Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3352

Ianus – Verena Themsen

Nachdem die Reproiden im Solsystem durch den neuerlichen Psi-Impuls der Ilt-Mumie desaktiviert wurden, ist dort die Gefahr zumindest vorerst gebannt. Für andere Sternensysteme jedoch noch nicht. Der erste psionische Impuls, der die Reproiden aktivierte, breitet sich weiterhin mit 21.000-facher Lichtgeschwindigkeit aus. Das gibt etwas Zeit, um schlafende Krabbelroboter anderswo zu entdecken, bevor sie sich reproduzieren können. NATHAN vermutet einen geheimen Wylon-Stützpunkt auf dem Planeten Shoyn im System der roten Riesensonne Shamira. 37 Stunden, bevor der Impuls die Welt erreicht, setzt der 500 Meter durchmessende Kugelraumer SHIKARI unter dem Kommando von Ra’U Reynolds auf dem Raumhafen der Hauptstadt Tymenon auf. Mit an Bord des Schiffes des schnellen Eingreifkontingents der Liga-Flotte sind Perry Rhodan, Sichu Dorksteiger und Leutnant Viktoria Hernandez. Für die junge Offizierin ist es der erste Einsatz. Der erste Offizier Major Roryc Lewlow setzt Viktoria sogleich als seine Adjutantin ein. Sie wird als Verbindungsoffizierin an die Seite von Perry Rhodan gestellt.

Shoyn mit seinen etwas mehr als sieben Millionen Einwohnern ist ein Provinznest. Das abgebaute Mineral Yrndiam führt zu einem gewissen Wohlstand, der allerdings ungleich verteilt ist. Zudem hat sich in der Vergangenheit eine Unterweltorganisation gebildet, die mit verbrecherischen Mitteln in die Geschäfte des Yrndiam-Abbaus eingreift. Die Maleates beherrschen den Markt. Das muss auch Ted Merillas schmerzlich erfahren, der an eine ertragreiche Mine gelangt ist und deren Verwaltung umkrempelt, damit der erzielte Gewinn nicht allein in die Taschen des Yrndiam-Konsortiums wandert. Die Maleates entführen den Jungunternehmer und eine geheimnisvolle Frau namens Tony erpresst ihn.

In der Gegenwart wollen die Verantwortlichen des Planeten die Bevölkerung nicht unnötig verunsichern. Statt Evakuierungsvorbereitungen zu treffen, lädt Ignatz Bancroft, der Bürgermeister von Tymenon, Perry Rhodan und seine Gattin zu einem Bankett ein. Der Unsterbliche ist dringend auf Insiderinformationen zu einem möglichen Stützpunkt von Wylon angewiesen. Während Sichu Dorksteiger und ihr Team den Planeten nach den Reproiden scannen, beißt Perry Rhodan in den sauren Apfel und nimmt mit Kommandant Ra’U Reynolds und Viktoria Hernandez an dem Empfang teil. Während sie vom Bürgermeister weitgehend ignoriert werden, nimmt sich Antonya Bancroft, die Tochter des Lokalpolitikers, der Gäste an. Die Frau ist auf verschiedenen Wissensgebieten bewandert und hat vor allem gute Kontakte, die von Hernandez und Rhodan genutzt werden.

Da der Planet im Untergrund aufgrund der vielen Minen ein riesiges Netz an Hohlräumen und Stollen hat, erweist sich die Suche als langwierig. Schließlich kommt man aber doch auf die Spur eines Labors und eines dort eingelagerten Reproiden. Der Roboter wurde jedoch aus dem Labor verlegt, bevor man ihn erreichen kann. Sichu Dorksteiger kann aus den Daten jedoch ein mögliches Ziel benennen. Antonya Bancroft vermittelt Rhodan, Dorksteiger und Hernandez eine Kontaktperson. Tony, die Kontaktperson, bringt sie in den Wylon-Stützpunkt. Tony entpuppt sich als Antonya Bancroft. Indem sie gegen ihre Organisation arbeitet, wird sie von den Maleates als Verräterin betrachtet. Ianus, der Anführer, soll über sie entscheiden. Die Zeit bis zur Reproidenaktivierung wird knapp. Wieder werden Rhodan und seine Begleiterinnen überrascht. Ianus ist niemand anderes als Antonya Bancroft. Schließlich gelingt Sichu mit ihrer Hilfe die Ortung des Reproiden. Die Schiffsgeschütze der SHIKARI bombardieren den Untergrund und zerstören den Roboter. Der Psi-Impuls erreicht den Planeten, aber die Gefahr ist gebannt. Perry Rhodan macht Antonya Bancroft ein Angebot, das mit Pegasos zu tun hat-

Rezension

Verena Themsens letzter Roman zur Serie liegt schon eineinhalb Jahre zurück. Nun greift sie in den Pegasos-Zyklus ein. Der Begriff Pegasos fällt übrigens am Ende der Geschichte, als Perry Rhodan eine Einladung an Antonya Bancroft ausspricht und Viktoria Hernandez das Symbol des geflügelten Pferdes wahrnimmt. In der Geschichte von Kai Hirdt vor 1 Woche wird das Symbol erstmalig erwähnt.

Die Geschichte der Autorin greift ein klassisches Muster auf. Die schon bekannte Bedrohung wird an einem anderen Schauplatz mit anderen Figuren und aus einem anderen Blickwinkel geschildert. Substanziell bringt der Roman die Zyklusstory nicht voran. Dafür punktet die Geschichte mit ihrem Stil und mit den tollen Figuren. Die Autorin führt zwei interessante Frauenfiguren ein. Aus der Sicht von Viktoria Hernandez wird die Handlung vorangetrieben. Die Ich-Erzählung, die dabei angewendet wird, zeigt eine Figur, die, obwohl sie erstmals mit Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger konfrontiert wird, diesen Persönlichkeiten auf Augenhöhe begegnet. Sie stellt ihr Licht nicht unter dem Scheffel und trägt zum Gelingen der Mission teil. Die andere starke Figur ist Antonya Bancroft. Sie assoziierte ich von Beginn an mit dem Romantitel Ianus. Eine Figur mit zwei Gesichtern. Verena Themsen macht aus der Figur und ihre Doppelgesichtigkeit auch kein Mysterium. Sie versteht es, an den richtigen Stellen Informationen so zu platzieren, dass sie nach und nach ein umfassendes Bild ergeben. Tony und Anti sind ein und dieselbe Person und Ianus eine Tarnidentität als Anführerin.

Die geschilderten Szenarien kontrastierten stark zur eigentlichen Bedrohung. Ein Planet steht Stunden vor dem Untergang und statt alles zu tun, um der Bedrohung angemessen entgegenzutreten, veranstaltet der Verantwortliche ein Bankett. Darum entspannte sich eine bürokratische Aufklärungsarbeit. Das Salz in der Suppe bildet jedoch die kriminelle Organisation Maleates, bzw. die Frage, welche Verbindung die Kriminellen zu Wylon haben und wer die Anführer sind.

Die geheimnisvolle Unbekannte, die Ted Merilla gefangen hält, wird für den Leser bereits beim Empfang des Bürgermeisters enttarnt. Antonya Bancroft ist seine Tochter und die Beschreibungen von Anti und Tony lagen nicht allzu weit auseinander. Zudem glänzt sie mit Wissen und hält nicht viel von ihrem Erzeuger. Die Schilderungen der Autorin sind detailreich und führen diese ambivalente Figur gut ins Geschehen ein. Was schon der PHOENIX-Zyklus vorgemacht hat, wird hier fortgesetzt. Figuren stehen im Vordergrund der Handlung. Etwas widersprüchlich ist der Einsatz der jungen Offizierin. Wenn die SHIKARI Teil eines Eingreifkontigents der Flotte ist, das auf schnelle Einsätze spezialisiert ist, dann machen Bewerbungen für solche Einsätze, die Viktoria Hernandez an Bord brachten, nun wirklich keinen Sinn. Die Besatzung sollte feststehen, geschult, geübt und aufeinander eingespielt sein. Sonst wird das nichts mit „schnellen“ Einsätzen.

Andererseits hat mir der Blickwinkel aus der Sicht von Viktoria Hernandez zugesagt. Die eigentlichen Haupthandlungsträger rücken dadurch etwas an den Rand. Es erlaubt aber der Autorin, die Aktionen Rhodans mit einer anderen Brille zu betrachten.


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