Der Fehler im Gehorsam – Oliver Fröhlich
Flint Cole sitzt als Häftling in der Hochsicherheitsanstalt im Krater Hun Kal auf dem Merkur. Die Tagesabläufe sind streng reglementiert. Mit nur wenigen Mitgefangenen, oftmals wie er bei Wylon tätig gewesen, verbindet ihn so etwas wie Freundschaft. Abwechslung findet er nur im Fitnessareal, in der Gesellschaft bei den Mahlzeiten oder an den Garrabo-Tischen. Ihn quälen die immer gleichen Träume, in denen er eine willenlose Figur ist. Aus dem Trivid erfährt er vom Tod John Wylons und von Celina Bogarde, alias Cassandra. Cole ist Wylon zu Treue und Loyalität verpflichtet, und diese Verpflichtung besteht über Wylons Tod hinaus. Und doch fühlt es sich für Cole falsch an. Er versteht nicht, warum ihn dabei übel wird.
An anderer Stelle erwacht ein Roboter, der Codegeber, aus einer Warteschleife. Ein vereinbartes Signal ist ausgeblieben. Er benachrichtigt die Legaten. Cassandra ist gefallen. Er bekommt neue Anweisungen. Er soll das Nachfolgeprotokoll initiieren. Er soll Flint Cole befreien. Der Codegeber, dessen Positronik fehlerbehaftet ist, macht sich an die Arbeit. Seine Recherchen zu dem Hochsicherheitsgefängnis bleiben nicht unbemerkt. Geheimdienste und die USO werden aufmerksam. Der Codegeber sieht keine Möglichkeit, Cole von außen zu helfen. Er muss in das Gefängnis eindringen.
Flint Cole erfährt über Ecken, dass sein Sohn Jasper Cole, der den Kontakt zum Vater gänzlich abgebrochen hat, den Mithäftling Alexios Lagoudaki in einem anderen Sicherheitsbereich besuchen möchte. Es geht um die RAS TSCHUBAI, bzw. Konstruktionspläne des Schiffes. Alexios Lagoudaki ist Sammler gewesen und hat seltene Konstruktionspläne der RAS TSCHUBAI gestohlen. Cole hat die Karriere seines Sohnes Jasper im Trivid verfolgt und ist stolz auf ihn. Er erhofft sich die Chance, seinen Sohn treffen zu können. Ein neuer Mitgefangener, Tony LaToya, zeigt ein auffälliges Interesse an Flint Cole.
Tatsächlich ergibt sich die Gelegenheit für Cole, in den Besucherbereich zu gelangen. Er ahnt nicht, dass der Codegeber die positronischen Systeme des Gefängnisses übernommen und NATHAN ausgesperrt hat. Allerdings ahnt auch der Codegeber nicht, dass er selbst von NATHAN übernommen wurde. Die Aktion, Flint Cole zu befreien, läuft nun von NATHAN gesteuert mit der Unterstützung der USO ab. Flint Cole und Alexios Lagoudaki erreichen per Transmitter eine Geheimstation. Der Codegeber vernichtet sich und alle Spuren. Cole soll Shrou Loubviwum und Legat Kom aufsuchen. Die USO weiß über Coles Ziel Bescheid. Es ist die Cetus-Kleingalaxis.
Rezension
Oliver Fröhlichs Roman über die Geschehnisse im Gefängnis, in dem Flint Cole einsitzt, erinnert in weiten Teilen an genretypische Gefängnisfilme aus den 60er und 70er Jahren. Der Protagonist muss sich der Welt hinter den Gefängnismauern stellen. Dort hat sich eine eigene Gesellschaft gebildet, mit eigenen Regeln. Der Autor schildert hirnlose Schläger, deren ebenso hirnlose Anhänger, gute und böse Wärter, Mitläufer, und die kreisenden Gedanken der Hauptfigur um Ausbruch und die Ereignisse, die ihn hierhergebracht haben.
Wären fliegende Kameras, Gehirnchips und Schutzschirmkuppel nicht erwähnt worden, wäre die Geschichte dem Zusatz SF in weiten Teilen nicht gerecht geworden. Dass Cassandra über ihren Tod hinaus auf einen störanfälligen Roboter setzt, schmälert ein wenig ihre bisherige Bilanz. Andererseits durchblicke ich die Gesamtsituation in diesem Zyklus noch nicht. Das Elysion macht von Woche zu Woche unterschiedliche Fortschritte. Mal steckt das Ganze in den Kinderschuhen, mal sind SAN-Klipper zu weit entfernten Zielen unterwegs und Shinobi fallen wie reifes Obst von den Bäumen.
Auch wenn meine einleitenden Worte dies nicht vermuten lassen, wusste die Geschichte von Oliver Fröhlich zu unterhalten. Zwar legten die Endlosschleifen, in die sich der Codegeber von Anfang an verfing, eine deutliche Spur. Ebenso wie die Aufmerksamkeit, die seine Aktivitäten bei der USO hervorrief. Die Wendung hatte ich dennoch nicht auf dem Schirm. Dazu waren Cassandras Pläne in der Vergangenheit zu gut angelegt. Nun scheint es durch die Geschehnisse in diesem Roman nun endlich zu den Hintermännern zu gehen. Von den Legaten weiß man bislang nur den Namen. Und, seltsam genug, haben sie vor Jahrzehnten gegen das SAN-Projekt Stellung bezogen. Ein Projekt, das, setzt man das bisherige Tempo an, erst in Jahrhunderten Früchte tragen wird.

