Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3390

Die Stunde der Deponentin – Leo Lukas

Der auf der Gefängnisinsel Rakiura einsitzende Flint Cole ist der einzige immune Mensch im Solsystem gegen das PIAD-Syndrom. Die Untersuchungen des Gefängnisarztes führen zu keinem Ergebnis, worauf sich die Immunität zurückführen lässt. Cole selbst hat jedoch den Drang, etwas tun zu müssen. Regierung und andere Verantwortliche, sowie die Zellaktivatorträger, scheinen samt und sonders das Solsystem verlassen zu haben.

Derweil kehrt Shema Ghessow ins Solsystem zurück. In ihrem Schlepptau befinden sich die beiden arkonidische Wissenschaftler Heddo del Monotos und Kajn da Ettorkhal. Außerdem die Kosmobiologin Noe Weber-Nduandwel und der Passiv-Teleporter Lywunc vom ornithoiden Volk der Kooblenus. Das Team will Xenia Biefang retten, in deren Kopf der Mentalarchitektur-Prozessor sitzt und der dabei ist, sich zu manifestieren. Der Wissenschaftler Faragor und der Yodore Ziran Morgenweg unterstützen das Team.

Im Solsystem leiden die Menschen unter dem PIAD-Syndrom. Auch Neugeborene werden von einem ES-Splitter besetzt, wie das Baby von Eron Kärkkeläinen und seiner Frau. Eron misstraut NATHAN und wendet sich an Ögödei Brettzeck, den Chefreporter des als unseriös eingestuften Medienunternehmens APM. Der Krawalljournalist hört sich ihre Geschichte an, lässt sie jedoch abblitzen. Zufällig ist auch Coralynn DeWitt vor Ort, die behauptet, eine geheime Technologie ins Solsystem gebracht zu haben, mit der man NATHAN austricksen könnte. Man will Flint Cole ins Boot holen.

Auch die USO-Agenten Leni Hazard und Antonya Bancroft sind an Flint Cole interessiert. Die beiden Frauen sollen herausfinden, wie der ehemalige Wylon-Chef tickt und was er im Schilde führt. Bei der Befragung nimmt Cole kein Blatt vor den Mund. ES muss weg, so sein Tenor. Gegen Zugeständnisse wird Cole aus der Haft entlassen und weiteren Untersuchungen ausgesetzt.

Trotz riesigen Aufwands, um die Remanifestation des Mentalarchitektur-Prozessors zu unterbinden, kommt es bei der Versuchsanordnung, die Ghessows Team aufgebaut hat, zur Beinah-Katastrophe. Im letzten Moment reißt die Deponentin Xenia Biefang in eine Hyperraumnische. Beide kehren nicht wieder und sind vermutlich tot.

Flint Coles Untersuchungen verlaufen negativ. An den nun freien Mann macht sich Coralynn DeWitt heran. Sie hat von den von Flint Cole initiierten Besuch bei Remre Vakulee vier Geräte mitgebracht. Vakulees Erfindung tarnt beide gegenüber NATHAN. Nun treiben sie ihre Pläne voran. Wobei Cole seine Partnerin über einige Details im Unklaren lässt. Zunächst wird das NUBF-Gerät, so der Name der Erfindung, vervielfältigt. Cole hat entdeckt, dass das PAID noch andere Auswirkungen hat. Über Hypnoschulungen lassen sich posthypnotische Befehle verankern. Die beiden „rekrutieren“ Mitstreiter.

Danach laufen drei Aktionen zeitgleich im Solsystem an. Operation Orchidee verübt zur Ablenkung Sabotageakte auf die Solare Residenz. Operation Herztod hat den NEXUS auf Luna zum Ziel. Die beiden Operationen sind jedoch von vornherein zum Scheitern angelegt. Nur Cole weiß, dass Operation Schalenbruch, die dritte Aktion, die eigentlich Entscheidende ist. Zahlreiche Schläfer wurden auf den LORETTA-Tendern eingeschmuggelt. Die Tender dienen dem Aufbau des TERRANOVA-Schirms. Der Schirm bricht aufgrund Manipulationen zusammen und Millionen Raumschiffe ergießen sich ins System. Cole hat sein Ziel erreicht. Chaos bricht aus. Nun müssen die Verantwortlichen reagieren. Cole setzt darauf, dass Perry Rhodan nun keine Wahl mehr hat. Der Unsterbliche muss zurückkehren und ES töten.

Rezension

Leo Lukas steigt mit einem üblichen, hinlänglich praktizierten Muster in seinen Roman ein. Das Solsystem steht vor dem Untergang. Die Kacke ist gewaltig am Dampfen und dennoch werden (zunächst) kaum Mittel und Ressourcen bereitgestellt, den Zustand aufzuklären oder alles zu versuchen, um der Bedrohung Herr zu werden. Die ach so fortschrittliche Menschheit reduziert sich in ihren wissenschaftlichen Methoden auf einen alternden Gefängnisarzt am Rande der Gesellschaft. Der einzige Immune wird nicht etwa nach Mimas verlegt und es rücken auch keine Wissenschaftler vom IEME an oder eine Riege von Aramedizinern von Tahun. Stattdessen schreibt der Autor, und wenn es noch so unplausibel ist, die Katastrophe auf Gedeih und Verderb herbei. Kenner der PR-Serie können nur müde abwinken. Masochisten hingegen werden ihre pure Freude an dieser Entwicklung haben.

Im nächsten Kapitel bringt der Autor Shema Ghessow ins Spiel. Die Hüterin von ES verfolgt, so stand es im Roman zuvor, einen Plan zur Rettung von ES. Auch ihre Kolleginnen tun dies. Man sucht, nicht zum ersten Mal, nach dem Kunstplaneten Wanderer. Auch dies ein übliches Muster. Wenn man nicht mehr weiterweiß, sucht man nach dem ehemaligen Sitz der SI. Gefunden hat man Wanderer in derlei Fällen übrigens noch nie. Ob es diesmal klappt? Andere Teams suchen nach Proto-Eiris. Auch ein beliebter Zeitvertreib. Und ebenso erfolglos. Zwischendurch vermeldet der Autor, dass die Regierung und sonstige Verantwortungsträger geflohen sind. Genau so stelle ich mir die geeinte Menschheit vor, wie es der Vorspanntext seit Jahrzehnten suggeriert. 😉

Besagte Shema Ghessow hat einige Wissenschaftler der Arkoniden aufgetan, die sie ins Solsystem bringt, um Xenia Biefang zu retten, in deren Kopf sich der Mentalarchitektur-Prozessor einen Weg nach draußen bahnt. Letztlich scheitert das Unternehmen, wobei der Abgang von Ghessow und Biefang hoffentlich endgültig ist. Wer meine Besprechungen liest, weiß, dass ich kein Freund von bis ans bittere Ende, d.h. dem Zyklusende, geschleppte Figuren bin. Ein Markenzeichen von BCHs Vorgängern.

Apropos Figuren. Mit denen geizt Leo Lukas keineswegs. Da verliert man leicht den Überblick, wen der Autor, meist in 2er Teams, in den Einsatz schickt. Ich mag den humorvollen und sprachlich versierten Stil von Leo Lukas sehr. Er bringt Witz und satirische Zwischentöne ein und das in einem plauderhaften und nahbaren Ton. Auch davon ist in dieser Geschichte reichlich vorhanden. Aber das Szenario spricht mich nicht an.

Der Zyklus heißt übrigens PEGASOS. Um was geht es darin eigentlich? Reproiden, Ilt-Mumien, Shinobi, Elysion, Gucky, Legaten, ES-Krise, Sternwürfel. Alles ist miteinander verwoben. So weit, so gut. Aber die Geschichte wirkt so fragmentiert, wie zuletzt ES. Die einzelnen Geschehnisse entfalten (bei mir) nur wenig Wirkung. Die Shinobi des Elysion an Bord der PEGASOS wurden rekrutiert, kaum ausgebildet in den Einsatz geschickt und scheinen sich im Hintergrund zu vervielfältigen. Aus 1 mach 10 und … Vieles wirkt nur angerissen und dann nicht zu Ende geführt.

Der Gute Geist Terras ist uneinheitlich beschrieben worden und spätestens als Heimstatt von ES irgendwie aus dem Rennen. Die „Splitter“-Idee mag der aktuellen Zeit geschuldet sein, ist aber schlecht umgesetzt worden. Ach ja, die Legaten gibt es auch noch. Die spielen wohl erst im nächsten Zyklus eine Rolle. Dazu müsste ES allerdings überleben. Und wer will das schon.


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