Operation Geisterflotte – Wim Vandemaan
Auf Terra sind die Lager, angesichts des bevorstehenden Transports der Superintelligenz ES ins Solsystem zu NATHAN, gespalten. Die NATHAN-Utopisten sehen den Guten Geist von Terra durch die Aktion in Gefahr. Die ES-Verehrer hingegen drängen auf eine Rettung der Superintelligenz. Die Bürgerin Alessa Vanguard nutzt eine Demonstration in Terrania, um ihr Manifest vorzutragen. Sie zählt sich zu den Utopisten. Ihrer Meinung nach muss der gute Geist des Solsystems zum Guten Geist der Milchstraße werden. Damit zieht sie mehr Aufmerksamkeit auf sich, als ihr zunächst lieb ist. Sie wird von zwei Personen namens Anna und Honig entführt und an Bord der GOLIPOLLON gebracht. Sie erfährt, dass die Hülle des Schiffes untersucht wurde, um als Rettungsanker für ES zu dienen. Dies ist jedoch nicht möglich. Nun erfährt das Schiff einen anderen Zweck. Das hier stattfindende Gespräch soll von NATHAN nicht bemerkt werden. Keine geringere als die Residentin selbst, rekrutiert Vanguard für einen Anschlag auf die Solare Residenz. Olga Moynhatta bezweckt damit, dass der Anschlag zur automatischen Aktivierung des TERRANOVA-Schirms führt. Dies würde die Rettungsflotte am Einflug in das Solsystem hindern. Lange genug, dass die Bewusstseine der SI verwehen. „Freunde“ beim TLD haben eine Bombe in Form von Schmuckstücken hergestellt. Diese vereinigen sich in der Residenz und erzeugen eine Explosion. Menschen sollen nicht gefährdet werden. Alessa Vanguard willigt in den Plan ein.
In der Yodor-Sphäre wird die „Geisterflotte“ zusammengestellt. 750 Raumschiffe wurden soweit möglich mit PEW-Metall ausgestattet. Darin werden mittels des ÜBSEF-Kollektors, den Perry Rhodan auf Gren-Gor geborgen hatte, die Bewusstseine von ES aufbewahrt. Auch die Hülle der RAS TSCHUBAI wurde wegen der darin enthaltenen Proto-Eiris in großen Teilen demontiert und auf die Flotte verteilt. Dann setzen sich die Schiffe in Bewegung. Um möglichst keine Zeit zu verlieren, wird der kürzeste Weg gewählt. Hyperstürmen will man nicht ausweichen. Aber auch andere Gefahren lauern auf dem Konvoi, der von den Hüterinnen von ES begleitet wird. ES-Süchtige versuchen an den Konvoi zu gelangen. Ein Konglomerat von Nomadenschiffen bietet seine Hilfe an, hat man doch selbst große Mengen an PEW anzubieten und sieht die Möglichkeit eines lukrativen Geschäfts.
An anderer Stelle wird der Verwalter einer Raumstation auf einen psionischen Tsunami aufmerksam gemacht. Mon Mon Hravat hat vor langer Zeit einen Zellaktivator erhalten und verwaltet die Station für den Eigner der Station, der auch Sammler seltener Wesenheiten ist. Der Rat der Schattenlosen, bei denen es sich um Cynos handelt, bestätigt Mon Mon Hravat, dass eine Superintelligenz der Sammlung hinzugefügt werden könne. Darauf hat der Eigner, kein Geringerer als der Porleyter Demen-Boro-Melg, lange gewartet. Der Porleyter, der seine ursprüngliche Gestalt längst aufgegeben hat, stattet Mon Mon Hravat für die bevorstehende Aufgabe mit einem Kardec-Schild aus.
Die Pulks des ES-Konvois geraten in einen Hypersturm. Der Sturm nimmt innerhalb kürzester Zeit derart an Intensität zu, dass ES seinen Hüterinnen einen Zufluchtsort vorschlägt, den ES selbst als Falle bezeichnet. Sie erreichen eine Hypersturmkaverne, die von einem sphärischen, etwa 12 Kilometer durchmessenden Gebilde beherrscht wird. Das Gebilde saugt sämtliche Mentalsubstanz von ES ab. Sichu Dorksteiger schafft eine Öffnung in den Schirm des Gebildes. Jasper Cole bringt Perry Rhodan an Bord. Dazu eine Paramag, die sich in ein PEW-Schmuckstück eingefädelt hat, das Rhodan mitführt. Jasper bringt noch Toio Zindher. Als er weitere Personen mit dem Pentaferer holen will, kehrt er nicht zurück.
Auf Terra sind Alessa Vanguard und ihr Begleiter Honig in die Residenz gelangt. Der Ablauf des Anschlags verläuft anders als von der Utopistin gedacht.
Rezension
Autor Wim Vandemaan steigt mit der Kontroverse zwischen Utopisten und ES-Verehrern in seinen Roman ein. Dazu wählt er eine Demonstration in Terrania und schildert eine Gemengelage aus Gegnern und Befürwortern unter Beteiligung der Medien. Die Situation, die der Autor schildert, ist nicht einfach zu verdauen. Aus meiner Sicht viel zu wenig hat sich die Serie mit dem am Anfang des Zyklus aufgeworfenen Problemfeldern einer übermächtigen KI auseinandergesetzt. Zwar findet der Autor für beide Seiten interessante Thesen, selten werden daraus jedoch Argumente für das Für und Wider. Nun wird die Situation weiter eskaliert und auf eine emotionale und politische Lage gesetzt. Das ist zwar unterhaltend, aber man muss sich fragen, was „diese“ Menschheit, wie sie hier geschildert wird, in einem Elysion eigentlich verloren hat.
Das grundlegende Szenario, dass eine Residentin mal nicht eine einfache Ja-Sagerin zu den Plänen der Unsterblichen ist, gefiel mir. Doch warum muss dieser Figur dann gleich dieser Anstrich verpasst werden? Eine, die andere zu Terroranschlägen auffordert. Hat sie zu wenig politisches Gewicht, das man hätte in die Waagschale werfen können? Oder wollte man dieses (politische) Gegengewicht zu den Unsterblichen nicht aufbauen, weil es so, nämlich mit viel Emotion, viel einfacher zu schreiben ist? Und wenn NATHAN der aktuelle Alleinherrscher ist, wie konnte ihm die Strömung entgehen, die nun eine Bedrohung darstellt, bei all den Machtmitteln, wie sie anfangs des Zyklus eingeführt und geschildert wurde? Mag sein, dass NATHAN nicht überall in den Kuipergürtel sehen kann und nicht in das außerirdische Schiff. Und doch entgehen ihm selbst intimste Momente nicht, wie diese Geschichte so nebenbei erwähnt. Die Entführung einer Bürgerin sollte ihm nicht entgangen sein. Und selbst wenn ihm die Entführung entgangen ist, sollte ihm ihre Abwesenheit, d.h. ihre Nicht-Auffindbarkeit nicht entgangen sein. Wie erwähnt, halte ich diese Mittel für eine Überwachung für bedenklich. Da sie aber geschildert wurden, muss ein Szenario auch darauf aufbauen, bzw. damit umgehen. Das ist hier nicht geschehen.
Nicht kleckern, sondern klotzen, scheint die neue Devise in den Geschichten zu sein. Die Handlungsebene von Reginald Bull mit dem PHOENIX hat es vorgemacht. Milliarden-Jahre-Pläne, Materiequellen-Transporte über Millionen von Lichtjahren mit Krabbelrobotern, Galaxienfraß und einiges mehr. Die Milchstraße wird nun auch aufgepeppt. Wim Vandemaan schöpft tief aus dem Fundus von Schwärmen, Kosmokratentechnologie, Cynos, Porleytern etc. H.G. Ewers hätte seine Freude an dieser Geschichte gehabt!
Mein Enthusiasmus wird ein paar Mal getrübt. Einerseits schätze ich die überbordende Erfindungsgabe von Wim Vandemaan, seine Wortschöpfungen, seine facettenreiche Sprache und seine Art, den Schöpfungen des eh schon reichhaltigen Perryversums weitere Bedeutungen anzudichten. Damit ergibt sich erneut eine Geschichte, ähnlich wie zuletzt Heft 3376, die sehr mannigfaltig gestaltet ist. Andererseits bevölkern zu viele Figuren die einzelnen Handlungsstränge, oder vielmehr „Schau“-Plätze. Neben den „Who is Who“ der Figuren tobt sich der Autor auch in der Benennung von Raumschiffen aus. 5D und 6D reichen ihm ebenfalls nicht. Da muss schon 7D aufgefahren werden. Manches passt dann leider nicht mehr zusammen. Die Geschichte verliert dadurch an Kohärenz. Die Einzelteile sind durchaus namhaft. Allerdings bleiben es letztlich nur Bruchstücke. Den so zusammengesetzten Bruchstücken ist nur ein kurzes Leben beschert. Anschließend passiert mit ihnen das, was gerade mit der Superintelligenz ES passiert. Ihre Teile lösen sich und verwehen schließlich.
Die Figuren im Umkreis von Perry Rhodan bleiben blass, trotz einiger gelungener Dialoge. Atlan bspw. betätigt sich mehrmals als Warner. Letztlich schiebt der Arkonide aber die Verantwortung Perry Rhodan in die Schuhe. Der Terraner soll entscheiden. Die Geschichte hat unterhalten, doch weniger wäre mehr gewesen.

