Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3358

Im kosmischen Bermuda-Dreieck – Kai Hirdt

Die HELIOS, genauer gesagt zwei Drittel des Schiffes, operiert mit seiner schnell zusammengewürfelten Mannschaft im Tetkra-Sektor, einem kaum erforschten Raumareal in der Einflusssphäre des topsidischen Sternengeleges. Hier hatten Phat-Chrik und Koor-Chrik die erste Iltmumie gefunden. Wo genau, weiß man nicht, aber im Grab der ersten Mumie erhofft man sich Hinweise auf die beiden anderen Mumien, die man vor John Wylon finden will. Expeditionsleiterin ist Sichu Dorksteiger, während Atlan als Kommandant fungiert. Der Arkonide kennt sich bestens mit der Uralttechnologie des Hantelraumers aus. Im Gegensatz zu allen anderen Besatzungsmitgliedern, die trotz Hypnoschulungen sehr unsicher sind. Zusätzlich streut der Kommandant der KNAH-PET Gerüchte über den Raumsektor, in dem immer wieder Raumschiffe spurlos verschwinden. Neben der KNAH-PET wurde den Terranern auch noch die VOL-CHOR an die Seite gestellt. Die topsidische Gesellschaft ist im Umbruch und sehr misstrauisch. Da will man den Galaktikern genau auf die Finger schauen. Sichu Dorksteiger lässt so viele Korvetten wie möglich bemannen und ausschleußen, um das Suchgebiet zu vergrößern. Das kommt bei den Topsidern nicht gut an.

Derweil ist Perry Rhodan an Bord der SHIKARI im Anflug auf Topsid. Sein Schiff wird von der VOL-CHOR begleitet. Die politischen Wirrnisse, die aktuell die Topsider beschäftigen, bremsen Perry Rhodans Forschungsdrang. Er will die Universität besuchen, um dort mehr über die Arbeit von Phat-Chrik und Koor-Chrik zu erfahren. Nur mit einer List gelangt der Unsterbliche in Begleitung von Kommandant Ra’U Reynolds nach Topsid. Auf dem Flug mit einem öffentlichen Gleiter zum Hochschulcampus bekommen die beiden Besucher einen Eindruck von den derzeitigen Verhältnissen. Das öffentliche Leben zeigt sich zum Teil konservativ und Terraner sind nicht unbedingt erwünscht. Chir-Wrem ist ein Politiker der hiesigen Scharfmacherpartei. Der setzt auf alte Macht und Größe des topsidischen Reiches. Der Zutritt ins archäohistorische Institut wird den Terraner von der Dekanin Truqril-Kensh verwehrt. Die beiden holen sich Unterstützung von zwei hiesigen TLD-Agenten. Die sollen eine Genehmigung für den Zutritt fälschen.

Die Warnung vor dem kosmischen Bermuda-Dreieck kommt doch nicht von ungefähr. Vor 14.000 Jahren tobte hier eine Raumschlacht zwischen Arkoniden und Topsidern. Überraschenderweise erlitten die technisch weit überlegenen Arkoniden schwere Verluste. Die Topsider machten sich ein Phänomen zunutze, demzufolge es in der Region zu Pseudotransitionen kommt. Mit ihren Schiffen sprangen sie zu Punkten dieser Pseudotransitionen und täuschten eine größere Flottenstärke vor. Die Arkoniden verleitete dies zu Fehlentscheidungen. Sichu ortet im ganzen Sektor Resonanzpunkte im SHF-Bereich und es bilden sich überraschenderweise Tryortan-Schlünde. Sichu schlussfolgert aus den Beobachtungen, dass Überlichtbewegungen der Suchschiffe an einen Kristallisationspunkt auch einen Tryortan-Schlund erzeugen. Mehr noch, Raumschiffe könnten dadurch in einen anderen Raum transferiert worden sein.

Auf Topsid sind Perry Rhodans Probleme größer geworden. Sie zwingen ihn zum Einbruch in das Wissenschaftsministerium. Dort recherchiert man, dass Chir-Wrem etwas aus dem Museum hierher hatte liefern lassen, um es dann zu vernichten. Mit der gefälschten Genehmigung gelangt er in den Hochschulcampus. Von Dekanin Truqril-Kensh erfährt Rhodan, dass der Forscher Phat-Chrik ein uraltes Dokument entdeckt hat, dass das Verständnis der topsidischen Frühgeschichte auf ein neues Fundament stellt. Rhodan hat eine böse Vorahnung und sie wird gleich bestätigt. Chir-Wrem mischt sich ein. Er hat das Buch vernichten lassen. Dank der Aufzeichnungen im Ministerium und der Überwachungstechnik im Museum kann Rhodan mit der Unterstützung von Dekanin Truqril Chir-Wrems Handeln bloßstellen.

Die HELIOS bekommt ein Ultimatum von der KNAH-PET, die Suche einzustellen und abzuziehen. Bevor Perry Rhodan Topsid verlässt, soll er für Sichu noch eine Recherche bei Hyperphysikern im Institut anstellen. Die SHIKARI mit Rhodan erreicht die HELIOS gerade rechtzeitig. Das Ultimatum ist abgelaufen und die waffentechnisch überlegene KNAH-PET hat das Feuer auf Atlans Schiff eröffnet. Als die SHIKARI die KNAH-PET mit Paratronwerfer beschießt, verschwindet der topsidische Raumer in einem blauen Blitz. Sichu erläutert das Geschehnis. Die Paratronwerfer entfalten eine ähnliche Wirkung, wie vor 14.000 Jahren die Konverterkanone, die von ES stammte. In diesem Raumsektor wird dadurch die Barriere zwischen den Kontinua geschwächt.

Perry Rhodan wechselt in die HELIOS-Zelle 1 und lässt das Schiff von der SHIKARI beschießen. Sie werden in eine Hyperraumtasche gezogen. Darin tausende von Raumschiffen aller möglichen Völker!

Rezension

Ich liebe Raumschiffsfriedhöfe! Dieses Szenario bietet meist einen guten Background für spannende Geschichten. Leider muss ich mich damit bis zum zweiten Teil des Romandoppels von Kai Hirdt gedulden. Denn Perry Rhodan erreicht den Schiffsfriedhof erst zum Ende des Romans.

Den ersten Teil füllt der Autor mit den Umwälzungen, die das Sternengelege der Topsider heimsuchen. Dass die Topsider eine stärkere Rolle in diesem Zyklus spielen werden, ist schon aus anderen Romanen des PHOENIX-Zyklus herauszulesen gewesen. Der Vorspann des Romans, der wieder mal den Lesern das Versprechen macht, dass die Menschen überall in Frieden und Freiheit leben und zu anderen Völkern der Milchstraße ein freundschaftlicher Austausch stattfindet, wird einmal mehr durch die Zyklushandlung torpediert. Kai Hirdt räumt recht schnell mit dem Schöngerede auf.

Je stärker sich die demokratischen Regierungen der zurückliegenden Jahre dem Galaktikum angenähert hatten, desto besser war es der Bevölkerung gegangen. Zugleich aber wuchs die Unzufriedenheit. (Zitat aus dem Roman)

Ah ja. So einfach kann man es machen. Eigentlich alles gut, aber dennoch schlecht. Könnte ein Spiegel unserer Zeit sein. Perrys Einsatz auf Topsid wird glücklicherweise ohne Eskalation durchgezogen. Der Autor schildert den Argwohn und die Ablehnung gegenüber Fremden meist unterschwellig. Aufbrechenden Konflikten können seine Figuren aus dem Weg gehen oder eine List geschickt dazu nutzen, um sich aus gefährlichen Situationen zu befreien.

Die Situation auf der HELIOS schildert der Autor nüchtern. Atlan ist das einzige Besatzungsmitglied, das Gefallen an dem Schiff findet. Als Leser wird man sich wohl auch nicht an das Schiff gewöhnen. Es steht schlicht im Schatten der SOL. Und in dem technischen Zustand wird es wohl kaum länger genutzt werden können. Warum man statt einem technisch auf dem Stand der Zeit befindlichen Großraumschiff der Liga die ach so wertvollen Mumien mit einem Uraltkahn sucht, erschließt sich einem als Leser nicht wirklich. Auf die Theorien, die das kosmische Bermuda-Dreieck erläutern, muss man auch erstmal kommen. Ich fand sie irgendwie belustigend. Die Kombination von Paratronwerfer mit Ilt-ÜBSEF, um den gezeigten Effekt zu erzielen, ist trashig. Ein anderes Wort fällt mir nicht ein. Dennoch: Nach zwei Vandemaans in Folge, beschert uns Kai Hirdt das Drei-Gestirn Perry – Sichu – Atlan in gewohnter Manier. Oder, wie es der Autor ausdrückt: Die drei agieren in den bekannten Modus Operandi dieser Figuren!


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