Articles for the Month of Dezember 2021

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3149

Der Preis des Entkommens – von Oliver Fröhlich
Die Situation an Bord der LEUCHTKRAFT ist gefährlicher als zunächst angenommen. Der Audh, der sowohl Alaska Saedelaere als auch Anzu Gotjian gefangen hielt, konnte zwar in die Flucht geschlagen werden und hat sehr wahrscheinlich mit seinem Chaofaktum die Kosmokratenwalze verlassen. Saedelaere und Gotjian sind befreit aber die Informationen, die sie haben, lassen dennoch das Schlimmste befürchten. Das Schiff befindet sich mit FENERIK in einer binärrealen Verschränkung. Eine Bergung der LEUCHTKRAFT mit dem Hypertraktor kommt unter diesen Umständen nicht in Frage.
Die LEUCHTKRAFT zerfällt, der Kontakt zu Kemur, seiner KE-wohlfeil und der STATOR-FE ist nur sporadisch möglich. Das Bordgehirn DAN ist die einzige Instanz, die den drohenden Untergang noch aufhalten könnte. Doch DAN ist gestört, wähnt sich dem Ende nahe und schlägt jede Kooperation aus. Rhodans Team hat sich aufgeteilt und kämpft sich an verschiedenen Fronten durch die nach wie vor bestehenden Pararealitäten. Anzu Gotjian kämpft ebenfalls. Allerdings mit Erinnerungsverlusten. Nach und nach dämmert es der Parabegabten, was die Störung von DAN ausgelöst hat. Sie selbst war es. Als der Audh sie angriff, hatte sie mit ihrem Fernblick einen Kontakt zu DAN. Der niemals ganz abriss, auch als Gotjian in Eis eingefroren wurde.
Wenn es der Parabegabten nun gelingen könnte, die Verbindung zu DAN zu trennen, kann die LEUCHTKRAFT vielleicht noch gerettet werden. Die Zeit wird knapp, denn die Selbstzerstörung des Schiffes wurde aktiviert. Und da ist immer noch die binärreale Verschränkung, die es zu lösen gilt.
 
Oliver Fröhlich schließt mit einem Cliffhanger die erste Zyklushälfte ab. Wenn die Ereignisse dann so eintreten, wie sie am Romanende geschildert werden, konzentriert sich das Geschehen in der zweiten Zyklushälfte auf die Milchstraße. Oder gibt es noch einen Grund in Cassiopeia zu verweilen?
Wie auch im Roman davor, gibt es für die Figuren Vetris-Molaud und Soynte Abil wenig zu tun. Der Autor macht noch das Beste aus der Situation und teilt Rhodans Team in zwei Gruppen. Vetris-Molaud und Soynte Abil ziehen mit Gucky und Vimuin Lichtschlag durchs Schiff, um die Zentrale zu erreichen. Das Unternehmen ist wenig inspiriert und lebt alleine von etwas Action und dem besonderem Setting, das aus Saedelaeres Erinnerungen gebaut wurde. Diese besonderen Orte und Objekte wie Derogwanien und Zeitbrunnen üben Faszination aus. Die Verzauberung des Lesers in diesen Passagen hätte allerdings stärker sein können, wenn Saedelaere selbst, vielleicht in Begleitung Rhodans, diesen Weg beschritten hätte. So wählt der Autor mit Vetris-Molaud eine Figur, die die Geschehnisse, die sie ergründet, nur vom Hörensagen einer Figur kennt, die selbst nicht dabei war.
Vetris-Molaud und Soynte Abil machen, wenn es denn zurück in die Milchstraße geht, dort als handelnde Figuren keinen Sinn. Sie würden noch weniger „benötigt“ werden als ohnehin schon. Dann doch besser in Cassiopeia zurücklassen. Dort gibt es die Hinterlassenschaften FENERIKS zu bekämpfen.
Auch Perry Rhodan und Gucky tragen nicht viel zur Beeinflussung der Geschehnisse bei. Es war Anzu Gotjian und Gry O’Shannon vorbehalten, die Dinge zu bewegen. Mit Anzu Gotjian kennt sich der Autor bestens aus. Die Figur hat Oliver Fröhlich schon mehrfach eingesetzt. Und auch in diesem Roman zeigt der Autor die Stärken der Figur. Weniger deren Fähigkeit, als vielmehr die besondere Art der Figur, ihre Umgebung zu betrachten und zu kommentieren. Spontan, emotional und frech. Auch Gry O’Shannon trägt zur Rettung der LEUCHTKRAFT bei. Da dieser Einsatz von Mu Sargai so „gesehen“ wurde, bleibt bei mir auf Leserseite ein Beigeschmack, der mir nicht so richtig gefällt. Unsere Helden sind nur Marionetten in einem Spiel. Die Fäden ziehen die Hohen Mächte.
Nun, letztlich greift der Autor zu bekannten Lösungen. Der gute alte Neustart. Immer wieder ein probates Mittel um eingefrorene Computersysteme zum Laufen zu bringen. Und wenn sich etwas verhakt, dann hilft schmieren.
Zu guter Letzt etwas zum Vorspann des Romans. Traditionell werden darin die Ereignisse zusammengefasst und in den Roman übergeleitet. Ich hatte schon länger nicht mehr darin gelesen. Nun ist mir aber aufgefallen, dass darin die Kastellane gar nicht so gut wegkommen. Es wird zunächst darauf eingegangen, dass es so scheint, als würden die Völker der Milchstraße in Freiheit und Selbstbestimmung zusammenwirken. Nun aber übernehmen Kastellane wichtige Machtpositionen. Weiterhin würde eine Yodor-Sphäre entstehen. Aber die größte aktuelle Bedrohung ginge von FENERIK aus.
Das ist eine interessante Steigerung. Kastellane und Yodor-Sphäre bedrohen die Milchstraße. Nur der Chaoporter wird als noch größere Bedrohung eingeschätzt.  Es ist an der Zeit, dass Perry Rhodan dem Treiben der Kastellane in der Milchstraße ein Ende setzt und den Typen mal zeigt, wo der Barthel den Most holt.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3148

Maskerade – von Susan Schwartz
Mit dem geschenkten Hypertraktor im Gepäck ist die RAS TSCHUBAI unterwegs, um die LEUCHTKRAFT zu bergen. Perry Rhodan stellt ein bewährtes Team zusammen. An Bord der STATOR-FE, an der die KE-wohlfeil mit Kemur angedockt ist, gehen Vimuin Lichtschlag, Gucky, Gry O’Shannon, Vetris-Molaud und Soynte Abil zusammen mit dem Unsterblichen in den Einsatz. Die auf der LEUCHTKRAFT zurückgebliebene Anzu Gotjian dient dem Mausbiber als Leuchtfeuer. So kann die STATOR-FE den Weg zur Kosmokratenwalze finden. Der Ilt stellt jedoch fest, dass Anzus Gedanken wie eingefroren wirken. Etwas muss in der Zwischenzeit geschehen sein.
Auch der Kommandant der LEUCHTKRAFT befindet sich in einer seltsamen Lage. Alaska Saedelaere kämpft gegen einen ungewöhnlichen Gegner. Der Maskenträger wird von einem Audh mit früheren Erinnerungen konfrontiert. Der Kundschafter des Chaoporters will wichtige Informationen aus dem Gedächtnis des Terraners stehlen. Doch dessen Mentalstabilisierung hält dem Druck stand. Nach und nach beginnt Alaska sich gegen den Einfluss zu wehren.
In der LEUCHTKRAFT angekommen, muss sich Rhodans Team durch das Schiff und seine Pararealitäten kämpfen. Das Team wird auf die von Saedelaeres Erinnerungen geschaffene Pararealität aufmerksam. Wird es Perry Rhodan gelingen, seinen Freund zu befreien und die LEUCHTKRAFT zu bergen?
 
Nach 15 Wochen wird die in Heft 3133 abgebrochene Handlung um die LEUCHTKRAFT wieder aufgenommen. Vetris-Molaud und Soynte Abil gehören inzwischen zur Standardbesetzung von Außenmissionen. Der Tamaron trägt wenig zur Handlung bei und die „Verwendung“ der Figur Soynte Abil nimmt beinahe schon groteske Züge an. Man stelle sich vor, ich habe die Gelegenheit eine zeitgeschichtlich herausragende Person kennenzulernen und mich mit ihr zu unterhalten oder sie in meinen Tagesablauf einzubinden. Beispielsweise Albert Einstein. Doch was mache ich? Ich bitte ihn, in der Wohnung Staub zu wischen, schleppe ihn zum Einkaufen im Supermarkt mit und wir tauschen Katzenbilder auf dem Smartphone aus. Ungefähr genau das passiert gerade mit der Meisterin der Insel. Die Autoren schleppen diese Figur durch ihre Geschichten, weil es wohl im Exposé so steht. Die Figur erleidet den schleichenden Tod des Zeno Kortin. Ich bin gespannt, wen Wim Vandemaan nach ihr aus der Versenkung holt.
Apropos Versenkung. Auch für Alaska Saedelaere war vor Jahren Schluss. Die Figur war auserzählt, wie es so schön heißt. Der Exposé-Autor sah keine Verwendung mehr. Nun der Sinneswandel. Der ist natürlich erlaubt. Wenn es die Geschichten hergeben, dass da diese Figur hineinpasst, bitte sehr. Allerdings bleibt da doch ein ungutes Gefühl zurück. Demnächst also Bostich? Und danach natürlich Tekener. Und, und, und. Geht nicht, gibt’s nicht. Genau das ist das Problem. Auf nichts ist Verlass. Beliebigkeit ist ein hässliches Wort dafür, darf aber nicht verschwiegen werden. Die Serie braucht auch ein Profil. Und dazu gehört, dass Figuren, wenn sie rausgeschrieben werden, nicht wiederkehren.
Susan Schwartz ficht das nicht an. Sie schreibt eine Geschichte, die mir ausgesprochen gut gefallen hat. Ein Widerspruch zu dem was ich oben schreibe? Nein. Ich kann auf Alaska Saedelaere gut verzichten. Aber die Art und Weise, wie die Autorin die Figur schildert, hat mich trotzdem beeindruckt. Sie packt alles, was man mit dieser Figur verbindet, in diesen Roman. Seine Zeit als Techniker, die Begegnung mit Kytoma, der Unfall, seine Zeit als Maskenträger etc. Und schreibt dies zudem in Ich-Form mit einigen schönen trockenen Kapitelübergängen. Das war einfach Klasse.
Ungewöhnlich auch, die Perspektive Perry Rhodans. Auch hier wählt die Autorin die Ich-Erzählperspektive. Das kommt bei dieser Figur nicht so häufig vor. Diese Kapitel kommen nicht ganz an die von Saedelaere heran, der ein „täglich grüßt das Murmeltier“ durchläuft. Gerade das macht die Maskenträgerebene sehr reizvoll. Beginnend damit, dass am Anfang unklar war, wer denn da eigentlich geschildert wird. Ein gutes Timing beweist die Autorin auch mit dem weiteren Aufbau. Als sich Saedelaere langsam seiner selbst bewusst wird und Gegenmaßnahmen ergreift. Die, wie kann es anders sein, auch den Einsatz des Cappinfragments beinhaltet. Und schließlich das Zusammenführen der Freunde.
Tolle Geschichte von Susan Schwartz.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3147

Das Ende der Zweifler – von Robert Corvus
Atlan hat die Prüfungen der Kastellanin absolviert. Im Sextadim-Park erhält der Unsterbliche seine eigene Sextadim-Kapsel, die er auf den Namen RA tauft. Eingeschleust in die THETA DA ARIGA geht’s in Richtung Yodor-Sphäre. Doch der Flug dorthin wird abrupt unterbrochen. In der Nähe der Jülziish-Welt Selkudervant wird eine Raum-Anomalie geortet. Es ist eine Kluft und aus ihr strömen hunderte Schiffe des Chaoporters, die Selkudervant angreifen. Die dort lebenden Jülziish vom Volk der Oszyrii verteidigen sich mit allen Kräften, drohen aber schnell zu unterliegen. Atlan greift mit seiner Flotte ein. Er hat es mit Trikuben der Munuam zu tun. Andere Raumschiffe, die äußerlich einem Atommodell ähneln, können später den Laichkangen zugeordnet werden.
Atlan bemüht sich zunächst um Allianzen. Die Yodoren von der BROVAYD lehnen eine Unterstützung ab. Und auch die Kastellanin Verind Nott will mit ihrer überlegenen Sextadim-Kapsel YDUA nicht eingreifen.
Die Verteidiger stehen auf verlorenen Posten. Sie sind nicht nur technisch unterlegen, auch gegen die Strategie der Chaosmächte findet sich zunächst kein Mittel. Denn die Angreifer setzen auf reinen Terror. Sie greifen mit verherrenden Attacken die Zivilbevölkerung des Planeten an. Einer der Monde wird bei den Angriffen zerstört. Die THETA DA ARIGA und ihre Begleitschiffe können einen Trikubus vernichten. Der Erfolg gibt den Verteidigern Auftrieb.
Atlan wird von den Angreifern kontaktiert. Die Arkoniden sollen sich heraushalten und in ihren Kugelsternhaufen zurückziehen. Atlan wird klar, dass die Milchstraßenvölker vor einer Herausforderung stehen. Sie müssen zusammenhalten. Seine Position wird allerdings von Munuam zunehmend unter Druck gesetzt, die in die THETA DA ARIGA eindringen. Verind Nott setzt dies ebenfalls unter Druck. Bevor die Kastellanin eine falsche Entscheidung trifft, kann Atlan sie zur Kooperation überreden. Beide fliegen mit ihren Kapseln in die Kluft. Können sie darin etwas bewirken, um die Angreifer zu stoppen?
 
Neu-Team-Autor Robert Corvus beendet zunächst die Atlan-Ebene. Der Autor lässt es in seinem Roman richtig krachen. Action steht im Vordergrund und ist derart dominant, dass die Ziele der Geschichte etwas verschwimmen. Wobei es schwer ist, die Ziele der Geschichte überhaupt zu erkennen. Möglicherweise geht es darum, die Aktivitäten des Chaoporters nun auch auf die Milchstraße auszudehnen. Denn damit könnte einerseits die vielbeschworene Einheit der galaktischen Völker vorangebracht werden. Andererseits braucht es diese Gefahr, damit die Erweckung der Eingreiftruppe der Superintelligenz ES auch eine Berechtigung erfährt. Auch die Bedeutung des Romantitels tritt bei dem Action-Feuerwerk etwas in den Hintergrund. Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich – des Philosophen René Descartes ist von der Jülziish-Bevölkerung erweitert worden. Ich zweifle, also denke ich, also bin ich, wird zum Romanende aufgeklärt. Die Art und Weise jedoch, wie das geschah, schmeckte mir nicht besonders.
Denn die Art und Weise, wie FENERIK in diesem Zyklus eingeführt wurde, ließ mich auf subtilere Inhalte, bezüglich der Ziele des Chaoporters hoffen. Im Zyklus davor wurde die Vernichtung ganzer Galaxien geschildert, um einer negativen Entität (Phaatom) den Evolutionsschritt zur Chaotarchin zu ermöglichen. Das große Hau-Drauf hatten wir auch schon früher. Siehe TRAITOR. Ein Schritt zurück und ein Duell, in dem die Baupläne der Kosmokraten in der Milchstraße eine Rolle bei den Aktivitäten FENERIKS spielen würden, schien angezeigt. Doch die letzten Romane zeigen einen anderen Kurs. In Cassiopeia verfolgen die Chaosmächte einen Kurs der Einschüchterung. Warum, weiß kein Autor. Was können Hinterwäldlerplaneten schon gegen FENERIK ausrichten? In der Milchstraße wird nun auch auf die „Strategie“ des Terrors gesetzt. Auch hier scheint die plakative Zurschaustellung sinnloser Gewalt zugunsten einer raffinierten Bedrohung das Wahl der Mittel bei den Geschichten zu sein. Die anfängliche Vielschichtigkeit, in der Darstellung möglicher Absichten und Ziele der Chaosmächte, ist zuletzt der Eindimensionalität gewichen.
Das geschilderte Leid in diesem Roman drückt der Autor lediglich in Zahlen aus. Unermüdlich weist er darauf hin, dass hunderte oder tausende gerade ihr Leben lassen. Oder dass ein Planet vor der Vernichtung steht. Am Ende drückt sich das Leid auch noch in den Zahlen des Verlustes einer der Figuren aus. In einem Nebensatz wird gesagt, dass ein Kind seine acht Geschwister und die Eltern verloren hat. „Kein Wunder“ also, dass das Kind „verständlicherweise verstört“ sei, wie der Autor schreibt. Dann darf die Sechsjähre noch einen terranischen Philosophen zitieren und die Handlung wechselt nach Cassiopeia. Diese „Auflösung“ von Descartes Spruch, bzw. des Romantitels war misslungen.
Die Geschichte war flott aber ohne jede Raffinesse. Es bleibt zu hoffen, dass die im Roman geschilderten Handlungen den Zyklus nicht dominieren werden und dass die Konfrontation mit anderen Mitteln, als den zuletzt geschilderten, ausgetragen wird.