Leben in Scherben – Marie Erikson
Die Reproiden-Gefahr ist für den Planeten Shoyn und seine Bewohner gebannt. Antonya (Tony) Bancroft hatte daran maßgeblichen Anteil. Das sehen nicht alle in der Unterweltorganisation Maleates so. Buruk will Antonyas Position einnehmen und verbreitet die Lüge, dass der Reproid schon vor der Vernichtung des geheimen Stützpunkts ausgeschaltet war. Antonya hat den Stützpunkt und somit die Maleates verraten. Tony trifft sich mit einigen Mitgliedern ihrer Organisation. Eine junge Frau namens Wirna, die als Geheimwaffe der Maleates gilt und die ihre eigene Herkunft nicht kennt. Ebenfalls dabei ist Wirnas gewalttätiger Begleiter Noat und das Technikgenie Darren.
Das Treffen verläuft katastrophal. Noat und Wirna sind an den Einlassungen Tonys nicht interessiert. Sie greifen sie an und es ist Darren zu verdanken, dass Tony nicht getötet wird. Darren wird von Noat bei seiner Rettungsmission schwer verletzt. Tony und Darren müssen untertauchen, benötigen aber dringend einen Mediker für Darren. Ihre Wahl fällt auf Milk. Der Mediker behandelt illegal Opfer der Maleates. Seine Schwester Sina war ebenfalls in die Fänge der Unterweltorganisation geraten und an einem seltsamen Fieber gestorben. Milk forscht seit langem an einem Gegenmittel, denn das Fieber, das Sina hatte, haben auch andere bekommen. Milk ist nicht erfreut, als Antonya und Darren ihn aufsuchen. Tony kann ihn jedoch überzeugen und schlägt ihm auch einen Handel vor. Sie besorgt jemanden, der das Fieber hat, damit Milk ein Forschungsobjekt bekommt.
Tony weiß auch schon, wie sie das anstellt. Sie sucht Wirna auf. Denn die junge Frau ist eine Feuermutantin. Sie kann Flüssigkeiten erhitzen. Ihre Opfer sterben, weil sich ihr Blut immer weiter erhitzt. Der Prozess wird gestartet, wenn die Opfer Wirna ins Gesicht sehen. Die Temperatur steigt weiter, auch wenn sich die Opfer des Angriffs entfernen, da die Verbindung zur Mutantin auch auf größerer Distanz noch weiterbesteht. Tonys Körper erhitzt sich und Milk versucht alles, um das Fieber zu begrenzen. Schließlich bringt er beide Patienten, Tony und Darren, zu einer weit entfernten Klinik. Dort hat sich auch Sina behandeln lassen.
Tonys Fieber kann dort gesenkt werden. Als sie wieder zu sich kommt, ist ihre Mutter, die Polizeichefin, anwesend. Sie eröffnet Tony, dass die sich vor Gericht verantworten werden muss. Doch so weit kommt es nicht, denn Wirna hat Tony ebenfalls aufgespürt. Tony hat jedoch noch einen Trumpf. Denn sie verrät Wirna ihre Herkunft und dass Noat Wirnas Eltern getötet hat, als er erkannte, dass die Mutantin für die Maleates sehr wertvoll sein würde. Als Noat die beiden Frauen aufspürt, tötet Wirna ihn. Dann fliehen die beiden Frauen von Shoyn. Ihr Ziel sind Koordinaten, die Tony von Perry Rhodan bekommen hat. Projekt PEGASOS erwartet sie.
Rezension
Ein wenig überraschend kommt es zu einer schnellen Rückkehr zum Planeten Shoyn. Die Figur Antonya Bancroft, die wir vor zwei Wochen vorgestellt bekommen haben, wird von Autorin Marie Erikson weiterentwickelt. Wobei die Entwicklung zunächst mit einem Rückschritt beginnt. Zuletzt war Antonya Bancroft als Anführerin der Maleates uneingeschränkte Herrscherin über diese Gruppierung. Sie begegnete Perry Rhodan nicht nur geheimnisvoll, sondern mit viel List und Tücke. Davon ist in der von ihr selbst gesuchten Auseinandersetzung mit einigen Mitgliedern der Maleates nichts mehr vorhanden. Sie ist unsicher, schlecht vorbereitet und überlebt nur, weil sie unerwartet Hilfe bekommt.
Parallel reißt die Autorin in kurzen Sequenzen das Projekt PEGASOS an. Viel ist es nicht, was der Leser dort erfährt. Ein Schirmherr und ein Gurrad werden erwähnt, die Anwärter für das Projekt prüfen sollen. Die Heimlichtuerei wirkt ein wenig seltsam. Normalerweise wird nur für Gefahren, die über die Helden hereinbrechen, beim ersten Mal mit solchen Verschleierungen gearbeitet. Hier nun für die Guten. Es sind doch die Guten?
Apropos die Guten. Antonya Bancroft war die Anführerin einer Verbrecherorganisation. Mit welchen Mitteln diese Organisation kämpfte, kann man auszugsweise in dieser Geschichte lesen. Die Maleates waren nicht zimperlich und Morde, wenngleich nicht an der Tagesordnung, gehörten aber zum Repertoire.
Diese Konstellation ist durchaus ein Problem für Marie Erikson gewesen. Schließlich soll Antonya Bancroft in das Team von Perry Rhodan wechseln. Sie versucht sich sogleich an einer Entschärfung der Figur Tony. Die setzt sich nämlich für Straßenkinder ein, wie wir erfahren und befürwortet keine Morde an Polizisten. Natürlich darf es an anderer Stelle schon die eine oder andere Gewalttat geben. Und wie man an Wirna sieht, die in der Organisation „wirkte“, fällt es der Autorin trotz aller Versuche schwer, der Figur Tony einen Mutter Theresa-Ansatz anzudichten. Als Anführerin kann sich Tony nicht die Weste reinwaschen. Es ist ein Balance-Akt, die gefährliche Bandenchefin auf die gute Seite zu bringen und für mich ist dieser Akt auch nicht so gelungen. Daran ändern auch die schön geschilderten Innenansichten Tonys nicht, die an verschiedenen Stellen viel Empathie für andere zeigt. Denn sie ist zu wenig selbstkritisch, ihren eigenen Verfehlungen gegenüber.
Die Autorin bringt nun Wirna ins Spiel. Ist das der Versuch, die Aufmerksamkeit von Tony abzulenken, deren Taten sozusagen vergessen zu machen, indem man ihr eine „bösere“ Figur an die Seite stellt? Auch diese Konstellation überzeugt mich nicht. In der „Entwicklung“ der Figur Antonya Bancroft ist noch viel Luft nach oben.

