Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3100

Sternenruf – von Christian Montillon / Wim Vandemaan
Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der cairanischen Epoche hat sich die Lage stabilisiert. Im Jahre 2071 Neuer Galaktischer Zeitrechnung hat sich die Milchstraße neu geordnet. Das Tamanium gehört, ebenso wie die Liga und die akonische Räterepublik der Lemurischen Allianz an. Die Arkoniden haben die Kristallrepublik gegründet. Kristallkanzler ist Markul agh Fermi. In der Eastside hat sich die Herrlichkeit von Gatas gebildet. Ein Zusammenschluss der früher zerstrittenen Jülziish.
Ende Mai 2071 NGZ treten kurz hintereinander drei Ereignisse ein, die möglicherweise im Zusammenhang stehen. Resident Reginald Bull hat plötzlich Stimmen in seinem Kopf, auf dem Mars kommt es zu einem hyperenergetischen Phänomen, dem so genannten Mars-Impakt und im Tannhäusersystem tut sich eine Raumanomalie auf, die Kluft.
Perry Rhodan hält sich auf Terra auf, als er von Reginald Bulls Audition erfährt. Mediker untersuchen den Unsterblichen, können jedoch keine Veränderungen feststellen. Auch Iwán Mulholland erkennt nichts, was über Bulls eigene Gedankengänge hinausgeht. Gegenüber Perry Rhodan vertraut Bull an, der Ruf käme von den Sternen. Er hat einem Astrophysiker seine Eindrücke geschildert. Der Ruf kommt aus Richtung Andromeda.
Die aus der anderen Seite des Dyoversums stammende Anzu Gotjian tritt unterdessen ihre neue Stelle als Beraterin der Schiffskommandantin eines Explorerschiffs an. Die PINO GUNNYVEDA wird im Tannhäusersystem alsbald mit einer Raumanomalie konfrontiert. Anzu hat mit ihren Paragaben diese Anomalie schon vorher „sehen“ können. Die Kluft ist ein Loch im Weltall, in dem keine Sterne zu sehen sind. Die Kluft dehnt sich auf mehrere Kilometer aus. Sonden können darin eingeschränkt operieren. Perry Rhodan wird informiert. Verbindet man das Tannhäusersystem über eine Linie mit dem Solsystem und verlängert diese Linie, dann wird eine Satellitengalaxis von Andromeda erreicht. Andro-Eta, auch Cassiopeia genannt.
Im Solsystem kommt es zu einem weiteren Ereignis. Sichu Dorksteiger auf der RAS TSCHUBAI berichtet vom Mars-Impakt. Im Sirenenmeer des Mars sind fünf- und sechsdimensionale Impulse mit einer Zeitdauer von 129 Sekunden angemessen worden. Die RAS TSCHUBAI fliegt mit Perry Rhodan dorthin. Sonden entdecken in großer Tiefe ein tropfenförmiges Objekt, das langsam aufsteigt. Kontaktversuche scheitern. Als Gucky in die Nähe teleportiert, verschwindet das Objekt spurlos. Der Ilt berichtet von einer merkwürdigen telepathischen Wahrnehmung, die ihn an Pedotransferer erinnert.
Die PINO GUNNYVEDA ist indes in die Kluft eingeflogen und registriert ein Schiff, das sich schwer beschädigt aus den Tiefen der Anomalie nähert. Ein Stoßtrupp mit Anzu Gotjian geht an Bord des Wracks. Dort wird gekämpft. Das Schiff gehört Händlern aus Andromeda, die drei besondere Kunden befördern. Bei den Kunden handelt es sich um Deserteure des Chaoporters FENERIK. Die Deserteure haben mit Hilfe eines geheimnisvollen Aggregats die Kluft geschaffen und den Flug darüber in die Milchstraße bewerkstelligt. Ihr Ziel ist ein Resonanz-System in der Milchstraße, das auf die Havarie des Chaoporters reagiert hat. Das Ziel entpuppt sich als das Solsystem. Sie wollen dort um Asyl bitten. Doch sie werden verfolgt. Die Laichkangen bedrohen sie. Der Stoßtrupp verhilft den drei Deserteuren zur Flucht.
Die Deserteure werden ins Solsystem gebracht. Verhörspezialisten sollen ihre Geschichte prüfen. Am 8. Juni bricht Perry Rhodan mit der RAS TSCHUBAI nach Cassiopeia auf.
 
Zu Beginn des neuen Zyklus steht wieder mal ein Roman, der von zwei Autoren geschrieben wurde. Das ist in letzter Zeit häufiger der Fall gewesen. Warum macht man das? Früher war das wohl eher aus der Not geboren, weil ein Autor aus welchen Gründen auch immer, den begonnenen Roman nicht zu Ende schreiben konnte. Nun wird immer häufiger auf diese Zusammenarbeit zurückgegriffen. Zwei Autoren, d.h. auch zwei verschiedene Stile, zwei verschiedene Weisen eine Handlung voranzutreiben, zwei verschiedene Ideengeber, zwei verschiedene Ansichten zu den Inhalten der Geschichte usw. Vielleicht geht es den Machern darum, „für jeden Leser etwas“ zu bieten, wenn man den Roman von mehreren Autoren schreiben lässt. Das birgt natürlich auch die Gefahr der Gleichschaltung. Was bleibt von unterschiedlichen Autoren, wenn sie sich zusammenraufen müssen? Wer gewinnt, wer verliert?
Mir stellt sich gleich noch eine weitere Frage. Die Frage nämlich, ob man Jubiläumsbände noch bewerten kann? Oder sie bewerten darf? Doppel-Null-Romane sind Hybride. Einerseits eröffnen sie einen neuen Zyklus und damit eine neue, über 100 Romane (durch)gehende Geschichte. Andererseits sind sie Einstiegspunkte für neue Leser. Sie sollen Lesern, die der Serie schon länger folgen etwas Neues bieten. Und sie sollen Neulinge nicht abschrecken. Das über tausende von Romanen gewachsene Perry Rhodan-Universum stellt eine Herausforderung dar. Wie bewertet man Hybride? Ist es positiv, wenn sie es beiden Seiten Recht machen? Oder ist es negativ zu bewerten, eben weil sie es beiden Seiten Recht machen?
Nach der Lektüre kann ich sagen, dass dem Muster, einen Roman abzuliefern, der beiden Seiten gerecht wird, in diesem Jubiläumsband 3100 nicht gefolgt wird. Der Roman ist für Alt-Leser geschrieben. Die meisten notwendigen Erläuterungen beziehen sich auf den übersprungenen Zeitraum von 25 Jahren und den Veränderungen in der Milchstraße. Gefällt mir. Sorry, liebe Neu-Leser, da müsst ihr durch.
Zur Story selbst. Der Roman folgt den drei nahezu zeitgleich auftretenden Ereignissen mit unterschiedlicher Gewichtung. Dazwischen gibt es Einsprengsel. Sie dokumentieren eine Periode des Friedens und eine positive Zukunft. Inwieweit diese Einblicke unterschiedlicher Milchstraßenbewohner durch die Ereignisse dieses Romans bereits Makulatur sind, bleibt abzuwarten. Zu dem in Heft 2716 erwähnten „Projekt von San“ zumindest, wird es wohl auch in absehbarer Zeit nicht kommen. Und ob die abgespeckte Variante einer positiven Zukunft in der Zusammenarbeit der Milchstraßen-Völker auch Bedrohungen Stand hält, bleibt ebenfalls abzuwarten.
Auch in anderer Hinsicht folgt Band 3100 nicht bekannten Mustern. Es scheinen keine Figuren für längere Zeit geparkt zu sein. Alles was Rang und Namen hat, ist aktiv. Auch Reginald Bull. Letzte Woche kommentierte ich Bulls Entwicklung im vergangenen Zyklus und zeigte mich enttäuscht. Strafen mich die Exposé-Autoren nun Lügen? Ist der Resident durch den chaotarchisch geprägten ZA nun empfänglich für Botschaften der Chaosmächte? Auch das bleibt abzuwarten. Und meine Enttäuschung in der Figurenentwicklung bezog sich nicht alleine auf diesen Aspekt. Vielmehr sah ich den langen Zeitraum, den Bull ohne die meisten seiner alten Freunde durchlebte, als Kritikpunkt, bzw. was dies aus der Figur gemacht hat, bzw. eben nicht gemacht hat.
Weg von den Figuren, hin zur Handlung. Am Anfang entwickelte sich die Story für mich etwas holprig. Hoschpians Chroniken leiteten ein, die Flucht vom Chaoporter folgte, Bulls erste Wahrnehmung des Sternenrufs, gefolgt von Perry Rhodans Einführung, dann einer der „Positive-Zukunft-Einschübe“ und die Kluft. Sechs Blickwinkel auf sechs Romanseiten. Die schnellen Wechsel blieben noch einige Zeit erhalten und erschwerten etwas das Eintauchen in die Geschichte. Zur Romanhälfte wurde die Gewichtung geändert und außerdem die unterschiedlichen Elemente miteinander verknüpft. Die Ereignisse in der Kluft wurden länger beschrieben und bekamen mehr Action. Die Erkenntnisse aus den drei Ereignissen wurden von den Figuren kurz und bündig interpretiert, mit wissenschaftlichen Fakten unterlegt und mit politischem Segen in Aktionen umgesetzt. Sowas lese ich gerne, weil ich es immer mal wieder vermisst und deshalb gefordert habe. In dieser Konzentration war das beinahe schon unheimlich.
Bleibt noch die Antwort auf die Frage, wie ich das Zusammenspiel der beiden Autoren empfinde. In Band 3000 war das noch klar. Allerdings wurde da auch im Vorfeld verraten, wer welchen Part geschrieben hatte. Für diesen Roman kann ich nicht mit Sicherheit sagen, welche Handlung Montillon und welche Vandemaan verfasst haben. Christian Montillon würde ich eher auf die Beschreibungen in der Kluft verorten. Wim Vandemaan bei Szenen, in denen Perry Rhodan die Hauptrolle einnimmt. Nicht alleine wegen dem Hut, den der Held trägt. Unabhängig davon, ob ich das richtig sehe, stellt der Roman einen Kompromiss dar. Er bot gute Unterhaltung. Einen nur von Wim Vandemaan geschriebenen Roman würde ich dennoch den Vorzug geben.
Bleibt noch eine Merkwürdigkeit. Perry Rhodan bricht auf, bevor die geflohenen Besatzungsmitglieder des Chaoporters erschöpfend ausgefragt werden konnten. Oder wird das erst in die nächsten Romane als Rückblende eingeflochten? Ist aber auch typisch Perry Rhodan. Schon mal losfliegen und selbst Erkenntnisse sammeln. Man könnte auch sagen, es werden Informationen zurückgehalten, um die Spannung zu erhalten.
Ein solider Zyklusauftakt mit vielen interessanten Rätseln. Doch nun folgt der schwierige Part. Die Spannung bis 3199 aufrechtzuerhalten, den Faden nicht zu verlieren und die Story überzeugend zu einem Ende zu bringen.

 

Update: Auch zu Heft 3100 konnte man ein Poster im Format DIN A3 bekommen. Die Redaktion versendete es kostenlos.