Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3116

Flug in die Freiheit – von Kai Hirdt
Die Meute Jochzor hat die CLAUDIA CHABROL unter ihre Kontrolle gebracht und das Solsystem verlassen. Die Jäger FENERIKS gehen davon aus, zwei der Deserteure getötet zu haben, als sie eine der Korvetten auf den Uranus-Mond zum Absturz brachten. Der dritte Deserteur wurde ebenfalls getötet. Seine Leiche ist an Bord und sein Gehirn kann nach Rückkehr zum Chaoporter ausgewertet werden. Zumindest ist das die Annahme des Anführers der Munuam. Jochzor weiß nicht, dass die vermeintliche Leiche nur ein Bio-Velamen von Aurelia Bina ist. Die Posmi ist schwer beschädigt. Durch Maßnahmen der Mehandor Aoshana werden ihre Reparatur-Routinen gestartet. Aurelia erlangt die Kontrolle zurück. Ihre Prioritäten gelten dem Schutz der Liga und dem Schutz der Besatzung des Medo-Schiffes. Über Aoshanas Kommunikationsgerät hat die stellvertretende TLD-Chefin Kenntnis von Fedor Grimms neuen Plan. Die Meute soll an einem erfolgreich ausgeführten Plan glauben und zum Chaoporter zurückkehren dürfen. Das Problem dabei ist der Velamen. Wird die Leiche analysiert, werden die Jäger schnell erkennen, dass sie hereingelegt wurden. Dann droht dem Solsystem Gefahr. Die Bio-Hülle muss zerstört werden und es muss wie ein Unfall aussehen.
In der Zentrale der CLAUDIA CHABROL kämpft Kommandant Bekim Ballard für seine Besatzung. Jochzor hat bereits seine Stellvertreterin ermordet und Ballard tut alles, um die anderen Crew-Mitglieder zu retten. Er wird mit sehr ungewöhnlichen Eigenschaften der Munuam konfrontiert. Alleine der Begriff Freiheit hat für dieses Volk eine ganz andere Bedeutung. Bei seinen Gesprächen mit Jochzor erfährt Ballard auch ein wenig über den Chaoporter. Von der Zentrale aus können sowohl Jochzor als auch Ballard ungewöhnliche Aktivitäten an Bord feststellen. Beide wissen nicht, dass mit Aurelia Bina eine Gegnerin an Bord ist, die es mit den Munuam aufnehmen kann. Ihre Aktivitäten könnten die Besatzung gefährden. Bekim Ballards Loyalität wird auf eine schwere Probe gestellt.
 
Dieser Roman scheint nun das Finale der Meute Jochzor zu sein. Obwohl sich diese Handlung über mehrere Romane erstreckt, wirkt die Thematik nicht gestreckt. Alle beteiligten Autoren haben tolle Geschichten geschrieben. Kai Hirdt brennt im Finale ein Feuerwerk ab. Einen Gesichtspunkt will ich an den Anfang stellen. Als Leser werde ich bei allen gezeigten Blickwinkeln über alle Geschehnisse nicht im Unklaren gelassen. Der Autor schildert alle Ereignisse transparent für den Leser. Der ist immer auf der Höhe der Handlung. Rückblickend überlege ich, ob dies ein Aspekt ist, der in diesem Zyklus häufiger zum Einsatz gekommen ist, als in vorausgegangen Zyklen.
Die in der Serie manchmal an den Tag gelegte Geheimnistuerei ist beinahe schon ein Markenzeichen. Einerseits wollen die Autoren verhindern, dass in der Hauptstory, die über 100 Hefte geht, zu früh Rätsel gelöst werden. Andererseits hat dieser Stil auch auf manche Romane durchgeschlagen. Der Aha-Effekt trat oftmals erst auf den letzten Seiten eines Romans auf. An diesem Stil scheint sich etwas geändert zu haben. der Zyklus kommt bei mir gut an. Die Romane unterhalten mich gut. Die Geschehnisse sind direkter, die Handlung ist fokussierter. Der Leser ist dichter am Geschehen.
Wie dem auch sei, Kai Hirdts Figuren haben Pläne und sie werden dem Leser mitgeteilt. Die Umsetzung der Pläne scheitert zuweilen. Es werden neue geschmiedet und auch diese werden durch Maßnahmen der anderen Partei gestört, bzw. erneut zum Scheitern gebracht. Unbeirrt verfolgen die Figuren in dieser sehr actionreichen Geschichte neue Ziele. Der Spannungsbogen bleibt hoch und gipfelt in einem Showdown. Dieser Entscheidungskampf wiederum ist ein spannendes Auf- und Ab. Die Munuam und ihre Möglichkeiten werden im Finale sicherlich nicht voll ausgeschöpft. Ein wenig muss der Autor die Meute einbremsen, um seine Ziele zu erreichen. Aber damit kann ich leben.
In die Handlung um Bekim Ballard fließen weitere Elemente ein. Loyalität ist hier ein herausgehobenes Element. Sowohl bei Ballard, als auch bei den Munuam. Die Informationen über den Chaoporter zeigen ein ungewöhnliches System. Die Serie hat bisher die Antwort auf die Frage, was die Chaosmächte anstreben, was sie motiviert, offen gelassen. Es scheint zumindest kein Zustand von vollständiger Unordnung oder Verwirrung angestrebt zu werden. Diese Chaosdiener, wobei der Begriff Diener bei Jochzor schon Missfallen auslöste, verfolgen wohl etwas anderes. Und sie haben einen speziellen Weg gewählt. Welcher das ist, wird in der Beantwortung sicherlich noch etwas auf sich warten lassen. Aber es strahlt Faszination aus.