Ansichten zu Perry Rhodan Androiden – Heft 01

Totenozean – Kai Hirdt

Im Jahr 2083 der Neuen Galaktischen Zeitrechnung ist Perry Rhodan zusammen mit Gucky im Gebiet der von Terranern gegründeten Föderation Normon unterwegs. Der Planetenbund scheint ins Chaos abzudriften, seit er sich in zwei Lager gespalten hat. Der Unsterbliche versucht zu vermitteln, als ihn ein sonderbarer Hilferuf ereilt. Es ist eine codierte Textnachricht einer gewissen Lilja Ryksdottir und enthält nur eine kurze Textzeile: Chentap. Lebensgefahr. Sie greifen an!

Nachforschungen ergeben, dass die Absenderin auf dem terranischen Explorer EX-3776, Eigenname MUNGO PARK, als Xenologin tätig ist. Das Schiff ist aktuell etwa 400 Lichtjahre von Perry Rhodan entfernt. Auf Anfrage benimmt sich Kommandant Alpu Zeniq etwas merkwürdig. Seltsam ist auch, dass Lilja Ryksdottir zwar an Bord ist, jedoch ein Pflegefall und komatös. Sie ist deshalb dabei, weil ihre einzige lebende Verwandte zur Besatzung gehört. Rhodans Interesse ist geweckt.

Drei Wochen zuvor ist ein Team von Wissenschaftlern von der MUNGO PARK auf dem Planeten Chentap schon einige Wochen tätig. Ihr Shift ist getarnt und sie beobachten die krötenhaften Chenno, die auf Chentap leben, aus dem Verborgenen. Die Einheimischen haben eine einfache Raumfahrt entwickelt und haben es zu einem der beiden Monde Chentaps geschafft. Die Biologin im Team, Marlynn Kane, ist mit den Ergebnissen ihrer Arbeit unzufrieden. Sie durfte die Chenno nur aus der Ferne beobachten. Die Anführerin des Teams ist Lilja. Mit dabei sind außerdem der Techniker Kor Chappal, zu dem Marlynn eine etwas engere Bindung aufgebaut hat und der Siganese Johann Aspra, mit dem sich Marlynn ständig zofft.

Als die Gruppe alles zusammenpackt um zum Explorer zurückzukehren, kommt es zu zwei überraschenden Ereignissen. Vier Raumfahrer der Chenno sind aus dem All zurückgekehrt und schleppen eine Art Gesteinsbrocken in einer Prozession durch die Stadt. Alle Chenno der Stadt strömen zu diesem Ereignis zusammen. Mehr noch, aus dem Meer steigen Chenno empor und nehmen an dem Ereignis teil. Die Terraner haben trotz ihrer Forschungen nicht erkannt, dass die einheimische Spezies auch unter Wasser lebt. Die Wissenschaftler geben ihre bisherige Zurückhaltung auf und mischen sich mit Deflektoren getarnt unter das Volk, um besser zu beobachten. Das zweite Ereignis ist dramatischer und tödlich. Ein Kugelraumer von ca. 50 Meter Durchmesser unbekannten Ursprungs landet neben der Stadt. Roboter strömen heraus und eröffnen das Feuer. Viele Chenno sterben und das Explorerteam kann sich nur mit Mühe retten. Als ein Kind der Chenno von Robotern verfolgt wird, greifen sie ein und retten es.

Auf ihrer Flucht geraten sie in die Unterwasserwelt von Chentap. Die hier lebenden Chenno halten sie zunächst auch für Angreifer. Es kommt aber zu einer Verständigung. Nach Wochen, in denen keine Hilfe von der MUNGO PARK eintrifft, sind die Nerven der Teammitglieder angespannt. Sie suchen einen Weg, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Techniker Kor Chappal kann einen der fremden Roboter demontieren und stellt fest, dass die Technologie vertraut ist. Mehr noch, die Programmierung der Roboter wurde von Perry Rhodan autorisiert! Der ist inzwischen auf der MUNGO PARK eingetroffen und macht sich ein Bild der Lage.

Rezension

Alle Jahre wieder um diese Jahreszeit startet der Welt größte SF-Serie mit einem Ableger durch. Die Miniserie „Androiden“, so kann man es im Netz lesen, wurde kurzfristig umbenannt und sollte ursprünglich „Droiden“ heißen. Mit der Umbenennung wollte man möglichen Konflikten mit Star Wars aus dem Weg gehen. Ob dies notwendig war, kann ich nicht beurteilen. Gibt man aber bei Wikipedia den Suchbegriff Droide ein, wird man zu einem Star Wars-Artikel weitergeleitet. Schon merkwürdig. Ich war mir sicher, in SF-Romanen in der Zeit vor Star Wars den Begriff Droide schon gelesen zu haben. Abgesehen davon wimmelt es auch im Cantaro-Zyklus nur so von Droiden. Ich bin gespannt, ob der Zyklus, wenn er demnächst in den Silberbänden verarbeitet wird, dann auch eine Überarbeitung hinsichtlich des Begriffes Droiden erfährt.

Was erwartet uns in der neuen Serie des Autors Kai Hirdt? Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass dieser 12er-Block „bodenständiger“ sein soll. Bodenständig heißt in der Perry Rhodan-Sprache, dass „Androiden“ 10% weniger Superintelligenzen als die letzte Miniserie enthält und 20% weniger Kosmokraten und Chaotarchen. 😉

Zumindest der erste Roman, der vom Exposé-Autor Kai Hirdt verfasst wurde, enthält, so viel kann ich verraten, keine Hinweise auf höhere Entitäten. Aber ich traue dem Braten noch nicht. Kai Hirdt steigt schnörkellos in die Geschichte ein. Rhodan und Gucky sind vom diplomatischen Geplänkel genervt und stürzen sich bereits auf Seite 1 des Romans mit Feuereifer auf die Nachricht, die sie von der angeblichen Lilja Ryksdottir erhalten haben. Dann spielen die beiden Unsterblichen erst mal keine Rolle mehr, denn der Autor rückt die Geschehnisse auf Chentap in den Mittelpunkt. Vielmehr ist es eigentlich die junge Exobiologin Marlynn Kane, aus deren Sicht die Ereignisse auf dem Planeten geschildert werden. Der Autor rückt insbesondere die zwischenmenschlichen Beziehungen der vier Wissenschaftler in den Vordergrund. Die Figuren werden sehr präsent geschildert und man bekommt als Leser sofort ein gutes Bild des Teams. Mit einer Ausnahme. Lilja, die Anführerin bleibt rätselhaft. Wir erfahren aus dem Mund von Marlynn auch ihren Nachnamen nicht. Als Leser wissen wir um Rhodans Recherche hinsichtlich einer Lilja Ryksdottir, die als Pflegefall auf dem Explorer die Reise mitmacht. Zum Romanende hin bringt Kai Hirdt ein wenig Licht ins Dunkle, ohne aber das Rätsel um die Figur Lilja Ryksdottir schon aufzulösen.

Rätselhaft bleibt auch der Ursprung der Roboter und deren Ziele. Wie eingangs erwähnt, heißt die Serie Androiden. Die künstlichen Geschöpfe, die die erste Attacke auf die Chenno durchführen, sind jedoch unzweifelhaft Roboter. Die Begrifflichkeit Androide wird erst während des Romans eingeführt und hat mich als einziges Element der Geschichte nicht so richtig überzeugt. Mysteriös bleibt auch der Romantitel „Totenozean“, den ich noch nicht so richtig mit den Inhalten der Geschichte verknüpfen kann.

Alles andere jedoch, insbesondere das Team des Explorers auf dem Planeten, ist sehr lebendig geschildert. Fast wünscht man sich, dass die Rätsel auch ohne Rhodans Eingreifen gelöst werden können. Mal sehen, in welche Richtung sich die Miniserie entwickelt. Gelungener Auftakt. Macht Lust auf mehr.


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