einst gewirkt haben könnte. Mutter und Tochter sehen sich auf Zermongul um. Von der einheimischen, primitiv anmutenden, Bevölkerung werden sie nur ungern empfangen. Es stellt sich heraus, dass diese Wesen vor langer Zeit wohl als Hilfsvolk für die Superintelligenz dienten. Und dass sie vor einiger Zeit eine Art Geschenk erhalten haben. Einen Gegenstand von der Kunstwelt, die von den „Erschaffern“ übergeben wurde. Als Toio und Shinae den Gegenstand berühren, haben sie eine flüchtige mentale Wahrnehmung, die Wanderer zeigt.

Die ANGULAR kann weitere Welten entdecken, teils noch bewohnt, teils verlassen oder verwüstet, die einen Bezug zu Wanderer hatten. Schließlich kann die Kunstwelt selbst entdeckt werden. Doch der Empfang ist wenig herzlich. Toio und Shinae wird der Anflug auf Wanderer verweigert. Die Stimme von Wanderer nennt sich der Unbekannte. Dann jedoch melden sich Lua Virtanen und Vogel Ziellos. Die beiden Navigatoren von Wanderer berichten, dass die Situation auf dem Planeten kompliziert sei. Mit einem Schiff holen sie Toio und Shinae ab. Die Kunstwelt hat sich stark verändert. Die Maschinenstadt scheint kleiner zu sein. Der Planet ist grüner und wilder geworden. Die Besucherinnen werden zu einer kleinen Insel gebracht. Hier befinden sich Lua und Vogel in einem Exil.

Die beiden berichten, dass sie sich auf der Kunstwelt nach einiger Zeit zu langweilen begannen. Als das insektoide Volk der Chit’axer auf ihrer Heimatwelt in eine Katastrophe schlitterte, freuten sich die beiden Navigatoren auf eine Abwechslung und retteten einige Bewohner, die sie auf einer Insel der Kunstwelt ansiedelten. In der Folge betätigten sich Lua und Vogel als Retter in der Not. Zudem begannen sie damit, Wanderer umzustylen. Vor allem Lua siedelte Tiere und Pflanzen an. Damit begannen die Probleme, denn die Roboter Wanderers waren gegen die Eingriffe. Zunächst verzögerten sie nur ihre Mitarbeit. Schließlich wanden sie sich strikt gegen Luas Eingriffe. Wanderer entwickelte ein eigenes Herz. Lua und Vogel wurden ins Exil gedrängt.

Auf Terra kommt Perry Rhodan in Kontakt zum Konzept Worja Dassun. Das Konzept kann eine 6D-Verbindung zu Wanderer herstellen. Auf der Insel der Kunstwelt manifestiert sich Dassun in einem Chit’axer. Er kommt gerade rechtzeitig, denn Roboter der Maschinenstadt greifen die Insel an. Mit einer List können die ES-Hüterinnen und die Navigatoren zusammen mit Dassun in die Maschinenstadt gelangen. Ein Android, der entfernt Homunk ähnelt, nimmt sich der ungeliebten Besucher an. Dassun erzielt ein Abkommen mit Pseudo-Homunk, der die Besucher in die Katakomben der Stadt zum Tempodis-Antrieb Wanderers führt. Damit will man ins Solsystem fliegen. Die „Mitroboter“ Pseudo-Homunks sind damit gar nicht einverstanden, können es aber nicht verhindern. Der Flug wird 870.000 Jahre dauern. Lua und Vogel bleiben auf der Kunstwelt. Außerhalb Wanderers wird nur 1 Tag vergehen. Toio und Lua hingegen wollen sich nicht in Stasis begeben. Sie kehren auf die ANGULAR zurück.

Im Solsystem bekommt Perry Rhodan von NATHAN eine frohe Botschaft. Wanderer taucht zwischen Erde und Mars auf. Die Freude währt nicht lange. Die Verbindung zu NATHAN erlischt. Die Stimme von Wanderer ertönt. Sie teilt mit, dass die SI, die im Solsystem gestrandet ist, nicht ES ist. Der Zugriff auf Wanderer muss verhindert werden. Wanderer geht auf Kollisionskurs mit der Erde.

Rezension

„Es ist kompliziert“ – um eine Floskel aus der Geschichte von Autor Stefan Pannor aufzugreifen. Band 3396 der Perry Rhodan-Serie hinterlässt einen unrunden Eindruck. Der Roman kämpft mit erzählerischen Längen und nimmt sich an einigen Stellen spürbare Freiheiten im Umgang mit der etablierten Serienhistorie.

Der Roman greift spürbar auf Hinhaltetaktiken zurück. Zwar sind verzögerte Spannungsbögen in einer wöchentlichen Heftromanserie kein Fremdwort, hier schwächen sie jedoch die Dialoge und strapazieren die Geduld beim Lesen. Die Situationen, in die Stefan Pannor seine Figuren Shinae und Toio wirft, sind zwar theoretisch schwierig, doch der Text vermittelt die Brisanz nicht. Statt Konflikte durch Handlungen oder greifbare Emotionen zu transportieren, werden die Umstände lediglich behauptet. Der ständige Wechsel zwischen den Dialogen, Shinaes Gedankenwelt, den visuellen Beschreibungen und den Beobachtungen ihrer Mutter Toio lässt zudem kaum einen flüssigen Erzählfluss aufkommen.

Besonders die Charakterzeichnung wirkt streckenweise hölzern. Toio, die Gefährtin von Reginald Bull, bleibt blass. Ihre Emotionen erschöpfen sich in simplen Wutausbrüchen. Auch die Protagonistin Shinae besticht eher durch eine flache Gedankenwelt. Zwar nachvollziehbar, aber ohne echte Tiefe. Vollends holprig wird es jedoch bei etablierten Figuren, deren Verhalten hier arg gedehnt wird.

Wenn Antonia Bancroft auf den ersten Seiten behauptet, die Superintelligenz ES sei zu den Chaotarchen übergelaufen, schweigt Perry Rhodan dazu. Angesichts früherer Vergleiche zur negativen SI Seth-Apophis hätte der Unsterbliche hier durchaus die völlig anderen Umstände klarstellen müssen.

Das Cole-Paradoxon: Noch ungewohnter wirkt die Szene, als Flint Cole in Handfesseln eine Besprechung übernimmt. Dem unsterblichen Terraner wird hier der Gedanke in den Kopf gelegt, Cole sei bloß ein sympathischer „Filou“ und im Raum allseits beliebt. Das verträgt sich nur schwer mit Coles Historie und Rhodans gewohntem Wesen.

Das Wanderer-Problem: Ein ehemaliger Expokrat der Serie betonte einst, dass es einen wirklich triftigen Grund geben muss, wenn man solch herausragende Monumente der Seriengeschichte zurückbringt. Die Kunstwelt Wanderer ist ein solches Element. Stefan Pannor setzt zwar die erwarteten Versatzstücke dieser Welt formal richtig ein, doch es fehlt das tiefere Gespür für dieses ganz besondere Universum. Alles wirkt etwas unpersönlich, und diese Geschichte verleiht Wanderer leider keinerlei neue Zugkraft.

Fazit: Am Ende bleibt vor allem Enttäuschung zurück. Diese Geschichte schafft es leider nicht, der legendären Scheibenwelt Wanderer ihr einzigartiges Flair zurückzugeben. Wo eigentlich Faszination und Ehrfurcht entstehen sollten, hinterlässt der Roman eine spürbare Leere, zu blasse Figuren und ein tiefes Befremden über das ungewohnte Verhalten von Perry Rhodan selbst. Das atmosphärische Potenzial wird nicht ausgeschöpft.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter: