Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3395

Lügen und Legenden – Kai Hirdt

Die Situation in Malora hat sich auch nach Ankunft der Technowolke vor dem Siegel der Portuu, das die ganze Galaxis einschließt, nicht verbessert. Denn die Portuu weigern sich, eine Lücke für eine Kommunikation zwischen dem Sternwürfel und der Technowolke zu schalten. Technisch wäre es kein Problem, aber sie wollen kein Risiko eingehen. Damit ist ihr humanoider Ableger, der sich mit Liam Barstow in 5-5-5 aufhält, weit davon entfernt, die Probleme zu lösen. Nämlich die Trassenmacher zu vernichten. Und zwar endgültig. Denn solange es den Eremiten gibt, besteht die Gefahr einer erneuten Aktivierung der gefräßigen Roboter.

Liam Barstow sucht zudem nach einer Möglichkeit, Partikel des Eremiten in die Hand zu bekommen, um sie zu untersuchen. Was nicht ganz einfach ist, denn die Kluft zwischen den Leun und den Portuu vertieft sich, seit die Portuu angefangen haben, intelligente Trassenmacher zu vernichten, obwohl diese Verhandlungen angeboten haben. Doch könnte das auch eine Falle gewesen sein und der Eremit hatte die ganze Zeit die Kontrolle über die entarteten Trassenmacher. Reginald Bull versucht sich in Diplomatie, um die Portuu wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Doch erst ein Trick des Unsterblichen zwingt Uedim wieder zurück zu Gesprächen.

Liam Barstow hat unterdessen den Verdacht, dass ihr die Legende etwas verschweigt. Die Kommunikation mit der Technowolke wird inzwischen über Lichtsignale bewerkstelligt. Sie hat dem Problemlöser die Aufgaben gestellt, wie sie gegen den Willen der Portuu eine sechsdimensionale Verbindung herstellen können und wie man herausfindet, ob die Trassenmacher beseelt sind. Falls sie es nicht sind, wie zerstört man sie? Die Antworten lassen auf sich warten. Da sie den Licht-Code seinerzeit beim ersten Kontakt mit der Wolke noch kennt, analysiert sie selbst die Antworten, die sie sonst über die Legende erhalten hätte. Die Versuchsanordnungen, die sie geschaffen haben, würden dazu führen, dass nicht nur der Stellare Hauch des Siegels aufgelöst würde, um eine Kommunikation zu ermöglichen. Denn es würde auch eine Kettenreaktion in Gang gesetzt werden, die sämtlichen Stellaren Hauch deflagrieren lässt. Die Zivilisation der Portuu würden überall zerstört werden! Die Leun kümmert das wenig. Lokale Ursachen mit universalen Auswirkungen widersprechen jeder Wahrscheinlichkeit, ist deren Ansicht.

Reginald Bull ist es gelungen, ein Fragment des Eremiten aufzuspüren und es nach 5-5-5 zu Liam Barstow zu bringen. Die Ingenieurin beginnt mit ihren Forschungen. Das wiederum ruft Aelor auf den Plan. Der Portuu war von Reginald Bull aus dem PHOENIX und 5-5-5-verbannt worden. Nun gelingt es ihm über eine List, in den Sternwürfel vorzudringen. Dort hat Liam inzwischen herausgefunden, dass die Trassenmacher doch nicht intelligent geworden sind, sondern vom Eremiten ferngelenkt wurden. Aelor zerstört das Fragment des Eremiten und nimmt den Terranern damit die Möglichkeit, mehr über die Bedrohung in der Heimat, bzw. Andromeda als zweite Keimzelle, herauszufinden.

Liam berichtet, dass die Legende weitere Informationen der Technowolke verschwiegen hat. Das erarbeitete Verfahren würde nicht nur das Siegel auflösen und den kompletten Stellaren Hauch, sondern es würde das Quant Psi-Materie im Steuerzentrum der Trassenmacher auflösen und sie damit zerstören. Sämtliche Trassenmacher, überall im Universum. Die Auswirkungen dieser Information führen zu heftigen Diskussionen und Aggressionen zwischen Leun und Portuu. Kämpfe brechen aus. Ausgerechnet Aelor bekommt ein Gewissen und wendet sich an sein Volk.

Die Legende gibt eine letzte Information preis. Auch die Technowolke wird durch den hyperphysikalischen Effekt, der auftreten wird, zerstört. Dem PHOENIX gelingt es, einen Teil der Technowolke an Bord zu nehmen. Über den Stellaren Hauch der Hülle von Portuu-Schiffen wird eine Oszillation ausgelöst. Eine Welle breitet sich aus. Sie wird alle Trassenmacher vernichten und den Stellaren Hauch auflösen. Entgegen ersten Aussagen wird letzteres 500 Jahre dauern. Zeit genug für die Portuu, Vorkehrungen zu treffen. Die Technowolke erweist dem Sternwürfel und dem PHOENIX einen letzten Dienst. Die Sprungaggregate des Sternwürfels laufen an und befördern das Gebilde mit dem PHOENIX in die Lokale Gruppe. Der Sternwürfel erscheint dort 6 Monate später, am 07.03.2257 NGZ. Der Sternwürfel ist wieder komplett, wird aber nicht mehr springen können. Ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum wird beobachtet, der in die Fernen Stätten weist.

Rezension

Kleine Dinge können der unscheinbare Funke sein, der am Ende die ganze Welt in Brand steckt. So oder so ähnlich lassen sich die Geschehnisse dieses Romans einordnen. Der Funke, der die Trassenmacher auslöschen soll, löscht auch die Zivilisation der Portuu aus. So zumindest der erste Ansatz. Später wird das abgeschwächt. Den Portuu werden 500 Jahre eingeräumt, um mit dem Verschwinden ihres wichtigsten Handelsgutes zurechtzukommen. Und den Ärger und Zorn abzufangen, den andere Völker dadurch erleiden mussten.

Die erste Romanhälfte lässt sich schnell abhandeln. Kai Hirdt folgt nicht dezitiert dem üblichen dramaturgischen Muster eines Heftromans. Also Einstieg mit Krisen bis zum ersten Höhepunkt und dann in Wellen mit Zwischenzielen und Rückschlägen zum Ziel. Stattdessen werden die ersten 20 bis 30 Seiten dazu genutzt, die hinlänglich aus den bisherigen Romanen der Handlungsebene bekannten Konflikte wieder anzuheizen und neue Konflikte einzuflechten. Das Geballere gegen die entarteten Trassenmacher zu verschiedenen Gelegenheiten empfand ich als überflüssig.

In der zweiten Romanhälfte näherte sich der Autor dem Titel seiner Geschichte. Es ging um die Legende und um Lügen. Der Autor beendet die Handlungsebene Malora/PHOENIX mit einem Feuerwerk. In der Vergangenheit hat Kai Hirdt Geschichten zum Perryversum beigesteuert, die präzise konstruiert waren. Sie sind immer logisch hergeleitet und werden sauber aufgelöst. Manches Mal zwar etwas zu „arg“ konstruiert, aber eben immer durchdacht. Bei dieser Geschichte hier vermisse ich die Finesse, die seine Geschichten sonst auszeichnet.

Mit dem Problemlöser Legende/Technowolke als vorgegebenes Handlungselement wird eine Form des Deus ex Machina benutzt, die eine seit Äonen existierende Gefahr Universumsweit bannt und gleichzeitig unsere Helden nach Hause transportiert, den Sternwürfel komplettiert, einen „Weg“ nach TALIN öffnet, das Elysion pimpt und schließlich auch noch den Problemlöser selbst zu Grabe trägt.

So kann man jede Dramatik ruinieren. Alles erscheint willkürlich und eher wie Zauberei. Leider ein ganz schlechtes Ende für diese Handlungsebene!


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