Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3180

Das Extemporale Gefecht – von Oliver Fröhlich
Die Ausbildung von Anzu Gotjian zu einer Sextadim-Kanonierin geht weiter. Sie hat den Mordanschlag der Meisterschülerin Tenagei überlebt und die Keji wurde bestraft. Farbaud ist von den Fortschritten, die Anzu macht, mehr als angetan. Der Quintarch macht der Terranerin ein Angebot. Sie soll als Sextadim-Kanonierin an einer Schlacht teilnehmen, die sich in tiefster Vergangenheit abspielt. Zu diesem Extemporalen Gefecht reisen hochentwickelte Sternenvölker aus verschiedenen Zeitepochen. Zu Trainingszwecken oder auch aus rituellen Anlässen. Ort und Zeitpunkt sind so gewählt, dass die Zukunft nicht gefährdet wird. Die Reise geht Milliarden Jahre in der Vergangenheit, lange bevor es intelligentes Leben gibt. Mit der Teilnahme am Extemporalen Gefecht könnte Anzu einen großen Teil der Ausbildung überspringen. Sie könnte allerdings auch sterben. Die Parabegabte willigt ein.
An einem anderen Ort und Zeit im Universum muss Vhyrgo aus dem Volk der Rhyl-vaet seinen Posten als Herrscher an einem Jüngeren abtreten. Der Tháan hat sehr lange geherrscht und das luxuriöse Leben genossen. Nun, am Ende seiner Laufbahn offenbart sich ihm, warum er überhaupt Herrscher geworden ist. Er soll der Sohn der Ewigen Schöpfer sein. Vhyrgo hat diesen Glauben an Hohe Gefilde und die Unsterblichkeit immer als Aberglaube abgetan. Doch die Wegbegleiterinnen, die ihn gesucht und gefunden haben und ihn zum Herrscher machten, zeigen ihm nun auch, dass er besondere Fähigkeiten hat. Er soll nun über das Driftpodest in die letzte Schlacht reisen. Milliarden Jahre in die Vergangenheit. Dort erhoffen sich die Rhyl-vaet einen Zugang zu den Ewigen Schöpfern des Universums.
Anzus Reise in die Vergangenheit wird mit Kosmokratentechnik bewerkstelligt. FENERIK hat einen Zeitschacht adaptiert und an Bord eines Munuam-Trikubus geht es in die Vergangenheit. An Bord trifft Anzu auf die Keji Bidrise und ist misstrauisch, das sie nicht weiß, wie die Kommilitonin zu Tenagei stand. Anzu wird zu einer Sextadim-Kanone geleitet. Das Grundbewusstsein der Kanone sucht den Kontakt zu ihr und Anzu geht ihn bereitwillig ein. Wieder ist es so, dass Anzu sehr schnell in der Ausbildung vorankommt. Sie erhält Wissen über die sechs verschiedenen Modi, in denen die Waffe eingesetzt werden kann. Sie wirkt auf die Bewusstseine anderer Wesen aber auch mit zerstörerischer Gewalt gegen Sterne und sogar Schiff der Kosmokraten.
Im Extemporalen Gefecht trifft Anzu auf Vhyrgo.
 
Die Darstellung der Anzu Gotjian von Oliver Fröhlich gefällt mir noch mal etwas besser als die im Roman zuvor von Christian Montillon. Die Parabegabte ist in ihren Beobachtungen noch direkter. In ihren gedanklichen Kommentierungen noch ein Stück impulsiver, noch ein Stück frecher. Und in ihrem Umgang bzw. in ihren Dialogen noch ein Stück vorlauter. Ohne, dass es der Autor dabei übertreibt. Den Stellenwert des Romans in der laufenden Zyklushandlung kann ich hingegen nur schwer einschätzen. Trotz der Verknüpfungen zu früheren Ereignissen, ordne ich dem Extemporalen Gefecht und den Ereignissen darum herum keine entscheidende Einflussnahme auf die Zyklushandlung zu. Es geht wohl alleine darum, die Handlung um Anzu, und damit ihre Ausbildung zur Kanonierin zu forcieren.
Alleine die Geschichte, die sich hier ausgedacht wurde, um die Ausbildung voranzubringen, ist allerdings richtig gut. Und natürlich tun sich durch die Art des „Trainings“ in der Vergangenheit interessante Fragestellungen auf. Beispielsweise die, wie sich die Sparringspartner verabreden? Sitzt da irgendwo einer mit einem Terminkalender, der Zeitpunkt und Ort festlegt oder vergibt, an denen sich fortschrittliche Zivilisationen in der Vergangenheit treffen können?
Die Begleitumstände, die Vhyrgo auf Anzu haben treffen lassen, können natürlich auch hinterfragt werden. Der ehemalige Tháan zeigt ähnliche Fähigkeiten wie die Terranerin. Er hat einen (Fern)Blick für Ereignisse, die erst noch eintreten. Insofern wird Anzu zum ersten Mal tatsächlich gefordert. Die Motivation der Rhyl-vaet, einen Zugang zu den Ewigen Schöpfern zu finden, habe ich zunächst unter Religion verbucht. Zu vage waren die Andeutungen der Wegbegleiterinnen. Und zu deutlich Vhyrgo ablehnende Haltung zu diesem vermeintlichen Kult. Doch dann kommt es zu der geschilderten Passage, die Vhyrgo öffnet, und die ihn und sein Schiff in die Nullebene bringt, die uns bereits als Zerozone bekannt ist. Ob sein Ursprung tatsächlich, wie der von Anzu, auf der anderen Seite des Dyoversums liegt, bleibt ungeklärt.
Die Erläuterungen zu den verschiedenen Einsatzmodi einer Sextadim-Kanone waren wichtig und gleichzeitig erschreckend. Mit dem sechsten Modus eröffnet sich für Anzu vielleicht die Möglichkeit der Rückkehr in den anderen Zweig des Dyoversums.
Sehr schöner Roman von Oliver Fröhlich, der mich bestens unterhalten hat.