Chronik des Zusammenbruchs – Oliver Fröhlich
Der TERRANOVA-Schirm ist zusammengebrochen und Millionen von Raumschiffen mit ES-Süchtigen aus der Yodor-Sphäre fliegen ungehindert ins Solsystem. Auf Terra und den anderen Planeten des Systems leiden die Bewohner unter dem PIAD-Syndrom. Die Krankheit kennt keine Grenzen. Alle Individuen, egal welchem Volk sie angehören, vereint die Hoffnung, dass es besser wird. Stattdessen wird es schlechter.
Coralynn DeWitt hat sich nach den Anschlägen in ein Refugium zurückgezogen. Die ehemalige USO-Agentin, die früher Cassandra zuarbeitete, hat inzwischen erkannt, dass sie von Flint Cole betrogen wurde. Ihre Aktion gegen den NEXUS war ebenfalls nur ein Ablenkungsmanöver. In Wirklichkeit ging es um Operation Schalenbruch, der Sabotage von LORETTA-Tendern, um den TERRANOVA-Schirm abzuschalten. DeWitt hat das Verlangen, Flint Cole gegenüberzutreten, um ihn zur Rede zu stellen.
Auch Farye Sepheroa ist angesichts des Chaos hilf- und machtlos. Mit Ziran Morgenweg versucht sie Ordnung in das Chaos zu bringen und NATHAN zu unterstützen. Der Gute Geist von Terra gerät an seine Grenzen. Das PIAD-Syndrom verschärft sich. Die Aufmerksamkeitsspanne der Betroffenen sinkt immer weiter und beträgt zum Teil nur noch wenige Minuten. Die Enkelin Rhodans erhält überraschenden Besuch. ES hat ein Konzept gebildet. Worja Dassun hat Farye eine Mitteilung zu machen.
Derweil ist Perry Rhodan mit Sichu Dorksteiger und der SHIKARI in Fornax unterwegs, um einen Nocturnenstock als Anker für ES zu finden. Ein Trägerschiff der TALANIS-Klasse hat sie in die Kleingalaxis gebracht. Dort sind sie auf die Spur des Reisenden von Fornax gestoßen. Ihre Suche währt allerdings schon 1 Jahr und die Nachrichten von zu Hause sind beunruhigend, so dass Sichu zur Rückkehr drängt. Schließlich finden sie doch einen Nocturnenstock, der jedoch im Sterben liegt. Der Stock wird von seltsamen, an Tüchern erinnernden, Wesen umweht, zu denen Rhodan Kontakt aufnehmen kann. Sie bezeichnen sich als Sterbebegleiter. Schließlich kann Rhodan auch direkt mit dem Nocturnenstock verhandeln. Der möchte wissen, wie der „Umzug“ von ES bewerkstelligt werden kann. Rhodan präsentiert ihm den ÜBSEF-Kollektor. Der Nocturnenstock, bzw. seine Sterbebegleiter vernichten jedoch das Gerät, da sie befürchten, Heimstatt einer negativen SI zu werden. Rhodan kehrt mit leeren Händen nach Terra zurück.
Farye erfährt, dass es Xenia Biefang und Shema Ghessow nicht geschafft haben. Sie sind aber Bestandteil von ES geworden. Worja Dassun hat aber noch eine andere Botschaft.
Coralynn DeWitt hat ihren Unterschlupf verlassen und ist nach Kopenhagen gereist. Sie besucht das Grab ihrer Schwester, nichtsahnend, dass USO-Agenten sie beschatten. Einmal mehr wird sie von einer Aktion Coles überrascht. Der wendet sich an alle Bewohner des Solsystems. Seine eigene Rolle an der derzeitigen Situation lässt er unerwähnt und fordert Perry Rhodan auf, ES zu töten. Er tut das, weil er befürchtet, dass ES sich zu einer negativen SI entwickelt. Bei einem Unfall wird DeWitt von Antonya Bancroft gerettet. Gemeinsam wollen sie Flint Cole in eine Falle locken. Das gelingt schließlich.
Als Perry Rhodan sich an die Menschen im Solsystem wendet und verspricht alles zu tun, sind die Kapazitäten NATHANS nahezu ausgereizt. Das Konzept hat angedeutet, dass die in Panik befindlichen Bewusstseinssplitter von ES zu sechsdimensionalen Störeffekten führen, die in den fünfdimensionalen Bereich Auswirkungen haben. Die Technik beginnt zu versagen.
Rezension
Oliver Fröhlich setzt die Geschehnisse im Solsystem fort. Teilweise greift er die gleichen Figuren auf, die auch Leo Lukas in seinem Doppelband zuvor eingeführt hatte. Er bringt aber auch eigene Figuren ein und – nach längerer Abwesenheit – den Titelhelden Perry Rhodan. Stilistisch unterscheidet sich seine Geschichte auch ein wenig von den Romanen zuvor. Ein auktorialer Erzähler ist nichts neues. Und Oliver Fröhlich gibt seinen Beobachter, der die Ereignisse erzählt, kein Gesicht. Er gibt seinem namenlosen Erzähler aber mehr Freiraum. In seinen Kommentaren beleuchtet er die Begebenheiten spöttisch oder kritisch, spricht zum Teil den Leser direkt an. Die Anrede enthält viel Ironie. Beinahe glaubt man, der Autor will seine Leser narren. Spricht er (der Beobachter) mit den unter PIAD leidenden Menschen, denen er gleich zu Beginn bescheinigt, nicht die notwendige Aufmerksamkeit zu haben? Oder richtet er seine Worte an die Perry Rhodan-Leser?
Egal, durch die direkte Kommentierung lenkt er die moralische und emotionale Haltung des Lesers aktiv. Der Beobachter wechselt frei zwischen den Szenen und bewertet das Geschehen von außen. Gleichzeitig wirken die Berichte wie eine echte Chronik. Der Stil ist sehr lebendig und die direkte Ansprache fühlt sich weniger als ein stummer Text an, sondern mehr wie eine mündliche Erzählung.
Allen Figuren ist eines gemeinsam. Sie vereint das direkte Erleben der Auswirkungen des Zustands der SI ES. Egal, ob sie ES-Sehnsüchtige sind, PAID-Syndrom-Betroffene oder Mentalstabilisierte mit Kopfschmerzen. Nur zwei Personen stechen heraus. Flint Cole, der Immun zu sein scheint. Und Perry Rhodan.
Der Unsterbliche kehrt nach 1-jähriger Abwesenheit zurück. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet die Figur Perry Rhodan keine direkten Erfahrungen mit dem Chaos macht. Der Autor lässt den Titelhelden auf Trivid in Erscheinung treten und ein paar nette Worte ans Volk richten. Allen Figurenschicksalen zuvor ist eines gemeinsam. Sie agieren emotional, bzw. rufen sie Emotionen beim Leser hervor. Rhodan wirkt dagegen kalt. Überhaupt ist sein Abenteuer, dass der Beobachter mit in seine Erzählung aufnimmt, der erwartete Reinfall. Der ÜBSEF-Kollektor musste vernichtet werden, um die Spannung nochmal zu erhöhen. Zu erwähnen, und das finde ich gut, ist, dass der Autor Farye in den Mund legt, dass der Unsterbliche im letzten Augenblick als Rhodan ex Machina auftauchen wird, um die Menschheit zu retten. Wenn der Autor dies so explizit schreibt, ist wohl mit diesem Muster (hoffentlich) nicht zu rechnen!
Im Epilog am Romanende zeichnet der Autor ein Horrorszenario. Er spricht vom Untergang aller Zivilisationen der Mächtigkeitsballung. Wenn Rhodan ES tötet, würde er im Gegenzug die ganze Lokale Gruppe opfern. Der Autor begründet dies damit, dass ohne Superintelligenz keine Eiris, ohne Eiris keine Mächtigkeitsballung existieren könne. Diese Begründung ist mir neu. Zumal die Eriskehre schonmal den Abfluss der Eiris bedeutete. Und passiert ist nichts. Adam von Aures hat später manipulierte Eiris ausgebracht, um den Weltenbrand auszulösen. Wahrscheinlich war der Autor der Ansicht, das Bedrohungsszenario mal wieder auf das serientypische Niveau anzuheben. Nur Terra und das Solsystem oder nur die Milchstraße zu bedrohen, reicht halt nicht. Nun also die Mächtigkeitsballung!
Abgesehen davon überzeugte der Roman auf der ganzen Linie. Guter Roman von Oliver Fröhlich.

