Articles for the Month of April 2021

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3112

Ein Kastellan für Apsuhol – von Michelle Stern
Die beiden Glasfischer Stashiu Bondarenko und Bonella Krueger haben auf Tarhuwant den Kastellan Kokuloón gefunden. Der Calurier heilt die lebensgefährlich verletzte Bonella Krueger in seinem Singular-Physiotron. Kokuloón bittet die beiden Glasfischer, ihn zu begleiten. Der Fug mit der Sextadim-Kapsel TRYM geht nach Themis. Dort liegt auf dem Kontinent Präland das Blaue Mausoleum. Eine Erinnerungsstätte an die Erste Menschheit, die vor Jahrzehntausenden hier siedelten und deren Existenz durch einen Angriff der Bestien ausgelöscht wurde. Obwohl Bonella Krueger dem Kastellan ihr Leben verdankt, bleibt sie misstrauisch. Im Blauen Mausoleum, wo sich Kokuloón Informationen beschaffen will, bedroht sie den Calurier. Der lässt sich wenig beeindrucken. Stattdessen erzählt er seine Geschichte.
Kokuloón wurde mitten im Krieg der Lemurer gegen die Bestien geboren. Dies muss in der Nähe von Tarhuwant gewesen sein, der damals Hoshnar hieß. Den Tar-Splittern in der Atmosphäre des Gasriesen verdankt er seine besondere Fähigkeit. Er ist Konsequenztelepath. Kokuloón kann mehr als nur Gedanken lesen. Er ahnt, wohin die Gedankengänge anderer führen und welche Konsequenzen sich ergeben. Seine Fähigkeit nutzt er zur Rettung von Lemurern, die von Bestien angegriffen werden. Zu ihnen gehört auch Belnyse. Die Lemurerin wird seine erste Liebe. Er rettet auch einen Dolan, von dem die Calurier damals ausgingen, dass es sich um eine Züchtung der Bestien handelt. Jahrtausende später tritt der Dolan unter dem Namen JASON wieder in Erscheinung. Diese Tat, dass ein Calurier einem vermeintlichen Feind hilft, erregt auch die Aufmerksamkeit von ES. Ein Robotraumschiff der Superintelligenz macht Kokuloón ein Angebot. Er soll als Kastellan für zukünftige Bedrohungen parat stehen. Kokuloón geht diesen Pakt ein.
 
Obwohl hier von der Autorin Michelle Stern die Lebensgeschichte eines Kastellans erzählt wird und damit sehr wahrscheinlich eine Figur charakterisiert wird, von der noch einige Auftritte zu erwarten sind, bleibt nach der Lektüre bei mir mehr von Belnyse in Erinnerung. Die Autorin schildert die Rettung Belnyses aus der Sicht der jungen Lemurerin. Kokuloón ist anfangs nur mehr ein hübsches Gesicht in der Menge, dem Belnyse ihr Leben verdankt. Wie Hunderte andere auch. Belnyse trifft am Anfang eine einsame Entscheidung. Sie bleibt an Bord des zum Wrack geschossenen Fluchtschiffes und sucht Zuflucht in ihrer Musik. Die Rettung durch Kokuloón kommt überraschend. Sein Name wird auch schnell verraten und als Leser weiß man dadurch, dass aus ihm mal ein Kastellan werden wird.
Doch bis zur Erklärung, warum ausgerechnet dieser junge Mann ein Auserwählter werden sollte, dauerte es eine Weile. Das meine ich nicht negativ. Schließlich muss sich der Calurier zunächst bewähren. Seine Fähigkeit der Telepathie gereicht ihm dabei allerdings nicht, um an Lebenserfahrung zu gewinnen. Diese Anschübe kommen meist von außen. Was auch nicht negativ ist. Wir sind Produkte unserer Umwelt. Kokuloón ist mit einer Parakraft gesegnet und mit Freunden und Wegbegleitern, die ihn in die richtige Spur bringen. Wie beispielsweise Wiesel, der eigentlich Tonnulión heißt und ihm die Schüchternheit nimmt. Oder eben Belnyse, der er seine Geheimnisse anvertrauen kann. Belnyse ist es wiederum, die den Ton angibt, die sich für ihn oder gegen ihn entscheidet.
Seine Fähigkeit der Telepathie ist es, mit der Kokuloón den Dolan einschätzen kann und in ihm keinen Feind erkennt. Die Frage stellt sich, wie hätte der junge Calurier gehandelt, hätte er nicht diese Fähigkeit gehabt? Die positiven Eigenschaften, die ES in ihm sieht, sind für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich. Wenn die Fähigkeit der Telepathie bei Kokuloón erst später geweckt worden wäre und er seine selbstlose Tat ohne spezielle Fähigkeit ausgeführt hätte, dann hätte dies den Charakter der Figur stärken können. Aber, wie gesagt, Kokuloón bleibt trotz dieser Lebensgeschichte ein wenig flach.
Ansonsten ist der Roman wunderbar geschrieben. Gut eingefangene Gefühle und eine schöne Romanze. Auch die Nebenfiguren leben in dieser Geschichte. Der Roman klärt die Herkunft des Dolan JASON. Das wurde in früheren Romanen nicht erklärt. Siehe bspw. Nr. 2795 „Ockhams Welt.“ Der Hinweis auf ein Robotraumschiff von ES an der Bleisphäre, das jenem vergleichbar ist, von dem Kokuloón seine Berufung erhält, kann ich allerdings nicht so richtig verorten. Stashiu Bondarenko erinnert sich an Gerüchte, man hätte eines an der Bleisphäre gesichtet. Damals, als die Cairanische Epoche zu Ende gegangen war. Dieser Handlungsfaden wurde m.E. nie aufgelöst. Falls das jetzt eine Fortsetzung erfährt, bin ich gespannt.
Schöner Roman mit starken Figuren. Nur Kokuloón hat nicht ganz die Präsenz, die ich von dieser Figur erwarte.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3111

Die Glasregenwelt – von Hubert Haensel
Stashiu Bondarenko ist ein Glasfischer, der auf Tarhuwant, einem Gasriesen im Messiersystem, seine Netze nach Glaspartikeln auswirft. Diese Silikate enthalten geringe Mengen von Hyperkristalleinschlüssen. Zu wenig, um damit Profit zu machen. Allerdings wirken sich die sogenannten Tar-Splitter positiv auf die Psyche von Lebewesen aus. Bondarenko, der auf dem Mond Euponia des zweiten Planeten Themis lebt, plant einen Beutezug in der von gigantischen Stürmen gepeitschten Atmosphäre von Tarhuwant. Doch er muss vorsichtig sein. Die Konkurrenz schläft nicht. Insbesondere die Glasfischer Ahab und Bonella Krueger lassen keine Gelegenheit aus, Konkurrenten aus dem Feld zu werfen.
Nach wochenlangen Vorbereitungen lässt sich Stashiu Bondarenko von der Fähre, die seine Crew steuert, über Tarhuwant ausschleusen. Sein Trawler ist eine Spezialkonstruktion, die den Gewalten in der Atmosphäre des Riesenplaneten trotzen kann. Während sich Bondarenko alleine wähnt, kommt ihm der Trawler von Bonella Krueger gefährlich nahe. Die Systeme seines Trawlers versagen und der Glasfischer legt eine Bruchlandung hin. Sein Spezialschiff muss er aufgeben. Nur durch den SERUN geschützt, ist er auf Hilfe angewiesen. Er entdeckt, dass auch Krueger abgestürzt ist und schwer verletzt wurde. War sie gar nicht für den Ausfall seiner Technik verantwortlich? Die beiden Glasfischer müssen ums Überleben kämpfen und machen auf dem Planeten dabei eine ungewöhnliche Entdeckung. Sie begegnen einem Kastellan.
 
Der Roman von Hubert Haensel beflügelte meine Fantasie bereits mit dem Lesen des Titels. Die Glasregenwelt klang sehr geheimnisvoll. Der Autor führt auf den ersten beiden Seiten seinen Protagonisten mit ein paar schönen Beschreibungen ein. Die Zeitlosigkeit der „blauen Stunde“, dazu die Leidenschaft der Figur gegenüber dem innersten Planeten, die Stashius Weg zum Glasfischer bereitete. Danach allerdings erhielt meine Fantasie einen herben Dämpfer. Noch bevor die Geschichte richtig begonnen hatte, missachtet der Autor den Ratschlag für Autoren, der da heißt: „Show, don‘t tell“ und knallt mir auf ein, zwei Seiten alles an den Kopf, was ich als Leser gerne durch den Protagonisten „erlebt“ hätte. Der Autor schreibt alles „runter“, was es zur Glasregenwelt und dem Beruf des Glasfischers zu sagen gibt. Emotionen und Assoziationen wurden mit diesem Aufbau nicht geweckt. Noch bevor also die Hauptfigur ihrer „Tätigkeit“ nachging, war bei mir als Leser die Luft raus. Aufgrund des Untertitels war zu vermuten, dass die Begegnung mit dem Kastellan den Schwerpunkt von Hubert Haensels Roman darstellen würde. Und das Ambiente für den Autor eher zweitrangig war.
Die Begegnung mit dem Kastellan kommt dann im letzten Fünftel der Geschichte vor. Den Weg dorthin füllt der Autor mit einigen Anekdoten, die den Konkurrenzkampf der Glasfischer zum Inhalt hatten. Dann, endlich, wird der Glasfischer auch bei seinem Beutezug geschildert. Wie erwähnt, zu spät. Als Leser konnte man sich daher schon mal auf den Absturz einstellen. Die Figur des Caluriers entfaltete auch keine Faszination. Eine, wie es scheint, einfache Figur, der man zwar technologische Machtmittel zur Verfügung stellte, die aber schon jetzt irgendwie vom Geschehen überfordert wirkt.
Der Romanaufbau war unglücklich. Am Anfang hätte ein kleiner Beutezug des Protagonisten Stashiu Bondarenko stehen können, der ihm vielleicht die beiden Tar-Splitter einbrachte, die er dann bei seinem Streifzug durch die Stadt auf dem Mond einsetzen konnte. Zur Charakterisierung des Glasfischers waren die Rückblicke auf seine Schwester unnötig und wirkten auch ein wenig deplatziert. Der Roman verschenkt Potential.
 

Ansichten zur Miniserie Wega Heft 02

Die Rollende Stadt – von Ben Calvin Hary
Perry Rhodan, Reginald Bull, Gucky und Gillian Wetherby sind durch den Transmitter gegangen. Aber sie werden getrennt. Zusammen mit der Raumjägerpilotin aus der Zeit der Dritten Macht materialisiert Perry Rhodan an einem unbekannten Ort. Ein riesiger Saal nimmt sie in Empfang, und als sie ihn verlassen, geraten sie in eine fremde Welt, die sich als gigantische Kaverne entpuppt.
Zur gleichen Zeit steht Quingarts Erlösungszeremonie an. Traditionell soll die Willkommenheißerin aus dem Volk der Oigan am 9999. Tag ihr Leben beenden. Doch die Ankunft zweier Fremder unterbricht die Zeremonie. Wütend eilt Quingart zur Halle der Willkommnung. Doch die beiden Fremden haben den Ort bereits verlassen und da sich die Halle ständig an einem anderen Ort befindet, kann Quingart ihnen nicht folgen. Doch plötzlich erscheint ein dritter Fremder im Empfangstransmitter. Der Fremde stellt sich als Krakatau vor, der seine Freunde sucht. Quingart soll ihn dabei unterstützen.
Perry Rhodan und Gillian Wetherby sind inzwischen in das pralle Leben von Fementa-Oist eingetaucht. Die Stadt bewegt sich und wird deshalb als Rollende Stadt bezeichnet. Die darin lebenden Oigan sind Kängurus nicht unähnlich. Die Wesen haben einen hohen Stoffwechsel. Sie sprechen sehr schnell und sind ständig am Essen. Die beiden Besucher haben es nicht leicht, an Informationen zu kommen. Die Oigan sind zwar an Fremde gewohnt. Gleichzeitig jedoch herrschen Tabus, die es ihnen verbieten Fragen zu beantworten. Dem Unsterblichen bleibt immerhin so die Zeit, ein wenig von der Lebensgeschichte Wetherbys zu erfahren.
Es gelingt Perry Rhodan dann doch, ein Ziel zu identifizieren. Das Innenkanton soll erreicht werden. Rhodan und seine Begleiterin ahnen nicht, dass Krakatau ihnen dicht auf den Fersen ist. Ihre Wege kreuzen sich schließlich und Rhodan braucht alle Hilfe um gegen seinem Verfolger zu bestehen.
 
Die Geschichte von Ben Calvin Hary wirft den Leser übergangslos in eine fremde Welt. Bevölkert von känguruartigen Wesen mit seltsamen Riten und Gebräuchen. Wetherby drückt es etwas anders aus, wenn sie bemerkt, dass die Leute hier wohl ziemlich verfressen sind. Erfreulicherweise verzichtet der Autor darauf, die Geschehnisse aus dem Auftaktband zu wiederholen. Zwei, drei Beobachtungen und Rückblicke von Perry Rhodan lässt der Autor zu und legt seiner Figur dann in den Mund, die Ereignisse einfach so zu akzeptieren. Sowas gefällt mir, wenn dem Leser auch etwas zugetraut wird. Der Roman beginnt also aus Sicht von Quingart, die sich darauf freut, ihrem Leben nach alter Tradition endlich ein Ende setzen zu dürfen.
Und wie so häufig stört unser Held durch sein Erscheinen die Abläufe gewaltig. Das erste Kapitel mit der Figur Quingart strotzt nur so von Details und von neuen Begriffen, bzw. auf eine fremdartige Kultur anwendbarer Begriffe. Beinahe schon etwas zu viel des Guten. Eine atmosphärisch dichte Story stellt sich erst nach und nach ein. Wetherbys schnoddriger Auftritt, gepaart mit Rhodans Erfahrung lässt stellenweise ein schönes Bild dieser Kultur entstehen. Das Lokalkolorit stellt sich sogar dann ein, wenn sich Quingart an der Seite von Krakatau auf die Suche nach Perry Rhodan und Gillian Wetherby macht. Denn der Jäger ist anfänglich zahm. So zahm, dass ich schon glaubte, im ersten Heft etwas überlesen zu haben. Und so überwiegen auch in diesen Passagen die Beschreibungen des fremden Ortes. Es dauert ein wenig, bis der Autor die Zügel anzieht und Krakatau auch als Bösewicht agieren lässt.
Die erwähnten Details führen an der einen oder anderen Stelle zu Widersprüchen. Hauptsächlich bezog sich das zunächst auf die Verwendung der Transmitter. Hier verwendet der Autor mal den Begriff Fiktivtransmitter und dann mal wieder Käfigtransmitter. Zur Erinnerung: Ein Fiktivtransmitter benötigt kein Empfangsgerät. Der Autor schreibt jedoch etwas anderes. Sehr amüsant empfand ich auch einige Textpassagen, die beinahe schon Paradoxien enthielten. Wer das Scherzgedicht „Dunkel war’s, der Mond schien helle …“ kennt, weiß, was ich meine. Es ist eine Abfolge widersprechender Aussagen. Nach der Ankunft im Transmitter massiert Rhodan Wetherbys Nacken. Fransen ihres lockigen Haars, pechschwarz und militärisch kurz geschnitten, verfingen sich zwischen seinen Fingerspitzen. Na so kurz sind die Haare wohl doch nicht. An anderer Stelle: Sie blieb stehen, salutierte und sah dabei auf ihre Stiefelspitzen. Wer schon mal salutiert hat, weiß, wie schwer es sein dürfte, dabei auf die eigenen Stiefelspitzen zu sehen.
Es gibt noch mehr solcher Textstellen, die mehr einem Scherzgedicht und weniger an Spannungsliteratur erinnerten. Am Ende zieht das Geschehen an. Bevor Lakramiel stirbt, verrät er Rhodan den Standort des Transmitters im hintersten Zugabteil und dass nur Quingart ihn aktivieren könnte. Darüber würde der Weg zum Innenkanton gehen. Doch diese Info vergisst Rhodan sogleich wieder. Er fragt die Willkommenheißerin nach dem Standort des Geräts, den sie nicht kennt und er schon wieder vergessen hat. Okay, die beiden haben ihn dann auch so noch gefunden. Warum Krakatau seine sensorischen Fähigkeiten erst am Ende der Geschichte einsetzt, bleibt unklar. Plötzlich kann er alle elektromagnetischen und hyperenergetischen Frequenzen scannen. Und im Sextadimband wird er fündig.
Rhodan vernimmt in seinem Kopf das homerische Gelächter von ES und einige zielgerichtete Gedanken. Wenn diese Botschaften auch an Krakatau gerichtet werden, dann lässt seine Antwort „Selbstverständlich … Vater“ Rückschluss auf seine Herkunft zu. Er muss demnach ein Geschöpf von ES sein.
Eine unterhaltsame Story mit einigen Aufs und Abs.